Elam (Altertum)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Reich Elam (sumerisch NIM.MAKI, akkadisch KURElammatum; griechisch Aylam) mit der Hauptstadt Susa (bzw. Schusim) lag östlich des Tigris in einem Gebiet, das heute Chusistan (im heutigen Iran) genannt wird. In seiner wechselvollen Geschichte wurde es immer wieder von den Mächten des Zweistromlandes (Sumerer, Akkader, Babylonier, Assyrer) erobert und fiel seinerseits häufig in Mesopotamien ein.

Karte von Elam

Der Landesname Elam entstammt der griechischen Bezeichnung Aylam, die wiederum dem hebräischen Wort Elam entlehnt wurde. Die Eigenbezeichnung war Haltamti/Hatamti und bedeutet Königsland/Fürstenland.

Geschichte[Bearbeiten]

Der fruchtbare Halbmond um 2000 v. Chr.

Hauptsiedlungsgebiet der Elamiter war das Flachland im Südwesten des heutigen Iran, welches im Wesentlichen die heutigen Provinzen Ilam, Chuzestan und Luristan umfasste. Zum Gebiet des alten Elam gehörte weiter im Osten auch das Bergland um Anzan, was Teile der heutigen Provinz Kohgiluyeh und Boyer Ahmad und den Westen von Fars umfasst.

Proto-Elamisch[Bearbeiten]

Die Sprache der Elamiter war, wie die der Sumerer, weder indoeuropäisch noch semitisch. Um 3500 v. Chr. entstanden die ersten städtischen Zentren. Zwischen 3450 v. Chr. und 3100 v. Chr. erfolgte der Aufstieg des sumerischen Stadtstaates Uruk parallel zur Weiterentwicklung Susas zum politisch und religiösen Zentrum in Elam. Aus dieser Epoche stammen die ältesten Schriftdokumente in proto-elamischen Strichschrift. Die Entwicklung der Schriftsysteme erfolgte in Sumer und Elam unabhängig voneinander.

Aus dem elamischen Bergland bezogen Sumerer und Babylonier Bauholz, Steine, Erze und Pferde. Die Elamiter waren auch Meister des Metallgusses.

Alt Elamitische Priode[Bearbeiten]

Zwischen 2500 v. Chr. und 1500 v. Chr. gab es drei Herrscherdynastien: die Könige von Awan, von Simaš und die sogenannten Großregenten oder Epartiden.

Der erste bedeutende Herrscher, von dem nennenswerte Nachrichten überliefert sind, war Puzur-Inšušinak, der um 2300 v. Chr. regierte, diverse Städte eroberte und vor allem Texte in der elamitischen Schrift verfassen ließ.

Mittel Elamitische Periode[Bearbeiten]

König Untasch-Napirischa, der der Dynastie der Igehalkiden angehörte, erbaute um 1250 v. Chr. eine neue Hauptstadt (Tschoga Zanbil).

Das Reich war bundesstaatlich organisiert: an der Spitze stand ein Oberkönig, dem mehrere Vasallenfürsten unterstanden. Dessen Stellvertreter (Vizekönig) war sein nächstjüngerer Bruder; Fürst von Susa war der Sohn des Oberkönigs. Starb der Oberkönig, wurde keineswegs sein Sohn der Nachfolger, sondern der Vizekönig und an dessen Stelle rückte dann wieder der nächstjüngere Bruder. Somit waren Streitigkeiten innerhalb der Herrscherfamilien kaum zu vermeiden – oftmals stürzte der Vizekönig seinen älteren Bruder und erlangte so die Herrschaft.

Den Höhepunkt seiner Machtentfaltung erreichte Elam dann aber unter der Dynastie der Schutrukiden (12. Jahrhundert v. Chr.). Schutruk-Nahhunte (1185 bis 1155 v. Chr.) eroberte hunderte babylonischer Orte, darunter Babylon selbst und Sippar, und legte den Besiegten den gewaltigen Tribut von 120 Talenten Gold und 480 Talenten Silber auf. Die berühmte Gesetzesstele des Hammurapi I. (mit dem Kodex Hammurapis) wanderte in die Stelensammlung des Königs in der Hauptstadt Susa, wo sie über drei Jahrtausende später von französischen Archäologen wieder freigelegt wurde. Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. unterlag Hutelutuš-Inšušinak den Babyloniern unter Nebukadnezar I.; in den folgenden drei Jahrhunderten liegen keine weiteren Nachrichten über Elam vor.

Neu Elamitische Periode[Bearbeiten]

Seit der Mitte des achten Jahrhunderts, mit Humban-igaš I., fließen die Quellen wieder reicher, da sich Elam in einem stetigen Kampf gegen das aufstrebende Reich der Assyrer befand und diese von den Ereignissen genau berichten. Königliche Residenz war nun meist Madaktu, eine Stadt, die vielleicht leichter zu verteidigen war und deshalb besseren Schutz als Susa bot.[1] Die Elamiter unterstützten zusammen mit den Aramäern den Chaldäerfürsten Merodach-Baladan von Bit Jakin, so dass dieser 721 v. Chr. König von Babylon werden konnte.

In dieser Zeit folgte ein langsamer Niedergang, der seinen Abschluss in der endgültigen Vernichtung des elamischen Reiches durch den Assyrerkönig Assurbanipal um 640 v. Chr. fand.

Elam im Achämenidischen Reich[Bearbeiten]

Im 6. Jahrhundert v. Chr. ging Elam im persischen Weltreich auf und spielte als dritte Satrapie neben Persien und Medien noch immer eine bedeutende Rolle. Seine Geschichte ist seitdem untrennbar mit der Geschichte des Iran verbunden. Von den Griechen wurde diese Provinz Elymais genannt, das unter den Parthern sogar wieder eine gewisse politische Rolle spielte und wohl auch zeitweilig unabhängig war.

Über letzte Ausläufer der elamischen Sprache berichten arabische Chronisten um das Jahr 1000 n. Chr.

Sprache[Bearbeiten]

Die elamische Sprache – auch Elamitisch genannt –, die mit keiner anderen des alten Orients verwandt ist, war eine der offiziellen Sprachen des Perserreiches. Dareios I. ließ fast alle Inschriften dreisprachig verfassen: Altpersisch, Elamisch und Babylonisch.

Mythologie[Bearbeiten]

Hauptgottheiten waren Pinikir (die mit der babylonischen Ischtar gleichgesetzt wurde), Humban, Inšušinak (ursprünglich der Stadtgott Susas), und der Sonnengott Nahundi.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Walther Hinz: Das Reich Elam. Kohlhammer, Stuttgart 1964.
  • Heidemarie Koch: Frauen und Schlangen. Geheimnisvolle Kultur der Elamer in Alt-Iran. von Zabern, Mainz 2007. ISBN 3-8053-3737-X
  • David McAlpin: Elamite and Dravidian, Further Evidence of Relationships. in: Current Anthropology. Chicago 1975. ISSN 0011-3204
  • Daniel T. Potts: The Arachaeology of Elam. Formation and Transforamtion of an Ancient Iranian State. Cambridge 1999.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Elam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. D.T. Potts: The Archaeology of Elam, Cambridge University Press, Cambridge 1999 ISBN 0-521-56358-5, S. 272