Ellen Marsvin

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Ellen Marsvin als junge Frau

Ellen Marsvin (* 1. Februar 1572 auf Landskrona Slot (Landskrona); † 11. November 1649 auf Schloss Ellensborg (heute Holckenhavn) bei Nyborg) war eine dänische Adlige, die wegen ihres Reichtums und als Schwiegermutter Einfluss am Hof von Christian IV. gewann.

Leben[Bearbeiten]

Ellen Marsvin war eins von zehn Kindern des Reichsrats Jørgen Marsvin (ca. 1527–81) und seiner Frau Karen Gyldenstierne (ca. 1542–1589). Ihr Vater stammte aus dem dänischen Adelsgeschlecht Marsvin, dessen Wappentier der Schweinswal (dänisch: Marsvin) ist.[1] Als junger Mann diente er am dänischen Königshof. Er erscheint 1548 in den Quellen unter dem Gefolge der Prinzessin Anna zu ihrer Hochzeit nach Sachsen und 1551 als Höfling des abgesetzten Königs Christian II. Im Dreikronenkrieg bewährte er sich und erhielt dafür 1564 die Lehnsmannschaft des strategisch wichtigen Schloss Helsingborg. 1567/68 unterstützte er Daniel Rantzaus Winterfeldzug und wurde im selben Jahr Lehnsmann von Landkrona. 1570 wurde er in den Reichsrat aufgenommen und 1576 mit Odensegård auf Fünen belehnt, wo er sich 1577 nahe bei Odense das Herrenhaus Hollufgård bauen ließ.[2]

Das Wappen der Familie Marsvin

Über Ellen Marsvins Jugend ist nichts bekannt. Als 17-jährige Vollwaise heiratete sie 1589 den 52-jährigen Lehnsmann von Trøndelag Ludvig Munk, der zuvor Statthalter von ganz Norwegen gewesen war. Auch auf Fünen und im Himmerland (Nordjütland) besaß er mehrere Güter.[3] Mit ihm hatte sie die Tochter Kirsten Munk. Nach seinem Tod am 8. April 1602 heiratete sie 1607 Knud Rud (* 11. März 1556), der ein Nachfolger ihres Vaters als Lehnsmann auf Odensegård war. Ihm gehörte das Gut Sandholt auf Fünen.[4] Er verstarb bereits am 22. Juli 1611. Mit ihrem ausgeprägten, von Vater und Ehemännern übernommenen Geschäftssinn vermehrte sie den ererbten Reichtum und wurde zur reichsten Landbesitzerin Dänemarks. 1625 besaß sie 7600 Hektar allein auf Fünen.

Schloss Ellensborg, das heutige Holckenhavn, auf Fünen auf einer zeitgenössischen Darstellung – auch heute noch deutlich sichtbar ist der Namenszug MARSVIN am linken Turm

1615 wurde der verwitwete König auf ihre 17-jährige Tochter Kirsten aufmerksam. Zwar kam für Kirsten Munk als Mitglied des niederen Adels keine ebenbürtige Ehe mit dem König infrage, aber Ellen Marsvin verhinderte, dass ihre Tochter nur eine weitere Mätresse von Christian IV. wurde. Sie handelte einen Ehevertrag aus, der Kirsten zur Gemahlin des Königs mit gesicherten Einkünften und Ansprüchen machte. Der abergläubische König ließ auch den Termin für den Brief, in dem er Kirsten zu seiner Frau erklärte, von seinem Hofastrologen berechnen.[5] Sie selbst profitierte von der engen Beziehung zum Hof sowohl wirtschaftlich als auch als Beraterin des Königs. Sie kaufte den Landbesitz verschuldeter Adliger auf und erstand unter anderem die landwirtschaftlichen Güter Boller bei Vejle und Rosenvold bei Randers, mit deren Erzeugnissen die dänische Flotte ausgerüstet wurde. Sie erbaute mehrere Herrenhäuser, wie Schloss Ellensborg, das sie 1616 dem Kanzler Jacob Ulfeldt abgekauft, großzügig ausgebaut und exquisit eingerichtet hatte.[6] Auch Tåsinge, wo Christian IV. das Valdemars Slot für seinen Sohn Waldemar Christian bauen ließ, hatte sie ihm verkauft. Auch im Bereich der Kirche war sie tätig und verschaffte 1616 ihrem Hauskaplan und Kirstens Hauslehrer Hans Mikkelsen das Bistum Fünen. 1620 wurde sie sogar Administratorin des Klosters Dalum bei Odense, wo sie die meiste Zeit lebte, ehe sie das Lehen 1639 verlor.

Als 1628 das Verhältnis ihrer Tochter zum König in die Brüche ging, suchte Ellen Marsvin eine Versöhnung herbeizuführen. Doch als deren Scheitern abzusehen war, fädelte sie schon 1629, also bevor Anfang 1630 die Scheidung ausgesprochen war, die Beziehung des Königs mit Vibeke Kruse, einem Dienstmädchen, das sie bei Kirsten Munks Verbannung vom Hof in ihre eigenen Dienste übernommen hatte, ein.[7] Am 7. April 1630 gebar Vibeke den Sohn Ulrik Christian. Bis zu seinem Tod 1648 blieb sie Christians Mätresse, während Kirsten Munk auf den Gütern ihrer Mutter unter Hausarrest stand. Ellen Marsvins beharrliche Versuche, die jüngste, erst nach der Trennung geborene Enkelin als ehelich anerkennen zu lassen, führten dazu, dass sie in den folgenden Jahren ihren politischen Einfluss verlor. Die Erziehung ihrer Enkel, die entsprechend der damaligen Tradition bei der Großmutter mütterlicherseits aufwuchsen, wurde ihr entzogen. Auch die jüngste Enkelin Dorothea Elisabeth, die König Christian nicht anerkannt hatte, wurde ihr 1636 genommen. Die Siebenjährige wurde in ein Kloster in Köln geschickt. Nachdem Ellen Marsvin 1639 als Administrator des Klosters Dalum durch ihren Enkel Waldemar Christian abgelöst wurde,[8] zog sie sich auf ihr Schloss Ellensborg zurück, wo sie 1649 starb. Sie ist in der Kirche von Thurø bestattet, die 1639 auf ihre Veranlassung hin gebaut wurde und wohin sie die Särge ihrer Ehemänner aus der Kirche von Nørre Broby hatte umbetten lassen.[9] Ihr Besitz fiel an ihre Tochter und später an ihre Enkelinnen, ehe die Familie 1663 wegen des Verrats des Ehemanns der Enkelin Leonore Christine, Corfitz Ulfeldt, enteignet wurde.

Kirche von Thurø – die Buchstaben „FEMS“ verweisen auf Fru Ellen MarSvin

Literatur[Bearbeiten]

  • Leon Jaspersen: Ellen Marsvin in: Danks Kvingebiografisk Leksikon (dänisch)
  • Marsvin, Ellen in: Dansk biografisk Lexikon Erste Auflage. Gyldendal, Kjøbenhavn 1887–1905, Bd. 11, S. 155–158 (dänisch)
  • Hans Gregersen: Ellen Marsvin, Tommeliden 1990 (dänisch)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Nachfahren von Jørgen und Karen Marsvin auf roskildehistorie.dk
  2. Gregersen: Ellen Marsvin, S. 8–11
  3. Gregersen: Ellen Marsvin, S. 33
  4. Herrenhaus Sandholt auf www.denstoredanske.dk (dänisch)
  5. Gregersen: Ellen Marsvin, S. 53
  6. Gregersen: Ellen Marsvin, S. 57–66, siehe auch Schloss Holckenhavn auf www.denstoredanske.dk (dänisch)
  7. Sune Dalgaard / Renate Böje / Kl.-J. Lorenzen-Schmidt: [1] Ein bißchen über Wiebeke Kruse, Übersetzung aus dem Dänischen 2007/2009 – Neue Erkenntnisse zur Herkunft, Familie und dem Leben der Wiebeke Kruse
  8. Gregersen: Ellen Marsvin, S. 82
  9. Gregersen: Ellen Marsvin, S. 68–73