Corfitz Ulfeldt

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Dieser Artikel behandelt den dänischen Staatsmann Corfitz Ulfeldt (* 1606). Für dessen Enkel, den österreichischen Politiker, siehe Anton Corfiz Ulfeldt.
Corfitz Ulfeldt mit dem Elefanten-Orden

Corfitz Ulfeldt (* 10. Juni 1606 auf Schloss Hagenskov bei Assens; † 20. Februar 1664 im Rhein zwischen Basel und Neuenburg) war ein dänischer Edel- und Staatsmann. Er gilt als der schlimmste Verräter der dänischen Geschichte. 1641 wurde er zum Reichsgrafen, 1658 zum schwedischen Grafen von Sölvesborg erhoben.[1]

Leben[Bearbeiten]

Ulfeldt stammte aus einem alten, einflussreichen Adelsgeschlecht, das bereits 1186 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird.[2] Sein Vater Jacob Ulfeldt (1567–1630) war seit 1609 dänischer Reichskanzler und hatte großen Anteil daran, dass König Christian IV. 1625 zum Obersten des Niedersächsischen Reichskreises gewählt wurde.

Aufstieg unter Christian IV.[Bearbeiten]

Von seinem Vater, der selbst von 1581 an vierzehn Jahre vor allem im östlichen Mittelmeerraum gereist war, wurde Corfitz Ulfeldt 1617 zur Ausbildung auf eine langjährige Studienreise ins Ausland geschickt. Zuletzt studierte er 1628/29 in Padua bei Cesare Cremonini, ehe er 1629 nach Dänemark zurückkehrte und die Gunst des Königs erlangte, der ihn 1630 mit seiner erst 9-jährigen Lieblingstochter mit Kirsten Munk, Leonora Christina von Schleswig-Holstein, verlobte. Die Hochzeit fand 1636 statt.

Bereits 1634 bekam Ulfeldt den Elefanten-Orden verliehen. 1636 wurde er Kanzler, ein Jahr später Statthalter von Kopenhagen. 1641 bekam er den Reichsgrafenstand des Heiligen Römischen Reichs verliehen[1] und 1643 wurde er schließlich dänischer Reichshofmeister.[3] Bei den Friedensverhandlungen, die 1645 den für Dänemark katastrophalen Torstenssonkrieg mit Schweden beendeten, war er der Leiter der dänischen Delegation. Er unternahm zudem als Diplomat mehrere Reisen in verschiedene europäische Länder. Wegen seines Auftretens war er jedoch unbeliebt beim Adel. Seine Verschwendungssucht und die geringen Erfolge seiner diplomatischen Missionen ließen selbst Christian IV. gegen Ende seines Lebens misstrauisch werden.

Sinkender Einfluss unter Friedrich III. und Flucht[Bearbeiten]

Nach Christians IV. Tod 1648 war Ulfeldt als Reichshofmeister zunächst Regent, doch der neue König Friedrich III. war nicht bereit, die Führungsposition der Schwiegersöhne von Kirsten Munk und das anmaßende Verhalten von Ulfeld und seiner Frau gegenüber der Königin Sophie Amalie weiter zu dulden. Ulfeldt wurde jedoch zunächst in seinen Ämtern belassen.

1650 behauptete Dina Schumacher geb Vinhofvers,[4] Geliebte des 1649 in den dänischen Adel aufgenommenen Leutnants Jørgen Walter, Ulfeldt sei nicht nur der Vater ihres ungeborenen Kindes, sondern sie habe auch aus Ulfeldts Munde gehört, dass er den König vergiften wolle. Hinter dieser Anklage steckte vermutlich Christian zu Rantzau, ein Konkurrent Ulfeldts.[5] Zwar wurde diese Anklage zunächst vom König geheimgehalten, doch wurden Ulfeldts Finanztransaktionen als Reichshofminister auf mögliche Veruntreuung von mehreren hunderttausend Talern hin untersucht. Ehe es jedoch zu einer öffentlichen Untersuchung kam, erzählte Dina Vinhofvers 1651 Ulfeldts Beichtvater Simon Hennings von einem von Walter geplanten Mordanschlag auf die Ulfeldts. Beunruhigt bat Ulfeldt den König um Schutz.[6] Neue Untersuchungen führten zur Verhaftung von Dina, die, nachdem sie gestanden hatte, zu ihrer Anklage von Walter angestiftet worden zu sein, wegen Meineids 1651 hingerichtet wurde. Ulfeldt fühlte sich jedoch nicht mehr sicher in Kopenhagen und floh nach Holland. Später begab sich das Ehepaar Ulfeldt nach Schweden. Königin Christina verpachtete ihnen ihr Schloss Barth in Pommern.

Abfall zu Schweden[Bearbeiten]

1656 reiste Leonora Christina nach Dänemark, um sich mit ihrem Halbbruder Friedrich III. auszusöhnen. Da dieser Versuch erfolglos blieb, trat Ulfeldt in die Dienste des neuen schwedischen Königs Karl X. Gustav und lieh ihm Geld für seinen Krieg gegen Dänemark. Er überzeugte auch den Statthalter von Nakskov auf Lolland, sich den Schweden zu unterwerfen. 1658 handelte er auf schwedischer Seite den Frieden von Roskilde aus und wurde Statthalter von Schonen, das Dänemark an Schweden abtreten musste. Der schwedische König ernannte Ulfeldt am 10. März 1658 zum Grafen von Sölvesborg.[1]

Doch schon bald sank Ulfeldt in Karl X. Gustavs Gunst, der ihm vorwarf, Schweden wiederum an Dänemark verraten zu haben und so an der Niederlage bei der Belagerung Kopenhagens 1658/59 schuld zu sein. Im Mai 1659 wurde er zum Tode verurteilt, jedoch begnadigt, so dass er und seine Frau Schweden verlassen konnten.

Rückkehr nach Dänemark, erneuter Verrat und Tod[Bearbeiten]

Er kehrte 1660 nach Dänemark zurück dort, wo er und seine Frau festgenommen und anderthalb Jahre unter erniedrigenden Bedingungen auf Hammershus auf Bornholm festgehalten wurden. In diese Zeit fiel die Entmachtung des Adels durch die Einführung der absoluten Monarchie durch Friedrich III. Ende 1661 wurde Ulfeldt gegen Ablegung eines Treueschwurs freigelassen, verlor jedoch fast seinen gesamten Besitz an den König. Er zog mit seiner Frau auf ein Gut auf Fünen, das sie von ihrer Großmutter Ellen Marsvin geerbt hatte.

Schandmal mit der Aufschrift „Corfitz WF forræderen, Till Æwig Spott, Skam og Skiendsel“.

1662 reiste Ulfeldt mit seiner Frau nach Brügge. Getrieben von Rachegelüsten bot er Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg an, in Dänemark eine Revolte anzustacheln, um ihm auf diesem Wege den dänischen Thron zu verschaffen. Der Kurfürst teilte diesen Verrat selbst den Dänen mit, die Ulfeldt am 24. Juli 1663 wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tod verurteilten. Seine Güter wurden konfisziert und seine Kinder verbannt. An der Stelle seines niedergerissenen Wohnhauses am Gråbrødretorv wurde ein Schandmal errichtet. Er selbst ertrank am 20. Februar 1664 im Rhein bei Basel.

Leonora Christina war währenddessen weiter nach England gereist, wo sie von Karl II. Geld zurückforderte, das Ulfeldt ihm 1649 geliehen hatte. Bei ihrer Abreise wurde sie in Dover festgenommen und 1663 an Dänemark ausgeliefert und von ihrer Feindin, der Königin, im blauen Turm in Kopenhagen gefangen gesetzt, in dem sie 22 Jahre bis nach dem Tode der Königin 1685 schmachtete. Sie starb 1698.

Von den zehn gemeinsamen Kindern erreichten sieben das Erwachsenenalter. Ein Sohn des Paares, Leo Graf Ulfeldt (1651–1716), ging nach Österreich und wurde dort Berufsoffizier. Mit dem Enkel Anton Corfiz Ulfeldt (1699–1760), einem österreichischen Politiker, starb das Geschlecht im männlichen Stamm aus.

Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. a b c Danmarks Adels Aarbog 1923. Gustaf Elgenstierna, Den introducerade svenska adelns ättartavlor, 1925-36, Adliga ätten Ulfeldt nr 19 †
  2. Adelsgeschlecht Ulfeldt in da.wiki
  3. Das Amt des Reichshofmeisters entstand um 1430 und war das höchste Staatsamt im dänischen Reich. Er war eine Art Premierminister und Vertreter des Königs. Neben seiner hervorgehobenen konstitutionellen Stellung hatte er eine Reihe wichtiger Aufgaben, wenn seine Pflichten auch nicht klar definiert waren. Im 16. Jahrhundert leitete er die Finanzverwaltung und hatte die Oberaufsicht über die Rentkammer und das Zollwesen.
  4. Franz Gräffer: Cabinett historischer Trauergemählde und Schreckens-Scenen, Band 1, Bauer, 1813, S. 9 ff.
  5. Dina Vinhofvers (ca. 1620 - 1651) in: Dansk Kvindebiografisk Leksikon
  6. Ludvig Holberg: Dänische Reichs-Historie: Ins Deutsche übersetzt. Mit einem vollständigen Register über alle drey Theile, Band 3, Korte, 1759, S. 78 ff. (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Kragh Høst: Leben und Schicksale des Reichsgrafen Korfitz Ulfeld und der Gräfin von Schleswig-Holstein Eleonore Christine. Nach d. dän. Orig. frei ins Dt. übertr. vom Kapitän v. Jensen. Schleswig: Königl. Taubstummen-Inst., 1829.
  • Johannes Ziegler: Denkwürdigkeiten der Gräfin zu Schleswig-Holstein Leonora Christina, vermählten Gräfin Ulfeldt aus ihrer Gefangenschaft im Blauen Thurm des Königschlosses zu Copenhagen 1663-1685. (2. Aufl., Wien: Gerold, 1871); Leipzig: Insel-Verl, 1911.
  • Sophus Birket-Smith: Leonora Christina Grevinde Ulfeldts historie. Kjøbenhavn: Gyldendal, 1879–1881.
  • Steffen Heiberg: Enhjørningen Corfitz Ulfeldt. Copenhagen: Gyldendal, 1996, ISBN 87-00-24616-6