Emster Kanal

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Emster
Emster Kanal
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Mündungsgebiet der Emster Gewässer in die Havel

Mündungsgebiet der Emster Gewässer in die Havel

Daten
Gewässerkennzahl DE: 5854
Lage Landkreis Potsdam-Mittelmark, Brandenburg an der Havel, Brandenburg, Deutschland
Flusssystem Elbe
Abfluss über Havel → Elbe → Nordsee
Quelle Bei Rädel in Kloster Lehnin
52° 17′ 21″ N, 12° 44′ 36″ O52.2890312.74339
Mündung bei Klein Kreutz in die Havel52.4248912.6274928.5Koordinaten: 52° 25′ 30″ N, 12° 37′ 39″ O
52° 25′ 30″ N, 12° 37′ 39″ O52.4248912.6274928.5
Mündungshöhe 28,5 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlenVorlage:Infobox Fluss/HÖHENUNTERSCHIED_fehlt
Länge 20,9 km[1]
Einzugsgebiet 224,99 km²[2]
Gemeinden Kloster Lehnin

Als Emster Kanal beziehungsweise Emster Gewässer wird der über weite Strecken kanalartig ausgebaute Fluss Emster, die Seenstrecken über den Lehniner Klostersee, den Netzener See und den Rietzer See sowie die künstlich geschaffenen Kanalabschnitte zwischen der heutigen Gemeinde Kloster Lehnin und der Havel im Gebiet der Stadt Brandenburg an der Havel im bezeichnet.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Der Oberlauf des Emster Kanals liegt im Landkreis Potsdam-Mittelmark am nördlichen Rand der Zauche. Die Länge der Emster ist von der Quele bis zur Mündung mit 20,9 Kilometern angegeben.[1] Die Landeswasserstraße ist 15,67 Kilometer lang. Die Emster Gewässer haben ein nur geringes Gefälle. Sie liegen durchschnittlich in einer Höhe von 29 Meter über Normalnull und mündet aus Richtung Süden kommend in die Untere Havel-Wasserstraße am Kilometer 51,70 gegenüber dem Dorf Klein Kreutz in Brandenburg an der Havel.

Verlauf[Bearbeiten]

Die Emster beginnt unmittelbar beim Dorf Rädel südlich Lehnins. Nach der Passage mehrerer kleinerer See mündet sie von Süden kommend in den Lehniner Klostersee ein. Der Emster Kanal statt dessen beginnt blind etwas weiter westlich in Lehnin in einer kesselartigen Verbreiterung, die dem Kehren früherer Lastkähne diente. Der Kanal verläuft in nördlicher Richtung. Der erste Kanalabschnitt wird von zwei kleineren Brückenbauwerken überspannt und mündet nach etwa 1,6 Kilometer im südwestlichen Bereich des Klostersees. Im weiteren Verlauf verbindet ein kurzer Kanalabschnitt den Klostersee mit dem Netzener See durch das Dorf Nahmitz. Dieser Teil des Kanals wird von der Bundesautobahn 2 und einer Ortsstraße gekreuzt. Der dritte Kanalabschnitt verbindet den Netzener mit dem Rietzer See. Ein kleines Brückenbauwerk überspannt diesen Abschnitt und dient vor allem Landwirtschaftsfahrzeugen.

Der letzte kanalartige Abschnitt der Emster Gewässer hat etwa eine Länge von 5,8 Kilometer und verläuft vom Rietzer See zur Havel. Er wird von vier Brückenbauwerken überspannt. Dies sind ebenfalls eine kleine Brücke für Landwirtschaftsfahrzeuge, einer Eisenbahnbrücke der Bahnstrecke Berlin–Magdeburg, eine Brücke der Bundesstraße 1 und eine weitere kleine Brücke kurz vor der Mündung. Die Mündung des Emster Kanals liegt in einem alten Mäander, der Krummen Havel. Über ihre gesamte Länge ist die Biologische Gewässergüte der Emster mit der Güteklasse III angegeben. Der Fluss gilt als stark verschmutzt.[2]

Landeswasserstraße[Bearbeiten]

Die Emster Gewässer sind eine Landeswasserstraße des Landes Brandenburg. Laut Landesschifffahrtsverordnung[3] gehören zu den Emster Gewässern der Klostersee, der Strenggraben, der Netzener See, der Rietzer See, die angelegten Kanalstücke und die Reste des Flusses. Dazugezählt wird auch der Torfstichsee Emster Schlauch. Die Gewässer dürfen nur noch von kleineren Sportbooten und von einem kleineren Fahrgastschiff befahren werden. Es gilt die Landesschifffahrtsverordnung (LSchiffV). Die durchschnittliche Wassertiefe in der Fahrrinne beträgt kaum mehr als ein Meter. Die Durchfahrtshöhe der Brücken beträgt maximal drei Meter. Alle genannten Gewässer sind schleusenlos miteinander verbunden.

Entstehung[Bearbeiten]

Ausschnitt einer Pharus-Karte von 1903

Der Wasserreichtum in der Gegend um Lehnin ist ein Ergebnis der letzten Eiszeit. Ursprünglich war die gesamte Region sumpfig oder teilweise mit Wasser bedeckt. Natürliche Veränderungen des Grundwasserspiegels und die Meliorationsarbeiten der sich ansiedelnden Bevölkerung unter der Anleitung der Mönche des Zisterzienserklosters haben großen Anteil am heutigen Aussehen der Landschaft. Einige Seen, wie der Klostersee, der Netzener See und der Rietzer See sind natürlichen Ursprungs. Aber schon die Namensherkunft der Emster nimmt den späteren Ausbau voraus. Der Name lässt sich auf germanisch Amistra aus indogermanisch am- mit der Bedeutung Flussbett, Graben zurückführen.[4]

Nachdem ein früherer Havelarm immer mehr verlandete, begann man im 19. Jahrhundert den Emster Kanal anzulegen, um den Ziegeltransport auf dem Wasserweg zur Havel zu ermöglichen. Der Emstaler Schlauch und der Kellner Fenn dienten in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts der Torfgewinnung und sind so entstanden. Daneben existieren auch Seen, die sich durch den Tonabbau für die Ziegelherstellung bildeten. Dazu gehören der Traumsee und die Erdelöcher in Netzen. Dort wurde früher Ton abgebaut und mit einer Lorenbahn zu den Ziegeleien am Ortsrand von Netzen transportiert. Ihre nahezu heutigen Formen erhielten die Emster Gewässer in der Zeit von 1866 bis 1872. Eine damalige Genossenschaft von Ziegeleibesitzern trieb den Bau einer schiffbaren Wasserstraße zwischen dem Klostersee und der Hauptwasserstraße Havel voran. Im Dorf Nahmitz wurden damals zwei Ziegeleien[5] erwähnt. Die kanalisierten Teilabschnitte entstanden durch Neuanlagen. Sie wurden teilweise geradlinig durch die flache Wiesenlandschaft am Nordrand der Zauche gegraben. Miteinbezogen in den Ausbau wurde der vorhandene kleine Flachlandfluss Emster. Seine Ufer wurden befestigt und er wurde teilweise vertieft. Dieser Wasserweg wurde benötigt für den wirtschaftlichen Transport von Holz, Torf und Ziegelsteinen. Mit der Einführung der Ringöfen wurden die Produktionszahlen drastisch erhöht. Diese Ziegel wurden dann auf dem Emster Kanal in großen Mengen per Schiff zur Havel und weiter unter anderem in die früheren Residenzstädte nach Potsdam und Berlin transportiert. Im Gegenzug wurden große Mengen Kohle für den Brennvorgang zu den Ziegeleien gebracht. Ebenso wurden große Mengen Torf gestochen und als preisgünstiges Brennmaterial per Schiff in die sich entwickelnden Städte verschifft. Schon 30 Jahre nach seinem Ausbau verlor der Kanal an Bedeutung, da dann die Lehniner Kleinbahn einen Großteil des Gütertransports übernahm. Vom alten Fluss Emster selber sind im Bereich des kanalartigen Ausbaus nur kurze Abschnitte erhalten geblieben. Etwa einen Kilometer Westlich der heutigen Mündung erkennt man noch heute die ehemalige Flussmündung in die Havel.

Die Seen[Bearbeiten]

Klostersee[Bearbeiten]

Hauptartikel: Klostersee (Lehnin)

Der Klostersee bei Lehnin erstreckt sich zwischen Lehnin und Nahmitz. Er umfasst eine Fläche von 38 Hektar und liegt im Mittel 29 m ü. NN. Er weist im mittleren Bereich eine Tiefe von 4 bis 6 m auf.

Netzener See[Bearbeiten]

Am Netzener See

Der Netzener See ist ein typisch eutropher See in dieser nacheiszeitlichen Landschaft. Er ist etwa 2,4 km lang und an der breitesten Stelle zwischen den Gemarkungen Netzen und Trechwitz etwa 1100 Meter breit. Seine schmalste Stelle misst kaum 250 Meter. Die durchschnittliche Tiefe beträgt 2 m. Die Ufer sind röhrichtgesäumt und er ist nur an einer Stelle gut zugänglich. Dort befindet sich eine Badestelle und die Anlegestelle eines kleinen Fahrgastschiffes. Durch ungeklärten Nährstoffeintrag in das Gewässer kam es in den letzten Jahren zu einer vermehrten Blaualgenblüte und damit zu einer Verschlechterung der Wasserqualität.

Rietzer See[Bearbeiten]

Der Rietzer See ist ein eutropher Flachsee von etwa 4 Kilometern Länge und einer durchschnittlichen Wassertiefe von 80 Zentimetern. Er wird als Kernstück der Emster Gewässer bezeichnet und vom Emster Kanal durchquert. Seine reine Wasserfläche hat eine Größe von 450 Hektar. Der See wird von breiten Röhrichtzonen gesäumt. Diesen vorgelagert ist ein ausgedehnter Schwimmblattgürtel. Die Hochfläche des Lehniner Landes (Zauche) überragt den See bis zu zwanzig Meter im Süden und Osten. Sie geht seicht abfallend unmittelbar an die Verlandungsfläche des Gewässers heran. Im Nordosten reicht der Holzberg unmittelbar bis an den See und bildet ein Hochufer.

Naturschutzgebiet Rietzer See[Bearbeiten]

Der Rietzer See ist ein 675 Hektar großes Naturschutzgebiet[6] und liegt in den Gemarkungen Rietz, Schenkenberg, Trechwitz und Damsdorf. Es gehört zu den europäischen Vogelschutzgebieten[7] und liegt in einer über 1130 Hektar großen Niederung, bestehend aus dem Netzener See, dem Rietzer See und einer Streng genannten Zwischenniederung. Das Naturschutzgebiet zeichnet sich aus durch eine Vielzahl wild lebender Tier- und Pflanzengesellschaften, bisher wurden bereits über 260 Vogelarten gezählt. Dazu gehören eine große Zahl von Brutvögeln, wie Weißstorch, Knäkente, Rotmilan, Rohr- und Zwergdommel. Die Gewässer sind Durchzugsgebiet für Gänsearten, Wat- und Greifvögel. Hervorzuheben ist die Vielfalt der Wasserpflanzen, wie Röhrichte, Seggenrieden und Erlenbruchwälder und die kleinflächig vorkommenden Kalktrockenrasen am Seeufer. Zu den besonders geschützten Arten gehören u.a. der Fieberklee, das Sumpfknabenkraut, das Strandtausendgüldenkraut und die Pracht-Nelke. In der Nähe des Dorfes Netzen gibt es einen Beobachtungsturm zur Vogelbeobachtung am See. Zwischen 22 und 5 Uhr besteht ein Nachtfahrverbot für Sportboote mit Verbrennungsmotor. Die heutige Einstufung des Kanals als Landeswasserstraße ist ökologisch und ökonomisch fragwürdig. Das Gebiet gilt als eines der ornithologisch bedeutendsten Brut- und Rastgebiete in Brandenburg.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Hans Joachim Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen. transpress Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1988, ISBN 3-344-00115-9, S. 175.
  • Berlin und märkische Gewässer. Nautische Veröffentlichungen Verlagsgesellschaft, Arnis Ausgabe 2005/2007, ISBN 3-926376-10-4, S. 16 und 28. (Sportschifffahrtskarten Binnen 1)

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Teil 3: Havelland. (1. Auflage 1873.) Nymphenburger Verlagshandlung, München 1971, ISBN 3-485-00293-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Umweltportal Deutschland; Karten. Eingesehen am 7. Juni 2014.
  2. Karte Oberflächengewässer Kreis Potsdam-Mittelmark, Teilbereich Nordwest (PDF; 5,0 MB). eingesehen am 16. Oktober 2013.
  3. Landesschifffahrtsverordnung des Landes Brandenburg, Anlage 1
  4. Jürgen Udolph: Namenkundliche Studien zum Germanenproblem. Sieboldshausen 1993, S. 247.
  5. Nahmitz. auf den Seiten der Gemeinde Kloster Lehnin
  6. Natur & Wasser. auf der Webseite der Gemeinde Kloster Lehnin
  7. Wanderweg ins Naturschutzgebiet Rietzer See. auf der Webseite der Gemeinde Kloster Lehnin
  8. Naturschutzgebiet Rietzer See beim Brandenburger Umweltministerium

Weblinks[Bearbeiten]