Havel

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Havel
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Flussläufe der Havel (dunkelblau) und des Rhin (blaugrün)

Flussläufe der Havel (dunkelblau) und des Rhin (blaugrün)

Daten
Gewässerkennzahl DE: 58
Lage Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt
Flusssystem Elbe
Abfluss über Elbe → Nordsee
Flussgebietseinheit Elbe
Quelle Bei Ankershagen (MV)
53° 28′ 4″ N, 12° 56′ 8″ O53.46777777777812.93555555555662.6
Quellhöhe 62,6 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung Bei Gnevsdorf (BB) in die Elbe52.90833333333311.87722222222222Koordinaten: 52° 54′ 30″ N, 11° 52′ 38″ O
52° 54′ 30″ N, 11° 52′ 38″ O52.90833333333311.87722222222222
Mündungshöhe 22 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 40,6 m
Länge 334 km[1]
(inkl. Spree 560 km)
Einzugsgebiet 23.858 km²[1]
Abfluss am Pegel Havelberg-Stadt[2]
AEo: 24.297 km²
Lage: 2,7 km oberhalb der Mündung
NNQ (23.08.1998)
MNQ 1981/1998
MQ 1981/1998
Mq 1981/1998
MHQ 1981/1998
HHQ (24.01.1982)
11,5 m³/s
18,8 m³/s
103 m³/s
4,2 l/s km²
215 m³/s
324 m³/s
Linke Nebenflüsse Woblitz, Briese, Tegeler Fließ, Spree, Nuthe, Plane, Buckau
Rechte Nebenflüsse Rhin, Dosse
Großstädte Berlin, Potsdam
Mittelstädte Oranienburg, Hohen Neuendorf, Hennigsdorf, Werder, Brandenburg, Rathenow
Kleinstädte Wesenberg, Fürstenberg, Zehdenick, Ketzin, Pritzerbe, Premnitz, Havelberg, Werben (Elbe)
Schiffbar 285 km; bis zum Useriner See
Havelbucht am „Steilen“ bei Deetz

Havelbucht am „Steilen“ bei Deetz

Die Havel ['haːfl̩] ist ein Fließgewässer im Nordosten Deutschlands und mit 334 Kilometern Länge der längste rechtsseitige Nebenfluss der Elbe. Die direkte Entfernung zwischen Quelle und Mündung beträgt allerdings nur 94 Kilometer. Die Havel entspringt in Mecklenburg-Vorpommern, durchfließt Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt und mündet an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt in die Elbe. Sie fließt zunächst durch zahlreiche kleine Seen in südöstlicher, dann in südlicher, westlicher und schließlich in nordwestlicher Richtung. Dabei beträgt der Höhenunterschied lediglich 40,6 Meter. Mit durchschnittlich 108 Kubikmetern pro Sekunde hat die Havel nach Moldau (150 m³/s) und Saale (115 m³/s) die drittgrößte Wassermenge unter den Nebenflüssen der Elbe. 285 Flusskilometer verlaufen in Brandenburg. Der größte Teil des Flusslaufs ist schiffbar. Fast im gesamten Verlauf regulieren Wehre und Schleusen die Tiefe und Führung des Wassers. Trotz des Ausbaus zur Wasserstraße hat die Havel dank der zahlreichen natürlichen Seen, durch die sie fließt, ein beachtliches Speichervermögen und hält den Wasserstand auch bei längeren Trockenperioden. Gefährlich hohe Wasserstände sind selten und werden meist im Havelunterlauf vom Elbhochwasser ausgelöst. Etliche Seitenkanäle verkürzen den Wasserweg für die Binnenschifffahrt.

Größter Nebenfluss der Havel ist die Spree, die an ihrer Mündung mehr als doppelt so viel Wasser wie die Havel führt (38 m³/s gegenüber 15 m³/s), und diese zudem auch in der Länge übertrifft (380 km).

2004 wurde die Havel von den Naturfreunden Deutschlands und dem Deutschen Anglerverband zur Flusslandschaft des Jahres gekürt. Der Fluss wird seit 2009 durch den Havelradweg begleitet.

Name[Bearbeiten]

Der Name der Havel (sorbisch: Habola) soll noch aus der vorslawischen, germanischen Besiedlungsphase stammen und somit der ältesten Schicht von Territorialbezeichnungen auf dem Gebiet des Landes Brandenburg und der Stadt Berlin zugehören, abgeleitet vom germanischen Habula. Er ist mit Hafen und Haff etymologisch verwandt. Der Wortstamm Haf bezeichnet eine Bucht oder Ausbuchtung. Auch irdene, bauchige Keramik wurde im deutschen Sprachraum zu früheren Zeiten oft als „Hafen“ bezeichnet. Dieser Interpretation zufolge deckt sich die Namensgebung mit der Gestalt der Havel als buchtenreichem Fluss.

Flusslauf[Bearbeiten]

Obere Havel[Bearbeiten]

Havelquelle bei Ankershagen
Heutige Havelquelle, mit Blick durch den Wald zum Ankershagener Mühlensee

Die Havel entspringt in der Mecklenburgischen Seenplatte. Als Quellgebiet gilt heute das Diekenbruch bei Ankershagen im Nordosten des Müritz-Nationalparks. Der historische Quellsee der Havel ist allerdings der Bornsee. Nur wenige Meter nördlich befindet sich ihr historisches Quellseengebiet um den heute in die Ostsee entwässernden Mühlensee. Die Quellseen der Havel liegen südöstlich direkt neben der Wasserscheide von Nord- und Ostsee. Die Havel fließt über die Elbe in die Nordsee, während alle Flüsse, die weiter nordöstlich entspringen, in die Ostsee fließen.[3]

Die ersten von der Havel durchflossenen Seen sind der Dambecker- und der Röthsee. Hier ist die Havel noch ein grabenähnliches Fließ. Ab dem Käbelicksee bei Kratzeburg hat sie bereits eine Breite von drei bis vier Metern und ist ein beliebtes Paddelgewässer. Zwischen dem folgenden Granziner- und dem Pagelsee ist die Havel ein in eine schmale Rinne gezwängter Wildwasserbach. Das Befahren des Bachlaufes ist in diesem Abschnitt nicht gestattet. Für den Landtransport der Boote steht eine Lorenverbindung zur Verfügung. Dem Pagelsee folgen der Zotzensee, der Jäthensee und der Useriner See. Der Flusslauf der Havel zwischen diesen Seen ist bereits teilweise kanalartig ausgebaut. Ab dem Useriner See, 12 km von ihrer Quelle entfernt, ist die Havel ein schiffbarer Fluss von bis zu 10 m Breite und darf mit motorbetriebenen Booten befahren werden. Am Großen Labussee befindet sich die erste Schleuse der Havel, die Schleuse Zwenzow. Es folgt die Quassower Havel und der Woblitzsee bei Wesenberg. Über den in den Woblitzsee von Norden einmündenden Kammerkanal und den Zierker See ist die Havel mit Neustrelitz, der ehemaligen Landeshauptstadt von Mecklenburg-Strelitz, verbunden. Vom Woblitzsee an ist die Havel, einschließlich des Kammerkanals, mit mehreren Staustufen als Obere Havel-Wasserstraße ausgebaut. In Mecklenburg streift sie noch den Drewensee und den Wangnitzsee und fließt durch den Kleinen und Großen Priepertsee sowie den Ellbogensee und den Ziernsee. Bereits im Land Brandenburg streift sie den Menowsee und durchfließt den Röblinsee und Baalensee.

Am Ostrand der Stadt Fürstenberg streift die Havel den Schwedtsee und erreicht hinter Fürstenberg den Stolpsee bei der Klosterruine Himmelpfort. 15 km südlich davon, nördlich von Zehdenick, wurde in ihrer Niederung früher viel Ton abgebaut (jetzt touristischer Ziegeleipark). Zum Transport von Brennmaterial und Ziegeln wurde ab Zehdenick südwärts nach Liebenwalde 1880–1882 der Voßkanal gebaut, neben dem die alte Havel unter dem Namen „Schnelle Havel“ als stark mäandrierendes und nicht schiffbares Flüsschen erhalten geblieben ist. So fließt der Hauptanteil des Havelwassers ab Zehdenick durch den Voßkanal und Malzer Kanal und speist seit 1914 die Scheitelhaltung des Oder-Havel-Kanals; über die Kanalstufe Lehnitz fließt das Havelwasser südlich Oranienburg wieder dem Havelbett zu. Unmittelbar südlich von Liebenwalde zweigt der Kanal „Langer Trödel“, ein Abschnitt des Finowkanals, eines Vorgängerbaues des Oder-Havel-Kanals, vom Voßkanal nach Osten in Richtung Oder ab. Der Malzer Kanal, die Verlängerung des Voßkanals nach Süden, trifft südlich von Liebenwalde auf den Oder-Havel-Kanal. Der Malzer Kanal ist hier das nördliche Reststück eines Kanals von Malz her, damals als Verbindung zum „Langen Trödel“; der Malzer Kanal ist zum größeren Teil 1914 in den Oder-Havel-Kanal aufgegangen.

Die Schnelle Havel, die nicht schiffbare alte Havel, bei Schweitzerhütte nördlich von Oranienburg-Friedrichsthal

Die Schnelle Havel fließt nach Verlassen des Eberswalder Urstromtales parallel zum Oder-Havel-Kanal bis zur Einmündung des südlichen Reststücks des Malzer Kanals am Nordrand von Friedrichsthal. Von hier bis zur ehemaligen Schleuse Sachsenhausen wird sie als Friedrichsthaler Havel bezeichnet, anschließend als Oranienburger Havel bis Hohen Neuendorf, dann als Spandauer Havel bis zur Spreemündung. Hinter Hennigsdorf, am Nieder Neuendorfer See, zweigt von der Havel der Havelkanal nach Westen ab, 1951/52 von der DDR zur Umschiffung West-Berlins angelegt; er mündet zusammen mit dem Sacrow-Paretzer Kanal bei Paretz wieder in die Havel ein.

Mittlere Havel[Bearbeiten]

Havel am „Großen Fenster“ in Berlin

Von der Nordwestecke Berlins durch Potsdam und bis unterhalb der Stadt Brandenburg fließt die Havel durch eine lange Kette teilweise recht großer Seen. Weitere Seen haben hier durch kleinere oder künstliche Gewässer Verbindung zum Fluss. Bei Potsdam sind die Seen an vielen Stellen von bewaldeten Moränenhügeln umgeben. Bei Brandenburg liegen sie überwiegend in einer flachen Niederung, in der es nur inselhaft Moränenhügel gibt. Zwischen Hennigsdorf und Spandau sind das der Niederneuendorfer, Tegeler und Spandauer See. Gegenüber der Insel Großer Wall zweigt der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal in südöstlicher Richtung ab. Unterhalb der Schleuse Spandau gegenüber der Spandauer Altstadt mündet die Spree in die Havel. Von hier an bildet die Havel bis zu ihrer Mündung in die Elbe zusammen mit einigen Kanälen die Untere Havel-Wasserstraße. Kurz nach der Mündung der Spree passiert die Havel die Tiefwerder Wiesen, das letzte natürliche Berliner Überschwemmungs- und Hechtlaichgebiet. Dann kommen der Große Wannsee, die Pfaueninsel und der Jungfernsee, aus dem nach Westen der Sacrow-Paretzer Kanal abzweigt. Zwischen Wannsee und Tiefem See gibt es noch eine kleine Seenkette östlich des Glienicker Forstes. Durch deren bekanntestes Glied, den Griebnitzsee, geht der Teltowkanal, der im Südosten Berlins Verbindung zur Dahme und über den Britzer Verbindungskanal zur Spree hat.

Die „Neue Fahrt“ in Potsdam an der Freundschaftsinsel

Ab dem Jungfernsee bis zum Göttinsee wird ein etwa 29 Kilometer langer Flussabschnitt Potsdamer Havel genannt. Sie wird vom Sacrow-Paretzer Kanal kurzgeschlossen und daher nur noch von einem Drittel bis der Hälfte des Havelwassers durchflossen.

Am Göttinsee münden in die Havel ein: der Havelkanal und der Sacrow-Paretzer Kanal, durch den der größte Teil der Frachtschifffahrt den großen Potsdamer Havelbogen abkürzt. Dann fließt die Havel westwärts. Dabei verästelt sie sich sowohl zwischen Ketzin und dem Trebelsee als auch in Brandenburg, dessen Dom auf einer Insel steht. Gut ein Kilometer vor der Vorstadtschleuse Brandenburg zweigt der Brandenburger Stadtkanal als Zufahrt zur Stadtschleuse in südwestlicher Richtung ab und mündet nach 4,1 Kilometern in die Brandenburger Niederhavel ein. Der Brandenburger Stadtkanal ist auch der Zulauf zu den innerstädtischen Regulierungsbauwerken der Staustufe Brandenburg. Nach rechts zweigen von ihm ab: die Stimmingsarche mit Wehr zum Kleinen Beetzsee und mit dem Nebenarm Krakauer Havel, es folgen die drei ehemaligen Mühlenarme Altstädtischer Streng, Domstreng und Neustädtischer Streng (auch Näthewinde) mit Durchlässen zur Brandenburger Niederhavel. Kurz unterhalb der Vorstadtschleuse mündet von Norden her der Beetzsee ein; an gleicher Stelle zweigt nach Westen der Silokanal ab und fließt nach Südwesten die hier als Brandenburger Niederhavel bezeichnete Havel weiter und mündet nach etwa sieben Kilometern in den Breitlingsee. Zwischen Brandenburg und seinem Ortsteil Plaue an der Havel durchfließt die Havel den Plauer See (Brandenburg), der zusammen mit dem Quenz-, dem Breitling- und dem Möserschen See einen einzigen großen buchten- und inselreichen See ergibt. Vom Plauer See zweigt der Elbe-Havel-Kanal ab, der durch den Großen Wendsee in Richtung Magdeburg verläuft.

Untere Havel[Bearbeiten]

Havelberg: Stadtgraben (Havelarm) und Dom

Vom Plauer See fließt die Havel in mal mehr nördlicher, mal mehr westlicher Richtung am Pritzerber See und an den Städten Premnitz und Rathenow entlang in Richtung Havelberg. Bis zur Grenze Sachsen-Anhalts gehört hier der Flusslauf zum Naturpark Westhavelland, dem größten Naturpark im Land Brandenburg, der sich vom Beetzsee über den Rhin erstreckt und zum Naturschutzgebiet Untere Havel Süd, im Süden mehr von sandigen Hügeln („Ländchen“), im Norden mehr von feuchten Niederungen („Luchen“) geprägt.

Nördlich von Rathenow liegen knapp östlich des Flusses Hohennauener See und Gülper See, beide mit Verbindung zur Havel. Der Verlauf der Landesgrenze deutet hier an, wie gewunden der Flusslauf einst war. Nach der Einmündung von Rhin und Dosse erreicht die Havel in Sachsen-Anhalt die Stadt Havelberg, die am Rand der Elbaue liegt.

Da die Untere Havel ein geringeres Gefälle hat als die Elbe, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts der Gnevsdorfer Vorfluter angelegt. Dieser Kanal ermöglicht es, das Wasser der Havel erst zehn Kilometer flussabwärts der natürlichen Mündung in die Elbe zu leiten. Dadurch liegt jetzt bei Havelberg der mittlere Wasserspiegel der Havel unter demjenigen der Elbe. Ein Schleusenkanal ermöglicht der Schifffahrt, diesen Höhenunterschied zu überwinden. Bei bedrohlichen Elbhochwassern wiederum können ausgedehnte Bereiche der Havelniederung als Polder zum Hochwasserschutz für die Elbe geflutet werden.

Havelpolder[Bearbeiten]

Die Havelpolder sind sechs räumlich getrennte Überflutungsflächen vor der Mündung der Havel in die Elbe. Im Falle eines Havelhochwassers können diese geflutet werden, um so Ortschaften am nicht eingedeichten Havelunterlauf zu schützen, insbesondere auch wenn die Wehre zur Elbe geschlossen sind.

Am Sonntag 9. Juni 2013 ab 13 Uhr wurde das bereits überspülte Wehr zur Elbe bei Neuwerben stückweise geöffnet, so dass wie bereits im Jahr 2002 Elbwasser die Havel hinauf in die Havelpolder flutete. Hierdurch soll der Elbpegel flussabwärts um 30 cm sinken, was der Pegel in Wittenberge auch zeigt. Die Polder unterliegen der Wasserbehörde von Stendal/Sachsen-Anhalt.[4][5]

Binnen-Feuchtgebiet[Bearbeiten]

Die geschützte Untere Havelniederung bildet zusammen mit den angrenzenden Luchlandschaften Rhinluch, Havelländisches Luch, Dossebruch und Jäglitzniederung das größte zusammenhängende Binnen-Feuchtgebiet des westlichen Mitteleuropas.

Basierend auf dieser Naturnähe wurde 2005 damit begonnen, die Renaturierung der Havel in die Wege zu leiten. Akteure sind das Bundesamt für Naturschutz (BfN), die Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie der Naturschutzbund (NABU). Innerhalb der nächsten Jahrzehnte soll das Gewässer die ursprüngliche Gestalt (weitläufige Auen, kurvigerer Flussverlauf, weitgehender Verzicht auf Uferbefestigungen) wiedererhalten. Profitieren werden seltene Vogelarten, aber auch Fischotter, Biber und Flussneunaugen.

Geschichte[Bearbeiten]

Sacrower Heilandskirche am Jungfernsee 1990. Im Hintergrund noch der alte DDR-Grenzzaun
Werder: Inselstadt mit Heilig-Geist-Kirche und Bockwindmühle

Geschichte und wirtschaftliche Entwicklung Brandenburgs sind eng mit der Havel verknüpft. Zur Zeit der slawischen Besiedlung bildeten Havel und Nuthe die Grenze zwischen den Hevellern, die in der Zauche und im Havelland siedelten, und den Sprewanen auf östlicher Seite. Wo Fernhandelswege die Havel kreuzten, hatten die Slawen Burgen und solide Holzbrücken, in Plaue (heute Ortsteil von Brandenburg), Brandenburg (Dominsel), Potsdam (die Lange Brücke) und Spandau (Funde am Burgwall).

Der deutschen Besiedlung des Havellandes gingen mehr als zwei Jahrhunderte kriegerischer Auseinandersetzungen voraus: 928/929 eroberte der deutsche König Heinrich I. Brennabor und besiegte die Heveller. Sein Sohn Otto I. der Große (röm. Kaiser ab 962) gründete 937 die Nordmark. Mit dem Großen Slawenaufstand von 983 wurde das Land östlich der Elbe zunächst wieder unabhängig. Der Askanier Albrecht der Bär begann 1134 mit der erneuten Eroberung, ab 1157 als Markgraf. Nach seinem Sieg über die Heveller in Spandau 1157 begann die Einwanderung von Deutschen in die Mark Brandenburg. An der Havelbucht Jürgenlanke erinnert das Schildhorn-Denkmal an die Schildhornsage und den Sieg Albrechts.

Mit der mittelalterlichen Kolonisation nahm die Bedeutung der Havel als Transportweg zu, da die Region zunehmend Massengüter wie Getreide und Holz exportierte. In dieser Blütezeit von Handel und Gewerbe entstand aber ein Nutzungskonflikt zwischen Transport und Energiegewinnung. Für den Betrieb von Mühlen wurden in Spandau, Brandenburg und Rathenow Staudämme angelegt, welche die Schifffahrt mittels Umflutkanälen und einfachen Schleusen passieren musste.[6] Der Mühlenstau in Brandenburg hob den Wasserspiegel flussaufwärts bis nach Spandau. Möglicherweise verwandelten diese Mühlenstaus älteres, slawisches Kulturland wieder in Feuchtbiotope. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor der Region war lange Zeit die Fischerei.

Der Dreißigjährige Krieg reduzierte die Einwohnerzahl von Städten wie Potsdam und Rathenow auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Bevölkerung.

Vom 18. Jahrhundert bis in die DDR-Zeit wurden systematisch Feuchtgebiete trockengelegt. Mit dem Aufstieg Brandenburg-Preußens zur führenden Macht in Deutschland und der preußischen Könige zu deutschen Kaisern wurde das Havelland zur Hauptstadtregion. Die Sommerresidenz Potsdam wurde zum „preußischen Versailles“, umgeben von Schlossparks, Mustergütern und herrschaftlichen Jagden. Sogar in kleinen Dörfern traten neben die einfachen Bauernkaten stuckverzierte Wohnhäuser und die eine oder andere „byzantinische“ Dorfkirche (beispielsweise die Heilandskirche am Port von Sacrow). Der Bedarf der Hauptstadt ließ die Gegend um Werder und Ketzin zum Obstbaugebiet werden. Und nördlich von Zehdenick an der oberen und bei Deetz, Ketzin und Glindow der mittleren Havel entstanden große Tongruben und Ziegeleien.

Schifffahrt[Bearbeiten]

Als Bundeswasserstraße ist die Havel einbezogen in die Obere Havel-Wasserstraße[7] vom Useriner See (Schleuse Zwenzow) bis Zehdenick. Von Zehdenick bis Oranienburg fließt Havelwasser durch die künstlichen Gewässerbetten der Oberen Havel-Wasserstraße, Voßkanal und Malzer Kanal, und weiter durch den Oder-Havel-Kanal bis wieder zum natürlichen Gewässerbett der Havel südlich Oranienburg. Von dort bis zur Spreemündung bilden der untere Teil der ausgebauten Oranienburger Havel und ab Hohen Neuendorf die Spandauer Havel bis zur Spreemündung Teilstrecken der Havel-Oder-Wasserstraße[7]. Zur nicht mehr durchgehend befahrbaren Alten Havel-Oder-Wasserstraße gehören die Friedrichsthaler Havel und der obere Teil der Oranienburger Havel. Von der Spreemündung bis zur Mündung der Havel in die Elbe bildet die Havel die Untere Havel-Wasserstraße[7], einschließlich Sacrow-Paretzer Kanal und Silokanal.

Geplanter Ausbau der Unteren Havel-Wasserstraße[Bearbeiten]

Am „Deetzer Durchstich“

Das „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit Nr. 17“ sah auf der Strecke Wolfsburg-Magdeburg-Berlin den Ausbau von 280 km Wasserweg vor. Die gesamte betroffene Strecke sollte auf 4 m Tiefe und je nach Uferprofil auf 42–55 m (in Kurven bis zu 72 m) Wasserspiegelbreite ausgebaggert werden. Damit sollte ermöglicht werden, dass hier Schubverbände von 180 m Länge, 11,40 m Breite und 2,80 m Abladetiefe, entsprechend Binnenwasserstraßenklassifizierung Vb, fahren können. Die Havel würde von diesen Ausbaumaßnahmen in ihrem mittleren Bereich von der Einmündung des Havelkanals und des Sacrow-Paretzer Kanals bei Paretz bis zum Silokanal in Brandenburg an der Havel betroffen sein. Gegenwärtig sind entsprechend der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung, Kapitel 22 Untere Havel-Wasserstraße und Havelkanal, für den Bereich von km 20,00 bis km 66,70 (ab der Spreemündung) Größen der Fahrzeuge und Verbände (Schubverbände und gekuppelte Fahrzeuge) von 125 m Länge und 9 m Breite bzw. 156 m Länge und 8,25 m Breite zugelassen.

Die Havel wurde für 2004/05 als dritter Fluss zu Deutschlands Flusslandschaft des Jahres gewählt. Die Preisverleihung sollte unter anderem auch als Protest gegen den geplanten Havelausbau verstanden werden, der die Flusslandschaft erheblich beschädigen würde. Seit 1992 setzt sich ein Aktionsbündnis gegen den Havelausbau aus über 30 Organisationen für den Erhalt der natürlichen Vielfalt und Schönheit des Flusses ein.

Nebenwasserläufe und Kanalanschlüsse[Bearbeiten]

Wentowkanal
Mündung des Döllnfließes in den Voßkanal
Die Potsdamer Havel im Winter (Tiefer See)
Nuthe-Mündung, Potsdam gegenüber der Freundschaftsinsel
Ansicht von Geltow, Blick über die Potsdamer Havel von der Bundesstraße 1 kurz vor der Baumgartenbrücke
Wehr Gnevsdorf am Gnevsdorfer Vorfluter

Von der Quelle flussabwärts:

Orte[Bearbeiten]

Von der Quelle flussabwärts:

Die Schleusen der Havel[Bearbeiten]

Im Verlauf der Havel und ihrer Seitenarme wurden im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Staustufen installiert. Im Mittelalter geschah dies meist in Städten und mit der Absicht, die Wasserkraft für das Antreiben von Mühlen nutzbar zu machen. Beispiele hierfür sind die Staustufen in Oranienburg, Brandenburg und Rathenow. Diese Staustufen führten zu Konflikten mit der Schifffahrt, deren Fahrwege somit verlegt wurden. Die Schifffahrt stellte zu jener Zeit jedoch die einzige Möglichkeit dar, große Mengen Massengüter über weitere Entfernungen zu transportieren. Die Havel war bereits eine wichtige Wasserstraße. Der Interessenkonflikt wurde gelöst, indem man die ersten Schleusen im Verlauf der Havel errichtete.

In späterer Zeit wurden weitere Staustufen angelegt. Anders als die mittelalterlichen Mühlenstaue sollten hierbei Wehre einzelne Abschnitte der Havel durch Aufstauen überhaupt erst schiffbar machen. Dies betraf vor allem den Bereich der Oberen Havel, die dort im natürlichen Verlauf ein zu schmales und flaches Bett aufwies. Die Mehrzahl der Havelwehre unterhalb der Stadt Brandenburg wurde im Zuge von Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes errichtet.

Die angelegten Staustufen wurden und werden mit unterschiedlichen Schleusenbauwerken überwunden. Teilweise wurden Großbauwerke mit über hundert Meter langen Schleppzuschleusen und unweit dieser wenige Meter lange und durch Hand zu betreibende Kahnschleusen errichtet. In den letzten Jahren ist man dazu übergegangen, einzelne Schleusen per aus der Ferne mittels Funksignalen zu bedienen.

Havelfähren[Bearbeiten]

Fähre Pritzerbe am Ufer von Kützkow

Bereits seit dem Mittelalter sind Fährverbindungen über die Havel bekannt. Der Großteil wurde später durch Brückenbauwerke abgelöst. Aufgrund der vielerorts seeartigen Breite der Havel, der sumpfigen Uferbereiche, aus volkswirtschaftlichen Überlegungen, aus Naturschutz- oder Tourismusgründen blieben jedoch einige Fährverbindungen bis in die heutige Zeit bestehen. So existieren noch heute im Bereich der Unteren Havel innerhalb Berlins die Verbindungen F 10 über den Großen Wannsee und eine Fähre zur Pfaueninsel.

Erstere wird durch die Berliner Verkehrsbetriebe betrieben und wird ausschließlich mit freifahrenden Personenfähren befahren. Die Verbindung zur Pfaueninsel wird mit der Personenfähre Louise aus dem Jahr 1968 und einer kleinen Wagenfähre betrieben, die ein Auto und 150 Personen transportieren kann. Die Wagenfähre zur Pfaueninsel ist eine nicht freifahrende Seilfähre. In Brandenburg gibt es noch heute eine Fährverbindung in Potsdam nach Hermannswerder als reine Personenfähre. Diese wird durch den Verkehrsbetrieb Potsdam betrieben. Wagenfähren verkehren noch heute in Caputh (Tussy II), in Ketzin (Charlotte), in der Stadt Brandenburg (Fähre Neuendorf) und in Havelsee (Fähre Pritzerbe).

Havelfischerei[Bearbeiten]

Berufsfischerei in Havelsee

Die Fischerei hat auf der Havel eine jahrtausendelange Tradition. Bei Pritzerbe wurden beispielsweise jungpaläolithische bis mesolithische knöcherne Angelhaken gefunden.[9] Auch im 21. Jahrhundert wird die Havel über weite Strecken intensiv kommerziell befischt. So gibt es beispielsweise in den Orten Brandenburg an der Havel, Plaue, Briest und Pritzerbe noch mehrere Berufsfischer. Der gefangene Havelfisch, wie beispielsweise Zander und Aal, wird zubereitet oder unzubereitet frei verkauft und gehört zur traditionellen Brandenburger Küche.

Trivia[Bearbeiten]

Im Januar 2012 erhielt ein bis dahin unbenanntes Tal auf dem Mars den Namen „Havel Vallis“.[10]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Reschke: Die Havel. Natur und Kultur zwischen Müritz und Havelberg. Trescher Verlag, Berlin 2012. ISBN 978-3-89794-206-6.
  • Hans-Joachim Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen. DSV-Verlag, Hamburg 1994. ISBN 3-88412-204-5.
  • Geliebte Heimat Havelland. Spandauer Zeitung 1936.
  • Die Havel, unser Heimatfluß. Spandauer Zeitung 1936.

Karten[Bearbeiten]

  • Folke Stender (Redaktion): Sportschifffahrtskarten Binnen 1. Nautische Veröffentlichung Verlagsgesellschaft. ISBN 3-926376-10-4.
  • Autorenkollektiv W. Ciesla, H. Czesienski, W. Schlomm, K. Senzel, D. Weidner: Schiffahrtskarten der Binnenwasserstraßen der Deutschen Demokratischen Republik 1:10.000, Band 3. Herausgeber: Wasserstraßenaufsichtsamt der DDR, Berlin 1988. (keine ISBN)
  • Radwander- und Wanderkarte mit Zick-Zack-Faltung Havelradweg mit Begleitheft, Verlag Dr. Andreas Barthel, ISBN 978-3-89591-172-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Gewaessersteckbrief-Elbe, Plan Hochwasservorsorge Dresden, 2010 Auf: dresden.de (PDF-Datei; 8,3 MB)
  2. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Elbegebiet, Teil II 1998. Landesumweltamt Brandenburg, 2007, abgerufen am 20. Januar 2013 (PDF, deutsch, 5,55 MB).
  3. Die Havelquelle. Private Website
  4. Kluge, Jörg, u.a. „Land unter – Die Chronik der Flut an Elbe und Havel in Bildern.“
  5. Hochwasserschutz: Havelpolder schaffen Platz für die Elbeflut abgerufen auf www.lugv.brandenburg.de am 13. März 2014
  6. Winfried Schich: Die Havel als Wasserstraße im Mittelalter (PDF; 299 kB)
  7. a b c Verzeichnis E, Lfd. Nr. 39, 21, 60 der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  8. Reichsverkehrsblatt A 1936 S. 31
  9. Sebastian Kinder und Haik Thomas Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. 2006, S. 90.
  10. International Astronomical Union (WGPSN)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Havel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Schnelle Havel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Havelfähren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien