Ernst-Thälmann-Park
Der Ernst-Thälmann-Park ist eine innerstädtische Parkanlage im Ortsteil Prenzlauer Berg (Bezirk Pankow von Berlin). Er hat eine Gesamtfläche von 25 ha, wovon 16 ha auf die reinen Park- und Grünflächen entfallen. Auf dem Gelände befand sich vormals eine städtische Gasanlage.
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Lage [Bearbeiten]
Der Park wird im Westen durch die Prenzlauer Allee und im Osten durch die Greifswalder Straße begrenzt; die Nord-Süd-Ausdehnung reicht von der S-Bahn-Trasse (Ringbahn) bis zur Danziger Straße. Benachbarte Wohnquartiere sind das Gebiet Ostseeplatz/Grellstraße im Norden, die Grüne Stadt um den Anton-Saefkow-Park im Osten, das Winsviertel im Süden und der Helmholtzkiez im Westen.
Öffentliche Anbindung [Bearbeiten]
Den Park erreicht man am besten durch die S-Bahn (Ringbahn) über die Bahnhöfe Prenzlauer Allee bzw. Greifswalder Straße oder mittels Straßenbahn über die Strecken M2, M4 bzw. M10.
Geschichte, Gebäude und Skulpturen [Bearbeiten]
IV. Berliner Gasanstalt [Bearbeiten]
Auf dem Gelände des heutigen Ernst-Thälmann-Parkes befand sich von 1873 bis 1981 die IV. Berliner Gasanstalt; eines von 33 Berliner Gaswerken. Mit einer technischen Nutzungsdauer von 108 Jahren wies es die längste Betriebsdauer eines Gaswerkes in Berlin auf. Das hier durch Steinkohlendestillation hergestellte Leuchtgas wurde zunächst für die Berliner Gaslaternen genutzt. Mit der Zunahme des Gasbedarfs in Gewerbe- und Wohneinheiten stellte das Werk ab 1908 auch Wassergas (eine Mischung aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff), ab 1913 Generatorgas (Herstellung durch unvollständige Verbrennung von Koks) und ab 1915 auch Benzol her. Ab 1889 erfolgte auf dem Gelände der Bau von Gasbehältern mit einem Durchmesser von 65 Metern. Die Wassertiefe in den Behältern belief sich auf 11,2 Meter und die dreiteiligen Glocken hatten ein Fassungsvermögen von 81.000 bzw. 91.000 Kubikmeter.[1] Die bei der Gaserzeugung anfallenden Nebenprodukte wie Cyanide, Phenole, Schwefelwasserstoff, Teer, Naphthalin und Ammoniak stellten später ein erhebliches Umweltproblem für den Park und deren Anwohner dar.
Bereits 1933 wurden Überlegungen laut, das Gaswerk stillzulegen und auf dem Areal ein Park anzulegen. Diese Pläne wurden 1937 in die Gesamtplanung der „baulichen Ausgestaltung der Reichshauptstadt“ integriert. Zunächst wurde binnen von zwei Jahren unter Einbeziehung des Reichsarbeitsdienstes ein kleiner Park an der Danziger Straße realisiert, der 1939 eingeweiht wurde. Weiterhin waren bereits ein Land- und Wassersportplatz, Fest- und Sporthallen, Gaststätten und eine Konzerthalle geplant. Hierbei war auch eine Umnutzung der drei Gasometer als Wasserbecken angedacht. Mit Kriegsbeginn wurden alle Arbeiten eingestellt. Nach Beseitigung der Kriegsschäden nahm das Gaswerk im März 1946 wieder seine Produktion auf.[2]
Nach der endgültigen Einstellung der Gasproduktion im Jahr 1981 wurde das Gaswerk abgerissen und der letzte Gasometer am 28. Juli 1984 gesprengt. Bei den Abrissarbeiten und der Erschließung war das 22. Pionierbaubataillon der NVA beteiligt.[1]
Neue Planungen für den Park [Bearbeiten]
Die Umgestaltung zum „bewohnten Park“ mit Wohn- und Einkaufsmöglichkeiten war bislang einzigartig und sollte ein Prestigeobjekt der DDR zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 darstellen. Der Bau des Parks wurde im September 1976 im ZK der SED vorgeschlagen und im April 1981 auf dem X. Parteitag der SED beschlossen. „Dem unerschütterlichen Kampf des deutschen Proletariats gegen die faschistische Diktatur und für die Befreiung unseres Volkes vom Hitlerregime für den Aufbau eines neuen Deutschlands wird die Errichtung des Denkmals für Ernst Thälmann im vorgesehenen Volkspark Prenzlauer Berg in der Hauptstadt der DDR gewidmet sein. Dieses Denkmal wird davon künden, dass die Thälmannsche Garde, seinem Vermächtnis getreu, unser Volk in die sozialistische Gegenwart und in die kommunistische Zukunft führt“ (Erich Honecker auf dem X. Parteitag, 1981). Honecker selbst besuchte mehrfach die Baustelle.[1]
Der Bau des Parks, Gebäude [Bearbeiten]
In nur drei Jahren wurden unter Leitung des Architekten Erhardt Gißke und der Arbeit von über 1.300 Bauarbeitern von 1983 bis 1986 1332 Wohnungen für 4000 Bewohner und das Planetarium gebaut, pro Bewohner ein Baum gepflanzt, Parkflächen, eine Denkmalanlage und ein künstlicher Teich angelegt. Die Anlage wurde zum 100. Geburtstag von Ernst Thälmann am 16. April 1986 eingeweiht.
Der Park wurde von Beginn an als Symbiose zwischen Wohnen, kulturellen Einrichtungen und Natur geplant und angelegt. Neben den Plattenbauten an der Greifswalder Straße befinden sich im Park eine Schule, soziale Einrichtungen, eine Schwimmhalle, mehrere Gaststätten und das 1987 eingeweihte Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee. Bei den Wohnhäusern handelt es sich um achtgeschossige Plattenbauten der Reihe WBS 70, denen eigens für den Ernst-Thälmann-Park entwickelte zwölf-, fünfzehn- und achtzehngeschossige Hochhäuser vorgelagert wurden.[1] Die bunten Mosaikfiguren auf dem Sternenspielplatz hinter dem Planetarium wurden von der Künstlerin Steffi Bluhm zusammen mit Kindern im Rahmen eines Wettbewerbes der Kinderzeitschrift FRÖSI entwickelt. Im Gebäude des Theater unterm Dach an der Danziger Straße hatte die Verwaltung des Gaswerkes ihren Sitz. Es beherbergt heute neben dem Theater das Kulturamt und eine Galerie. In dem angebauten Veranstaltungshaus WABE finden Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen statt. Vor dem Eingang der Wabe steht die Figur Junge aus der Marienburger Straße der Bildhauerin Sabina Grzimek.
Nach 1990 [Bearbeiten]
Anfang der 1990er Jahre beklagten sich Anwohner über Geruchsbelästigungen. Obwohl der Boden nach Abriss des Gaswerkes ausgetauscht wurde, blieben Altlasten zurück. Eine Messung des Grundwassers ergab eine Belastung durch Cyanide und Phenole. Zudem wurden beim Abriss der Anlagen Teerbehälter im Boden belassen. Diese wurden umgehend entsorgt und mehrfach Bodensanierungen vorgenommen. 2004 wurde eine biologische Reinigungsanlage in Betrieb genommen, die sich im östlichen Teil des Parkes befindet. Die Anlage pumpt aus 30 Meter Tiefe pro Stunde 15 Kubikmeter Grundwasser in einen Behälter, in dem zunächst feste Stoffe abgeschieden werden. In einer zweiten Stufe läuft das mit Sauerstoff angereicherte Wasser über zwei Kiesfilter und wird anschließend in 4 Bioreaktoren gepumpt. Die darin befindlichen Mikroorganismen bauen organische Schadstoffe ab, als Endprodukt verbleiben Kohlendioxid und Wasser. Das so gereinigte Wasser wird durch die Anlage wieder in die Erde gepumpt. [3]
Vor dem Planetarium wurde 1996 die Skulptur Sportler der Bildhauerin Margret Middell platziert. Nicht weit davon entfernt steht die „Sonnenuhr“ des Bildhauers Joachim Liebscher. Im Garten der Gaststätte „Zur alten Gaslaterne“ findet man die Figurengruppe Berliner Typen des Künstlers Johannes Harbort.
1997 sprach sich eine Mehrheit der Bewohner bei einer Umfrage des Bezirksamtes Prenzlauer Berg für eine Beibehaltung des Namens Ernst-Thälmann-Park aus.
Nach 2000 [Bearbeiten]
Nach der Jahrtausendwende verstärkte sich das Interesse von Investoren am Areal des Thälmannparkes. Trotz des schlechten Images von Plattenbauten entstand bis 2011 auf einem vorher von der Stadtreinigung genutzten Areal eine Wohnanlage mit Eigentums- und Mietwohnungen. 2013 sollen auf einem Grundstück der Berliner Gaswerke weitere Eigentumswohnungen entstehen[4]. Auch der ehemalige Güterbahnhof Greifswalder Straße ist in den Fokus von Bauträgern geraten[5]. Kritiker befürchten durch die Neubauten eine Verdrängung der angestammten Wohnbevölkerung.
Der Bezirk Pankow von Berlin will ein Gesamtkonzept zur Nachverdichtung des Thälmannparkes erarbeiten lassen[6].
Ernst-Thälmann-Denkmal [Bearbeiten]
Das 1981 bis 1986 geschaffene Werk des sowjetischen Bildhauers Lew Jefimowitsch Kerbel stellte für viele Künstler der DDR ein Ärgernis dar, da es in der DDR genug renommierte und international anerkannte Bildhauer für einen solchen Auftrag gegeben hätte und zudem ein lang geplantes Ernst-Thälmann-Denkmal der Bildhauerin Ruthild Hahne nie zur Ausführung gelangte.
An der Greifswalder Straße steht das 13 Meter hohe, 15 Meter breite und 50 Tonnen schwere Ernst-Thälmann-Denkmal für den Namensgeber des Parks, Ernst Thälmann. Die Thälmannsche Bronzeskulptur ruht auf einen Sockel aus rotem Granit, der aus einem Steinbruch bei Tok, Nahe Kiew stammt. Bei diesem handelt es sich um ein Geschenk der Sowjetunion an die DDR als Zeichen der Achtung des Andenkens an Ernst Thälmann. Die Vorderseite des Denkmals ist mit „Ernst Thälmann“, die beiden Stirnseiten mit „Rot-Front“ beschriftet. Das Denkmal steht auf einem zur Greifswalder Straße hin leicht geneigten Platz mit einer Fläche von 3.800 Quadratmetern.
Bereits im Februar 1982 begannen die Vorarbeiten für das Denkmal. Der Guss erfolgte im traditionsreichen VEB Schwermaschinenbau Lauchhammerwerk. Eigens für die Herstellung der Teile wurde dort ein 18x18 Meter große und 15 Meter hohe Halle errichtet, wo auch in den Wintermonaten gearbeitet werden konnte. Insgesamt wurden so 277 Gipselemente als Gussvorlagen hergestellt. Die Auslieferung der fertigen Bronzeformen erfolgte zwischen August und Oktober 1984. Die Montage der Teile wurde im November 1985 abgeschlossen; im Februar 1986 waren auch letzte Feinarbeiten erledigt.[1]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b c d e Baudirektion Hauptstadt Berlin des Ministeriums für Bauwesen der DDR: Ernst-Thälmann-Park. Bauakademie der DDR, 1986
- ↑ luise-berlin.de Hans Soost: Gas und Koks, Ruß und Staub bei luise-berlin.de
- ↑ Berliner Senatsseite Beispiele - Sanierung außerhalb der Freistellungsverfahren
- ↑ http://prenzlauerberg-nachrichten.de/politik/_/investor-baut-am-thalmann-park-17953.html, abgerufen am 11. November 2012
- ↑ http://prenzlauerberg-nachrichten.de/politik/_/townhouse-siedlung-und-hochhaus-an-der-greifs-17752.html, abgerufen am 11. November 2012
- ↑ http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/pankow-stadtrat-kirchner--meine-plaene-fuer-den-thaelmannpark,7169128,20675250.html, abgerufen am 11. November 2012
Literatur [Bearbeiten]
Fotogalerie Berlin (Hrsg.): Eberhard Klöppel. Vom Gaswerk zum Ernst-Thälmann-Park. Ausstellung vom 15.1. bis 28.2. 1988. Berlin, 1988. 47 S., 8°, OKart.,
Weblinks [Bearbeiten]
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Commons: Ernst-Thälmann-Park (Berlin) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien - Homepage der „WABE“
- Homepage des Zeiss-Großplanetariums
- Ernst-Thälmann-Park
- Homepage der Grundschule am Planetarium
- Gasometer sprengt man nicht Beitrag in der Berliner Zeitung vom 29. Oktober 2011
- Anwohner-Initiative Thälmannpark
52.53972222222213.431666666667Koordinaten: 52° 32′ 23″ N, 13° 25′ 54″ O