Ernst Thälmann

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Ernst Thälmann, 1932
Ernst-Thälmann-Denkmal in Weimar

Ernst Johannes Fritz Thälmann (* 16. April 1886 in Hamburg;[1]18. August 1944 im KZ Buchenwald) war ein deutscher Politiker der Weimarer Republik. Er war Parteivorsitzender der KPD von 1925 bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo im Jahr 1933. Er war kommunistischer Kandidat für die Reichspräsidentenwahlen von 1925 und 1932 und Mitglied des Reichstages von 1924 bis 1933.[2] Thälmann führte von 1925 bis zu seinem Verbot 1929 den paramilitärischen RFB an, der als so genannte Schutz- und Wehrorganisation vor allem in Straßenkämpfen mit den Nationalsozialisten in Erscheinung trat. Er schloss die in den Statuten der Kommunistischen Internationalen vorgesehene Umstrukturierung der KPD als Partei neuen Typus ab. Aufbauend auf die sowjetische Sozialfaschismusthese bekämpfte die KPD unter seiner Führung die SPD als politischen Hauptfeind innerhalb der Weimarer Republik.

Seine Verhaftung erfolgte am 3. März 1933, zwei Tage vor der Reichstagswahl März 1933 und einige Tage nach dem Reichstagsbrand. Thälmann wurde im August 1944, nach über elf Jahren Einzelhaft, vermutlich auf direkten Befehl Adolf Hitlers erschossen.[3][4]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Schulausbildung und Berufstätigkeit[Bearbeiten]

Von 1893 bis 1900 besuchte Thälmann die Volksschule. Rückblickend beschrieb er später Geschichte, Naturgeschichte, Volkskunde, Rechnen, Turnen und Sport als seine Lieblingsfächer. Religion hingegen mochte er nicht.[5] Mitte der 1890er Jahre eröffneten seine Eltern ein Gemüse-, Steinkohlen- und Fuhrwerksgeschäft in Eilbek,[6] einem Stadtteil von Hamburg. In diesem Geschäft musste er nach der Schule aushelfen. Seine Schularbeiten erledigte er am frühen Morgen vor dem Unterrichtsbeginn. Seine Erfahrungen im elterlichen Geschäft beschrieb er später so:[6]

„Beim Einkaufen der Kunden im Geschäft bemerkte ich schon die sozialen Unterschiede im Volksleben. Bei den Arbeiterfrauen Elend, Not und teilweise Hunger bei ihren Kindern und geringe Einkäufe, bei den bemittelten Kunden größere Einkäufe usw.“

Ernst Thälmann: Gekürzter Lebenslauf[6]

Trotz dieser Belastung war Thälmann ein guter Schüler, dem das Lernen viel Freude bereitete. Sein Wunsch, Lehrer zu werden oder ein Handwerk zu erlernen, erfüllte sich nicht, da seine Eltern ihm die Finanzierung verweigerten. Er musste daher weiter im Kleinbetrieb seines Vaters arbeiten, was ihm, nach eigenen Aussagen, großen Kummer bereitete.[6] Durch das frühzeitige „Schuften“ im elterlichen Betrieb kam es zu vielen Auseinandersetzungen mit seinen Eltern. Thälmann wollte für seine Arbeit einen richtigen Lohn und nicht nur ein Taschengeld. Darum suchte er sich eine Arbeit als „Ungelernter“ im Hafen. Hier kam Thälmann bereits als Zehnjähriger mit den Hafenarbeitern in Kontakt, als sie vom November 1896 bis Februar 1897 im Hamburger Hafenarbeiterstreik die Arbeit niederlegten.[5] Der Arbeitskampf wurde von allen Beteiligten erbittert geführt. Er selbst schrieb 1936 aus dem Gefängnis an seine Tochter, dass „der große Hafenarbeiterstreik in Hamburg vor dem Kriege, […] der erste sozialpolitische Kampf“ gewesen sei, „der sich für immer in […] (sein) Herz“ eingeprägt habe.[7] Der (sozial)politische Inhalt der Gespräche der Hafenarbeiter soll ihn sehr geprägt haben.[5]

Anfang 1902 verließ er im Streit das Elternhaus und kam zunächst in einem Obdachlosenasyl unter, später in einer Kellerwohnung. Ab 1904 fuhr er als Heizer auf dem Frachter AMERIKA zur See, unter anderem in die USA. Hier war er 1910 in der Nähe von New York für kurze Zeit als Landarbeiter tätig. In den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg betätigte sich Thälmann als konsequenter Streiter für die Interessen der Hamburger Hafenarbeiter. Von 1913 bis 1914 arbeitete er als Kutscher für eine Wäscherei.

Kriegsdienst[Bearbeiten]

Anfang 1915 wurde er zum Kriegsdienst bei der Artillerie eingezogen und kam an die Westfront, an der er bis zum Kriegsende als Kanonier kämpfte. Zweimal kam er nach Verwundungen[8] in Lazarette in Köln und Bayreuth. Er selbst gab an, an folgenden Schlachten und Gefechten teilgenommen zu haben: Schlacht in der Champagne (1915–1916), Schlacht an der Somme (1916), Schlacht an der Aisne, Schlacht von Soissons, Schlacht von Cambrai (1917) und Schlacht bei Arras.[6]

Thälmann erhielt im Krieg mehrere Auszeichnungen:

Familie[Bearbeiten]

Thälmanns Vater, Johannes Thälmann (Jan genannt; * 11. April 1857; † 31. Oktober 1933),[6] wurde in Weddern in Holstein geboren und arbeitete dort als Knecht. Die Mutter Thälmanns, Maria-Magdalene (geb. Kohpeiss; * 8. November 1857; † 9. März 1927),[6] kam im vierländischen Kirchwerder als Tochter eines Zimmermanns zur Welt. Die Hochzeit fand 1884 in Hamburg statt. Dort verdiente sich Johannes Thälmann sein Geld zunächst als Speditionskutscher.

Die Eltern waren parteilos; im Unterschied zum Vater war die Mutter tief religiös. Nach der Geburt ihres Sohnes Ernst übernahmen die Eltern eine Kellerwirtschaft in der Nähe des Hamburger Hafens. Am 4. April 1887 wurde Frieda, die Schwester von Ernst Thälmann geboren († 8. Juli 1967 in Hamburg). Im März 1892 wurden die Eltern Thälmanns wegen Hehlerei zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie entwendete Waren gekauft oder für Schulden in Zahlung genommen hatten.[5][9] Thälmann und seine jüngere Schwester Frieda wurden getrennt und in unterschiedliche Familien zur Pflege gegeben. Die Eltern wurden jedoch vorzeitig aus der Haft entlassen (die Mutter im Mai und der Vater im Oktober 1893). Die Straftat seiner Eltern wurde noch 36 Jahre später im Wahlkampf gegen Ernst Thälmann verwendet. Den politischen Gegnern kam es gelegen, dass schon der Vater ein „Zuchthäusler“ gewesen war.

Wenige Tage vor Beginn seines Kriegsdienstes heiratete er am 13. Januar 1915 Rosa Koch. Aus dieser Ehe ging die Tochter Irma Thälmann hervor.

In einem neueren Buch findet sich der Hinweis, Irma sei „nicht die einzige Nachkommin ihres Vaters“.[10] Weitere Angaben werden dort aber nicht gemacht.

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Anfangsjahre[Bearbeiten]

Betätigung in SPD und USPD[Bearbeiten]

Ernst Thälmann: Locarno – Der neue Kriegspakt. Rede des Reichstagsabgeordneten Thälmann in der Sitzung des Deutschen Reichstages am 24. November 1932
Ergebnis des ersten Wahlgangs zur Reichspräsidentenwahl 1925
Ergebnis des zweiten Wahlgangs zur Reichspräsidentenwahl 1925
Ernst Thälmann und Maurice Thorez: Paris – Berlin. Unser Kampf gegen den imperialistischen Krieg, gegen Versailles. Für die soziale und nationale Befreiung, 1932

Thälmann wurde am 15. Mai 1903 Mitglied der SPD. Am 1. Februar 1904 trat er dem Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands bei, in dem er zum Vorsitzenden der Abteilung Fuhrleute aufstieg. 1913 unterstützte er eine Forderung von Rosa Luxemburg nach einem Massenstreik als Aktionsmittel der SPD zur Durchsetzung politischer Forderungen.[11] Im Oktober 1918 desertierte Thälmann gemeinsam mit vier befreundeten Soldaten, indem er aus dem Heimaturlaub nicht mehr an die Front zurückkehrte, und trat Ende 1918 der USPD bei.[12]

In Hamburg beteiligte er sich am Aufbau des Hamburger Arbeiter- und Soldatenrates. Ab März 1919 war er Vorsitzender der USPD in Hamburg und Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Gleichzeitig arbeitete er als Notstandsarbeiter im Hamburger Stadtpark, dann fand er eine gut bezahlte Stelle beim Arbeitsamt. Hier stieg er bis zum Inspektor auf. Ende November 1920 schloss sich der mitgliederstarke linke Flügel der USPD der Kommunistischen Internationale (Komintern) an und vereinigte sich damit mit deren deutscher Sektion, der KPD. Diese firmierte daraufhin für die folgenden zwei Jahre auch unter dem Alternativnamen Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands (VKPD). Thälmann war der wichtigste Befürworter dieser Vereinigung in Hamburg. Auf sein Betreiben hin traten 98 Prozent der Mitglieder der Hamburger USPD der KPD bei.[6]

Übertritt in die KPD[Bearbeiten]

Im Dezember wurde er in den Zentralausschuss der KPD gewählt. Am 29. März 1921 wurde er wegen seiner politischen Tätigkeit vom Dienst im Arbeitsamt fristlos entlassen, nachdem er unerlaubt seinem Arbeitsplatz ferngeblieben war. Er war einem Aufruf der KPD gefolgt, sich der März-Aktion anzuschließen. Im Sommer des Jahres 1921 fuhr Thälmann als KPD-Vertreter zum III. Kongress der Komintern nach Moskau und lernte dort Lenin kennen. Am 17. Juni 1922 wurde ein rechtsradikales Attentat auf seine Wohnung verübt, um Thälmann zu ermorden. Angehörige der nationalistischen Organisation Consul warfen eine Handgranate in seine Parterrewohnung in der Hamburger Siemssenstraße 4. Seine Frau und seine Tochter blieben unverletzt. Thälmann selbst kam erst später heim.

Hamburger Aufstand[Bearbeiten]

Thälmann war Teilnehmer und einer der Organisatoren des Hamburger Aufstandes vom 23. bis 25. Oktober 1923. Der Aufstand scheiterte, und Thälmann musste für eine Weile untertauchen. Später urteilte er in der Berliner Ausgabe des Parteiorgans Die Rote Fahne:

„Unsere Partei als Ganzes war noch viel zu unreif, um diese Fehler der Führung zu verhindern. So scheiterte im Herbst 1923 die Revolution am Fehlen einer ihrer wichtigsten Voraussetzungen: dem Bestehen einer bolschewistischen Partei.“

Ernst Thälmann: Rote Fahne[13]

Das Scheitern des Aufstandes wurde vor allem den ehemaligen KPD-Vorsitzenden und „Rechtsabweichlern“ Heinrich Brandler und August Thalheimer vorgeworfen. Die fehlende Bolschewisierung sei schuld an der Niederlage gewesen. Zu einem ähnlichen Schluss kam Georgi Dimitrow nach dem gescheiterten „Antifaschistischen Septemberaufstand“ 1923 in Bulgarien.[14]

Parteivorsitzender[Bearbeiten]

Ab Februar 1924 war er stellvertretender Vorsitzender und ab Mai Reichstagsabgeordneter der KPD. Den Posten im Reichstag hatte Thälmann bis zum Ende der Weimarer Republik inne. Im Sommer 1924 wurde er auf dem V. Kongress der Komintern in ihr Exekutivkomitee und kurze Zeit später ins Präsidium gewählt. Am 1. Februar 1925 wurde er Vorsitzender des Roten Frontkämpferbundes und am 1. September des Jahres Vorsitzender der KPD,[5] als Nachfolger von Ruth Fischer, die kurze Zeit später als „ultralinke Abweichlerin“ aus der KPD ausgeschlossen wurde. Thälmann kandidierte bei der Reichspräsidentenwahl 1925 auch für das Amt des Reichspräsidenten. Obwohl er im ersten Wahlgang nur sieben Prozent der Stimmen bekommen hatte, hielt er seine Kandidatur auch für den zweiten Wahlgang aufrecht. In diesem Zusammenhang wurde Thälmann vorgeworfen, dass sein Wahlergebnis von 6,4 Prozent dem Kandidaten der bürgerlichen Partei, Wilhelm Marx (45,3 Prozent), fehlten und den Sieg des Monarchisten Paul von Hindenburg mit 48,3 Prozent ermöglichten. Im Oktober 1926 unterstützte Thälmann in Hamburg den dortigen Hafenarbeiterstreik. Er sah dies als Ausdruck der Solidarität mit einem englischen Bergarbeiterstreik, der seit dem 1. Mai anhielt und sich (positiv) auf die Konjunktur der Unternehmen im Hamburger Hafen auswirkte. Thälmanns Absicht war, dieses „Streikbrechergeschäft“ von Hamburg aus zu unterbinden. Am 22. März 1927 beteiligte sich Ernst Thälmann an einer Demonstration in Berlin, wo er durch einen streifenden Säbelhieb über dem rechten Auge verletzt wurde. 1928 fuhr Thälmann nach dem VI. Kongress der Komintern in Moskau nach Leningrad, wo er zum Ehrenmitglied der Besatzung des Kreuzers Aurora ernannt wurde.

Wittorf-Affäre[Bearbeiten]

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Bei der Rückkehr vom VI. Weltkongress berichtete Thälmann Wilhelm Florin über die Veruntreuung von Parteigeldern in Höhe von mindestens 1.500 Mark seitens des Politischen Sekretärs des KPD-Bezirks Wasserkante, John Wittorf. Bei dieser Gelegenheit gab er zu, bereits seit Mai von der Unterschlagung gewusst zu haben, sie jedoch verschwiegen zu haben, um Schaden von der Partei im Rahmen der Reichstagswahl 1928 abzuwenden. Wittorf hatte seit 1927 seine Funktion im Bezirk Wasserkante inne, war seit dem 11. Parteitag Mitglied im ZK und seit Mai 1928 neu gewählter Reichstagsabgeordneter. Willy Presche, Ludwig Ries und John Schehr waren auf die Unterschlagung aufmerksam geworden und baten um ein Gespräch Thälmanns mit Wittorf. Er konnte Wittorf davon überzeugen Schuldscheine auszustellen und über diese das Geld der Partei zurückzuzahlen.

Am Abend des 26. September 1928 schloss das Zentralkomitee der Partei den Hamburger Wittorf aus der Partei aus und entfernte ihn von allen politischen Ämtern. Die Parteirechte – die Versöhnler – forderte sogar den Ausschluss Thälmanns aus der Partei. Dieser beantragte – den Statuten entsprechend – eine Diskussion im Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationalen (EKKI) und bekannte sich zu seinen Fehlern in der Wittorf-Affäre. Am Ende der ZK-Sitzung fokussierte man eine öffentliche Parteidiskussion, indem man einen Text über Thälmanns Verfehlungen im Partei-Organ Die Rote Fahne platzierte. In der Druckerei zog man in Erwägung, den Text nicht abzudrucken.[15] Thälmann wurde all seiner Ämter enthoben. Weitergehende Anträge waren der Ausschluss von Presche, Ries und Schehr, die Thälmann auf die Unterschlagung Wittorfs hinwiesen, die Einberufung eines Sonderparteitags, die Umformung des Zentralkomitees mit der Einbeziehung von Heinrich Brandler und August Thalheimer in die Parteiarbeit und die Einstellung der Hetze gegen die Rechten in der Partei. Es wurde versucht, die Affäre auszunutzen, um einen Putsch innerhalb der Partei durchzuführen und die Beschlüsse des 11. Parteitags in Essen zu revidieren. Es kam zu Protesten innerhalb der Partei und der Roten Fahne.[16][17]

Das EKKI setzte Thälmann am 6. Oktober nach einer Intervention Stalins wieder in seine Parteifunktionen ein.[18] Stalin verurteilte die Fraktionsbildung innerhalb der KPD, die Lenin schon in seinem Werk Was tun? kritisiert hatte und die bei den Mitgliedsparteien der KI verboten war. Des Weiteren wurden die Beschlüsse des Essener Parteitags durch das EKKI bestätigt, der Ausschluss Wittorfs und die fehlerhafte Haltung Thälmanns bestätigt. Dem EKKI-Präsidium lag ein Telegramm vor, das am 5. Oktober Otto Kuusinen zugegangen war. Darin distanzierten sich 25 Mitglieder des deutschen ZK von dessen am 26. September gefassten Beschluss gegen Thälmann.[16] Philipp Dengel, der als Sekretär des ZK den Vorsitz mit Thälmann innehatte und ebenfalls für dessen Absetzung stimmte, wurde auf dem nachfolgenden Parteitag der KPD nicht wieder bestätigt und war nur einfaches Mitglied im ZK. Thälmann besaß nun den alleinigen Vorsitz der Partei.[19] Daraufhin kehrte Heinrich Brandler, der bis dahin im Moskauer Ehrenexil weilte, zusammen mit Thalheimer zurück und gründete als kommunistische Gegenspielerin die KPD-O, woraufhin alle Beteiligten aus der KPD ausgeschlossen wurden.

In den nachfolgenden Wochen wurde in den KPD-Bezirken in Sitzungen der Bezirksleitungen und Parteiarbeiterkonferenzen die Resolution der EKKI diskutiert und zur Abstimmung gestellt. Die parteiinterne Abstimmung ergab eine dominierende Majorität in der Partei.[16] Die Affäre samt ihrem Widerhall in der Öffentlichkeit schadete der KPD in ihrer Kampagne für einen Volksentscheid gegen den angestrebten Panzerschiffsbau der SPD-Regierung, den sie in der Opposition zuvor bekämpft hatte.[20]

Kampf gegen die SPD[Bearbeiten]

Stimmzettel zur Reichspräsidenten-Wahl 1932
Wahlwerbung an Weimarer Hauswand Trierer Straße Ecke Richard-Wagner-Straße
Inschrift am Sporthaus Ziegenhals über die illegale Sitzung im Februar 1933
Ernst Thälmann auf einer DDR-Briefmarke

Auf dem 12. Parteitag der KPD vom 9. bis 15. Juni 1929 in Berlin-Wedding ging Thälmann angesichts der Ereignisse des Blutmai, der sich dort zuvor zugetragen hatte, auf deutlichen Konfrontationskurs zur SPD. Neben innenpolitischem Engagement setzte er sich auch für außenpolitische und nationale Belange ein, insbesondere kritisierte er die Nationalsozialisten, die nicht für die Anträge der KPD stimmten, die einen Austritt aus dem Völkerbund und eine Beseitigung der Reparationslasten forderten. So schrieb er in einem Brief in der Neuen Deutschen Bauernzeitung Nr. 4 von 1931: „Die nationalsozialistischen und deutschnationalen Betrüger versprachen euch Kampf zur Zerreißung des Youngplanes, Beseitigung der Reparationslasten, Austritt aus dem Völkerbund, aber sie wagten nicht einmal, im Reichstag für den kommunistischen Antrag auf Einstellung der Reparationszahlungen, Austritt aus dem Völkerbund zu stimmen.“ In dem Brief betont er auch seine nationalen Absichten mit „Vorwärts zur nationalen und sozialen Befreiung!“[21] Am 13. März 1932 kandidierte er neben Adolf Hitler und Theodor Duesterberg (welcher aber nach dem ersten Wahldurchgang seine Kandidatur zurückzog) für das Amt des Reichspräsidenten gegen Hindenburg. Wahlspruch der KPD war: „Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler, wer Hitler wählt, wählt den Krieg.“ Gegen den stärker werdenden Nationalsozialismus propagierte er kurze Zeit später eine „Antifaschistische Aktion“ als „Einheitsfront von unten“, also unter Ausschluss der SPD-Führung. Dieses Vorgehen entsprach der Sozialfaschismusthese der Komintern. Die Zerschlagung der SPD blieb ein zentrales Ziel der KPD. Die Antifaschistische Aktion diente auch dazu, deren Führer als Verräter der Arbeiterklasse zu „entlarven“. Nach der Reichstagwahl im November 1932, bei der die NSDAP eine empfindliche Stimmeneinbuße verzeichnete, schienen die Nationalsozialisten auf einem absteigenden Ast. Thälmann verschärfte den Kampf der KPD gegen die Sozialdemokratie im Gegenzug abermals.

Als der NSDAP am 30. Januar 1933 die Macht übertragen wurde, schlug Thälmann der SPD einen Generalstreik vor, um Hitler zu stürzen, doch dazu kam es nicht mehr. Am 7. Februar des Jahres fand im Sporthaus Ziegenhals bei Königs Wusterhausen eine vom ZK einberufene Tagung der politischen Sekretäre, ZK-Instrukteure und Abteilungsleiter der KPD statt. Auf dem von Herbert Wehner vorbereiteten Treffen sprach Thälmann zum letzten Mal vor leitenden KPD-Funktionären zu der am 5. März 1933 bevorstehenden Reichstagswahl und bekräftigte die Notwendigkeit eines gewaltsamen Sturzes Hitlers durch das Zusammengehen aller linken und liberalen Parteien zu einer Volksfront.

Verhaftung, Gefangenschaft und Ermordung[Bearbeiten]

Verhaftung in Berlin[Bearbeiten]

Am Nachmittag des 3. März 1933 wurde Thälmann zusammen mit seinem persönlichen Sekretär Werner Hirsch in der Wohnung der Eheleute Hans und Martha Kluczynski in Berlin-Charlottenburg (Lützower Straße 9, heute Alt-Lietzow 11) durch acht Beamte des Polizeireviers 121 festgenommen. Dem war eine gezielte Denunziation durch Hermann Hilliges, Gartennachbar der Kluczynskis in Gatow, vorausgegangen.[22] In den Tagen zuvor hatten allerdings noch mindestens vier weitere Personen ihr Wissen über die Verbindung Kluczynski-Thälmann an die Polizei weitergegeben.[23] Die Unterkunftsmöglichkeit in der Lützower Straße hatte Thälmann schon seit einigen Jahren gelegentlich und nun wieder seit Januar 1933 genutzt; sie zählte zwar nicht zu den sechs illegalen Quartieren, die der M-Apparat für Thälmann vorbereitet hatte, galt aber nicht als polizeibekannt.[24] Thälmann hatte am 27. Februar eine Sitzung des Politbüros in einem Lokal in der Lichtenberger Gudrunstraße geleitet und war bei seiner Rückkehr über den Brand des Reichstages und die schlagartig einsetzenden Massenverhaftungen kommunistischer Funktionäre informiert worden. In den nächsten Tagen verließ er die Wohnung nicht mehr und stand nur noch über Mittelsmänner mit der restlichen Parteiführung in Verbindung. Die in der älteren Literatur gelegentlich anzutreffende Angabe, Thälmann habe auf Drängen führender Genossen eingewilligt, am 5. März ins Exil zu gehen, wird von der neueren Forschung angezweifelt.[25] Für den 3. März plante Thälmann den Wechsel in eines der vorbereiteten illegalen Quartiere, ein Forsthaus bei Wendisch Buchholz. Beim Packen der Koffer wurde er von der Polizei überrascht. Thälmanns Festnahme war rechtswidrig, da seine nach Artikel 40a der Reichsverfassung als Mitglied des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung gewährleistete Immunität auch durch die Reichstagsbrandverordnung nicht aufgehoben worden war. Erst am 6. März stellte ein Berliner Staatsanwalt „im Interesse der öffentlichen Sicherheit“ einen – formell ebenfalls rechtswidrigen – Haftbefehl aus, der dann einfach rückdatiert wurde.[26]

Einige Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der die KPD stark verunsichernden Festnahme Thälmanns waren nach 1933 bereits Gegenstand von parteiinternen Untersuchungen. Zu diesen Auffälligkeiten zählte etwa, dass Thälmann trotz der offenen Verfolgung der Partei wochenlang ein- und dieselbe, für eine derartige Situation nicht vorgesehene Wohnung genutzt hatte, vor allem aber der erstaunliche Umstand, dass weder das Gebäude noch die Wohnung selbst von Angehörigen des Parteiselbstschutzes gesichert worden war.[27] Dadurch liefen nach einigen Stunden auch noch Erich Birkenhauer, Thälmanns politischer Sekretär, und Alfred Kattner, der persönliche Kurier des Parteichefs, in die Arme der Polizei. Bei den KPD-Ermittlungen geriet insbesondere Hans Kippenberger ins Zwielicht, der als Leiter des M-Apparats die Verantwortung für die Sicherheit des Parteichefs trug und mit Blick auf die Ereignisse des 3. März auch ausdrücklich übernahm („eine Katastrophe und eine Schande vor der ganzen Internationale“[28] so Kippenberger). In den folgenden Jahren kam es dennoch wiederholt zu Vertuschungsversuchen und gegenseitigen Verdächtigungen der mittel- und unmittelbar beteiligten Personen, die noch durch gezielte Desinformationsmaßnahmen und vor allem durch weitere Verhaftungserfolge der Gestapo angeheizt wurden.[29] Dieser war es gelungen, Kattner in der Haft „umzudrehen“ und mit dessen Hilfe am 9. November 1933 den Thälmann-Nachfolger John Schehr sowie am 18. Dezember auch Hermann Dünow, der Kippenberger abgelöst hatte, festzunehmen. Kattner, dem von der Gestapo obendrein eine tragende Rolle im geplanten Prozess gegen Thälmann zugedacht worden war, wurde am 1. Februar 1934 in Nowawes von Hans Schwarz, einem Mitarbeiter des M-Apparats, erschossen.[30] Birkenhauer, dem Thälmann die Schuld an der Verzögerung seines Quartierwechsels und damit an seiner Festnahme gegeben hatte,[31] und Kippenberger wurden im sowjetischen Exil hingerichtet, Hirsch kam in sowjetischer Haft ums Leben.

Die nationalsozialistische Justiz plante zunächst, Thälmann einen Hochverrats-Prozess zu machen. Hierfür sammelte sie intensiv Material, das die behauptete „Putschabsicht“ der KPD beweisen sollte. Ende Mai 1933 wurde Thälmanns „Schutzhaft“ aufgehoben und eine formelle Untersuchungshaft angeordnet. In diesem Zusammenhang wurde er vom Polizeipräsidium am Alexanderplatz in die Untersuchungshaftanstalt Moabit verlegt. Dieser Ortswechsel durchkreuzte den ersten einer Reihe von unterschiedlich konkreten Plänen, Thälmann zu befreien.[32]

Thälmann wurde 1933 und 1934 mehrfach verhört und dabei auch misshandelt, so im Januar 1934 im Kellergefängnis der Gestapo-Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße. Am 8. Januar schlug man ihm bei einem Verhör vier Zähne aus, anschließend traktierte ihn ein Vernehmer mit einer Nilpferdpeitsche. Am 19. Januar suchte Hermann Göring den zerschundenen Thälmann auf und ordnete seine Rückverlegung in das Untersuchungsgefängnis Moabit an.[33] Die in dieser Phase entstandenen Verhörprotokolle wurden bis heute nicht aufgefunden und gelten als verloren. Thälmann blieb unterdessen lange ohne Rechtsbeistand; der jüdische Anwalt Friedrich Roetter, der sich seiner angenommen hatte, wurde nach kurzer Zeit aus der Anwaltschaft ausgeschlossen und selbst in Haft genommen. 1934 übernahmen die Rechtsanwälte Fritz Ludwig (ein NSDAP-Mitglied) und Helmut R. Külz die Verteidigung Thälmanns. Vor allem Ludwig, der für ihn Kassiber aus der Zelle bzw. Zeitungen und Bücher in die Zelle schmuggelte sowie die als Geheime Reichssache deklarierte Anklageschrift an Unterstützer im Ausland weiterleitete, vertraute Thälmann sehr.[34] Über die Anwälte – daneben auch über Rosa Thälmann – lief ein Großteil der verdeckten Kommunikation zwischen Thälmann und der KPD-Führung. Mit Rücksicht auf das Ausland, vor allem aber, weil die Beweisabsicht der Staatsanwaltschaft erkennbar wenig gerichtsfest war und ein mit dem Reichstagsbrandprozess vergleichbares Desaster vermieden werden sollte, einigten sich die beteiligten Behörden im Laufe des Jahres 1935, von einer „justizmäßigen Erledigung“[35] Thälmanns Abstand zu nehmen. Am 1. November 1935 hob der II. Senat des Volksgerichtshofes die Untersuchungshaft auf (ohne das Verfahren als solches einzustellen) und überstellte Thälmann gleichzeitig als „Schutzhäftling“ an die Gestapo.

1935/36 erreichte die internationale Protestbewegung gegen die Inhaftierung Thälmanns einen Höhepunkt. Zu seinem 50. Geburtstag am 16. April 1936 bekam er Glückwünsche aus der ganzen Welt, darunter von Maxim Gorki, Heinrich Mann, Martin Andersen Nexø und Romain Rolland. Im selben Jahr begann der Spanische Bürgerkrieg. Die XI. Internationale Brigade und ein ihr untergliedertes Bataillon benannten sich nach Ernst Thälmann.

Gefängnis und Zuchthaus[Bearbeiten]

1937 wurde Thälmann von Berlin in das Gerichtsgefängnis Hannover als „Schutzhäftling“ überführt. Thälmann bekam später eine größere Zelle, in der er jetzt Besuch empfangen konnte. Dies war ein Vorwand, um Thälmann in der Zelle abzuhören. Allerdings wurde ihm die Information über das heimliche Abhören zugespielt. Um sich dennoch frei „unterhalten“ zu können, nutzten er und seine Besucher kleine Schreibtafeln und Kreide.

Als Deutschland und die Sowjetunion 1939 ihre Beziehungen verbessert hatten (Hitler-Stalin-Pakt), setzte Stalin sich offenbar nicht für Thälmanns Freilassung ein. Nach der Befreiung seiner Familie durch die Rote Armee erfuhren die Angehörigen sogar, dass Thälmanns Rivale Walter Ulbricht alle ihre Bitten ignoriert und nicht für die Befreiung von Thälmann Position bezogen hatte.[36]

Anfang 1944 schrieb Ernst Thälmann in Bautzen seine heute noch erhaltene Antwort auf die Briefe eines Kerkergenossen.[37][38]

Ermordung in Buchenwald[Bearbeiten]

Thälmann wurde am 17. August 1944 durch zwei Gestapo-Beamte aus dem Zuchthaus Bautzen ins KZ Buchenwald gebracht, wo er ohne Gerichtsverfahren auf Befehl Adolf Hitlers erschossen wurde.[3] Dies soll am frühen Morgen des 18. August in einem Heizungskeller nahe dem Krematorium geschehen, seine Leiche im Anschluss sofort verbrannt worden sein.[5] So berichten Zeugen, dass am Nachmittag des 17. August auf Befehl sofort ein Verbrennungsofen anzuheizen war und die Asche nach der Verbrennung dunkel gewesen sei, was auf eine Verbrennung mit Kleidung zurückzuführen wäre.[39]

Am 16. September wurde vom Parteiorgan der NSDAP, dem Völkischen Beobachter, die zum Datum des Angriffs nicht passende Meldung verbreitet, er sei zusammen mit dem ehemaligen Vorsitzenden der SPD-Reichstagsfraktion Rudolf Breitscheid bei einem alliierten Bombenangriff am 24. August auf Buchenwald ums Leben gekommen:

Durch Terrorbomben getötet!
Bei einem Terrorangriff auf die Umgebung von Weimar am 28. August 1944 wurde auch das Konzentrationslager von zahlreichen Sprengbomben getroffen. Unter den dabei ums Leben gekommenen Häftlingen befinden sich unter anderem die ehemaligen Reichstagsabgeordneten Breitscheid und Thälmann.“

– Völkischer Beobachter[40]

Der Buchenwald-Gefangene Walter Hummelsheim versicherte 1945, Thälmann sei erst vier oder fünf Tage nach der Bombardierung des Lagers, zusammen mit neun anderen Kommunisten, in der Stallanlage des Lagers erschossen worden. Die dort Ermordeten seien nie in die offiziellen Lagerlisten aufgenommen worden.[41] Der polnische Häftling Marian Zgoda soll die Tat sogar – versteckt hinter einem Schlackehaufen – direkt beobachtet haben. Zgoda sagte vor dem Landgericht Krefeld aus, er habe gehört, einer der Schützen habe die Frage eines anderen bejaht, ob es sich bei dem Erschossenen um Thälmann handele. Bei einem der mutmaßlichen Täter sollte es sich dieser Aussage nach um den SS-Stabsscharführer Wolfgang Otto gehandelt haben. Nach einem mehrjährigen Verfahren[39] wurde Otto im Jahre 1988 in der Bundesrepublik freigesprochen. Auch der SS-Oberscharführer Werner Berger und der SS-Obersturmführer Erich Gust werden mit der Ermordung Thälmanns in Verbindung gebracht.[42]

Ob Thälmann tatsächlich an dem angegebenen Tag in Buchenwald erschossen wurde, bleibt unklar. Nach neueren Forschungen ist es ebenso möglich, dass er von dem Buchenwalder Berufsverbrecher und Kapo Müller getötet oder sogar noch in Bautzen ermordet wurde. Eine weitere Version besagt, dass der Mordbefehl absolute Geheimhaltung forderte, weshalb der Lagerkommandant in Buchenwald kein SS-Exekutionskommando bestellte, sondern dem Transportkommando, das Thälmann gebracht hatte, befahl, ihn an Ort und Stelle zu erschießen.

Ehrendes Gedenken[Bearbeiten]

Seit 1992 erinnert im Berliner Ortsteil Tiergarten an der Ecke Scheidemannstraße / Platz der Republik eine der 96 Gedenktafeln zur Erinnerung an von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete an Thälmann.

Gedenktafel am Karl-Liebknecht-Haus in Berlin
Ernst-Thälmann-Denkmal von Lew Kerbel im Berliner Ernst-Thälmann-Park
Die Gedenktafel im Hof des Krematoriums des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald, 1953
Ernst-Thälmann-Denkmal in Werdau 2009 (seit 2012 vorerst im Museum eingelagert)
Ernst-Thälmann-Gedenkmünze der DDR

Neben der Benennung von Einheiten der Internationalen Brigaden (siehe Thälmann-Bataillon) nach Ernst Thälmann noch zu seinen Lebzeiten wurde 1948 in der SBZ die „Pionierorganisation Ernst Thälmann“ gegründet, der dieser Name 1952 offiziell verliehen wurde. Pioniere der älteren Jahrgänge (etwa zehn bis 14 Jahre) wurden „Thälmann-Pioniere“ genannt.

Viele Arbeitskollektive, Schulen, Straßen (siehe Ernst-Thälmann-Straße), Plätze, Orte bzw. Siedlungen und Betriebe in der DDR, wie als eines der bekanntesten Beispiele der VEB SKET (Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann) oder die Offiziershochschule der Landstreitkräfte der NVA, trugen ebenfalls seinen Namen. Auch wurde die Ernst-Thälmann-Insel in der kubanischen Schweinebucht nach ihm benannt. Am 30. November 1949 wurde der Berliner Wilhelmplatz feierlich in Thälmannplatz umbenannt.[43][44] Auch die angrenzende U-Bahn-Station bekam den Namen Thälmannplatz. In den 1980er Jahren wurde in Berlin im Prenzlauer Berg der Ernst-Thälmann-Park angelegt, dazu wurde ein großes Ernst-Thälmann-Denkmal des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel errichtet. Daneben gibt es weitere Ernst-Thälmann-Denkmäler.

Auch in Hamburg wurde eine Straße nach ihm benannt. Nach der blutigen Niederschlagung des Aufstandes in Budapest 1956 wurde die Straße allerdings in Budapester Straße umbenannt, da man in dieser Zeit keine westdeutsche Straße nach Kommunisten benannt haben wollte. Jedoch gibt es die „Gedenkstätte Ernst Thälmann“ in seinem Wohnhaus am heutigen Ernst-Thälmann-Platz in Hamburg-Eppendorf.

Außerdem gab es noch die inzwischen abgerissene Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Sporthaus Ziegenhals bei Berlin. Dort bot er 1933 in seiner Ziegenhals-Rede der SPD die „Antifaschistische Aktion“ als Einheitsfront gegen den deutschen Faschismus an. Eine weitere Thälmann-Gedenkstätte befindet sich im Kleistpark Frankfurt (Oder).

In Dresden gibt es eine Ernst-Thälmann-Gedenkstätte im Stadtteil Strehlen.

In der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde ist eine Inschrift für Thälmann im zentralen Rondell angebracht, mit der er symbolisch geehrt wird.[45] Seine Grabstätte wird durch diese nicht gekennzeichnet.

Seit dem 24. Juli 2009 erinnert vor seinem letzten Wohnhaus in der Tarpenbekstraße in Hamburg-Eppendorf ein Stolperstein an Ernst Thälmann.

Am 8. Juni 2012 wurden vor dem Hamburger Rathaus Stolpersteine für die ermordeten Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft verlegt, darunter auch ein weiterer für Ernst Thälmann.[46]

Seinen Namen trugen drei Ausbildungsschiffe der GST-Marineschule „August Lütgens“ Greifswald-Wieck: Die mit 150 m² Segelfläche größte GST-Yacht, der Seekreuzer „Ernst Thälmann“, späterer Name „Ernst Schneller“, das ehemalige MLR vom Typ „Habicht“ und Rettungsschiff „R-11“ der Volksmarine, das nach Umbau anschließend von 1968 bis 1977 als GST-Motorschulschiff „Ernst Thälmann“ (I) im Einsatz war, und der moderne Nachfolger des Schiffes, das MSR „Anklam“ der Volksmarine, das als MSS „Ernst Thälmann“ (II) von 1977 bis 1989 als Schulschiff fuhr und 1990 nach Dänemark verkauft wurde.

Während zu DDR-Zeiten tausende Deutsche Ernst Thälmanns gedachten, kamen an seinem 125. Geburtstag im Jahr 2011 in Hamburg nur noch knapp 100 Gäste zusammen. Egon Krenz als Ehrengast würdigte die Leistung Thälmanns mit den Worten „Er blieb ein Kämpfer, sich und seiner Sache treu, bis in den Tod.“ und beklagte gleichzeitig, dass die Verdienste Thälmanns nicht mehr gewürdigt werden. Aus Moskau kamen an diesem Tag „solidarisch kämpferische Grüße“ vom Ukrainischen Bund der sowjetischen Offiziere.[47]

Nach Thälmann benannte Ortschaften:

Kontroversen[Bearbeiten]

Schon zu Lebzeiten wurde Thälmann auch von der Linken zum Teil scharf kritisiert. Die damalige KPD-Führung stand dem unter seiner Führung stehenden Hamburger Aufstand kritisch gegenüber. In seiner Zeit als Chef der KPD unterwarf Thälmann die deutschen Kommunisten der Hegemonie der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Anhänger eines unabhängigen Kurses wurden aus der Partei gedrängt.

Clara Zetkin, die im April 1925 mit ihrer Polemik gegen Thälmanns Amtsvorgängerin Ruth Fischer vor dem Exekutivkomitee der Komintern mithalf, diesen an die Spitze der Partei zu bringen, charakterisierte die KPD unter Thälmann im September 1927 als „schwach und unfähig“, die beschäftigt war mit der „Herausbildung kleiner Kliquen, persönliches Integrieren, Gegeneinanderarbeiten“ Einem scheinbar hilflosen Thälmann attestiert sie, dass er „… kenntnislos und theoretisch ungeschult ist, in kritiklose Selbsttäuschung und Selbstverblendung hineingesteigert wurde, die an Größenwahnsinn grenzt und der Selbstbeherrschung mangelt …“[48]

Die Strategie der KPD während der Weimarer Republik, in der SPD einen Hauptfeind zu sehen (These vom Sozialfaschismus), wird oft als Schwächung der antifaschistischen Kräfte gesehen. Auch ein maßgeblicher Kommunismus-Forscher wie Hermann Weber urteilt kritisch: „Thälmann muss bei allem Respekt für seine Standhaftigkeit in Hitlers Kerker nachgesagt werden, dass er nur ein Provinzpolitiker mit demagogischem Talent war.“ Klaus Schroeder, der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, stellt in dem Artikel Warum wir Thälmann nicht ehren sollten fest, dass der „KPD-Führer ein Gegner der Demokratie“ war.[49]

Rezeption[Bearbeiten]

Filmische Rezeption[Bearbeiten]

Musikalische Rezeption[Bearbeiten]

Der Komponist Günter Kochan komponierte 1959 die Kantate Ernst Thälmann für gemischten Chor und Orchester (Text: Max Zimmering).

Der britische Komponist Cornelius Cardew schrieb 1975 die Thälmann Variations für Klavier Solo. Das Stück wurde aber nicht früher als 1986 veröffentlicht.

Werke[Bearbeiten]

  •  Locarno, der neue Kriegspakt. Rede in der Sitzung des deutschen Reichstags am 24. November 1925. Vereinigung Internationaler Verlagsanstalten, Berlin 1925, DNB 577974084.
  •  Der Kampf um die Gewerkschaftseinheit und die deutsche Arbeiterklasse. Referat und Schlußwort auf dem 10. Parteitag der KPD. Vereinigung Internationaler Verlagsanstalten, Berlin 1925, DNB 577974076.
  •  Für die proletarische Einheitsfront. Rede. Vereinigung Internationaler Verlagsanstalten, Berlin 1927, DNB 57797405X.
  •  Wedding gegen Magdeburg (revolutionärer Befreiungskampf oder kapitalistische Sklaverei). Internationaler Arbeiter-Verlag, Berlin 1929, DNB 576662453.
  •  Die Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse. Bericht des Genossen Thälmann über die Tagung des erweiterten Präsidiums des EKKJ. Internationaler Arbeiter-Verlag, Berlin 1930, DNB 577974068.
  •  Vorwärts unter dem Banner der Komintern. Rede auf der Tagung des ZK der KPD am 14. Mai 1931. Internationaler Arbeiter-Verlag, Berlin 1931, DNB 576662437.
  •  Volksrevolution über Deutschland. Rede auf dem Plenum des ZK der KPD. Internationaler Arbeiter-Verlag, Berlin 1931, DNB 576662429.
  •  Katastrophe oder Sozialismus? Ernst Thälmanns Kampfruf gegen die Notverordnungen. Internationaler Arbeiter-Verlag, Berlin 1931, DNB 576662380.
  •  Kampfreden und Aufsätze. Verlagsgenossenschaft ausländischer Arbeiter, Moskau 1931, DNB 576662372.
  •  Die Lage in Deutschland und die Aufgabe der Kommunistischen Partei Deutschlands. 11. Plenum des EKKI. Hoym, Hamburg 1931, DNB 576662399.
  •  Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? Thälmanns Antworten auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern!. Verlag Antifaschistische Organisation, Berlin 1932, DNB 576662461.
  •  Was will die antifaschistische Aktion? Schneller, Berlin 1932, DNB 576662445.
  •  Paris–Berlin – Unser Kampf gegen den imperialistischen Krieg, gegen Versailles. Für die soziale und nationale Befreiung. Schneller, Berlin 1932, DNB 576662402 (mit Maurice Thores).
  •  Im Kampf gegen die faschistische Diktatur – Rede und Schlußwort des Genossen Ernst Thälmann auf der Parteikonferenz der KPD. KPD, Berlin 1932, DNB 576662364.
  •  Der revolutionäre Ausweg und die KPD. Rede auf der Plenartagung des ZK der KPD am 19. Februar 1932 in Berlin. Internationaler Arbeiter-Verlag, Berlin 1932, DNB 576662321.
  •  Arbeitende Jugend im Kampf gegen Faschismus und imperialistischen Krieg. (Rede auf der Plenartagung des ZK des KJVD). 1932, DNB 576662356.
  •  Für die proletarische Einheitsfront. Rede. 1933, DNB 576662348.

Postum erschienen:

  •  Antwort auf Briefe eines Kerkergenossen. Dietz Verlag, Berlin 1961, DNB 455032408.
  •  Ernst Thälmann und die Jugendpolitik der KPD. Verlag Junge Welt, Berlin 1984, DNB 871369486.
  •  Ernst Thälmann: Zur Machtfrage. Reden, Artikel und Briefe 1920–1935. Verlag Dietz, Berlin 1982, DNB 830417443.
  •  Briefe – Erinnerungen. Dietz Verlag, Berlin 1986.
  •  Erfüllt die Gewerkschaften mit dem Geist des Klassenkampfes. Verlag Tribüne, Berlin 1986, ISBN 3-7303-0008-3.
  •  Die Massen mobilisieren „bevor die Imperialisten die Kriegsfackel entzünden!“ Ernst Thälmann über den Kampf um den Frieden. Eine Dokumentation. Parteihochschule Karl Marx, Berlin 1988, DNB 891033750.
  •  An Stalin. Briefe aus dem Zuchthaus 1939 bis 1941. Karl Dietz Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-320-01927-9.

Literatur[Bearbeiten]

DDR-Literatur[Bearbeiten]

  • Willi Bredel, Michael Tschesno-Hell: Ernst Thälmann. Führer seiner Klasse. Literarisches Szenarium. Henschel, Berlin 1955
  • Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED. Autorenkollektiv: Ernst Thälmann. Eine Biographie. Dietz Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-88012-394-2
  • Peter Przybylski: Mordsache Thälmann. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1986

Ausgewählte Literatur (seit 1996)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ernst Thälmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wiedergabe der Geburtsurkunde auf der Seite thaelmannreport.de
  2. Reichstagsprotokolle.de: Datenbank der deutschen Parlamentsabgeordneten, abgerufen am 4. Oktober 2011.
  3. a b Notizzettel von Heinrich Himmler, Reichsführer SS, von einer Besprechung mit Adolf Hitler in der Wolfsschanze, 14. August 1944 im Ausstellungskasten 4/31 in der ehemaligen Effektenkammer des KZ Buchenwald: „12. Thälmann ist zu exekutieren“.
  4. Ernst Thälmann in der Online-Version der Edition Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik
  5. a b c d e f Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED (Autorenkollektiv): Ernst Thälmann. Eine Biographie. Dietz, Berlin 1980.
  6. a b c d e f g h i Ernst Thälmann: Gekürzter Lebenslauf, aus dem Stegreif niedergelegt, stilistisch deshalb nicht ganz einwandfrei. 1935, In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.): Ernst Thälmann: Briefe – Erinnerungen. Dietz Verlag, Berlin 1986.
  7. Bibliothek deutscher Kämpfer für den Sozialismus: Ernst Thälmann – Briefe aus dem Gefängnis an seine Angehörigen. abgerufen am 4. Oktober 2011.
  8. Auszug aus den Deutschen Verlustlisten (Preuß. 672) vom 30. Oktober 1916, S. 15924
  9. Hamburgischer Correspodent und Hamburgische Börsen-Halle, Morgenausgabe, 5. März 1892.
  10. Thilo Gabelmann: Thälmann ist niemals gefallen. Berlin 1996, S. 218.
  11. Susanne Eckelmann: Ernst Thälmann. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)
  12. Gedenkstätte Ernst Thälmann, Hamburg: - Rundgang - 05: Vorsitzender der USPD Hamburg
  13. Ernst Thälmann: Die Lehren des Hamburger Aufstandes, 23. Oktober 1925. In: Ausgewählte Reden und Schriften in zwei Bänden. Band 1, Verlag Marxistische Blätter, Frankfurt am Main 1976, S. 69 ff.
  14. Georgi Dimitroff: Reichstagsbrandprozeß. Dietz Verlag, Berlin 1953: „Ich und meine Partei waren damals noch keine echten Bolschewiken. Deshalb verstanden wir es auch nicht, diesen historischen Volksaufstand unter der Führung des Proletariats erfolgreich zu organisieren und durchzuführen.“
  15. Die Wittorf-Affäre 1928. In: junge Welt, 27. September 2003, dokumentiert in: Die Wittorf-Affäre 1928 (Thälmann - KPD) stalinforum.de, abgerufen am 4. Oktober 2011.
  16. a b c Eberhard Czichon, Heinz Dobrawa, Heinz Marohn: Thälmann. Ein Report. Verlag Wiljo Heinen, Berlin 2010.
  17. Thälmann. Ein Report: Dokumentation zur „Wittorf-Affäre“ – dem Parteiputsch der Brandler-Leute 1928. abgerufen am 4. Oktober 2011.
  18. Volker Ullrich: Stalins treue Vasallen – Die Thälmann-Affäre 1928: Eine Schlüsselepisode in der Geschichte des Kommunismus. In: Die Zeit. Nr. 21/2003.
  19. Hermann Weber: Die Wandlung des deutschen Kommunismus – Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik. Band 2. Frankfurt am Main 1969, S. 94 f.
  20. Deutsches Historisches Museum: Der Panzerkreuzerbau. abgerufen am 4. Oktober 2011.
  21. Ernst Thälmann zeigt den werktätigen Bauern den Ausweg. In: Neue Deutsche Bauernzeitung. Nr. 4 von 1931.
  22. Siehe Eberhard Czichon, Heinz Marohn: Thälmann. Ein Report. Berlin 2010, Band 1, S. 683.
  23. Ronald Sassning: Thälmann, Wehner, Kattner, Mielke. Schwierige Wahrheiten. In: UTOPIE kreativ. Nr. 114 (April 2000), S. 362–375, S. 364 f.
  24. Siehe Czichon, Marohn: Thälmann. Band 2, S. 717.
  25. Siehe Czichon, Marohn: Thälmann. Band 1, S. 682 f.
  26. Siehe Czichon, Marohn: Thälmann. Band 1, S. 683.
  27. Siehe Czichon, Marohn: Thälmann. Band 2, S. 718.
  28. Zitiert nach Sassning: Thälmann. S. 371.
  29. Siehe Czichon, Marohn: Thälmann. Band 2, S. 718 und Sassning: Thälmann. S. 370.
  30. Siehe Czichon, Marohn: Thälmann. Band 2, S. 733.
  31. Siehe Sassning: Thälmann. S. 368 f.
  32. Siehe Czichon, Marohn: Thälmann. Band 2, S. 722.
  33. Siehe Czichon, Marohn: Thälmann. Band 2, S. 731 f.
  34. Siehe Stefan König: Vom Dienst am Recht. Rechtsanwälte als Strafverteidiger im Nationalsozialismus. Berlin/ New York 1987, S. 82 ff.
  35. Zitiert nach König: Vom Dienst am Recht. S. 84.
  36. Regina Scheer: Im Schatten des Denkmals. In: Berliner Zeitung. 14. August 2004.
  37. Nach Recherchen des Historikers Egon Grübel war Thälmanns Briefpartner mitnichten ein junger Genosse, sondern ein jugendlicher Raubmörder namens Hans-Joachim Lehmann, dem möglicherweise sogar die Gestapo die Feder führte. Lehmann verschwand spurlos, nachdem er sich der SED-Führung und Thälmanns Familie offenbart hatte. Seine Briefe wurden 'bis zur Unkenntlichkeit’ redigiert. Siehe Peter Monteath (Hrsg.): Ernst Thälmann – Mensch und Mythos. Rodopi, Amsterdam (Atlanta) 2000.
  38. Die erste Veröffentlichung des vollständigen und unredigierten Briefes findet sich in Czichon, Marohn, Heinen (Hrsg.): Aber ich glaube an den Triumph der Wahrheit. Berlin 2011.
  39. a b  Gefällige Musik beim Genickschuss. In: Der Spiegel. Nr. 20, 1986 (online).
  40. Völkischer Beobachter. Norddeutsche Ausgabe (Berlin), 16. September 1944.
  41. Reiner Orth: Walter Hummelsheim und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. In: Landkreis Bernkastel-Wittlich: Kreisjahrbuch Bernkastel-Wittlich für das Jahr 2011. 2010, S. 336.
  42. Falco Werkentin: Politische Strafjustiz in der Ära Ulbricht. Berlin 1995, S. 203 ff.
  43. Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Wilhelmstraße 49. Ein Berliner Haus mit Geschichte. S. 24 und 25. Abgerufen am 28. Juni 2012. (pdf; 5,9 MB)
  44. Umbenennung Wilhelmplatz in Thälmannplatz. Foto aus dem Bundesarchiv.
  45. 200 Freunde nahmen Abschied von Thälmanns Tochter. In: Berliner Morgenpost. 9. Januar 2001.
  46. Stolpersteine für ermordete MdHB endgueltige Inschriften Rathaus Hamburg. (PDF; 16 kB) auf: stolpersteine-hamburg.de
  47. „Auf, auf zum Kampf …“ – Geburtstagsfeier für Ernst Thälmann in Hamburg mit kritischen Tönen zum Zeitgeist. In: Neues Deutschland, 18. April 2011.
  48. Ulla Plener (Hrsg.): Clara Zetkin in ihrer Zeit – Neue Fakten, Erkenntnisse, Wertungen. S. 135 (PDF; 1,2 MB).
  49. Klaus Schroeder: Warum wir Thälmann nicht ehren sollten. In: Der Tagesspiegel. 3. Mai 2012, abgerufen am 19. Juli 2012.