Prenzlauer Allee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Prenzlauer Allee
Wappen
Straße in Berlin
Prenzlauer Allee
Zeiss-Großplanetarium
an der Prenzlauer Allee
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Prenzlauer Berg
Angelegt vor dem 19. Jh.
Hist. Namen Heinersdorfer Weg,
Prenzlauer Chaussee
Anschlussstraßen Karl-Liebknecht-Straße (Südwest),
Prenzlauer Promenade (Nordost, an der Weißenseer Spitze)
Querstraßen (Auswahl)
Torstraße,
Mollstraße,
Belforter Straße
Heinrich-Roller-Straße,
Danziger Straße,
Wichertstraße,
Grellstraße,
Wisbyer Straße,
Ostseestraße
Bauwerke Bemerkenswerte Gebäude
Nutzung
Nutzergruppen Straßenverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 1380 Meter

Die Prenzlauer Allee ist eine Straße im Ortsteil Prenzlauer Berg des Berliner Bezirks Pankow. Sie ist benannt nach der Richtung von Alt-Berlin nach der Stadt Prenzlau in der Uckermark.

Verlauf[Bearbeiten]

Verlauf der südlichen Prenzlauer Allee

Die Straße beginnt am Prenzlauer Tor, wo sie sich als Verlängerung der Karl-Liebknecht-Straße mit der Mollstraße und der Torstraße trifft. Von dort aus verläuft sie nordnordöstlich in Richtung Heinersdorf, kreuzt dabei in ihrem Lauf die Danziger Straße und endet schließlich an der Kreuzung Ostsee- und Wisbyer Straße. Im weiteren Verlauf heißt die Straße Prenzlauer Promenade.

Lage im Stadtraum[Bearbeiten]

Die Prenzlauer Allee ist eine der sieben nach Norden und Osten führenden radialen Ausfallstraßen, die vom historischen Zentrum der Stadt, also im Wesentlichen vom Alexanderplatz, ausgehen. Diese sind, im Uhrzeigersinn:

Geschichte[Bearbeiten]

Die Straße wurde bereits früh als Fernhandelsweg nach Prenzlau genutzt, daher auch der spätere Name. Bis etwa 1824 hieß sie Heinersdorfer Weg; Heinersdorf war die erste Ortschaft an der Straße außerhalb Berlins. Ab 1824 wurde sie Prenzlauer Chaussee genannt und ab 1878 schließlich zur Allee hochgestuft.

Bemerkenswerte Gebäude[Bearbeiten]

Soho House Berlin, das ehemalige Kaufhaus Jonaß
Backfabrik
Ehemalige Gemeinde-Doppelschule

Am Prenzlauer Tor befindet sich das ehemalige Kaufhaus Jonaß des jüdischen Kaufmanns Herrmann Golluber. In dem 1928/1929 im Stil der Neuen Sachlichkeit von den Architekten Bauer und Friedländer errichteten Gebäude befanden sich − nach der Enteignung der jüdischen Eigentümer − von 1934 bis 1945 der Sitz der Reichsjugendführung und von 1946 bis 1959 unter der Bezeichnung Haus der Einheit der Sitz des Zentralkomitees (ZK) der SED. Danach wurde es vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED genutzt. Seit 1995 stand das Gebäude leer. Nach der Rückübertragung an die Erben wurde es 2007 von einer britischen Investorengruppe gekauft und 2010 als Soho House Berlin wiedereröffnet, ein exklusiver Privatclub für Künstler, Medien- und Geschäftsleute aus aller Welt.[1]

Unmittelbar nördlich davon befinden sich die Anfang 2000 renovierten Gebäude der ehemaligen Backfabrik. Auf dem Gelände errichteten die Gebrüder Aschinger Ende des 19. Jahrhunderts ihre Hauptverwaltung und belieferten von hier aus ihre über die ganze Stadt verteilten Eckkneipen und Stehbierhallen mit Erbsensuppe und Schrippen. Mitte der 1920er Jahre kam eine große Anzahl von Werkstätten und Lebensmittelproduktionen hinzu, um zusätzlich Hotels und Restaurants des Aschinger-Imperiums versorgen zu können. 4000 Menschen arbeiteten damals an diesem Standort, wöchentlich wurden 1,1 Millionen Brötchen gebacken. Aschinger war zu dieser Zeit Europas größter Gastronomiebetrieb und gilt als Vorläufer der Fastfood-Ketten. Ab 1947 nutzten zuerst der Betrieb Aktivist und später das Backwarenkombinat Berlin (VEB BAKO) das Gelände, um Schrippen, Brot – und auch das Moskauer Sahneeis – für ganz Ost-Berlin zu produzieren. 1990/1991 erwarb der Berliner Unternehmer Horst Schiesser den Betrieb. Er führte die Großbäckerei bis 1997 unter dem Namen Cityback weiter.[2] Seit 2002 ist die Backfabrik ein Dienstleistungszentrum, in dem u. a. die Firma VZnet Netzwerke ihren Sitz hat, die Online-Communitys wie studiVZ, schülerVZ und meinVZ betreibt. Auch das Dunkelrestaurant Nocti Vagus hat hier seinen Sitz. [3]

Etwas weiter nördlich, zwischen Saarbrücker und Metzer Straße, stehen die nur teilweise erhaltenen Gebäude der Bötzow-Brauerei. Die ehemals größte Berliner Privatbrauerei produzierte von 1864 bis 1945. Im angeschlossenen Biergarten fanden einst 6000 Besucher Platz. Im Zusammenhang mit dem Spartakus- oder Januaraufstand des Jahres 1919 tagte hier der Revolutionsausschuss unter Leitung von Karl Liebknecht. Daran erinnert seit 1959 ein Gedenkstein des Bildhauers Otto Maercker am damaligen Aufgang zum Gartenlokal (Ecke Saarbrücker Straße/Prenzlauer Allee). Ab 1995 plante die Metro AG auf dem Brauerei-Gelände einen Komplex aus Einkaufszentrum, Büros, Restaurants und Wohnungen, der nie realisiert wurde. 2010 kaufte der Unternehmer Hans Georg Näder das Gelände und kündigte Pläne für eine gemischte Gewerbe- und Wohnnutzung an.[4]

Zwischen der Raabe- und der Immanuelkirchstraße steht die von 1891 bis 1893 im neoromanischen Stil erbaute Immanuelkirche. An ihrer Einweihung am 21. Oktober 1893 nahm auch das Kaiserpaar Wilhelm II. und Auguste Viktoria teil. Heute finden dort neben den Gottesdiensten der Immanuelgemeinde Konzerte unterschiedlichen Inhalts statt.

Gegenüber befindet sich der Gebäudekomplex der 1886 fertiggestellten ehemaligen Gemeindedoppelschule, als Knaben- und Mädchenschule nach Plänen des Stadtbaurats Hermann Blankenstein errichtet. In diesem Gebäude wuchs Sebastian Haffner auf, da sein Vater hier als Direktor eine Wohnung hatte. Im 21. Jahrhundert dienen die Gebäude dem Bildungszentrum am Wasserturm mit Volkshochschule, Bibliothek und Prenzlauer Berg Museum.

Am Haus Prenzlauer Allee 35, zwischen Immanuelkirch- und Marienburger Straße, erinnert eine Gedenktafel an Erich Nehlhans, der hier bis zu seiner Verhaftung im März 1948 wohnte. Nehlhans war nach Ende des Zweiten Weltkriegs Mitbegründer und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Zwischen Fröbelstraße und Stargarder Straße ist das Gebäudeensemble des ehemaligen städtischen Obdach-, Hospital- und Siechenhauses relativ gut erhalten. Es wurde 1886–1889 nach dem Entwurf und unter der Oberleitung von Hermann Blankenstein errichtet. Heute wird es vom Bezirksamt Pankow (Teil Prenzlauer Berg) und von verschiedenen bezirklichen Einrichtungen genutzt. Das Haus 3 fällt dadurch auf, dass das gesamte Gebäude im oberen Abschluss des Gebäudesockels von einem Textband (weiße Texte auf schwarz-glänzendem Grund) eingefasst ist. Die hierauf zu lesenden Texte gehören zum künstlerischen Denkzeichen Fragen der Künstlerin Karla Sachse, das auf die Existenz eines Haftortes des sowjetischen NKWD und später des MfS in diesem Gebäude erinnern soll. Das Denkzeichen geht auf einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung und das Engagement einer Bürgerinitiative zurück und wurde im Oktober 2005 eingeweiht. Es soll das Geschichtsbewusstsein wachhalten helfen.

Parks und Friedhöfe[Bearbeiten]

Unmittelbar nördlich an das heutige Bezirksamt anschließend und unweit des S-Bahnhofs befindet sich das Zeiss-Großplanetarium. Hier grenzt die Prenzlauer Allee an den Ernst-Thälmann-Park.

Zwischen der Mollstraße und der Straße Prenzlauer Berg befindet sich der St.-Marien- und St.-Nikolai-Friedhof I (auch Alter Friedhof der St.-Nikolai- und St.-Marien-Gemeinde genannt). Er wurde von den evangelischen Gemeinden der Marienkirche und der Nikolaikirche am 27. Juli 1802 eröffnet und 1814 und 1847 erweitert. Das Gelände lag unmittelbar an der eigens verschobenen Akzisemauer zwischen Prenzlauer Tor und Bernauer Tor (ab April 1810 Königstor) innerhalb des damaligen Berliner Stadtgebietes. Seit den 1990er Jahren ist der Friedhof ein Gartendenkmal.[5]

Nördlich davon und außerhalb der Akzisemauer (heute zwischen der Straße Prenzlauer Berg und der Heinrich-Roller-Straße) kauften die Marien- und Nikolaigemeinde 1858 ein neues Grundstück an der damaligen Prenzlauer Chaussee. Hier entstand der Neue bzw. der St. Marien- und St. Nikolai-Friedhof II. Der Eingang befindet sich in einer Häuserlücke zwischen den Gebäuden der Prenzlauer Allee Nr. 6 und Nr. 8. In östlicher Richtung bis zur Greifswalder Straße schließt sich der Friedhof I der Georgen-Parochialgemeinde, ehemals Georgenfriedhof, an. Er wurde 1814 vor dem Königstor angelegt.

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten]

Eingangsgebäude des S-Bahnhofs Prenzlauer Allee

Als Pferdebahn zwischen dem Alexanderplatz und der Gustav-Adolf-Straße in Weißensee nahm die Neue Berliner Pferdebahn 1895 den Streckenbetrieb durch die Prenzlauer Allee auf.[6] 1901 wurde die Linie durch die Große Berliner Straßenbahn elektrifiziert. Heute wird die Prenzlauer Allee auf gesamter Länge von der Straßenbahnlinie M2 befahren. Diese verbindet Heinersdorf mit dem Stadtzentrum und endet am Alexanderplatz. Zudem kreuzen die Straßenbahnlinien M10 entlang der Danziger Straße sowie die 12 und M13 am nördlichen Ende (Wisbyer Straße/Prenzlauer Promenade) die Allee.

Etwa auf halber Strecke zwischen Wisbyer Straße/Ostseestraße und Danziger Straße befindet sich der S-Bahnhof Prenzlauer Allee mit einem markanten, 1891/1892 in Klinkerbauweise erbauten Eingangsgebäude. Hier verkehren die Ringbahnlinien S41 und S42 sowie die Linien S8, S85 und S9.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Prenzlauer Allee – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stephan Lebert: Das geheime Wohnzimmer. In: Zeit.de, 26. August 2010
  2. Internetseite der Backfabrik, Rubrik History, eingesehen am 5. August 2011
  3. Internetseite des Nocti Vagus
  4. Näders Pläne für Duderstadt, Wien und Berlin. In: Göttinger Tageblatt, 11. Juni 2010.
  5. Denkmal-Datenbank der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
  6. Vorort – Bauen und Wohnen in Prenzlauer Berg, eingesehen am 18. Mai 2010.

52.54416666666713.427222222222Koordinaten: 52° 32′ 39″ N, 13° 25′ 38″ O