Ernst Kornemann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ernst Kornemann (1889)

Ernst Kornemann (* 11. Oktober 1868 in Rosenthal bei Kassel; † 4. Dezember 1946 in München) war ein deutscher Althistoriker.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Der Sohn eines Gutsbesitzers aus Rosenthal bei Kassel studierte nach dem Abitur ab 1887 an der Hessischen Ludwigs-Universität Geschichtswissenschaft, Klassische Philologie und Geographie. Im Dreikaiserjahr wurde er Mitglied des Corps Teutonia Gießen.[1] Als Inaktiver wechselte er 1889 an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, wo unter anderem Theodor Mommsen, Otto Hirschfeld, Hermann Diels und Johannes Vahlen zu seinen Lehrern zählten. 1891 wurde er bei Hirschfeld mit einer Studie über die römischen Bürger in den Provinzen zum Dr. phil. promoviert.[2] Er arbeitete zunächst als Gymnasiallehrer in Gießen und habilitierte sich 1898.[3] In den Folgejahren lehrte er an der Universität Gießen als Privatdozent.

1902 ging Kornemann als a.o. Professor an die Eberhard-Karls-Universität Tübingen, wo er insgesamt sechzehn Jahre lang forschte und lehrte. Ab 1907 war er am dortigen Lehrstuhl für Alte Geschichte als Ordinarius tätig. 1918 folgte er einem Ruf als Nachfolger Walter Ottos an den Lehrstuhl für Alte Geschichte der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität, wo er bis zu seiner Emeritierung 1936 blieb. 1924 trat er aus seinem Corps aus. 1926/27 war er Rektor der Universität.[4]

Im Ruhestand siedelte er nach München über, wo er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 ein letztes Mal eine Vorlesungsreihe übernahm. Darüber hinaus ernannte ihn die Bayerische Akademie der Wissenschaften 1942 zum ordentlichen Mitglied.

Leistungen [Bearbeiten]

Für Kornemann stand während seiner aktiven Laufbahn als Hochschullehrer stets die Lehre vor der Forschung an erster Stelle. Dennoch verfasste er einige historischen Monographien, vor allem über Bereiche der römischen Geschichte. Für Alfred Gerckes und Eduard Nordens Einleitung in die Altertumswissenschaft steuerte er den Teilband Kaiserzeit bei. Eine zentrale Stelle in seinen Forschungen nahmen die eng an Mommsen angelehnten Arbeiten zum römischen Munizipalwesen ein. So verfasste er unter anderem die umfangreichen Artikel zu den Lemmata colonia und municipium in Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Daneben beschäftigte sich Kornemann mit der altitalischen Verfassungsgeschichte sowie der Spätantike und betrieb Forschungen zum antiken Herrscherkult. Seine Untersuchungen zum Monumentum Ancyranum hingegen, die eine Schichtung des Textes postulieren, finden bis heute wenig Unterstützer.

Daneben widmete er den Großen Frauen des Altertums eine monographische Betrachtung, die aber aufgrund ihrer Neigung zu Platitüden und der oft unkritischen Übernahme antiker Quellenaussagen von eher geringem wissenschaftlichen Wert ist. Einem breiten Publikum wurde Kornemann jedoch vor allem durch seine zweibändige Römische Geschichte bekannt, die zwischen 1938 und 1977 beim Stuttgarter Kröner-Verlag in sieben Auflagen erschien und vor allem bei Studierenden lange beliebt war. Dem Vorbild Theodor Mommsens folgend, enthält die Darstellung plastische, aktualisierende Werturteile über die handelnden Personen. Bewundernd stand Kornemann, wie Mommsen, dabei insbesondere der Figur Gaius Iulius Caesars gegenüber; aber auch Augustus pries er als genialen Staatsmann. Kornemanns Darstellung war lange Zeit die wohl populärste deutschsprachige Darstellung der römischen Geschichte; in ihrer Beurteilung der Vergangenheit ist sie aber dem damaligen Zeitgeist eng verbunden und daher von völkisch-nationalistischem Gedankengut nicht frei. So waren für Kornemann die antiken Germanen die direkten Vorfahren der Deutschen; entsprechend positiv wurden sie gezeichnet. In anderer Hinsicht allerdings war Kornemann seiner Zeit voraus, etwa indem er dem Jahr 476 (ebenso wie die heutige Forschung) nur geringe Bedeutung beimaß und das Ende der Antike vielmehr im 7. Jahrhundert ansetzte.

Viele seiner quellenhistorische Untersuchungen veröffentlichte er auch in der von ihm selbst mitbegründeten und herausgegebenen Zeitschrift Klio, die bis heute zu den bedeutendsten althistorischen Fachorganen zählt.

Schriften [Bearbeiten]

  • 1904 Die neue Livius-Epitome aus Oxyrhynchus.
  • 1921 Mausoleum und Tatenbericht des Augustus, Leipzig: Teubner.
  • 1923 Einleitung in die Altertumswissenschaft (hrsgg. von A. Gercke und E. Norden; Bd. 3, Halbband 2).
  • 1926 Vom antiken Staat, Berlin: Ferdinand Hirt.
  • 1927 Die Stellung der Frau in der vorgriechischen Mittelmeerkultur, Heidelberg: C. Winter.
  • 1929 Staat und Wirtschaft, Breslau: M.&H. Marcus.
  • 1929 Neue Dokumente zum lakonischen Kaiserkult, Breslau: H.&M. Marcus.
  • 1930 Doppelprinzipat und Reichsteilung im Imperium Romanum, Leipzig: Teubner.
  • 1934 Staaten, Völker, Männer, Leipzig: Dieterich.
  • 1934 Die unsichtbaren Grenzen des Römischen Kaiserreiches, Budapest: Ungarische Akademie der Wissenschaften.
  • 1937 Augustus, Breslau: Priebatsch's Buchhandlung.
  • 1938/1939: Römische Geschichte. 2 Bände. Kröner, Stuttgart.
  • 1941 Das Imperium Romanum, Breslau: Korn.
  • 1942 Große Frauen des Altertums, Leipzig: Dieterich.
  • 1943 Gestalten und Reiche, Leipzig: Dieterich.
  • 1946 Tacitus, Wiesbaden: Dieterich.
  • 1947 Das Prinzipat des Tiberius und der „Genius Senatus“, München: Verlag der Bayerischen Akademie des Wissenschaften.
  • 1949 Weltgeschichte des Mittelmeerraumes. Von Philipp II. von Makedonien bis Muhammed, herausgegeben von Hermann Bengtson (Teilabdruck 1978: Geschichte der Spätantike)

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Kösener Korps-Listen 1910, 58, 396
  2. Dissertation: De civibus Romanis in provinciis imperii consistentibus
  3. Habilitationsschrift: Zur Stadtentstehung in den ehemals keltischen und germanischen Gebieten des Römerreiches
  4. Rektoratsreden (HKM)

Weblinks [Bearbeiten]