Eye (Suffolk)

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52.3211111111111.1469444444444Koordinaten: 52° 19′ N, 1° 9′ O

Karte: Vereinigtes Königreich
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Eye
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Vereinigtes Königreich

Eye ist eine Marktgemeinde im Distrikt Mittelsuffolk in der Grafschaft Suffolk in Ostengland, die südlich von Diss am Fluss Dove liegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Burgruine von Eye
Pfarrkirche St. Peter and Paul

Von den Anfängen bis zur frühen Neuzeit[Bearbeiten]

Der Name "Eye" kommt vom altenglischen Wort für ‘Insel’. Man glaubt, dass die erste Besiedelung des Ortes wahrscheinlich vollständig von Wasser und Marschland umgeben war, das vom Fluss Dove im Osten und Südosten, seinem Zufluss im Norden und vom Tiefland (wovon ein Teil heute das Town Moor bildet) im Westen und Süden gebildet wurde. Noch heute ist die Gegend durch den Fluss Dove hochwassergefährdet. Dieser ist ein Zufluss des Waveney, der die Grenze zwischen Suffolk und Norfolk darstellt.

Rund um Eye gibt es Funde aus der Altsteinzeit, der Mittelsteinzeit, der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Die ältesten Beweise für eine Besiedelung stammen jedoch aus der Römerzeit und beinhalten Gebäudereste und Münzen, die auf ca. 365 n. Chr. datiert wurden. Im Jahr 1780 wurde bei Eye ein großer Schatz aus spätrömischer Zeit entdeckt, der jedoch nur spärlich wissenschaftlich dokumentiert ist.[1] Interessant ist, dass nur wenige Kilometer entfernt im Jahr 1992 ein ähnlich großer Schatz aus derselben Zeitepoche nahe der benachbarten Siedlung Hoxne gefunden wurde (Depotfund von Hoxne).[2] Ein großer angelsächsischer Friedhof, der viele Urnen und Gräber mit Beigaben enthält und während des 6. Jahrhunderts in Gebrauch war, wurde 1818 nahe der Waterloo Plantation in Eye ausgegraben.

Im angelsächsischen Britannien vor der Eroberung Englands durch die Normannen, war Eye eine der zahlreichen Besitzungen von Edric of Laxfield, einem reichen und einflussreichen Sachsen und drittgrößten Landbesitzer in Suffolk. Nach der Eroberung wurde die Bedeutung der Stadt in der Region gefestigt, als die Honour of Eye an William Malet, einem normannischen Lord aus der Familie Malet, übergeben wurde. Bis 1823 blieb sie in den Händen von königlichen oder adligen Familien. Zwischen 1066 und 1071 erbaute Malet eine Burg, um sein Militär- und Verwaltungszentrum zu befestigen und begann einen sehr erfolgreichen Markt zu etablieren, was die Verstädterung der Ansiedlung vorantrieb. Später, 1086/87, gründete Robert Malet, Williams Sohn, das Benediktinerkloster St. Peter, eine Zweigstelle der Abtei Bernay in der Normandie.

Eye begann nach 1173 seine strategische Bedeutung zu verlieren, als die Burg während der Rebellion gegen Heinrich II. von Hugh Bigod, 1. Earl von Norfolk, angegriffen wurde. Später erfolgte während des Zweiten Krieges der Barone 1265 ein zweiter Angriff, wonach die Burg nie wieder an die alte Bedeutung anknüpfen konnte. Ihr Gefängnis war bis ins frühe 17. Jahrhundert in Gebrauch, obwohl die meisten Burggebäude während des 14. Jahrhunderts abgerissen wurden. Eine Windmühle, erbaut 1561 bis 1562, stand auf der Motte, bis der kreisförmige falsche Bergfried 1844 errichtet wurde. Seine Ruinen stehen heute noch; die Castle Street und die Church Street zeigen noch die elliptische Form des früheren Außenwalls.

Seit mindestens 1066 gab es eine Kirche in Eye; die heutige Kirche St. Peter und Paul wurde jedoch im 14. Jahrhundert erbaut und gilt als eine der schönsten Kirchen der Grafschaft. Ein Early-English-Portal aus dem 13. Jahrhundert, von einem früheren Gebäude, wurde in die Konstruktion der Kirche aus dem 14. Jahrhundert integriert. Im 15. und wieder im 16. Jahrhundert gab es Perioden weiteren Ausbaus und der Renovierung. 1868 wurde die Kirche von James Colling, einem Londoner Architekten, restauriert. Eine Besonderheit der Kirche ist der herrliche Lettner aus dem späten 15. Jahrhundert, dessen Hochbrett und Kreuz von Ninian Comper 1925 designt wurden. Der Lettner soll aus dem Kloster Great Massingham in Norfolk stammen.

Frühe Neuzeit bis heute[Bearbeiten]

Die früheste Erwähnung von Industrie in Eye erinnert, dass 1673 ‘die Beschäftigung von Frauen in dieser Stadt vor allem in der Herstellung von Spitze erfolgt’ und später 1830 ‘die untere Klasse der Industriearbeiterinnen sich mit der Herstellung von Spitze beschäftigt’. Es scheint, dass Eye über viele Jahre das Zentrum der lokalen Spitzenherstellung war; der letzte Spitzenhersteller der Stadt starb 1914. Spitze war jedoch nicht die einzige Industrie und die Grafschaftsverzeichnisse listen die vielen Läden und Beschäftigungen der Leute von Eye über das 18. und 19. Jahrhundert auf. Dies umfasste Schmiede, Wagner, Küfer, Uhrmacher, Schneider, Hutmacher und Drucker. Es gab mehrere Schlachthöfe, zwei Brauereien und zwei Spinnereien für die Herstellung von Flachs. Eisen- und Blechgießer, Hersteller landwirtschaftlicher Geräte und Kirchenglocken-Rahmenzimmerer und -hänger waren noch bis ins 20. Jahrhundert am Werk. An Geschäftsleuten waren 1937 in Eye Auktionatoren, Buchhändler und -drucker, Stiefel- und Schuhmacher, Kerzenzieher, Ärzte, Tuchmacher und Uhrmacher, aber auch Banken, Bäcker, Fleischer und Lebensmittelhändler verzeichnet.

Eye war früher die kleinste Stadt (borough) der Grafschaft, seine Grenzen basierten auf der Urkunde von 1205 von König Johann Ohneland. Die Urkunde wurde 1408 erneuert, und noch ein paar weitere Male durch nachfolgende Monarchen. 1885 bewies der Stadtschreiber von Hythe, dass die Originalurkunde nur zu Hythe in Kent gehört; der Irrtum war aus der Ähnlichkeit der frühen englischen Schreibweisen entstanden. Der Irrtum wurde 1950 von Archivisten bestätigt, doch der Stadtstatus wurde nicht unterbrochen, bis 1974 nach der Gebietsreform, als Eye zu einer Gemeinde (parish) degradiert wurde, aber seinen Stadtrat, einen Bürgermeister und die Stadtinsignien behielt. Von 1571 bis 1832 brachte Eye zwei Parlamentsabgeordnete hervor, dann nach dem Reformgesetz 1832 einen Parlamentsabgeordneten bis 1983. Danach wurde der Wahlkreis Eye durch den Wahlkreis Zentralsuffolk und Nord-Ipswich ersetzt.

1846 scheiterte der Stadtrat von Eye daran, zu erwirken, dass die Eisenbahnlinie LondonNorwich durch Eye führt. Die Linie, die 1849 fertiggestellt wurde, führte stattdessen durch Diss, das wirtschaftlich und an Bevölkerung anwuchs, während Eye stagnierte. Eine Nebenstrecke aus Mellis wurde endlich 1964 fertiggestellt. Heute behält Eye seinen Charakter als kleine Marktgemeinde (market town) mit einer Bevölkerung von etwa 2000 Einwohnern.

Durch die Jahre hatte Eye ein Wildgehege, ein Lepra-Krankenhaus, ein Gefängnis, ein Arbeitshaus, ein David-Fisher-Theater, eine Postherberge mit Postamt, eine Arbeiterhalle, einen Leseraum, ein Zunfthaus, eine Grundschule, zwanzig Pubs (inklusive Bierhäuser) und ein Flugfeld, das während des Zweiten Weltkriegs durch das 490. Bomberkommando der Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten genutzt wurde.

Eye heute[Bearbeiten]

Eye besitzt heute ein Krankenhaus, ein Gesundheitszentrum, drei Schulen inklusive die Hartismere High School, drei Kirchen, eine Bücherei, eine Polizeiinspektion, eine Feuerwehr, ein Industriegebiet und das frühere Flugfeld, einen British Women's Institute-Markt und einen Picknickplatz (The Pennings) am Dove-Ufer. Das Town Moors-Erholungsgebiet enthält Sportplätze, Football-Plätze und eine großes Gebiet von Wanderwegen. Eye betreibt auch eines der kleinsten professionellen Theater im Land, das den Versammlungsraum der früheren Postherberge zum Weißen Löwen beherbergt.

Eye besitzt drei denkmalgeschützte Gebäude 1. Grades: das Zunfthaus (heute ein Privathaus); die Burg und die Kirche St. Peter und Paul. Es gibt sieben Gebäude 2. Grades und 152 Gebäude 3. Grades in der Stadt. Die Eye-Stadthalle, an ausgefallenes und unorthodoxes Gebäude 2. Grades von 1856, war von Edward Buckton Lamb, einem der ‘Rogue-Architekten’ aus dem mittelviktorianischen Zeitalter designt worden. Hinter der Stadthalle befindet sich The Queen's Head, das einzig überlebende Pub von einst zwanzig in der Stadt.

Berühmte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Numismatic Chronicle (1891), Proceedings of the Royal Numismatic Society, 1o.
  2. Catherine Johns, Roger Bland: The Hoxne Late Roman Treasure. In: Britannia 25, 1994, S. 165–173

Literatur[Bearbeiten]

  • The History of Eye, Clive Paine ISBN 0-9522509-0-X.
  • S.E. West, 1998, A Corpus of Anglo-Saxon material from Suffolk, East Anglian Archaeology 84, 35-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eye, Suffolk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien