Felsgleithörnchen

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Felsgleithörnchen
WoolySquirrelLyd.jpg

Felsgleithörnchen (Eupetaurus cinereus)

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Tribus: Gleithörnchen (Pteromyini)
Gattung: Eupetaurus
Art: Felsgleithörnchen
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Eupetaurus
Thomas, 1888
Wissenschaftlicher Name der Art
Eupetaurus cinereus
(Thomas, 1888)

Das Felsgleithörnchen oder Wollgleithörnchen (Eupetaurus cinereus) ist ein großes Gleithörnchen des Himalaya. Es ist der Wissenschaft kaum bekannt, da nur extrem selten lebende Exemplare beobachtet wurden. Einige dieser Gleithörnchen wurden in den unter pakistanischer Kontrolle stehenden Teilen Kaschmirs gefunden, andere in Sikkim. Zwei Felle tauchten außerdem in Yunnan auf, was darauf schließen lässt, dass die Art auch hier verbreitet ist. Ob das Verbreitungsgebiet so lückenhaft ist oder die Spezies einfach nur sehr verborgen lebt, ist nicht bekannt.

Mit einer Kopfrumpflänge von über 50 cm und einem fast ebenso langem Schwanz ist dies nach den Riesengleithörnchen das größte Gleithörnchen der Welt. Eine dichte Verwandtschaft zwischen beiden Gattungen wird angenommen. Das auffälligste Merkmal des Felsgleithörnchens ist das dichte, wollige Fell, das grau gefärbt ist. Dies ist offenbar eine Anpassung an kaltes Klima in großen Höhen. Eines der wenigen beobachteten Exemplare war melanistisch. In der Anatomie unterscheidet sich das Felsgleithörnchen von seinen Verwandten durch eine etwas längere Schnauze und durch hypsodonte (d.h. hochkronige) Backenzähne.

Früheren Berichten zufolge hat das Felsgleithörnchen stumpfe Krallen, die keinen Halt an Bäumen finden; das Hörnchen lebe demzufolge in felsigen Regionen oberhalb der Baumgrenze und ernähre sich von Moosen und Flechten. Dies konnte Zahler 1994 nach der Wiederentdeckung des Tiers nicht bestätigen; das von ihm untersuchte Exemplar hatte scharfe Krallen. Obwohl es tatsächlich zeitweise oberhalb der Waldgrenze lebt, wird es heute für wahrscheinlich gehalten, dass das Felsgleithörnchen auf Nadelwälder angewiesen ist.

Das Felsgleithörnchen war wohl von jeher eine sehr seltene Art, aber nicht immer so eine extreme Rarität. Nachdem der Biologe Oldfield Thomas das Tier 1888 erstmals beschrieben hatte, wurde es bis in die 1920er regelmäßig gefangen und gesehen. Die vorerst letzte Sichtung durch Wissenschaftler stammte aus dem Jahr 1924. Hiernach gab es zwar Berichte von Einheimischen, aber für siebzig Jahre blieb das Felsgleithörnchen für die Wissenschaft verschollen. Erst 1994 entdeckte eine gezielt nach dem Tier suchende Expedition unter der Leitung der US-Amerikaner Peter Zahler und Chantal Djeteman. Sie bezahlten zwei Einheimischen 250 $ dafür, dass sie zu dem Tier geführt wurden, das in einer Höhle oberhalb des Sai-Tales lebte. Sie untersuchten das Tier und entließen es anschließend in die Freiheit.

Seit 1996 sind weitere Versuche, das Felsgleithörnchen wiederzufinden, erfolglos geblieben. Es gelang nur, den Kot des Tieres zu finden. Die Analyse ließ auf eine hauptsächlich aus Kiefernnadeln bestehende Ernährung schließen, was auch die hypsodonte Bezahnung erklären könnte. DNA-Untersuchungen wurden an den in Museen liegenden ausgestopften Exemplaren vorgenommen. Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die westlichen und östlichen Populationen des Felsgleithörnchens zwei unterschiedlichen Arten angehören könnten. Die IUCN hat dieses weiterhin kaum bekannte Hörnchen in den Status "bedroht" eingeordnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. 2 Bände. 6. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD u. a. 1999, ISBN 0-8018-5789-9.
  • Peter Zahler: Rediscovery of the woolly flying squirrel (Eupetaurus cinereus). In: Journal of Mammalogy. Bd. 77, Nr. 1, 1996, S. 54–57.
  • Peter Zahler, Mayoor Khan: Evidence for dietary specialization on pine needles by the woolly flying squirrel (Eupetaurus cinereus). In: Journal of Mammalogy. Bd. 84, Nr. 2, 2003, S. 480–486.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Eupetaurus cinereus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2006. Eingestellt von: Amori, 1996. Abgerufen am 11. Mai 2006