Fenouillèdes

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Fenouillèdes (französisch: Fenouillèdes, okzitanisch: Fenolhedés/Fenolheda/Fenolhet, katalanisch: Fenolleda) ist eine traditionelle, bis etwa Ende des 19. Jahrhunderts, okzitanischsprachige Comarca in Südfrankreich. Gemeinsam mit den fünf nordkatalonischen Comarques bildet sie das heutige Département Pyrénées-Orientales. Die Hauptstadt der Comarca ist Saint-Paul-de-Fenouillet.

Lage der Comarca Fenouillèdes im Département Pyrénées-Orientales

Lage[Bearbeiten]

Im Süden und Südosten des Fenouillèdes liegen die beiden nordkatalonischen Comarcas Conflent bzw. Rosselló. Im Norden und Nordwesten schließt sich das Bergland der Corbières an. Weiter nordwestlich liegen die südöstlichen Ausläufer des Lauragais. Wichtigster Fluss im Fenouillèdes ist der Agly.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Einziger Exportartikel des Fenouillèdes sind gute Rotweine, die unter der Appellation Côtes du Roussillon vermarktet werden. Ansonsten leben die Menschen vom Tourismus (Vermietung von Ferienwohnungen – gîtes) und – in begrenztem Maße – von der Land- und Forstwirtschaft.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

In der Höhle von Arago nahe Tautavel wurden seit 1964 über mehrere Jahre bei archäologischen Ausgrabungen Überreste von Praehominiden entdeckt, deren Alter mit ca. 300.000 bis 450.000 Jahre angegeben wird. Somit gehört der sogenannte Mensch von Tautavel zur Gruppe des Homo erectus und somit – lange vor dem Neanderthaler – zu den ältesten Zeugnissen der Anwesenheit von Frühformen des Menschen in Europa.

Eine Vielzahl von jungsteinzeitlichen Steingräbern (Dolmen) aus der Zeit der Megalithkulturen weist darauf hin, dass das Gebiet um 3000 bis 4000 v. Chr. besiedelt war.

Antike[Bearbeiten]

Aquädukt von Ansignan

Während es in der Zeit der griechischen Mittelmeerkolonisation im heutigen Katalonien (Empúries) und im Languedoc (Agde) Städtegründungen gab, ist dies für den benachbarten Küstenstreifen des Roussillon bislang nicht nachgewiesen. Die Region wird allgemein als Siedlungsgebiet der Keltiberer angesehen (vgl. Sournia). Spuren römischer Besiedlung sind jedoch bekannt (z. B. Ruscino bei Perpignan). Der Aquädukt von Ansignan ist die bedeutendste kulturelle Hinterlassenschaft der Römer im Fenouillèdes, wenngleich der ehemalige Endpunkt der Wasserleitung, d. h. die dazugehörige Siedlung, bislang nicht bekannt ist.

Mittelalter[Bearbeiten]

Im frühen Mittelalter bildete das Fenouillèdes einen Teil der Grafschaft Razès; im Jahr 870 ging es an den Grafen von Urgell und Cerdanya. Anschließend weitete die Abtei Saint-Michel-de-Cuxa ihre Ländereien aus und gründete in Saint-Paul ein Kloster.

Im Jahre 990 wurde das Fenouillèdes eine Untergrafschaft des Grafen von Besalú und ab 1111 des Grafen von Barcelona. In den Folgejahren wurde es im Zuge der Kreuzzüge gegen die Katharer zu einem Spielball der Grafen von Barcelona, Foix, Toulouse und Carcassonne. Schließlich fiel das Fenouillèdes mit dem Vertrag von Corbeil (1258) endgültig an das Königreich Frankreich. Es begann der Übergang zur okzitanischen Sprache.

Neuzeit[Bearbeiten]

Im Jahre 1790, während der Französischen Revolution und lange nach dem Pyrenäenfrieden vom 7. November 1659, der das ganze Roussillon von Spanien an Frankreich brachte, wurde das Fenouillèdes gemeinsam mit den nordkatalanischen Comarques in das Département Pyrénées-Orientales eingebunden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michèle Aué: Das Land der Katharer. MSM Vic-en-Bigorre 1992, ISBN 2-907899-46-5, S. 72.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fenouillèdes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien