Ferdinand Eduard von Stumm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ferdinand Eduard von Stumm und seine Frau Pauline, Doppelporträt von Salvador Martínez Cubells (1890), heute im Deutschen Historischen Museum

Ferdinand Eduard von Stumm (bis 1888: Ferdinand Eduard Stumm; * 12. Juli 1843 in Neunkirchen (Saar); † 10. Mai 1925 in Locarno) war ein preußischer und deutscher Diplomat.

Leben[Bearbeiten]

Stumm entstammte der Industriellenfamilie Stumm, die am 22. März 1806 die Neunkircher Hütte und Anteile an weiteren Eisenhütten im Saarrevier gekauft hatten. Während sein älterer Bruder Carl Ferdinand Stumm (Rufname Karl) die Leitung der Eisenwerke übernahm, profitierte Ferdinand Eduard (Rufname Ferdinand) als stiller Teilhaber an den Erträgen des Familienunternehmens. 1888 wurde er nobilitiert. Im Jahr 1908 zählte er zu den 100 reichsten Preußen und besaß die beiden Rittergüter Holzhausen (Kreis Kirchhain, Hessen) mit 700 ha und Rohlstorf (Kreis Segeberg, Schleswig-Holstein) mit 1500 ha.[1]

Ferdinand machte als Offizier die Feldzüge gegen Dänemark (1864) und Österreich (1866) mit, wurde 1867 der preußischen Gesandtschaft in Florenz attachiert, nahm 1868 an dem Feldzug der Engländer in Abessinien teil und war 1869 im Auswärtigen Amt in Berlin tätig. Nachdem er sich auch an dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 beteiligt hatte, war er 1871 preußischer Geschäftsträger beim Heiligen Stuhl und später bei den deutschen Missionen in Paris, München, Washington, Brüssel, Petersburg und London als zweiter und erster Sekretär beschäftigt. 1883 wurde er zum preußischen Gesandten in Darmstadt, 1885 zum kaiserlichen Gesandten in Kopenhagen, 1887 zum Gesandten, später Botschafter in Madrid ernannt. 1892 wurde er unter Ernennung zum Wirklichen Geheimrat zur Disposition gestellt.[2]

1903 übernahm er den Vorsitz des Aufsichtsrats der Gebrüder Stumm GmbH.[3]

Schloss Rauischholzhausen[Bearbeiten]

Schloss Rauischholzhausen, im Vordergrund der Burgteich

1873 kaufte Ferdinand Stumm, damals Legationsrat bei der deutschen Botschaft in Petersburg, den Besitz der beiden Herren Rau von Holzhausen in Hessen (1900 hessische Acker). Mit dem Verkauf ging die über 500 Jahre alte Familiengeschichte Rau von Holzhausen zu Ende.

Nach Übernahme des Besitzes setzte in Holzhausen eine rege Bautätigkeit ein. Zunächst wurden die alte Wasserburg, der anliegende Wirtschaftshof und die Zehntscheune abgerissen. Auf der dahinterliegenden Anhöhe wurde das ansehnliche Schloss Rauischholzhausen und in seiner Nähe ein Wirtschaftshof erbaut. Stumm und seine Gattin errichteten in den Folgejahren mehrere gemeinnützige Bauten wie Kirche, ev. Gemeindehaus, Molkerei und ein Altersheim. In seinem Testament bestimmte er eine Million Goldmark als Legate und Pensionen für das Personal, was von den Erben auch umgesetzt wurde.[4] Sein Grab befindet sich auf dem Familienfriedhof des für seinen zweitgeborenen Sohn Herbert von Stumm erworbenen Besitzes Gut Rohlstorf.[5] Den Besitz Rauischholzhausen erbte sein erstgeborener Sohn Ferdinand Carl von Stumm; dieser wurde 1954 neben der von seinem Vater gestifteten Kirche auf dem von der Familie von Rau begründeten Familienfriedhof begraben.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurt Pritzkoleit: Wem gehört Deutschland?, Kurt Desch Verlag, 1957, S. 69, S. 112
  2. Stumm, Ferdinand, Freiherr von. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 15. Band, S. 459 (Digitalisat mit falschem Geburtsjahr 1813; Faksimile beachten).
  3. Fünfviertel Jahrhundert Neunkircher Eisenwerk und Gebrüder Stumm. Mannheim 1935, S. 56
  4. Chris Nees: Schloss Rauischholzhausen, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8370-9917-1, S. 31
  5. a b Philipp von Stumm: Stammbaum der Familie Stumm, 2013, unveröffentlicht

Weblinks[Bearbeiten]