Fritz Zweigelt

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Friedrich „Fritz“ Zweigelt (* 13. Jänner 1888 in Hitzendorf; † 18. September 1964 in Graz)[1] war ein österreichischer Botaniker, Entomologe und Rebenzüchter. Die von ihm gezüchtete Rebsorte Rotburger wurde 1975 in Zweigelt benannt und ist heute die am meisten verbreitete Rotweinsorte in Österreich. Seine nationalsozialistische Gesinnung und Aktivitäten erlangten erst Jahrzehnte später öffentliche Aufmerksamkeit.[2]

Leben[Bearbeiten]

Zweigelt wurde als Sohn eines Lehrers in Hitzendorf bei Graz geboren.[3] Während seiner Schulzeit am Untergymnasium entdeckte er seine Freude an der Natur mit dem Sammeln von Schmetterlingen.[4] 1911 wurde er an der Grazer Universität in Naturwissenschaften promoviert, wo er auch als Assistent am Pflanzenphysiologischen Institut arbeitete. An der Wiener Universität für Bodenkultur habilitierte er sich über agrikulturelle Pflanzengesundheit. 1912 wurde Zweigelt in die Höhere Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau am Stift Klosterneuburg aufgenommen. 1921 gründete er mit Paul Steingruber und Franz Voboril die Bundesrebenzüchtungsstation am Stift Klosterneuburg, deren Leitung er im folgenden Jahr übernahm.[5]

Zweigelt züchtete 1922 an der Weinbauschule Klosterneuburg u.a. die von ihm als Rotburger benannte und später nach ihm benannte Rebsorte sowie die Rebsorte Goldburger. Ebenso stammt der - ursprünglich als Deckwein eingesetzte - Blauburger aus den Züchtungen Zweigelts. Er wandte sich gegen Direktträger-Rebsorten, wodurch beispielsweise der Uhudler zu seinem schlechten Ruf kam.[6]

Zweigelt war ein sehr produktiver Wissenschaftler, der mehr als 500 Publikationen veröffentlicht hatte. Zwei wissenschaftliche Zeitschriften gab er heraus, von 1917 bis 1921 leitete er die Zeitschrift des österreichischen Entomologen-Vereines und von 1929 bis 1945 Das Weinland. Zeitschrift für Kellertechnik und Weinbau. Nach dem 2. Weltkrieg arbeitete er als Fachkonsulent für die Weinbranche.[5]

1975 wurde im Zuge der Qualitätsweinreben-Verordnung die zuvor von Zweigelt als „Rotburger“ bezeichnete Rebsorte in „Zweigelt“ umbenannt auf Anregung von Lenz Moser.[1]

Seit 2002 wird alljährlich ein Dr. Fritz Zweigelt-Preis an Stipendiaten vergeben.[5]

Politik[Bearbeiten]

Im April 1933 trat Zweigelt in die NSDAP ein als diese in Österreich noch verboten war.[7] Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde der Direktor der Weinbauschule am Stift Klosterneuburg zwangspensioniert und Zweigelt erhielt die Leitung übertragen. Einen Schüler namens Josef Bauer, Mitglied der Widerstandsgruppe um den Klosterneuburger Chorherrn Roman Scholz, soll Zweigelt der Gestapo ausgeliefert haben.[8]

Nach Kriegsende wurden Zweigelt die Direktorenstelle und seine 1943 verliehene Dozentur an der Hochschule für Bodenkultur entzogen. 1964 veröffentlichte er seine autobiografisch gehaltene Rede vor der Gesellschaft für angewandte Entomologie, in der er wenig Einsicht bezüglich seiner Vergangenheit im Nationalsozialismus erkennen ließ.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Der gegenwärtige Stand der Maikäferforschung, 1918
  • Die Frage der Ertragshybriden im nördlichen Weinbau, 1927
  • Der Maikäfer. Studien zur Biologie und zum Vorkommen im südlichen Mitteleuropa, 1928
  • mit Albert Stummer: Die Direktträger, 1929
  • Blattlausgallen. Histogenetische und biologische Studien an Tetraneura- und Schizoneuragallen. Die Blattlausgallen im Dienste prinzipieller Gallenforschung, 1931
  • Der kranke Obstgarten: ein Bestimmungsschlüssel, 1934
  • Grundsätzliches zur Frage der Verfallserscheinungen des Rebstockes, 1936
  • Erster Mitteleuropäischer Weinkongreß, 1936
  • Der Kampf gegen Schädlinge und Krankheiten im winterlichen Weingarten, 1938
  • Zur Frage der Vorfallserscheinungen der französischen Weinberge, 1938
  • Von den Höhepunkten meines Lebens — Werk und Freude. In: Zeitschrift für Angewandte Entomologie, 1964, 54: 13–21. doi:10.1111/j.1439-0418.1964.tb02912.x

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

  • Zweigelt - Wein und Wahrheit. Dokumentarfilm, Österreich, 2011, 57:50 Min., Buch und Regie: Gerald Teufel, Rezitation: Erwin Steinhauer, Produktion: two visions, MediaVilm, ORF, 3sat, Reihe: dok.film, Erstsendung: 23. Oktober 2011 bei ORF 2, Inhaltsangabe von 3sat und ORF.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c W.-Ba.: Zweigelt, Fritz (1888-1964). In: Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V., aufgerufen am 20. November 2014.
  2. Erfolgsgeschichte mit dunklen Flecken: "dok.film: Zweigelt - Wein und Wahrheit" präsentiert. In: ORF, 2011, aufgerufen am 20. November 2014.
  3. kk: Zweigelt - Wein und Wahrheit. In: 3sat, 2014 .
  4. F. Zweigelt: Von den Höhepunkten meines Lebens — Werk und Freude. In: Zeitschrift für Angewandte Entomologie, Jg. 54, Heft 1-4, S. 13–21, Januar/Dezember 1964.
  5. a b c Zweigelt-Biographie in: The Zweigelt Project (englisch)
  6. Kellerverein Heiligenbrunn: Der Uhudler. In: oszko.hu
  7. Verena Mayer: „Zweigelt“, beim internationalen Kunstsymposion WeinART in Poysdorf. In: erinnern.at, 25. Oktober 2012.
  8. Charlotte Ueckert (Hrsg.): Der Jaguar im Spiegel. Ein Kogge Lesebuch. Pop, Ludwigsburg 2010, ISBN 978-3-937139-93-7, S. 193.