Blauer Portugieser

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Der Blaue Portugieser ist eine alte Rotweinsorte und ist in Mittel- und Südosteuropa weit verbreitet. Sie hat deshalb zahlreiche Synonyme. Aus der Sorte wird ein meist einfacher rubinroter Wein gekeltert, der sich durch eine frische Säure und leichten Körper im Geschmack auszeichnet. Häufig wird er auch als Rosé (Weißherbst) ausgebaut. Der Wein gilt als angenehm, süffig, frisch und vollmundig und spielte in der Pfalz als Schoppenwein eine ähnliche Rolle wie der Trollinger in Württemberg. Er passt zu leichten Speisen. Portugieser aus ertragsreduzierten Weinbergen können nach langer Maischegärung und Ausbau im Barrique auch schwere und gehaltvolle Rotweine höherer Qualitätsstufen hervorbringen. So ist die Rebsorte in Rheinhessen zur Erzeugung von Selectionsweinen zugelassen.[1]

Der Blaue Portugieser eignet sich auch sehr gut als Tafeltraube, gelangt aber als solche nicht in den Handel, da der Vertrieb von Keltertrauben (Trauben, aus denen Wein hergestellt wird) als Tafeltrauben in der EU nicht gestattet ist.

Blauer Portugieser

Geschichte[Bearbeiten]

Es wird erzählt, dass die Traube 1772 von der portugiesischen Stadt Porto in das österreichische Bad Vöslau gelangt sei. Der niederösterreichische Heimatforscher Franz Langwieser schreibt in seiner Geschichte Schwadorfs, dass Johann von Fries als Erster auf seinem Gut in Bad Vöslau den Blauen Portugieser weinbergmäßig angepflanzt habe. Von dort verbreitete sich die Traube nach Deutschland, vor allem in die Anbaugebiete Rheinhessen und Pfalz. An der Verbreitung innerhalb Deutschlands ab 1840 war Johann Philipp Bronner maßgeblich beteiligt. Allerdings ist die Traube in Portugal völlig unbekannt, stattdessen aber im ganzen Donauraum verbreitet, so dass man heute annimmt, dass sie aus diesem Bereich, vermutlich Österreich entstammt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland waren im Jahr 2007 4557 Hektar ( = 6,5 % der deutschen Rebfläche)[2] mit der Rebsorte Blauer Portugieser bestockt. Die bestockte Fläche nimmt trotz des Rotweinbooms seit einigen Jahren kontinuierlich ab. Im Jahr 2006 waren noch 4683 Hektar[3] Anbaufläche bestockt, nachdem im Jahr 2001 noch 5.039 Hektar[4] erhoben wurden. Im Sortenspiegel der roten Sorten muss sich der Blaue Portugieser nur den Sorten Spätburgunder und Dornfelder geschlagen geben. Hauptanbaugebiete sind die Pfalz mit 2282 Hektar und Rheinhessen mit 1738 Hektar.

Die Rebflächen in Deutschland verteilten sich im Jahr 2007 wie folgt auf die einzelnen Anbaugebiete:

Weinbaugebiet Rebfläche (Hektar)
Ahr 46
Baden 34
Franken 75
Hessische Bergstraße 4
Mittelrhein 7
Mosel 3
Nahe 116
Pfalz 2282
Rheingau 8
Rheinhessen 1738
Saale-Unstrut 46
Sachsen 3
Stargarder Land unter 0,5
Württemberg 189
Summe Deutschland 2007 4551

Quelle: Rebflächenstatistik vom 13. März 2008, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2008 in Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes 2008, S. 198ff.[5]

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich ist der Blaue Portugieser nur Niederösterreich, und zwar dem Weinviertel und vor allem in der Thermenregion von Bedeutung. Dort ist er immer noch die wichtigste Rebsorte. Innerhalb ganz Österreichs liegt die Sorte hinter dem Blaufränkisch auf Rang drei der beliebtesten roten Rebsorten. Im Jahr 2009 umfasste der Blaue Portugieser 2203 ha und 4,2 % der gesamten Rebfläche des Landes und lag damit trotz abnehmender Tendenz hinter dem Zweigelt und dem Blaufränkisch auf Rang drei der beliebtesten roten Rebsorten.[6]

Die Rebflächen in Österreich verteilten sich im Jahr 2007 wie folgt auf die einzelnen Anbaugebiete:

Weinbaugebiet Rebfläche (Hektar)
Wachau 14,72
Kremstal 45,21
Kamptal 104,85
Traisental 39,71
Wagram 67,86
Weinviertel 1506,55
Carnuntum 22,11
Thermenregion 373,52
Neusiedlersee 2,62
Neusiedlersee-Hügelland 3,55
Mittelburgenland 4,55
Südburgenland 2,19
Wien 10,67
Südoststeiermark 0,06
Südsteiermark 3,74
Weststeiermark 0,65
Summe Österreich 2007 2202,56

Quelle: Weingartenerhebung 1999 + Umstellungsänderungen bis 2007 (ausgepflanzte Flächen)[7]

Ampelographische Sortenmerkmale[Bearbeiten]

In der Ampelographie wird der Habitus folgendermaßen beschrieben:

  • Die Triebspitze ist offen. Sie ist ganz schwach spinnwebig behaart, von gelblichgrüner Farbe und fast glänzend. Die grünlichen, leicht bronzefarbenen Jungblätter sind ebenfalls ganz schwach behaart.
  • Die großen Blätter sind eher rundlich, dick, meist dreilappig bis schwach fünflappig und nur wenig gebuchtet (siehe auch den Artikel Blattform). Die Stielbucht ist lyrenförmig bis V-förmig offen. Das Blatt ist grob gezähnt. Die Zähne sind im Vergleich der Rebsorten groß. Die Blattoberfläche (auch Spreite genannt) ist glatt oder nur wenig blasig.
  • Die konus- bis walzenförmige Traube ist mittelgroß und dichtbeerig. Die länglichen Beeren sind groß und von pflaumenblauer Farbe. Die Schale der Beere ist dünnhäutig.

Der Blaue Portugieser treibt mittel früh aus. Dadurch entgeht er eventuellen sehr späten Frühjahrsfrösten, kann aber bei frühen Maifrösten noch Schaden nehmen. Der Blütezeitpunkt liegt spät. Der Blaue Portugieser reift fast zeitgleich mit dem Gutedel und gilt somit als früh reifend. Die Sorte hat einen sehr kräftigen Wuchs. Der Ertrag ist sehr hoch, da die Sorte sehr rieselfest ist. Ohne Ernteeinschränkung (siehe Traubenausdünnung) kann der Ertrag bei sehr hohen 120 bis 200 Hektoliter/ Hektar liegen.

Gegenüber dem Echten und Falschen Mehltau ist die Rebsorte anfällig. Sehr anfällig reagiert die Sorte auf eine Infektion mit der Schwarzfleckenkrankheit (Phomopsis) [8]. Sie neigt darüber hinaus zum Befall mit Rohfäule. Da die Rohfäule störend auf die Rotweinfarbe wirkt, wird der Blaue Portugieser häufig vor der physiologischen Reife geerntet. Er wird oft schon in der ersten Septemberhälfte geerntet und ist bereits im nächsten Frühjahr gut trinkbar. Dadurch lastet der Sorte das Image eines Massenträgers für preiswerte Konsumqualitäten an. Durch gute Rebstockpflege können jedoch tiefdunkle Weine in Spätburgunderqualität entstehen.

Den Blauen Portugieser zeichnet eine noch mittelgute Holzreife bei entsprechender mäßiger Winterfrosthärte aus.

Vorteil des Blauen Portugieser ist, dass er mit fast allen Böden (außer schweren, feuchten und kühlen) zurechtkommt, auch mit nährstoffarmen und sandigen. Auch flache Lagen akzeptiert er und lässt sich dort gut maschinell bearbeiten.

Synonyme[Bearbeiten]

Der Blaue Portugieser ist auch unter den Synonymnamen Autrichien, Azul, Badener, Badner, Blauer Oporto, Blaue Feslanertraube, Blaue Feslauertraube, Bonnette, Bourgounder, Brina, Cerna Kraljevina, Cerne Rane, Cerny Sryk, Crna Kraljevina, Feslauer, Feslauertraube, Früher blauer Portugieser, Früher Voeslauer, Frulv Portugieser, Garidelia monopyrena, Garidelia praecox, Imbrina, Kék Oporto (Ungarn), Kék Portugiezi, Kékoporto, Kraljevina, Kraljevina crvena, Kraljvina, Maviona rana, Mavrona rana, Mavrovna rana, Mavrvona rana, Modra Kraljevina, Modrý Portugal (Tschechien), Modra Portugalka (Slowenien), Mor Portugieser, Moravna Oporto, Oporto (Rumänien), Oporto Vaeslauer, Oportorebe, Plant de Porto, Portgieser, Portjuge, Portoghese, Portohese nero, Portougalka, Portougalsky siny, Portugais bleu (in Frankreich), Portugais de Bingen, Portugalika, Portugaljka (Kroatien), Portugiz, Portugizac, Portugizac Crni, Portugieser, Portugiezi, Português azul (in Portugal), Raisin des roses, Rana modra, Rana modra kraljevina, Ranina, Skorak, Skore cerne, Veslaver, Vöslauer, Voslaner und Weslau bekannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rheinhessen. Drei Farben Rot - mindestens! In: Vinum 3-2007, Ausgabe D. S. 28.
  2.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2008/2009, (PDF Datei; 454 kB). Mainz 2008.
  3.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2007/2008, (PDF Datei; 430 kB). Mainz 2007.
  4.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2004/2005, (PDF Datei; 777 kB). Mainz 2004.
  5. Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes 2008(PDF; 519 kB)
  6. Rebsorten in Österreich
  7.  Österreichische Weinmarketingserviceges.m.b.H. (ÖWM) (Hrsg.): Dokumentation Österreichischer Wein 2007. Wien 2008, S. 40ff. (Link zum Download, abgerufen am 19. August 2012).
  8. Farbatlas Krankheiten, Schädlinge und Nützlinge an der Weinrebe, Seite 121, von Horst Dietrich Mohr, erschienen im Eugen Ulmer Verlag

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Blauer Portugieser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien