Gärtnerplatzviertel

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Gärtnerplatzviertel (1 und 2) im Stadtbezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt – vgl. „inoffizielle Stadtviertel“
Stadtbezirksteile Gärtnerplatz und Deutsches Museum
Der Gärtnerplatz bildet den Mittelpunkt des Viertels
Gärtnerplatz mit Blick auf das Gärtnerplatztheater

Das Gärtnerplatzviertel ist ein Stadtviertel rund um den Gärtnerplatz im Münchner Stadtbezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Es ist gleichbedeutend mit dem Stadtbezirksteil 2.1 Gärtnerplatz und reicht im Osten bis an die Isar im Stadtbezirksteil Deutsches Museum.

Lage[Bearbeiten]

Umgrenzt wird das Viertel im Nordwesten von der Blumenstraße, im Norden von der Frauenstraße und dem Isartorplatz als Grenze zum Lehel und dem Altstadtring, im Westen von der Isar und im Süden und Südwesten von der Fraunhoferstraße als Grenze zum benachbarten Glockenbachviertel. Oft werden die Begriffe Gärtnerplatzviertel und Glockenbachviertel jedoch synonym für den Gesamtbereich beider Viertel benutzt, da beide zur Isarvorstadt gehören und inzwischen eine ähnliche Struktur aufweisen. Zwar bildet der Straßenzug Müllerstraße - Rumfordstraße die Grenze zum Stadtbezirk 1 Altstadt-Lehel, doch im öffentlichen Verständnis gehört dieser Straßenzug noch zum Gärtnerplatzviertel.

Das Gebiet bildete bis 1992 den Stadtbezirk 12 „Isarvorstadt-Deutsches Museum“.

Mit der Haltestelle Fraunhoferstraße der Linien U1 und U2 ist das Viertel an das Münchner U-Bahn-Netz angeschlossen.

Profil[Bearbeiten]

Das nahe der Isar gelegene Stadtviertel wurde ähnlich wie das Glockenbachviertel von der Schwulenszene geprägt. 2012 zog das schwule Kommunikations- und Kulturzentrum SUB innerhalb der Müllerstraße um und liegt jetzt im Gärtnerplatzviertel. Das traditionsreiche Hotel Deutsche Eiche mit der dazugehörigen Schwulensauna ist auch hier anzutreffen.

Um die Ecke liegt in der Buttermelcherstraße das Herz-Jesu-Kloster der Schwestern vom Göttlichen Erlöser mit Mädchenwohnheim und katholischem Kindergarten. An das Kloster grenzen die Grundschule und eine städtische Kindertagesstätte sowie das Förderzentrum für geistig behinderte Kinder, die Mathilde-Eller-Schule mit Heilpädagogischer Tagesstätte. Zu deren einer Seite liegt das Backhaus der Bäckerei Rischart, zur anderen stand von 1996 bis 2009 der Kawwana-Tempel von Thorwald Dethlefsen.

Nur wenige Häuser weiter befand sich in der Reichenbachstraße bis 2006 die Israelitische Kultusgemeinde mit der Hauptsynagoge und dem angrenzenden jüdischen Altenheim. In der Klenzestraße befand sich das Münchner Osho-Zentrum.

Das bis Ende des 20. Jahrhunderts eher heruntergekommene Viertel, in dem vorwiegend Arbeiter, viele Ausländer und einige Künstler lebten, hat sich sehr gewandelt. Eine erste Aufwertung fand durch das jährliche Gärtnerplatzfest statt, das gemeinsam von Ladeninhabern und dem Gärtnerplatztheater organisiert wird. Kleine Läden des Alltags (Eisenwaren, Bäcker, Trachten, Fußpflege), gutbürgerliche Lokale und Beisln wurden im letzten Jahrzehnt durch Friseure, Modegeschäfte und schicke Lokale ersetzt. Durch einen Coffeeshop wurde der Gärtnerplatz erstmals als Erholungszone und Treffpunkt wahrgenommen. Hier trifft sich inzwischen die Indie- und Alternativszene, was den Anwohnern einiges an Lärmtoleranz abverlangt.

In der Klenzestraße war in den 1980er-Jahren das legendäre Tanzlokal Größenwahn. In der Fraunhoferstraße liegt seit Jahrzehnten das Wirtshaus Fraunhofer mit seiner Kleinkunstbühne und dem Werkstattkino. In der Blumenstraße befindet sich das erste Bürgerhaus Münchens, die Glockenbachwerkstatt, kurz die Glocke.

In der Müllerstraße befand sich das Action-Theater, aus dem 1968 das Antiteater hervorging. Beide sind eng mit Rainer Werner Fassbinder verbunden, der in der Reichenbachstraße wohnte.

Im Zuge der fortschreitenden Gentrifizierung wird das ehemalige Heizkraftwerk Mitte, das von 1955 bis 2001 Fernwärme produzierte[1], und das umliegende Gelände mit hochpreislichen Eigentumswohnungen bebaut, die unter dem Namen The Seven vermarktet werden.

An der Isar befinden sich das Europäische Patentamt und das Deutsche Patentamt.

Nähe[Bearbeiten]

In unmittelbarer oder mittelbarer Nähe befinden sich

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Arz, Ann E. Hacker: Die Isarvorstadt. Hirschkäfer Verlag, München 2008, ISBN 978-3-940839-00-8.
  •  Anita Kuisle: Kraftwerk, Schule, Lazarett. Eine Geschichte des Gärtnerplatzviertels. Verlag Franz Schiermeier, München 2010, ISBN 978-3-9813190-8-8.
  •  Rupert Walser: Gut durchwachsen. In: Kraft Werk Kunst. Katalog-Magazin 14./15./16.September 2007.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.stadtatlas-muenchen.de/geschichte-des-gaertnerplatzviertels-anita-kuisle.html

48.13166666666711.576111111111Koordinaten: 48° 8′ N, 11° 35′ O