GKN (Unternehmen)

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GKN
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN GB0030646508
Gründung 9. Juli 1900
Sitz Redditch, Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Leitung Marcus Bryson
Branche Metallindustrie
Website www.gknplc.com

Die GKN Plc (Guest, Keen and Nettlefolds) ist eine an der Londoner Börse notierte britische Aktiengesellschaft, deren Ursprünge bis 1759 zurückreichen. Haupttätigkeitsfelder sind die Luftfahrt und der Automobilbau. 1931 wurde das Unternehmen in den FT 30 Index aufgenommen.

Das Unternehmen beschäftigt etwa 45.000 Mitarbeiter in über 30 Ländern weltweit.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

1759 eröffnete Wyndham William Lewis im südwalisischen Dowlais bei Merthyr Tydfil eine Eisenhütte. Acht Jahre später wurde John Guest Verwalter des Werks und stieß auf umfangreiche Kohlevorkommen auf dem Gelände. Diese wurde nun zum Beheizen der Hochöfen genutzt und ersetzte die bis dahin zugekaufte Holzkohle. 1782 stieg Guest gemeinsam mit seinem späteren Schwiegersohn William Taitt als Teilhaber in das Unternehmen ein. Fünf Jahre später übernahm sein Sohn Thomas Guest diese Aufgabe. Sein Nachfolger wurde 1807 John Josiah Guest, der bis 1815 auch die Anteile seiner Miteigentümer übernahm. Das Unternehmen war zu diesem Zeitpunkt der größte Eisen- und Stahlproduzent der Welt. 1865 führte es zudem die Bessemerbirne ein, mit der Stahl deutlich einfacher und kostengünstiger produziert werden konnte als mit den damals üblichen Verfahren. Nach Guests Tod im Jahr 1852 ging die Verwaltung auf George Thomas Clark und Henry Bruce über.

Gründung von GKN[Bearbeiten]

1898 übernahm Guests Sohn Iver Bertie die Leitung des Unternehmens. Er zeigte jedoch wenig Interesse an der Firma und verkaufte sie im folgenden Jahr für 1,5 Millionen Pfund an den Industriellen Arthur Keen. Aus dem Zusammenschluss entstand am 9. Juli 1900 die Guest, Keen & Co. Limited. Den heutigen Namen erhielt das Unternehmen 1902 durch die Übernahme von Nettlefolds Limited. In den folgenden Jahrzehnten spezialisierte sich das Unternehmen vorwiegend auf die Produktion von Schrauben, Muttern, Bolzen und anderen Verbindungselementen. Das Unternehmen setzte dabei auf eine durchgehende Produktionslinie, die vom Erz- und Kohleabbau über die Verarbeitung bis zur Vermarktung ging.

Wachstum[Bearbeiten]

1966 stieg GKN durch die Übernahme von Hardy Spicer Limited, einem Hersteller von Antriebswellen für PKW, in die Produktion von Automobilteilen ein. In den folgenden Jahrzehnten fanden weitere Übernahmen ähnlicher Automobilzulieferer statt, wodurch GKN auf diesem Gebiet zum Weltmarktführer wurde, mit einem Anteil von 43 Prozent im Jahr 2002. In den 1980er Jahren begann das Unternehmen verstärkt in die Entwicklung neuer Technologien im Automobilbau zu investieren, erzielte jedoch nur geringe Erfolge, so dass man ab 1991 erneut die Produktion von Antriebswellen in den Mittelpunkt rückte. Die Herstellung von Stahl und Verbindungselementen wurde eingestellt. Im Zuge wachsender Konkurrenz aus Asien sah GKN sich gezwungen, zusätzliche Tätigkeitsfelder zu erschließen. Diese sah man in der Luftfahrtindustrie und der Produktion militärischer Fahrzeuge. 1994 Übernahm GKN Westland Helicopters und ging ein Joint Venture mit Agusta ein, woraus der Helikopterhersteller AgustaWestland entstand. 2004 verkaufte GKN seine Anteile jedoch an Finmeccanica. Bereits 1998 zog sich das Unternehmen wieder aus der Produktion von Militärfahrzeugen zurück und verkaufte die entsprechenden Unternehmensteile an Alvis Cars. 2012 wurde Volvo Aero übernommen.

Heutige Geschäftsbereiche[Bearbeiten]

GKN im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten]

GKN-Sintermetals Bonn-Bad Godesberg, Werkzeugbau.

Die Expansion auf dem deutschen Markt erreichte die GKN teilweise durch Übernahmen, Zukäufe verschiedener unabhängiger Unternehmen oder Ausgliederungen auf Seiten der GKN-Kunden. Wichtigster Schritt war der Einstieg in die Uni-Cardan AG über die englische Birfield-Gruppe, die ihrerseits ein Zusammenschluss verschiedener Unternehmen war: Walterscheid GmbH in Lohmar, Löhr & Bromkamp GmbH in Offenbach am Main (Gelenkwellen), Gelenkwellenbau Essen (heute nicht mehr im Konzern), das Rheinmetall Schmiede- und Presswerk Trier GmbH (seit 1965, heute GKN Driveline Trier GmbH), Werk Bonn (seit 1998, heute GKN Sinter Metals Components GmbH) sowie Glaenzer Spicer (Frankreich) und Birfield Trasmissioni Bruneck (Südtirol, Italien).

Später kamen das Opel-Gelenkwellenwerk in Kaiserslautern (2000, heute: GKN Kaiserslautern GmbH), der Gelenkwellenbau Kiel und zum Geschäftsbereich Landwirtschaft das Getriebewerk in Sohland/Spree und das Gelenkwellenwerk Mosel (seit 1999 Ortsteil von Zwickau) hinzu. Weiterhin bestehen Beteiligungen an anderen Unternehmen, z. B. zusammen mit Continental bei der Emitec (Metallkatalysatoren) in Lohmar.

Die Standorte Offenbach am Main, Mosel und Kiel bilden die GKN Driveline Deutschland GmbH mit Sitz in Offenbach. Den Ersatzteilmarkt bedient die GKN Service GmbH mit diversen „Reparaturstützpunkten“ in Deutschland. Im Entwicklungszentrum in Lohmar werden vor allem Gelenkwellen und mechanische und elektronische Sperrdifferentiale entwickelt. Daneben werden am Standort von anderen Konzerngesellschaften Abgaskatalysatoren (Emitec) und Traktoranbausysteme (Walterscheid) entwickelt. Insgesamt beschäftigt GKN etwa 7000 Mitarbeiter in Deutschland. Logistikdienstleister ist die Konzerneigene GKN Freight Services mit Sitz in Offenbach am Main.

Neben den bereits aufgezählten deutschen Standorten gibt es noch zwei Werke in Bruneck (Südtirol). In einem Werk befinden sich die Geschäftsbereiche Driveline und Land Systems, im anderen der Geschäftsbereich Sintermetals; außerdem gibt es weitere Zweigwerke in Österreich, Tschechien und Polen (Olesnica).

Weblinks[Bearbeiten]