Gadertal

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Die Gader bei Pederoa in Wengen
Blick nach Norden Richtung Sankt Martin in Thurn
Blick von Costa nach Wengen, Richtung Süden

Das Gadertal (ladinisch und italienisch: Val Badia) liegt in Südtirol (Italien) und hat seinen Namen vom Fluss Gader (ladinisch: La gran Ega, „das große Wasser“), der sich durch das Tal zieht. Die Gader mündet bei St. Lorenzen in die Rienz. Der Name Abteital, der gelegentlich als Synonym zu Gadertal verwendet wird, bezieht sich eigentlich nur auf den am höchsten gelegenen Talabschnitt südlich von St. Leonhard (San Linêrt/San Leonardo).[1] Dort befindet sich auch das Skigebiet Alta Badia mit der Piste Gran Risa.

Geschichte[Bearbeiten]

Man nimmt an, dass das Gadertal von einer vorrömischen Urbevölkerung besiedelt war. Das Gadertal gilt als ladinisches Herz. In den Orten des Gadertales ist die ladinische Lebensweise und Sprache sehr lebendig geblieben, da sie wegen der geographischen Abgeschiedenheit lange Zeit nur schwer zugänglich waren.

In St. Martin in Thurn im Gadertal befindet sich das Museum Ladin auf Schloss Thurn und im Ort das ladinische Kulturinstitut Micurà de Rü. In diesem Museum wird gemäß einer Theorie von Lois Craffonara der Name „Gader“ auf das lateinische Quadra für Quadrat zurückgeführt. Demnach hatten die alten Römer für ländliche Siedlungen einen standardisierten Wegeplan nach Art eines Quadrats, bestehend aus neun kleineren Quadraten. Aus archäologischen Funden, die von anderen Orten bekannt sind, kann man prüfen, ob etwa Sankt Martin in Thurn einst nach einem solchen Plan erbaut wurde. Laut Craffonara kann man aus der Vogelperspektive die einzelnen Wege oder markanten Punkte von Sankt Martin einem solchen Quadratmuster zuordnen. Der Name „Quadrat“ soll sich schließlich auf das ganze Gadertal ausgebreitet haben, daher der Name „Gader“.

Geographie und Lage[Bearbeiten]

Das Gadertal ist umgeben von mächtigen Bergen wie dem Heiligkreuzkofel (2908 m), dem Lagazuoi (2778 m), der Sella mit ihrem höchsten Gipfel, dem Piz Boè (3152 m) und der Gardenaccia. Sie schirmten die Bevölkerung von Fremdeinflüssen ab, wodurch Sprache und Lebensstil bis in die Neuzeit erhalten blieben.

Administrativ gehört das Gadertal zu den Gemeinden Enneberg (Mareo), St. Martin in Thurn (San Martin de Tor/San Martino in Badia), Wengen (La Val/La Valle), Abtei (Badia) und Corvara (deutsch auch Kurfar). Südlich von Stern (La Ila/La Villa) befindet sich die weite Hochebene Pralongià und teilt das Gadertal in einen südwestlichen und einen südöstlichen Arm. Der westliche Teil verzweigt sich bei Corvara erneut, den Talabschluss bilden am Westende das Grödner Joch und im Südwesten der Campolongopass (1875 m), der das Gadertal mit Buchenstein verbindet. Der ostseitige Teil führt über St. Kassian zum Valparolapass, der das Gadertal mit Cortina d’Ampezzo verbindet.

Die Gadertalstraße[Bearbeiten]

Gadertalstraße, neuer Tunnel und alte Straße, sowie die Gader

Durch das Gadertal läuft die Gadertalstraße (ital.: Strada Statale 244 della val Badia). Sie wurde während des Ersten Weltkrieges von russischen Kriegsgefangenen erbaut. Nach damaliger Technik wurden die Brücken über die Gader möglichst kurz gehalten, sodass vor und nach den Brücken oft nahezu rechtwinklige Kurven liegen. Fremde Busfahrer oder Fernfahrer sind darauf nicht gefasst, sodass es gelegentlich zu Stauungen kommt, weil zwei größere Fahrzeuge nicht aneinander vorbeikommen. So kam es am 6. Juni 1993 zu einem Zusammenstoß zwischen einem italienischen Reisebus und einem PKW, wodurch der Bus von der Fahrbahn abkam und 30 Meter in die Schlucht stürzte. Durch den Sturz in die Gader wurde das Dach des Busses weggerissen. 18 Insassen starben, 22 Menschen wurden schwer verletzt. Inzwischen wurde die Gadertalstraße mit vielen Tunneln bzw. Galerien ausgebaut, im Dezember 2006 wurde die neue Trasse für den Verkehr freigegeben. Mit Ausnahme des höchstgelegenen Tunnels können die Tunnel von Fußgängern und Radfahrern auf der alten Gadertalstraße umgangen werden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gadertal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Die geschichtlich gewachsenen Namen der Täler, Flüsse, Bäche und Seen. Athesia, Bozen 1995, ISBN 88-7014-827-0, S. 15.

46.66734511.907463Koordinaten: 46° 40′ 2,4″ N, 11° 54′ 26,9″ O