George Weidenfeld

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Sir Arthur George Weidenfeld, Baron Weidenfeld, GBE (* 13. September 1919 in Wien) ist ein britischer Journalist, Verleger und Diplomat österreichisch-jüdischer Herkunft. Er ist auch Kolumnist der Berliner Tageszeitung Die Welt. 1949 wurde er politischer Berater der israelischen Regierung und Kabinettschef des Präsidenten Chaim Weizmann. Er ist britischer und seit 1994 auch wieder österreichischer Staatsbürger.

Leben[Bearbeiten]

Weidenfeld besuchte nach dem Piaristengymnasium in Wien die Universität Wien und die Diplomatische Akademie Wien. Nach dem Anschluss Österreichs im Jahr 1938 emigrierte er nach London und begann bei der British Broadcasting Corporation (BBC) zu arbeiten, hauptsächlich für das „BBC Overseas Service“. Ab 1942 war er politischer Kommentator der BBC für europäische Angelegenheiten und verfasste eine wöchentliche Zeitungskolumne.

1945 gründete er zusammen mit Nigel Nicolson den Verlag „Weidenfeld & Nicolson“, für den er bis heute tätig ist. 1946 wurde er britischer Staatsbürger. 1948, bei der Gründung des Staates Israel, wurde er Berater der israelischen Regierung und 1949 für ein Jahr Kabinettschef des ersten Staatspräsidenten des neuen Staates, Chaim Weizmann.

Im Jahre 1969 wurde Weidenfeld von Königin Elisabeth II. als Knight Bachelor in den Adelsstand erhoben und erhielt dadurch den Titel "Sir". 1976 wurde er Life Peer mit dem Titel "Baron Weidenfeld, of Chelsea in the County of Greater London". In der New Year Honours List 2011 wurde er mit der höchsten Stufe des Order of the British Empire, dem Knights Grand Cross of the Order of the British Empire (GBE) geehrt.[1]

In den vergangenen Jahren stand Lord Weidenfeld im Mittelpunkt zahlreicher Ehrungen für seine Bemühungen um die europäische Integration. Im April 2002 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft 1. Klasse und 2003 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien.[2] Seit 2006 ist er Vorsitzender der Israel Group im House of Lords.

Er war viermal verheiratet.

Verlegerische Tätigkeit[Bearbeiten]

Der Verlag „Weidenfeld & Nicolson“ publizierte in seiner Anfangszeit einige aufsehenerregende Titel, darunter Vladimir Nabokovs Lolita und Nicolsons Autobiografie Portrait of a Marriage, in der dieser die offene Beziehung seiner Eltern beschrieb. In der Folge spezialisierte sich der Verlag auf die Herausgabe wichtiger Werke zur europäischen Geschichte und Biographien, darunter die Memoiren von Charles de Gaulle, Konrad Adenauer, Harold Wilson, Golda Meir, Lyndon B. Johnson, Mosche Dajan, Henry Kissinger und Schimon Peres.

1985 expandierte Lord Weidenfeld in die Vereinigten Staaten und kaufte zusammen mit Ann Getty den Verlag „Grove Press“. „Grove Press“ fusionierte später mit der New Yorker Niederlassung von „Weidenfeld & Nicolson“ unter dem Namen „Grove Nicolson“. 1991 wurde „Weidenfeld & Nicolson“ in Großbritannien von der „Orion Publishing Group“ erworben, der Name „Weidenfeld & Nicolson“ wurde jedoch als Marke dieses Verlags für seine Sachbücher und Biografien beibehalten, für die George Weidenfeld weiterhin zuständig war. 1993 fusionierte seine amerikanische Firma „Grove Nicolson“ mit der „Atlantic Monthly Press“ zur „Grove/Atlantic Inc.“

Lord Weidenfeld konnte sich dadurch aus dem verlegerischen Tagesgeschäft zurückziehen und mehr um die Kontakte zu namhaften Autoren kümmern. Ein weiterer Meilenstein für „Weidenfeld & Nicolson“ war im Jahre 2005 die Herausgabe des biografischen Werks Erinnerung und Identität von Papst Johannes Paul II. Lord Weidenfeld arbeitete auch weiterhin als Kolumnist der Berliner Tageszeitung Die Welt und der Wochenzeitung Bild am Sonntag.

Neben seiner verlegerischen Tätigkeit war Lord Weidenfeld an der Gründung und Weiterentwicklung mehrerer Universitäten beteiligt. Er war 1996 bis 2004 Vorsitzender der Ben-Gurion-Universität des Negev und Gouverneur der Universität von Tel Aviv. Er ist emeritierter Gouverneur des Weizmann-Instituts. Von 1992 bis 1994 war er stellvertretender Vorsitzender der „University of Oxford Campaign“ und ab 1994 Vizepräsident des „Oxford University Development Programme“. Im Jahr 2000 benannte die IJP (Internationale Journalisten Programme) ihr traditionelles Deutsch-Britisches Stipendienprogramm für Journalisten nach Lord Weidenfeld [3].

Film[Bearbeiten]

  • Die Brückenbauer Henry Kissinger, Fritz Stern und Lord George Weidenfeld. Jüdische Emigranten und die Wiedervereinigung. Dokumentation, 43 Minuten, Deutschland, USA, Israel, England, Österreich, Schweiz, 2010. Buch und Regie: Evi Kurz, Produktion: TLF-Timelinefilm GmbH Fürth, Erstsendung: ARD, 29. September 2010. In Interviews äußern sich neben Kissinger, Stern und Weidenfeld u.a. Helmut Schmidt, Angela Merkel, Hans-Dietrich Genscher, Richard von Weizsäcker, Timothy Garton Ash und Niall Ferguson. Inhaltsangabe (PDF; 76 kB) der TLF-Timelinefilm GmbH

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Honours List (PDF; 462 kB) 31. Dezember 2010
  2. "Brückenbauer" Lord George Weidenfeld erhielt Ehrenzeichen auf Wien.at vom 10. April 2003 abgerufen am 22. November 2010
  3. IJP George Weidenfeld Journalistenstipendium für britische und deutsche Journalisten