Gerichteter Graph

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Ein gerichteter Graph mit 3 Knoten und 4 gerichteten Kanten
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Ein gerichteter Graph oder Digraph (von englisch directed graph) besteht aus

Die Kanten (v,w) \in E eines gerichteten Graphen sind gerichtete Kanten (engl. directed edge/edges, manchmal auch Bögen). Im Gegensatz dazu sind die Kanten eines ungerichteten Graphen ungeordnete Knotenpaare \{v,w\}.

Grundbegriffe[Bearbeiten]

Ein gerichteter Graph ohne Mehrfachkanten und Schleifen wird einfacher Digraph[2] (auch schlichter Digraph) genannt.

Man sagt, dass eine gerichtete Kante e = (x, y) von x nach y geht. Dabei ist x der Fuß (oder Startknoten) und y der Kopf (oder Endknoten) von e. Weiterhin gilt y als der direkte Nachfolger von x und x als der direkte Vorgänger von y. Falls in einem Graphen von x nach y ein Pfad führt, gilt y als ein Nachfolger von x und x als ein Vorgänger von y. Die Kante (y, x) heißt umgedrehte oder invertierte Kante von (x, y).

Ein gerichteter Graph G heißt symmetrisch, falls G zu jeder Kante auch die entsprechende invertierte Kante enthält. Ein ungerichteter Graph lässt sich einfach in einen symmetrischen gerichteten Graphen umwandeln, indem man jede Kante \{x, y\} durch die zwei gerichteten Kanten (x, y) und (y, x) ersetzt.

Um die Orientierung eines einfachen ungerichteten Graphen zu erhalten, muss jeder Kante eine Richtung zugewiesen werden. Jeder auf diese Art konstruierte gerichtete Graph wird orientierter Graph genannt. Ein einfach gerichteter Graph darf, im Gegensatz zum orientierten Graphen, zwischen zwei Knoten Kanten in beide Richtungen enthalten.[1][3][4]

Ein gewichteter Digraph ist ein Digraph, dessen Kanten Gewichte zugeordnet werden, wodurch man einen kantengewichteten Graphen erhält. Ein Digraph mit gewichteten Kanten wird in der Graphentheorie als Netzwerk bezeichnet.[1]

Die Adjazenzmatrix eines Digraphen (mit Schleifen und Mehrfachkanten) ist eine ganzzahlige Matrix, deren Zeilen und Spalten den Knoten des Digraphen entsprechen. Ein Eintrag a_{ij} außerhalb der Hauptdiagonalen gibt die Anzahl der Kanten vom Knoten i zum Knoten j an, und der Eintrag der Hauptdiagonalen a_{ii} entspricht der Anzahl der Schleifen im Knoten i. Die Adjazenzmatrix eines Digraphen ist bis auf Vertauschung von Zeilen und Spalten eindeutig.

Ein Digraph lässt sich auch durch eine Inzidenzmatrix repräsentieren.

Eingangs- und Ausgangsgrad[Bearbeiten]

Digraph mit Knotenbeschriftung (Eingangs- und Ausgangsgrad).

Die Anzahl der direkten Vorgänger eines Knotens wird Eingangsgrad (auch Innengrad) und die Anzahl der direkten Nachfolger Ausgangsgrad (oder Außengrad) genannt.

Der Eingangsgrad eines Knotens v in einem Graphen G wird mit d_G^-(v) und der Außengrad mit d_G^+(v) bezeichnet. Ein Knoten mit d_G^-(v)=0 wird Quelle und ein Knoten mit d_G^+(v)=0 wird Senke genannt. Eine Senke heißt universelle Senke, falls sie eingehende Kanten von jedem anderen Knoten hat, falls also ihr Eingangsgrad gleich \mid V\mid-1 ist.

Für gerichtete Graphen ist die Summe aller Eingangsgrade gleich der Summe aller Ausgangsgrade, und beide gleich der Summe der gerichteten Kanten:

\sum_{v \in V} d_G^+(v) = \sum_{v \in V} d_G^-(v) = |E|\, .

Falls für alle Knoten v \in V die Gleichung d_G^+(v) = d_G^-(v) gilt, wird der Graph balancierter Digraph genannt.[5][6]

Zusammenhang von Digraphen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Zusammenhang von Graphen

Ein gerichteter Graph G heißt schwach zusammenhängend (oder nur zusammenhängend),[7] falls der unterliegende Graph von G, den man mittels Ersetzung aller gerichteter Kanten durch ungerichtete erhält, ein zusammenhängender Graph ist. Ein gerichteter Graph heißt stark zusammenhängend oder stark, wenn je zwei seiner Knoten gegenseitig erreichbar sind. Ein maximaler stark zusammenhängender Untergraph von G ist eine starke Komponente.

Darstellung von gerichteten Graphen[Bearbeiten]

Der im Beispiel behandelte gerichtete Graph

Außer der naiven Darstellung eines gerichteten Graphen durch Angabe der Knoten- und Kantenmenge gibt es noch weitere Darstellungsmöglichkeiten, das sogenannte Kanten bzw Knotenfeld.

Kantenfeld[Bearbeiten]

Ein Kantenfeld ist eine Darstellungsart für gerichtete Graphen nach folgendem Schema:

|V|, |E|, E_1,\ldots, E_{|E|},

wobei |V| die Anzahl der Knoten, |E| die Anzahl der Kanten und  E_1, \ldots, E_{|E|} die Kanten mit  E_i = (v, w) \in E sind.

Knotenfeld[Bearbeiten]

Ein Knotenfeld ist eine Darstellungsart für gerichtete Graphen mit folgendem Aufbau:

|V|, |E|, \text{ag}(V_1), \text{Ziel}_1, \ldots, \text{Ziel}_{\text{ag}(V_1)}, \ldots, \text{ag}(V_{|V|}), \text{Ziel}_1, \ldots, \text{Ziel}_{\text{ag}(V_{|V|})},

wobei |V| die Anzahl der Knoten, |E| die Anzahl der Kanten und ag(V) der Ausgangsgrad des Knotens V sind.

Beispiel[Bearbeiten]

Betrachtet man als Beispiel den rechts stehenden gerichteten Graph, so ist das Kantenfeld  4,6,(1,2),(1,4),(2,4),(3,1),(3,2),(4,3) und das Knotenfeld 4,6,\mathbf{2},2,4,\mathbf{1},4,\mathbf{2},1,2,\mathbf{1},3. Die fett gedruckten Zahlen geben den Ausgangsgrad an.

Klassen von Digraphen[Bearbeiten]

Ein gerichteter azyklischer Graph oder azyklischer Digraph ist ein gerichteter Graph, der keinen gerichteten Kreis enthält. Spezialfälle gerichteter azyklischer Graphen sind Mehrfachbäume (je zwei gerichtete Pfade des Graphen, die vom selben Startknoten ausgehen, dürfen sich nicht im selben Endknoten treffen), orientierte Bäume oder Polybäume (Orientierung eines ungerichteten azyklischen Graphen) und Wurzelbäume (orientierte Bäume, bei denen alle Kanten des unterliegenden ungerichteten Baumes vom Wurzelknoten wegführen).

Ein Turniergraph ist eine Orientierung des vollständigen Graphen K_n.

Einfach gerichteter azyklischer Graph
Turniergraph mit 4 Knoten

Spezielle gerichtete Graphen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Reinhard Diestel: Graphentheorie. 4. Auflage. Springer, Berlin u. a. 2010 (Erstausgabe 1996), ISBN 978-3-642-14911-5, S. 28–30 (online: 4. elektronische Ausgabe 2010 (englisch)).
  2.  Volker Turau: Algorithmische Graphentheorie. 3 Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2009, ISBN 9783486590579, S. 20–24.
  3. Eric W. Weisstein: Oriented Graph. In: MathWorld (englisch).
  4. Eric W. Weisstein: Graph Orientation. In: MathWorld (englisch).
  5.  Bhavanari Satyanarayana, Kuncham Syam Prasad: Discrete Mathematics and Graph Theory. PHI Learning Pvt. Ltd., ISBN 9788120338425, S. 460.
  6.  Richard A. Brualdi: Combinatorial matrix classes. In: Encyclopedia of mathematics and its applications. 108, Cambridge University Press, 2006, ISBN 9780521865654.
  7. Bang-Jensen, Gutin: Digraphs: Theory, Algorithms and Applications, 2. Auflage, 2009, S. 20.