Oesterreichischer Alpenverein

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Oesterreichischer Alpenverein (OeAV)
Neues Logo des Oesterreichischen Alpenvereins
Gründung: 1862
Gründungsort: Wien
Präsident: Andreas Ermacora
Vereine (ca.): 195 Sektionen (236 Hütten und ca. 26.000 km Wander- und Bergwege)
Mitglieder (ca.): 470.000 (Ende 2013)
Homepage: www.alpenverein.at

Der Oesterreichische Alpenverein (OeAV) ist der größte österreichische Bergsteigerverein. Hauptsitz ist Innsbruck.

Organisation[Bearbeiten]

Der OeAV ist in 195 Sektionen gegliedert. Die Sektionen sind ihrerseits wieder eigenständige Vereine. Das Arbeitsgebiet einer Sektion ist im Arbeitsgebietskataster entsprechend der Arbeitsgebietordnung (ArGO)[1] gemeinsam mit dem DAV festgehalten.

Neben Orts-Sektionen finden sich auch akademische Sektionen in Wien, Innsbruck und Graz, die aus Studentenverbindungen hervorgegangen sind, sowie Sektionen im Ausland (Sektion England, Flämische Sektion). Die Sektion Reichenberg hat sich nach der Vertreibung der Sudetendeutschen in Österreich wiedergegründet, hält aber Ortsgruppen in München und Kempten (Allgäu). Darüber hinaus gibt es die grenzüberschreitende Sektion Kössen-Reit im Winkl im bayerisch-tirolerischen Grenzgebiet und die überregionale Sektion Weitwanderer, deren Arbeitsgebiet auf Weitwanderwege beschränkt ist. Der Österreichische Gebirgsverein (ÖGV, 1890 in Wien gegründet), der sich dem weltweiten Hochgebirgsalpinismus verpflichtet, ist seit 1955 Mitglied des Alpenvereins und wird auch als Sektion geführt.

Seit Herbst 2010 gibt es die Ortsgruppe "Vețca-Tal Siebenbürgen" mit ihrem Sitz im Bezirk Tîrgu Mureş im zentralen Rumänien bzw. Karpatenbogen, die zur Sektion Steyr gehört. Sie wurde auf Anregung des aus dem niederösterreichischen Mostviertel stammenden Journalisten Wolfgang Strohmayer gegründet.

Zu den wichtigen Ämtern einer Sektion gehören – neben den vereinstypischen, also Vorsitzender, Schriftführer, Kassier – im Besonderen der Wegewart des jeweils betreuten Wegenetzes, der Hüttenwart, der sich um die vereinseigenen Schutzhütten kümmern muss, der Alpinwart (Alpinreferent), der die bergsteigerischen und kletterischen Aspekte betreut, der Skilehrwart, der sich um Belange des Alpinschi- und Schitourenwesens, die Lawinenkunde und andere wintersportlichen Aspekte kümmert, und der Naturschutzwart (Naturschutzreferent), der die satzungsgemäßen Naturschutzbelange der Sektion betreut.

Der ÖAV publiziert eine fünfmal pro Jahr erscheinende Mitgliederzeitschrift mit dem Namen Bergauf.

Hütten und Wege[Bearbeiten]

Der OeAV betreut (2012) 238 Schutzhütten. Mit etwa 13.000 Schlafplätzen, im Sommer ca. 1550 Arbeitsplätzen, und jährlich etwa einer Million Besucher ist der OeAV der größte Beherbergungsbetrieb in Österreich.[2] Die Hütten sind durchwegs saisonell – aber meist langfristig – in Pacht an einen Hüttenwirt vergeben, der den Wirtschaftsbetrieb aufrechterhält, und meist auch die Funktion des Hüttenwarts innehält.

Zu den Hütten des OeAV siehe: Liste der Schutzhütten in den Alpen

Der Oesterreichische Alpenverein betreut in Österreich rund 26.000 Kilometer markierte Bergwege, Wanderwege, Klettersteige und eine Vielzahl von Klettergärten. Rechnet man die vom Deutschen Alpenverein in Österreich betreuten Wege dazu, sind es gut 40.000 km.[2] Die Wege und Klettersteige werden von ehrenamtlichen Funktionären in deren Freizeit kostenlos betreut. Für diese Wege trägt der Verein die Wegehalterhaftung und die Erhaltungskosten. Dieses Wegenetz erhöht die Sicherheit der Bergwanderer und ist eine wesentliche Voraussetzung für den Bergsport und den Sommertourismus. Darüber hinaus sind die markierten Wege eine effektive Besucherlenkung.

Geschichte[Bearbeiten]

Hinweistafel des Österreichischen Alpenvereins

Der Österreichische Alpenverein wurde 1862 als erster Bergsteigerverband des europäischen Festlands und damit als zweitältester der Welt nach dem britischen Alpine Club gegründet. Gegründet wurde er auf Anregung der Studenten Paul Grohmann, Edmund von Mojsisovics und Guido von Sommaruga, unterstützt wurden sie dabei in der Anfangsphase von Eduard Suess, Anton von Ruthner, Eduard Fenzl und Achilles Melingo. Am 19. November 1862 fand unter der Leitung von Eduard Fenzl, der auch zum ersten Vorstand gewählt wurde, im grünen Saal der Akademie der Wissenschaften die Gründungsversammlung statt.

1873 erfolgte der Zusammenschluss mit dem unter anderem von Franz Senn mitgegründeten Deutschen Alpenverein zum Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein (DuOeAV). Der Oesterreichische Alpenverein und die Sektion Wien des Deutschen Alpenvereins werden zur Sektion Austria des D.u.Oe.A.V.[3] Von 1873 bis 1938 waren mehr als 400 Sektionen in Deutschland, Österreich und (nach dem Ersten Weltkrieg) in der Tschechoslowakei im Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein (DuOeAV) zusammengeschlossen. Im Jahr 1914 hatte der DuOeAV bereits mehr als 100.000 Mitglieder.[4]

Zur 50-Jahr-Feier der Sektion Austria äußerte sich Eduard Suess zur Gründungsgeschichte in den Mitteilungen des DuÖAV 1912 wie folgt: [5]

„In meinen Vorlesungen war gar oft von den Alpen die Rede und im Wintersemester 1861/62 teilte mir einer meiner Hörer, Edmund v. Mojsisovics, mit, daß er und zwei seiner Freunde, Paul Grohmann und Guido v. Sommaruga, die Absicht hätten, einen Alpenverein zu gründen. Sie hätten sich bisher nur mit dem Advokaten Dr. v.Ruthner in Verbindung gesetzt. Ich möge an einer zweiten Besprechung teilnehmen. Ich sagte zu. (…) Bei der zweiten Besprechung waren sechs Personen anwesend, und zwar die drei eigentlichen Begründer: Grohmann, Mojsisovics und Sommaruga, ferner Dr. A.v.Ruthner, der spätere Gemeinderat Achilles Melingo und ich. Wir waren durch das Scheitern des ersten Versuchs (Anm.: 1856) klüger geworden. Der neue Alpenverein sollte nicht international, sondern besonders für die österreichischen Alpen bestimmt sein. Räumlich eingeengt, sollte er dafür stofflich erweitert werden und nicht nur wissenschaftliche Ziele verfolgen. So entstand damals das Schlagwort vom ‚Wegsammachen‘ der Ostalpen. Im März wurde der Kreis auf 20 Personen erweitert. Statuten wurden entworfen und am 1. Juli genehmigt. Am 19. November fand im ‚Grünen Saale‘ der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (in Wien) unter dem Vorsitze des Professors Fenzl die konstituierende Versammlung statt. Die Zahl der Mitglieder betrug bereits 625.“

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Kritisch gesehen wird heute die nationalistische und antisemitische Ausrichtung des Alpenvereins während der Zwischenkriegszeit. In einigen Sektionen wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Arierparagraph angewandt: In der Sektion Wien des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins wurde bereits 1905 in einem Statut festgehalten, dass nur Deutsche sogenannter "arischer" Abstammung Mitglieder werden konnten; 1907 bzw. 1910 verboten auch die Akademische Sektion Wien bzw. München Juden die Mitgliedschaft, weitere folgten. 1921 wurde der Nationalsozialist Eduard Pichl Vorsitzender der Sektion Austria des DuÖAV und begann, den Antisemitismus durchzusetzen. Im gleichen Jahr wurde die Sektion Donauland gegründet, in der sich viele ausgeschlossene jüdische Bergsteiger sammelten, u. a. Viktor Frankl, Fred Zinnemann und Joseph Braunstein. 1924 wurde diese Sektion aus dem Gesamtverein ausgeschlossen, und 98 der 110 österreichischen Alpenvereinssektionen führten nun auch formell den Arierparagraphen ein. Juden durften weder Mitglied sein noch auf den Vereins-Hütten bewirtet werden.

1938–1945[Bearbeiten]

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich (März 1938) kam es zu der Gleichschaltung aller alpinen Vereine und aus dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein (DuÖAV) wurde im Mai 1938 der Deutsche Alpenverein (DAV). Dieser war bis zum Kriegsende als Fachverband Bergsteigen in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Vorsitzender war zu dieser Zeit der ehemalige österreichische Bundeskanzler Arthur Seyß-Inquart, ein überzeugter Nationalsozialist und Antisemit.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

1945 wurde der Oesterreichische Alpenverein (OeAV) neu gegründet. Bis zu der 1952 erfolgten Wiedergründung des DAV verwaltete der OeAV dessen Vermögen und Grundbesitz (Hütten) treuhänderisch.

Der Österreichische Alpenverein ist heute laut Statuten unpolitisch und überkonfessionell; er wird – quasi als Gegenpol zu den laut Statuten bekennend sozialdemokratischen Naturfreunden – überwiegend dem bürgerlichen Lager zugerechnet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Österreichischer Alpenverein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arbeitsgebietsordnung|[1]
  2. a b Peter Kapelari: Hütten & Wege. Alpine Infrastruktur des Alpenvereins – braucht es die noch? In: Bergauf 04-2012, S. 26 ff (Fundstelle S. 29 resp. 28);
    Alpenverein: Wanderwege brechen wegen Klimawandel weg. APA/Die Presse, 17. Oktober 2008, abgerufen am 28. November 2009.
  3. Alpenverein.at: Geschichte
  4. Franz Senn, Gründer des Alpenvereins in den NÖN Print-Ausgbabe Bezirk Mödling Woche 28/2012
  5. Ein Beitrag zur Gründungsgeschichte des Alpenvereins. Gedenkrede, gehalten von Professor Eduard Sueß zur Fünfzigjahrfeier der Sektion „Austria“. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1912 (Band XXXVIII), S. 304 f. (Online bei ALO) sowie
    Chronik Bergwacht, Teil 1 (PDF; 3,84 MB). In: Bergwacht-bayern.org, abgerufen am 16. April 2011.