Großenheidorn

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52.45759.398611111111145Koordinaten: 52° 27′ 27″ N, 9° 23′ 55″ O

Großenheidorn
Stadt Wunstorf
Wappen von Großenheidorn
Höhe: 45 m
Einwohner: 3056 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31515
Vorwahl: 05033

Großenheidorn ist ein Stadtteil von Wunstorf in der Region Hannover in Niedersachsen, der unmittelbar an den Osten von Steinhude angrenzt. Der Ort hat rund 3000 Einwohner.

Geografie[Bearbeiten]

Großenheidorner Strand, Seitenkanal 2006

Großenheidorn liegt östlich von Steinhude; die Orte gehen nahtlos ineinander über. Außer dem Hauptort gibt es noch den kleinen Ortsteil Großenheidorn Strand direkt am Südostufer des Steinhuder Meeres. Östlich von Großenheidorn liegen in ca. 1 km Entfernung der Ort Klein Heidorn und der Fliegerhorst Wunstorf mit dem hier beheimateten Lufttransportgeschwader 62, das mit Transportflugzeugen vom Typ Transall C-160 ausgerüstet ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Strohpuppen neben dem Ortseingang zur 750-Jahr-Feier 1997

Großenheidorn ist wahrscheinlich 1220 gegründet und 1247 erstmals in einer Urkunde erwähnt worden. Darin wurden dem Bischof von Minden die Besitzrechte an den beiden Dörfern Großenheidorn und Klein Heidorn von Ludolf von Roden zuerkannt.

Der Name geht vermutlich auf das Wort Heithorn zurück, das zu jener Zeit einen Wald mit häufigem Vorkommen von Weiß- und Schwarzdorn bezeichnete.

In Großenheidorn (Wunstorf) wurde 1603 eine Hexenverfolgung durchgeführt: die Geveke geriet in einen Hexenprozess und wurde wahrscheinlich verbrannt.[1]

Später ging das Dorf in den Besitz des Grafen von Holstein-Schaumburg über. Nachdem die Grafen von Holstein-Schaumburg 1640 ausstarben, kam es zur Teilung der Grafschaft Schaumburg. Großenheidorn wurde mit Steinhude und Hagenburg als sog. Seeprovinz dem nördlichen Teil zugeschlagen, der fortan von Grafen aus das Familie von Lippe-Detmold regiert wurde. Die neue Herrscherfamilie war mit dem letzten Grafen von Schaumburg verwandt und führte neben dem Namen Schaumburg als Zeichen ihrer Abstammung den Namen Lippe. So entstand 1647 die Grafschaft Schaumburg-Lippe, die 1807 zum Fürstentum wurden. Mit Ende des Ersten Weltkriegs dankte der letzte Fürst von Schaumburg-Lippe ab. Großenheidorn verblieb im Freistaat Schaumburg-Lippe und gehörte auch nach dem Zweiten Weltkrieg als Gemeinde weiterhin zum Kreis Schaumburg-Lippe. Erst 1974 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen zusammen mit Steinhude die Umverteilung zur Stadt Wunstorf im neu geschaffenen Landkreis Hannover.

Von 1898 bis 1970 hatte das Dorf Eisenbahnanschluss durch die Steinhuder Meer-Bahn. Der Personenverkehr wurde aber bereits 1964 eingestellt. In Großenheidorn befanden sich zwei Haltestellen, eine am Dorfkrug Brauner Hirsch (östlicher Ortsausgang), eine bei der Gastwirtschaft Küker (Ortsmitte).

Obwohl Großenheidorn seit dem 15. Jahrhundert über eine eigene Kapelle verfügt, gehörte es kirchlich bis ins 20. Jahrhundert zu Steinhude. Seit 1933 hat Großenheidorn eine selbstständige evang.-lutherische Kirchengemeinde.

Am 1. März 1974 wurde Großenheidorn in die Stadt Wunstorf eingegliedert.[2]

Im Jahre 1997 fand die 750-Jahr-Feier statt. Bei dieser Gelegenheit wurden neben dem Ortseingang die auf dem Bild zu sehenden Strohpuppen aufgestellt.

Politik[Bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl 2011 verteilten sich die sieben Sitze des Ortsrates Großenheidorn mit vier auf die CDU, zwei auf die SPD und einer auf B`90/Die Grünen.[3]

CDU: Manfred Wenzel (Ortsbürgermeister), Colette Thieman (stellvertretende Ortsbürgermeisterin), Dirk Höhne, Thomas Sadocco

SPD: Ilse Bokelmann, Martin Ehlerding

B`90/Die Grünen: Harald Sandeck

Wappen[Bearbeiten]

Die alte Verbundenheit mit Schaumburg-Lippe wird heute immer noch offen nach außen gezeigt. Das von Helga Bode und Ernst Küker geschaffene Ortswappen hat als Hauptfarben die Farben der schaumburg-lippischen Flagge – weiß, rot, blau – und wird auch auf dieser Flagge am Fahnenmasten präsentiert.

„Die drei Grundfarben weiß, rot und blau sollen die jahrhundertealte Treue zu Schaumburg Lippe verkörpern. Der Wellenschlag deutet an, dass Großenheidorn am Steinhuder Meer liegt. Der weiße Schrägstrich versinnbildlicht einen alten Fuhr- und Handelsweg, der die alte Gemeinde von Nordosten nach Südwesten durchzogen hat, den 'Schrägen- oder Schradeweg'. Großenheidorn, eine Rodung im großen Dülwalde im dreizehnten Jahrhundert durch die Wunstorfer Grafen von Roden, wird durch den Stuken im rechten unteren Drittel verkörpert. Nördlich vom Schradeweg lag das alte Dorf Heidorn, 'auf dem langen Heidoren' genannt, darum die Weiß- oder Hagedornblüten und Blätter, die Großenheidorn wahrscheinlich den Namen gegeben haben, im linken oberen Drittel.“[4]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Es gibt Busverbindungen nach Steinhude, Hagenburg, Rehburg und Wunstorf (Hauptstrecke) sowie sporadisch nach Neustadt am Rübenberge (via Poggenhagen). Bahnverkehr wird in Wunstorf abgewickelt; zusätzlicher S-Bahn-Haltepunkt in Poggenhagen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

St. Thomas-Kapelle

Bauwerke[Bearbeiten]

In Großenheidorn steht die St. Thomas-Kirche, ein kleiner Bruchsteinbau mit einem dreiseitigen Chorschluss.

Natur und Umgebung[Bearbeiten]

Großenheidorn liegt in nächster Umgebung zum Naturschutzgebiet „Wunstorfer Moor“ (Totes Moor). Man findet hier eine Aussichtsplattform und der Rundwanderweg um das Steinhuder Meer herum führt ebenfalls durch Großenheidorn hindurch.

Auf den umliegenden Wiesen und Ufern sind viele zum Teil bedrohte Vogelarten zu entdecken, z.B. Graureiher, Silberreiher, Kormoran, Haubentaucher, Teichralle, Fischadler, Eisvogel, Wildgänse, Gänsesäger, Rohrdommel. Blindschleiche und Waldeidechse (Echsenarten) / Ringelnatter, Kreuzotter und Schlingnatter (Schlangenarten) sind ebenfalls hier anzutreffen. Auch diese sind zum Teil gefährdet.

Am Großenheidorner Strand gibt es noch die Landzunge, die gerne im Sommer zum Baden oder als Startpunkt für Surfer und Kanuten genutzt wird. Im Winter dient das Steinhuder Meer als Eisfläche für Eisläufer und Eissegler, sobald es zugefroren ist.

Sport und Freizeit[Bearbeiten]

Hier ist besonders der MTV Großenheidorn zu erwähnen. 1908 unter dem Namen „Jugendkraft“ gegründet, dürfte heute das Männerturnen eher eine untergeordnete Rolle in den vielfältigen Aktivitäten dieses Sportvereins spielen. Insbesondere im Handball hat der Verein, sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen, als auch in der männlichen Jugend etliche Erfolge aufzuweisen. 2008 beging der Verein sein 100-jähriges Jubiläum.

Darüber hinaus erstreckt sich die sportliche Angebotspalette dieses Vereins von Badminton über Faustball, Tischtennis, Judo, Hapkido, Gymnastik, Jazztanz, Jedermann-Turnen, Fitness, Laufsport, Radwandern bis hin zum Kinderturnen und Mutter- und Kindturnen.

Der Segel-Verein Großenheidorn (SVG) und der Yacht-Club Steinhuder Meer (YStM) unterhalten am Großenheidorner Strand ihre Vereinshäuser und Liegeplatzanlagen. Der 1959 gegründete Segler-Verein Großenheidorn (SVG) wurde durch seine Aktivitäten im Jugendbereich und seine Regattaveranstaltungen bekannt. Zahlreiche Segel-Events hat er seit seiner Gründung veranstaltet. Eine Europameisterschaft, zahlreiche Deutsche Meisterschaften, Jugend- und Jüngstenmeisterschaften, die im Auftrag des Deutschen Segler-Verbandes veranstaltet wurden, zählen dazu. Welt-, Europa- und Deutsche Meister zählen zu seinen Mitgliedern.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arbeitskreis: 300 Jahre St. Thomas zu Großenheidorn 1691–1991. Hrsg. von Evang.-lutherische Kirchengemeinde Großenheidorn 1991
  • Arbeitskreis 750 Jahre Großenheidorn e.V. (Anita Galle, Siegfried Hartmann, Ernst Küker, Linde Schettlinger, Hans Schettlinger, Ulla Schulz, Willi Thiele, Manfred Wenzel): ... gestern und heute. Heft 1 und Heft 2, 1997
  • Heinrich Munk: ... unterwegs: 100 Jahre Ev.-Luth. Kirchengemeinde Großenheidorn. Hrsg. von Evang.-lutherische Kirchengemeinde Großenheidorn 1999

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großenheidorn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Schormann: Hexenverfolgung in Schaumburg, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 45, Hildesheim 1973, S. 149–151
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 198.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWahlbekanntmachung Nr. 10 – Bekanntgabe der endgültigen Wahlergebnisse der Kommunalwahlen in Wunstorf vom 11.09.2011. In: Stadt Wunstorf. 15. September 2011, abgerufen am 9. Februar 2012 (pdf).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDie Wappen der Wunstorfer Ortschaften und ihre Bedeutung. In: Stadt Wunstorf. Abgerufen am 14. März 2010.