Hagenburg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum deutschen Kunstflieger und Firmeninhaber siehe Otto Heinrich Graf von Hagenburg.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hagenburg
Hagenburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hagenburg hervorgehoben
52.4336111111119.326944444444440Koordinaten: 52° 26′ N, 9° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Schaumburg
Samtgemeinde: Sachsenhagen
Höhe: 40 m ü. NHN
Fläche: 16,23 km²
Einwohner: 4507 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 278 Einwohner je km²
Postleitzahl: 31558
Vorwahl: 05033
Kfz-Kennzeichen: SHG, RI
Gemeindeschlüssel: 03 2 57 010
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schloßstraße 3
31558 Hagenburg
Webpräsenz: www.hagenburg.de
Bürgermeister: Josef Vorderwülbecke [2] (CDU)
Lage der Gemeinde Hagenburg im Landkreis Schaumburg
Nordrhein-Westfalen Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Nienburg/Weser Region Hannover Ahnsen Apelern Auetal Auhagen Bad Eilsen Bad Nenndorf Beckedorf Bückeburg Buchholz (bei Stadthagen) Hagenburg Haste Heeßen Helpsen Hespe Heuerßen Hohnhorst Hülsede Lauenau Lauenhagen Lindhorst Lüdersfeld Luhden Meerbeck Messenkamp Niedernwöhren Nienstädt Nordsehl Obernkirchen Pohle Pollhagen Rinteln Rodenberg Sachsenhagen Seggebruch Stadthagen Suthfeld Wiedensahl WölpinghausenKarte
Über dieses Bild
Schloss Hagenburg
Das Schloss am Kanal
St.-Nicolai-Kirche

Hagenburg ist ein Flecken im Nordosten des Landkreises Schaumburg in Niedersachsen, der zur Samtgemeinde Sachsenhagen gehört. Es liegt im Naturpark Steinhuder Meer.

Geographie[Bearbeiten]

Hagenburg liegt am Südufer des Steinhuder Meeres, zwischen den Rehburger Bergen und dem Neustädter Moor, westlich von Steinhude und nördlich von Sachsenhagen. Die Bundesstraße 441 führt durch den Ort.

1970 entstand der „Flecken Hagenburg“ im Vorgriff auf die landesweite Gebiets- und Verwaltungsreform aus den beiden bis dahin selbstständigen Gemeinden Hagenburg und Altenhagen. Die entsprechende Verordnung, die der niedersächsische Innenminister 1969 unterschrieb, enthält den Satz: „Ortsteile werden nicht gebildet.“ 1974 wurde Hagenburg Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Sachsenhagen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend um das Steinhuder Meer war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. 1247 wurde das Hagenhufendorf Altenhagen „Oldenhagen“ erstmals in einer Urkunde erwähnt. Wegen dieses sprachlichen Bezuges darf mit Sicherheit angenommen werden, dass der „Nienhagen“ wenige Kilometer weiter südwestlich nur wenige Jahre später entstanden ist. Somit sind die Anfänge Altenhagens und Hagenburgs beide in der Rodungsphase des 13. Jahrhunderts zu suchen.

Die Burg Hagenborch schließlich, die die Grafen von Rhoden errichteten, wurde 1378 erstmals urkundlich erwähnt. In deren Vorwerk entwickelte sich das heute noch erkennbare Straßendorf. Die Hagenhufenzeile „Nienhagen“ entlang der Schierstraße ist nicht mehr erkennbar.

Nachdem der Ort im Dreißigjährigen Krieg verwüstet wurde, entstand an der Stelle der Burg 1686 das heutige Schloss Hagenburg der Fürsten zu Schaumburg-Lippe. Zu dieser Zeit wurde Hagenburg Poststation bis 1860, dann verlief die Steinhuder Meer-Bahn durch den Ort. Von 1765 bis 1767 ließ Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe im Steinhuder Meer die Insel-Festung Wilhelmstein errichten. Dazu ließ er einen Stichkanal vom Hagenburger Schloss bis zum Seeufer ausheben.

Im Jahre 1894 gab sich die Schützengesellschaft Statuten.[3]

Die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr hatte man in Hagenburg bereits um 1900 ins Auge gefasst. Sie zerschlug sich bis 1910. Dank der Initiative des „alten Schneidermeisters“ Heinrich Schaer (1862–1924) war es möglich, dass im April 1910 die Freiwillige Feuerwehr Hagenburg als dritte ländliche Feuerwehr im Fürstentum Schaumburg-Lippe (nach Bückeburg und Stadthagen) gegründet wurde.[4] 1943 wurde die Feuerwehr mit der Löschgruppe Altenhagen vereinigt.[5]

Heute[Bearbeiten]

In der jüngeren Vergangenheit entwickelte sich Hagenburg zu einem attraktiven Wohnstandort. So haben sich die Einwohnerzahlen seit etwa 1990 durch Ausweisung großzügiger Wohngebiete von rund 3000 auf derzeit (2009) etwa 4600 Einwohner erhöht. Auch die Infrastruktur ist mitgewachsen. Mehrere Einkaufsmärkte, Ärzte, Zahnarzt, Kindergarten und Grundschule sind vor Ort zu finden, auch Handwerk und Gewerbe bietet der Ort Erweiterungsmöglichkeiten. Der Fremdenverkehr spielt eine immer größere Rolle. Während im Nachbarort Steinhude der Tourismus den Ortskern dominiert, bietet Hagenburg Wander- und Radfahrmöglichkeiten.

In Hagenburg findet jährlich am zweiten Juliwochenende ein Schützenfest statt, das die Schützengesellschaft von 1848 Hagenburg-Altenhagen e.V. auf dem Festplatz am Försterteich ausrichtet. Dabei bieten 80 Musiker der Bundeswehr ein abwechslungsreiches Musikrepertoire.

Religionen[Bearbeiten]

Hagenburg ist seit der Reformation evangelisch. Später siedelten sich dort auch Familien jüdischen Glaubens an. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg lebten noch 17 Juden in Hagenburg. Heute sind rund 3000 Einwohner evangelisch und gehören zur Kirchengemeinde Altenhagen-Hagenburg mit der St.-Nicolai-Kirche, die rund 700 katholischen Einwohner gehören zur Pfarrgemeinde St. Bonifatius in Wunstorf. Die neuapostolische Gemeinde Hagenburg wurde der Gemeinde Wunstorf angeschlossen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1970 wurde die Gemeinde Altenhagen eingegliedert.[6]

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten]

Alte Bezeichnungen des Ortes sind um 1378 Hagenborch, 1431 Haghenborch und 1560 Hagenburch.

Das Namenselement „hagen“, das in diesem Ortsnamen vorliegt, gehört zum althochdeutschen „hagan“, mittelniederdeutschen „hagen“. Es ist eine Weiterbildung zum mittelhochdeutschen „hag“ für „Umzäunung, umzäuntes Grundstück, Weideplatz, Hecke“. „-hagen“ kann in Orts- und Flurnamen auf einen eingezäunten Raum, Bezirk oder ein eingezäuntes Waldstück Bezug nehmen. Der zweite Teil des Ortsnamens geht auf das niederdeutsche „borg, borch“ für „Burg“ zurück.[7]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Gemeindewahl 2011[8][9]
Wahlbeteiligung: 55,76 % (2006: 55,31 %)
 %
50
40
30
20
10
0
48,36 %
29,68 %
11,58 %
9,40 %
0,95 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-0,34 %p
-3,03 %p
-1,22 %p
+3,63 %p
+0,95 %p

Der Rat der Gemeinde Hagenburg setzt sich aus 15 Abgeordneten zusammen.

CDU SPD WGH GRÜNE Gesamt
2011 7 5 2 1 15 Sitze
2006 7 5 2 1 15 Sitze

Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011

Bürgermeister/Verwaltung[Bearbeiten]

Bürgermeister ist seit November 2011 Josef Vorderwülbecke (CDU). Zum Gemeindedirektor hat der Rat den Samtgemeindebürgermeister Jörn Wedemeier bestellt.

Finanzen[Bearbeiten]

Im Haushaltsplan 2013 werden die Erträge und Aufwendungen auf jeweils ~ 3,06 Millionen Euro festgesetzt. Im Finanzhaushalt werden Einzahlungen von ~ 3,08 Millionen Euro und Auszahlungen von ~ 4,01 Millionen Euro erwartet. Hiervon sind ~ 1,18 Millionen Euro für Investitionstätigkeiten vorgesehen. Kredite für Investitionen werden nicht veranschlagt.[10]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde 1965 bewilligt, vorher verwendete die Gemeinde einfach das Kreiswappen. Der Wappenschild symbolisiert das örtliche Schloss. Es wurde im 14. Jahrhundert von den Grafen von Schaumburg errichtet und 1871–73 renoviert. Der kleine Schild zeigt das frühere Kreiswappen von Schaumburg-Lippe. Die Wellen stehen für das nahe Steinhuder Meer. Die beiden Zweige weisen darauf hin, dass für die Gründung des Ortes im 14. Jahrhundert Waldrodungen nötig waren.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Das Bergbaumuseum Altenhagen mit Exponaten aus dem Stein- und Kalibergbau wurde 1997 auf dem Gelände des Schacht Weser eröffnet. Der Schacht Weser wurde zwischen 1907 und 1912 zur Förderung von Kalisalzen erschlossen. Er diente dann jedoch später bis heute als ausziehender Wetterschacht, in dem warme Grubenluft über eine knapp 2,5 km lange Verbindungsstrecke vom Bokeloher Kaliwerk Sigmundshall aufsteigt.[11]

Parks[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

  • Seit 1862 besteht der Männergesangverein Hagenburg.
  • 1890 wurde die Liedertafel gegründet, der Verein besteht noch, der aktive Betrieb ruht aber.
  • 1961 entstand aus dem Männergesangverein Altenhagen „Amicitia“ (gegr. 1892) der Gemischte Chor Altenhagen, später Altenhagen-Hagenburg „Meermusik“.
  • Der Kinderchor der Wilhelm-Bock-Grundschule wurde 1986 gegründet. Er bestand bis 2007.
  • Die Schützengesellschaft von 1848 Hagenburg-Altenhagen hat einen Spielmannszug.
  • Die Kirchengemeinde verfügt über einen Kirchenchor und einen Posaunenchor, gemeinsam mit der Kirchengemeinde Sachsenhagen unter dem Namen „Sachsenhagenburg“.
  • Außerdem besteht das Drum & Music Corps „Blue Bandits“.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Gewerbe[Bearbeiten]

Am Breiten Graben und nördlich davon hat sich das Gewerbegebiet „Großes Moor“ entwickelt. In erster Linie haben sich hier Firmen angesiedelt, die angesichts der eng bebauten Ortslage keine Entwickelungsmöglichkeiten hatten. Der Einzelhandel hat sich an der Hauptstraße (Lange Straße) niedergelassen.

Verkehr[Bearbeiten]

  • Die Bundesstraße 441 führt nach Wunstorf, wo weitere Verkehrsverbindungen (Bahnhof, Autobahn) vorhanden sind.
  • Busverbindungen bestehen nach Bad Rehburg, Stadt Rehburg, Sachsenhagen, Stadthagen und Wunstorf.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Sporthalle und Sportplatz
  • Tennisplätze
  • Yachthafen am Kanal
  • modernes Schützenhaus

Bildung[Bearbeiten]

  • Im vorschulischen Bereich sind zwei Kindergärten eingerichtet.
  • Wilhelm-Bock-Schule (Grundschule), weiterführende Schulen befinden sich in Steinhude, Wunstorf, Lindhorst und Stadthagen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Der Ort hat vier Ehrenbürger:

  • Wolrad Prinz zu Schaumburg-Lippe
  • Carl Krüger (* 27. April 1875 in Hagenburg; † 3. August 1971 ebenda), Malermeister und langjähriger Bürgermeister
  • Heinrich Tieste, langjähriges Rats- und Samtgemeinderatmitglied
  • Rudolf Nolte, langjähriges Rats- und Kreistagsmitglied

Söhne und Töchter des Fleckens[Bearbeiten]

Mit Hagenburg verbunden[Bearbeiten]

  • Miguel Fernandez (*1974), deutscher Autor, Cartoonist und Comiczeichner ist hier wohnhaft.
  • Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist wegen einer Heirat „unter Stand“ in der damaligen Schaumburg-Lippischen Fürstenfamilie der Familienzweig der „Grafen von Hagenburg“ entstanden. Sie sind heute in Süddeutschland zu Hause.

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Blazek: Chronik der Ortsfeuerwehren der Samtgemeinde Sachsenhagen. Sachsenhagen/Bergkirchen 1994
  • Matthias Blazek: „Kurze Geschichte von Hagenburg“. Schaumburger Wochenblatt vom 31. Juli 1991, 3. August 1991, 7. August 1991
  • Matthias Blazek: Einblicke in die Ortsgeschichten der Dörfer der Hessischen Grafschaft Schaumburg sowie Bergkirchen, Hagenburg und Lindhorst. Fontainebleau 1998
  • Heinrich Munk: 600 Jahre Hagenburg: 1378–1978. Hagenburg 1978
  • Heinrich Wulf: Bilderchronik von Hagenburg. Stadthagen 1990
  • Heinrich Wulf: Sammlung von Chroniken über 100 Jahre alter Vereine. Hagenburg 1994
  • NN: 60 Jahre Freiwillige Feuerwehr Hagenburg 1910–1970. Hagenburg 1970

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hagenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. sn-online.
  3. General-Anzeiger vom 14. März 1998. Bis zum Jahre 1910 sind keine Aufzeichnungen vorhanden.
  4. Freiwillige Feuerwehr Hagenburg 60 Jahre, 1970, o. S. (S. 11).
  5. Blazek: Chronik der Ortsfeuerwehren der Samtgemeinde Sachsenhagen, 1994, S. 26.
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 200.
  7. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  8. http://www.sachsenhagen.de/assets/wahlen/2011/hgb/00_tabelle.html
  9. http://www.sachsenhagen.de/assets/wahlen/2006/hgb/00_tabelle.html
  10. Amtsblatt des Landkreises Schaumburg Nr. 12/2012, ausgegeben am 28. Dezember 2012
  11. Geolife Schacht Weser.