Grundbedürfnis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Grundbedürfnisse sind Bedürfnisse, die bei einer hierarchischen Aufteilung der Bedürfnisse eine hohe Wichtigkeit haben und vordringlich befriedigt werden.

Eine allgemeingültige Definition von Grundbedürfnissen, oder ein allgemeines Verständnis, welche Bedürfnisse hierzu zählen, besteht nicht. Der Begriff wird in unterschiedlichsten Wissenschaften (z. B. der Anthropologie, der Medizin, der Psychologie, Volkswirtschaftslehre, Theologie oder der Rechtswissenschaft) und in politischen Diskussionen verwendet.

Biologische Grundbedürfnisse des Menschen[Bearbeiten]

Wesentliche Grundbedürfnisse des Menschen lassen sich aus der Definition von biologischem Leben ableiten und verstehen:

  • das Bedürfnis nach Entropieexport
  • das Bedürfnis nach Energieaustausch mit der Umgebung
  • das Bedürfnis nach Informationsaustausch
  • das Bedürfnis, auf Reize aus der Umwelt zu reagieren
  • das Bedürfnis nach Wachstum
  • das Bedürfnis nach Selbstreproduktion, auch geistiger und kultureller Fortpflanzung
  • das Bedürfnis nach stofflich- und energetischem Fließgleichgewicht mit der Umgebung.

Die Grundbedürfnisse und Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen sind ein Ergebnis der Anpassungen an das Umgebungssystem, die im Laufe der biologischen und kulturellen Entwicklungsgeschichte unserer Art stattgefunden haben. Auf dieser Grundlage können sich im Rahmen unserer phänotypischen Plastizität und unserer neuronalen Plastizität Bedürfnisse im Laufe der Individualentwicklung, also im Laufe unseres Lebens unterbewusst verändern. Es können auch neue Bedürfnisse bewusst und selbstbestimmt entwickeln werden (siehe auch Wertewandel). Wird der entwicklungsgeschichtliche Rahmen bzw. die entwicklungsgeschichtliche Tradition unserer biologischen Grundbedürfnisse bei der Bedürfnisbefriedigung nicht ausreichend respektiert, kann dies zu Unzufriedenheit, Ungleichgewicht oder zu Krankheit führen.

Funktionelle Grundbedürfnisse des menschlichen Nervensystems[Bearbeiten]

Das Gehirn (siehe auch Nervensystem) der biologischen Art Homo sapiens bildet die wesentliche organische Grundlage für die Wahrnehmung, Rückkopplung und Aussöhnung aller menschlichen Bedürfnisse. Ausgehend von der Funktion, dem Arbeitsprinzip und der Bedeutung dieses Organs bei der unbewussten und bewussten Auseinandersetzung mit Veränderungen des Nervensystems selbst, der umgebenden Körpereinheit und des wirksamen Umgebungssystems postulierte Kretzschmar[1] folgende drei funktionelle Grundbedürfnisse des menschlichen Nervensystems:

  • das Bedürfnis nach Wahrnehmung (Aktivierung von Nervenzellen und neuronalen Mustern)
  • das Bedürfnis nach Rückkopplung (Verbindung von aktiven Nervenzellen und neuronalen Mustern)
  • das Bedürfnis nach Aussöhnung (Deaktivierung von Nervenzellen und neuronalen Mustern).

Das Verständnis dieser drei funktionellen Grundbedürfnisse des Nervensystems schafft einen Zugang zum Verständnis aller weiteren rational denkbaren und emotional spürbaren Bedürfnisse des Menschen.

Modelle zur hierarchischen Aufteilung von Bedürfnissen[Bearbeiten]

Grundbedürfnisse nach Maslow[Bearbeiten]

Ein bekanntes hierarchisches Modell der Bedürfnisse ist die Maslowsche Bedürfnispyramide:

Grundbedürfnisse finden sich in diesem Modell in den unteren Stufen:

Eine Abgrenzung oder Definition, die erklärt, was Grundbedürfnisse sind, trifft das Modell nicht. Die unterste Stufe des Modells beschreibt körperliche Grundbedürfnisse.

Bedürfnisse nach Dringlichkeit[Bearbeiten]

In den Wirtschaftswissenschaften werden Bedürfnisse nach Dringlichkeit ihrer Erfüllung unterschieden.

  • Grundbedürfnisse (für ein möglichst nachhaltig gesundes Leben) umfassen die Bedürfnisse nach natürlich sauberer Luft, natürlich sauberem Quell-Wasser, Schlaf + Entspannung (durch Erholung, Ruhe {bedarf Geborgenheit}). Wohlwollen, Respekt + Geborgenheit + Partner bringen Kraft. Transparenz schafft Sicherheit + Orientierung + konsistente Freiheit und ermöglicht Selbstbestimmung. Unterkunft Wohnung/ Wohnen, Garten, Wald, Gewässer als gesunder Lebensraum (relativer Gestaltungsfreiraum) und eine Geborgenheit fördernde Gemeinschaft {Familie, Gemeinde,..} mit respektvollen Rückmeldungen (Feedback) zur Orientierung, fördern Gesundheit, wenn dazu gesunde Nahrung, Wärme (Kleidung), Bewegung + Heilung bei Krankheit (durch Gemeinschaft/ Partner, Orientierung, menschliche Hilfen wie Pflege, Fürsorge,.. + Heilmittel) und Privatsphäre für Innenschau, Selbstreflexion, Trauer,.. und inneres Ordnen + Planen gewährt werden und jede/r dazu entsprechend seinen Fähigkeiten beitragen kann und liebevoll, feinfühlig, freundlich darauf orientiert, gefördert und eingestimmt wird.
  • Existenzbedürfnisse sind (Abweichend von den Grundbedürfnissen) solche, die auch bei Mangel, in der Not noch realisierbar erscheinen oder selbst bei Strafe noch gewährt werden. Zum Beispiel ausreichende Nahrung und Wasser, Luft, Kleidung, Wohnraum, Beschäftigung (egal ob gesund), Bewachung, Intervention und Medikamente (egal ob gesund). Hier geht es nicht um ein möglichst nachhaltig gesundes Leben.
  • Luxusbedürfnisse umfassen die Bedürfnisse nach luxuriösen Gütern und Dienstleistungen (Schmuck, Auto etc.), auch wenn sie an anderen Stellen Not, Leid und Umweltfrevel fördern. Eine Grenze zur Begierde ist nicht vorhanden.

Grundbedürfnisse sind danach Bedürfnisse, sehr hoher Dringlichkeit (auch im Sinne von globaler Gemeinschaft, Gesundheit und Sicherheit). Sie grenzen sich gegenüber den Existenzbedürfnissen nur durch Mangel, Unfähigkeit oder Unwillen ab, Gesundheit, Sicherheit zu erhalten und deren förderliche Gemeinschaft zu bilden und statt dessen weniger dringliche Luxusbedürfnisse für eine Elite zu organisieren.[2]

Die Befriedigung von Grundbedürfnissen des Menschen in diesem Sinne ist eine notwendige Voraussetzung für ein gesundes, zufriedenes und würdiges Leben.

Die Verwendung des Begriffs in der politischen Diskussion[Bearbeiten]

In der politischen Auseinandersetzung wird der Begriff des Grundbedürfnisses hauptsächlich im Bereich der Sozial-, der Steuer- und der Entwicklungshilfepolitik verwendet.

Sozialpolitik[Bearbeiten]

In der öffentlichen Diskussion wird der Begriff Grundbedürfnisse meist im Zusammenhang mit der Armutsgrenze oder Sozialleistungen verwendet. Ziel der Sozialpolitik in Deutschland ist, jedermann das sozio-ökonomische Existenzminimum zu gewährleisten. Voraussetzung hierfür ist die Definition der zu Grunde liegenden Grundbedürfnisse. Dies erfolgt in Deutschland über einen Warenkorb, der in einer repräsentativen Umfrage unter den 20 % der ärmsten Haushalte („Einkommens- und Verbrauchsstichprobe“ (EVS)) erhoben wird.[3] Die Kosten hierfür stellen den Regelsatz der Sozialhilfe dar.

Steuerpolitik[Bearbeiten]

In der Steuerpolitik sind Grundbedürfnisse in zwei Bereichen Gegenstand der öffentliche Diskussion. Zum einen besteht das Verfassungsgebot, das sozi-ökonomische Existenzminimum steuerfrei zu halten.[4]

Im Bereich der Umsatzsteuer bestehen in den meisten Ländern gespaltene Mehrwertsteuersätze. Waren und Dienstleistungen, die zur Deckung der Grundbedürfnisse dienen, unterliegen niedrigeren Steuersätzen, als andere. Der Katalog der Waren und Dienstleistungen, die dem ermäßigten Steuersatz unterliegen (Anlage 2 zum Umsatzsteuergesetz) stellt eine mögliche Definition von Grundbedürfnissen dar.[5]

Grundbedürfnisse in der Entwicklungshilfepolitik[Bearbeiten]

In der Entwicklungshilfe orientiert sich die Grundbedürfnisstrategie an der Vorstellung von Grundbedürfnissen.

Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) definierte die Grundbedürfnisse wie folgt: Demnach müssen Mindesterfordernisse wie „ausreichende Ernährung, Wohnung und Bekleidung“ sowie „bestimmte Haushaltsgeräte und Möbel“ verfügbar sein. Außerdem gehören lebenswichtige Dienstleistungen wie Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, sowie eine Bereitstellung von sanitären Anlagen und sauberem Trinkwasser zu den Grundbedürfnissen.[6]

Veränderung der Wahrnehmung der Grundbedürfnisse[Bearbeiten]

Die öffentliche Meinung, was ein "Grundbedürfnis" sei, unterliegt starkem Wertewandel.

Vor allem die seelisch-geistigen Grundbedürfnisse, die sich in bestimmten Erwartungshaltungen manifestieren, sind in hohem Maße kulturell und gesellschaftlich geprägt und können Veränderungen unterliegen. So kann beobachtet werden, dass in Zeiten der existenziellen Krisen (Kriege, Hungersnöte u. a. m.) die seelisch-geistigen Bedürfnisse gegenüber der Befriedigung der physischen Grundbedürfnisse zurücktreten oder scheinbar völlig verschwinden. Sie äußern sich aber doch in Anfälligkeiten z. B. für neue religiöse Angebote. Dagegen tritt die Erwartung, dass diese abgeleiteten oder "höheren" Bedürfnisse befriedigt werden, in Zeiten der existentiellen Sicherung sogar in den Vordergrund und kann eine ebenso große Dringlichkeit erreichen.

Anwendung in verschiedenen Wissenschaften[Bearbeiten]

Psychologie[Bearbeiten]

Die Psychologie betrachtet die subjektive Zufriedenheit (z. B. Maslowsche Bedürfnispyramide).

Die Psychologie geht von vier Säulen (Grundwerten) aus, die zum Wohlbefinden in einem dynamischen Gleichgewicht sein sollen: Sicherheit - Wechsel - Freiheit - Verbundenheit.

Eine neuere psychologische Theorie, die Grundbedürfnisse postuliert, ist die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan.

Es gibt viele weitere psychologische Theorien, die unterschiedliche Grundbedürfnisse aufzählen. Klaus Grawe postuliert vier Grundbedürfnisse[7]:

  • Bindungsbedürfnis
  • Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
  • Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz
  • Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung
Beispiele für weitere psychische Grundbedürfnisse

Nach Schulz von Thun lassen sich diese Grundbedürfnisse in vier zusammenfassen: wertvoll sein, geliebt sein, frei sein, verbunden sein.

Medizin und Pflegewissenschaft[Bearbeiten]

Die Medizin betrachtet die Funktionen des Körpers zu ihrer Erfüllung unter (mindestens) drei Aspekten:

  1. Physiologie als Lehre des normalen Funktionierens der Organe zur Aufrechterhaltung des eigenen Lebens. Meistens existieren Normwerte mit einer gewissen Bandbreite, innerhalb derer diese definiert sind.
  2. Rehabilitation als medizin. Subdisziplin will Patienten befähigen, wieder eigenständig an Beruf und Lebensalltag teilzunehmen. Wichtige Heilhilfsmittel dazu sind die Ergotherapie, Krankengymnastik und die Hilfsmittelversorgung.
  3. In der Medizinethik geht es bei dem Gesundheitsbegriff und der Lebensqualität auch um solche Fragen.

Die Pflegewissenschaft, selbst eine junge Disziplin, setzt sich im Rahmen der so genannten Aktivitäten des Täglichen Lebens (ATL-Konzept, stark von der amerikanischen Psychologie beeinflusst) oder der Lebensaktivitäten mit diesen Begriffen und ihrer Konkretisierung auseinander.

Andere Wissenschaften[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kendy John Kretzschmar: Bewusst(w)anderer Mensch. Der Praxisleitfaden zur Erschließung des ganzheitlich-freien Denkens und eines kooperativ-ökologischen Alltagsbewusstseins. Selbstverlag, Kurort Oberwiesenthal 2002. Netzpublikation: www.bewusstwandern.org,Deutsche Nationalbibliothek, ISBN 3-00-010811-4.
  2. Jean-Paul Thommen: Managementorientierte Betriebswirtschaftslehre. 7. Auflage
  3. TAZ vom 19. Mai 2006
  4. BVerfGE 82, 60, 85 = Rdnr. 104 ff sowie BVerfGE 82, 60, 94 = Rdnr. 128 ff. in BVerfGE 82, 60 - Steuerfreies Existenzminimum
  5. Anlage 2 zum Umsatzsteuergesetz
  6. Florian Steinberg: Grundbedürfnisstrategie. Wohnen in der „Dritten Welt“. Kiel 1985.
  7. Klaus Grawe: Psychologische Therapie. 2. korr. Auflage 2000, Göttingen: Hogrefe, S. 383 ff. ISBN 3-8017-1369-5.