Höhlenburg

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Grottenburg Predjama bei Postojna (Adelsberg), Slowenien
Burg Kropfenstein bei Waltensburg/Vuorz, Kanton Graubünden (Schweiz)
Burg Buchfart, Thüringen

Eine Höhlenburg (auch Grottenburg) ist eine in natürliche Felshöhlen eingearbeitete Flucht- oder Wohnburg. Sie gehört zum Typus der Höhenburgen. Im Gegensatz zu anderen Burgtypen (wie zum Beispiel Wasserburgen) ist eine Höhlenburg nur von der Eingangsseite her einem Angriff ausgesetzt. Der Burgeingang befand sich meist inmitten der Felswand, was das Eindringen sehr erschwerte. Funde belegen, dass Höhlen schon seit der Steinzeit als Zufluchtsorte benutzt werden. Die ersten mittelalterlichen Höhlenburgen entstanden im 11. und 12. Jahrhundert. Im 14. und 15. Jahrhundert war dieser Burgtyp besonders in einigen Regionen Frankreichs und der Schweiz weiter verbreitet.

Lage und Ausstattung[Bearbeiten]

Die eigentlichen Höhlenburgen lagen in der Regel am Fuße einer lang hingestreckten Felswand und auf der Höhe einer mehr oder weniger abfallenden Geröllhalde. Der Bautypus der Höhlenburg ist auch in gebirgigen Regionen eher selten, so sind etwa in Nordtirol bislang nur vier Anlagen nachgewiesen: Altfinstermünz im obersten Inntal, Loch bei Unter-Pinswang, Lueg am Brenner und eine Höhlenburg in der Herrenhauswand bei Schwendt/Kössen. In einigen Gebieten der Schweiz und Frankreichs bot allerdings das weiche Felsmaterial günstige Bedingungen für die Anlage von Höhlen- und Grottenburgen. So sind solche Burgen etwa in Graubünden, dem Tessin, dem Wallis oder der Dordogne wesentlich häufiger als etwa in Bayern oder Tirol.

Die Wirtschaftsgebäude und Stallungen lagen meist im Talgrund unter der Burg, da die Höhle oft nur auf steilen und schmalen Pfaden erreichbar war. Archäologische Ausgrabungen belegen den relativ hohen Lebensstandard auf einigen Höhlenburgen, andere Anlagen dürften nur zeitweise bewohnt gewesen sein und dienten als Passsperren oder zur Überwachung wichtiger Straßenverbindungen.

Die meisten Höhlenburgen besitzen aus naheliegenden Gründen keinen Bergfried oder sonstige Turmbauten. Eine Ausnahme ist hier die Burg Loch bei Eichhofen in Bayern, der ein stattlicher, runder Bergfried vorgelagert ist.

Oft wurde die Höhle oder Grotte einfach durch eine Frontmauer abgeschlossen und im Inneren durch steinerne oder hölzerne Zwischenwände unterteilt. Einige Burgen wurden allerdings später zu repräsentativen Ansitzen ausgebaut und erweitert, zum Beispiel die Burg Stein und die Höhlenburg Predjama.

Der Höhlenburg in bautechnischer Hinsicht eng verwandt ist die Felsenburg, auch hier wurden oft natürliche oder künstlich erweiterte Felsöffnungen in den Bau einbezogen. In Mitteleuropa haben sich solche Felsburgen in zahlreichen Beispielen in den Sandsteingebieten Süd- und Mitteldeutschlands oder Böhmens erhalten, unter anderem im Elbsandsteingebirge, Pfälzerwald und in den Haßbergen. Bei der thüringischen Burg Buchfart erstrecken sich in den Steilhang des Kalksteinfelsens hineingetriebene künstliche Hohlräume (keine Höhlen) horizontal über eine Länge von etwa 110 Metern.

Höhlenburgen und Grottenburgen[Bearbeiten]

Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird zwischen der Höhlen- und der Grottenburg unterschieden. Bei einer Grottenburg wurde ein vollständiges Gebäude vor oder in einer natürlichen Grotte errichtet (Burg Predjama), während bei der Höhlenburg die Höhle nur durch eine Frontmauer abgeschlossen und durch Holz- oder Steinwände unterteilt wird. Im populärwissenschaftlichen Sprachgebrauch werden beide Bezeichnungen allerdings meist gleichbedeutend verwendet.

Weitere Beispiele[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Piper: Burgenkunde. Nachdruck der Ausgabe von 1912. Weltbild, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-554-7, S. 554–559.
  • Maxi Zier: Mittelalterliche Höhlenburgen. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. Nr. 65, 1965, ISSN 0067-4550, S. 53–62.

Siehe auch[Bearbeiten]