Hans Lange (Dirigent)

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Hans Lange (* 17. Februar 1884 in Istanbul; † 13. August 1960 in Albuquerque) war ein deutsch-US-amerikanischer Violinist und Dirigent. Er war ein Sohn des osmanischen Hofkapellmeisters Paul Lange und war Dirigent an mehreren grossen Orchestern der USA, u.a. als Assistent von Arturo Toscanini am New York Philharmonic Orchestra und am Chicago Symphony Orchestra. In den 1950er Jahren baute er das New Mexico Symphony Orchestra als eines der damals bedeutendsten kommerziellen Orchester der USA auf.

Leben[Bearbeiten]

Lange ging nach seiner Ausbildung u.a. in Prag, und nach Engagements in Deutschland, u.a. in Bielefeld, 1925 in die USA, wo er völlig neu seine Karriere aufbaute, nachdem das deutsche Ensemble, mit dem er in den USA getourt hatte, dort aufgelöst worden war.

1927-1936: Assistent von Toscanini in New York[Bearbeiten]

Ab 1927 war er am New York Philharmonic Orchestra zunächst als Violinist, dann auch als Dirigent und Assistent von Arturo Toscanini tätig.[1] Toscanini leitete das Orchester 1928-1936 neben seinen zahlreichen Engagements in Europa. Lange war aber auch selbständig als Dirigent tätig und machte Schallplattenaufnahmen, u.a. mit der berühmten Wagner-Sopranistin Kirsten Flagstad .

1936-1946: Dirigent am Chicago Symphony Orchestra[Bearbeiten]

Nachdem Toscanini 1936 endgültig in die USA übergesiedelt war und Chef des NBC Symphony Orchestra in New York wurde, ging Lange noch im selben Jahr an das Chicago Symphony Orchestra, wo er unter Friedrich August Stock zunächst bis 1943 als Associate Conductor tätig war, dann unter Désiré Defauw bis 1946 als Conductor. Da Lange während des Krieges die US-Staatsbürgerschaft nicht angenommen hatte, wurde sein Vertrag in Chicago 1946 nicht verlängert. Am 12. Mai 1940 nahm Lange mit dem CSO und der polnisch-amerikanischen Pianistenlegende Józef Hofmann Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Opus 73 auf. Die Aufnahme (ca. 35 min) ist vollständig erhalten und auf einer CD-Edition des CSO erhältlich, sowie auf Klavieranthologien des Pianisten Hofmann. Am 9. Januar 1941 nahm Lange mit dem Chicago Symphony Orchestra und Emanuel Feuermann Dvoraks Cellokonzert auf. Die Aufnahme ist ebenfalls erhalten und ebenfalls seit kurzem wieder als CD käuflich.

Als am 15.Januar 1940 Walter Liberace, später ein Superstar in den USA (und Stilvorbild des wohl berühmtesten türkischen Sängers und Musikers des 20. Jahrhunderts, Zeki Müren), sein einziges öffentliches Konzert mit dem CSO im Pabst Theater in Milwaukee, Wisconsin, gab, war Hans Lange der Dirigent[2].

Im Sommer 1942 war Lange an der Einstudierung der 7. Symphonie (Leningrader) von Schostakowitsch in Chicago beteiligt, die am 22. August 1942, weniger als sechs Monate nach der Weltpremiere in der Sowjetunion, ihre Erstaufführung im Mittleren Westen erlebte (die US-Erstaufführung fand unter dem Dirigat von Langes früheren Chef Arturo Toscanini in New York am 19. Juli statt). Nach dem plötzlichen Tod von Stock am 20. Oktober 1942 übernahm Lange alle restlichen Aufführungen des CSO für die Orchestersaison 1942/43, einschliesslich der Aufführungen der Leningrader Symphonie.[3]

1946-1960: Aufbau neuer professioneller Orchester in Ohio und New Mexico[Bearbeiten]

1946-1949 war Lange in Toledo (Ohio) tätig, wo er das „Friends of Music Orchestra“ leitete, aus dem ab 1951 das heute noch existierende Toledo Symphony Orchestra wurde. Toscanini holte ihn am 13. April 1947 noch einmal für ein Gastdirigat nach New York für vier Konzerte mit dem damals von ihm geleiteten NBC Symphony Orchestra. Ob von diesen Auftritten Tonaufnahmen existieren, ist nicht bekannt [4]

1950 wurde Lange Music Director der Albuquerque Civic Symphony (heute New Mexico Symphony Orchestra), die kurz zuvor, im November 1948, durch die Welturaufführung von Schönbergs Werk Ein Überlebender aus Warschau Musikgeschichte geschrieben hatte. Lange baute das Amateurensemble zu einem der heute besten professionellen philharmonischen Orchester der USA um.

Der US-amerikanische Komponist Leon Stein war ein Schüler von Hans Lange.

Aufnahmen[Bearbeiten]

  • Dvorak, Cellokonzert op. 104, Chicago Symphony Orchestra, Dirigent: Hans Lange, Solist: Emanuel Feuermann ( Cello ), Aufnahmedatum: Chicago, 9. Januar 1941: West Hill Radio Archives, USA (erhältlich als CD bei Amazon)
  • Beethoven, Klavierkonzert Nr. 5 Opus 73, Chicago Symphony Orchestra, Dirigent: Hans Lange, Solist: Jozef Hofmann (Klavier)
  • The Complete Josef Hofmann Vol 7 - Great Concerto Performances - Marston 52037, Release Date: 03/01/2002, Number of Discs: 2
  • Wagner: Arias / Kirsten Flagstad - Label: Newton Classics Catalog: 8802090 Release Date: 11/15/2011 Number of Discs: 1
  • Prima Voce - Divas Vol 2 (1909-1940) - Label: Nimbus Catalog: 7818 Release Date: 12/02/1992 Number of Discs: 1
  • Prima Voce - Kirsten Flagstad - Label: Nimbus Catalog: 7847 Release Date: 12/02/1992 Number of Discs: 1
  • Kirsten Flagstad - The Great Arias - Beethoven, Weber, Et Al - Label: Pearl Catalog: 34 Release Date: 07/20/1999 Number of Discs: 1
  • Lebendige Vergangenheit - Kirsten Flagstad - Label: Preiser Records Catalog: 89141 Release Date: 05/20/1997 Number of Discs: 1
  • Richard Wagner On Record - Label: Preiser Records Catalog: 89404 Release Date: 07/04/1998 Number of Discs: 4
  • Wagner: Arias & Duets / Kirsten Flagstad, Lauritz Melchior - Label: Rca Victor Gold Seal Catalog: 7915 Release Date: 04/19/1990 Number of Discs: 1

siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Music: Lange's own: TIME 25. November 1935
  2. Before the candelabra: Liberace's only performance with the CSO in 1940: From the CSO Rosenthal Archives Online
  3. Shostakovich’s Leningrad Symphony in Chicago: CSO - from the archives ( Online )
  4. Toledo Blade: Hans Lange to conduct Toscanini Orchestra on Sunday, 11. April 1947