Hans von Storch

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Auf der Klimakonferenz Madrid 2008

Hans von Storch (* 13. August 1949 in Wyk auf Föhr) ist ein deutscher Klimaforscher und Meteorologe. Er ist Professor am Institut für Meteorologie der Universität Hamburg und Leiter des „Instituts für Küstenforschung“ am Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung in Geesthacht. Zur Meteorologie gibt es von Hans von Storch rund 50 Veröffentlichungen. Hans von Storch entstammt dem vormals im Landkreis Bad Doberan begüterten Adelsgeschlecht derer von Storch.

Akademischer Werdegang[Bearbeiten]

Von Storch studierte Mathematik, Physik und Dänisch an der Universität Hamburg.[1] 1976 erhielt er sein Diplom in Mathematik, im Jahr 1979 folgte eine Promotion in Meteorologie mit der Dissertation „Numerische Filter zur Dämpfung meteorologischen Lärms in hemisphärischen Modellen“[2].[3][1] 1985 wurde er habilitiert.[3] Von 1980 bis 1985 arbeitete er am Institut für Meteorologie der Universität Hamburg und zwischen 1986 und 1995 Leiter der Gruppe „Statistical Analysis and Modelling“ am Max-Planck-Institut für Meteorologie.[3] Seit 1996 ist er Professor am Institut für Meteorologie der Universität Hamburg und Direktor des „Instituts für Küstenforschung“ des Helmholtz-Zentrums Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung in Geesthacht.[3][1] 2008 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Göteborg.[1]

Position zur globalen Klimaerwärmung[Bearbeiten]

Storch geht von der Existenz eines hauptsächlich durch Menschen verursachten Klimawandels aus, bezweifelt jedoch die Nachhaltigkeit einer seiner Meinung nach zu alarmistischen Position.[4] Wissenschaftler und wissenschaftliche Institutionen sollten Wissen schaffen. Wenn sie stattdessen mit vereinfachten und simplifizierten Äußerungen - ähnlich Interessenverbänden - versuchten, eine Agenda im Namen des Guten durchzusetzen, würden sie den längerfristigen Erfolg ihrer Arbeit gefährden. Wer etwa Kohlekraftwerke als Todesfabriken bezeichne, riskiere beim Klimawandel einen ähnlichen Glaubwürdigkeitsverlust, wie dieser beim sogenannten Waldsterben nach 1990 stattgefunden habe. Overselling führe zu unmöglichen Zielvorgaben in der Politik, verringere die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und riskiere Glaubwürdigkeitsverluste der Wissenschaftler aufgrund von übertriebenen oder nicht zutreffenden Voraussagen. Ähnlich wie Roger A. Pielke senior und Roger A. Pielke junior betont von Storch die Wichtigkeit von regionalen Risikoabschätzungen gegenüber globalen Ansätzen.[5]

Im Zusammenhang mit dem Hackerzwischenfall am Klimaforschungszentrum der University of East Anglia kritisierte er unter anderem den Blog Realclimate als „Sprachrohr des Kartells, das das Hockeyschläger-Diagramm vertritt“ und „modernes Zentralorgan“.[6] Er selbst führt einen Blog namens „Die Klimazwiebel“. Mehrfach geriet er wissenschaftlich wie in der Öffentlichkeit mit dem führenden IPCC-Autor und Regierungsberater Stefan Rahmstorf aneinander, dem er unter anderem Panikmache und Aktionismus vorwarf.[7] Rahmstorf wirft von Storch im Gegenzug einen „statistische[n] Trugschluss“ im Bezug auf die von ihm dargestellte „Erwärmungspause“ vor, indem er lediglich den Zeitraum seit 1998 beachte, wobei 1998 einen „extreme[n] Ausreißer“ darstelle.[8] Zudem arbeite von Storch nicht mit „Sachargumenten“, sondern mit „ad hominem-Attacken“.[9]

Storch spricht sich für eine technologische Dekarbonisierung aus, bei der anstatt nomineller Klimaziele oder Emissionshandel Technologien gefördert werden sollen, die weniger CO2 ausstoßen.[10]

Im Januar 2011 wurde von Storch im FOCUS als "Klima-Realist" auf Platz 81 der 100 einflussreichsten Deutschen genannt.[11]

Storch unterstellte 2009 der gegenwärtigen Klimaforschung einen von Naturwissenschaftlern und der Vorstellung von Politikberatung durch Klimaforscher dominierten Diskurs. Es sei zudem abzusehen, wie das Klimathema künftig nicht mehr als solches wirklich ernstgenommen, sondern für eine allgegenwärtige Regulierung fast aller Lebensbereiche instrumentalisiert werde.[12]

Hans von Storch stellte 2011 bei einem Vortrag zum achtzigsten Geburtstag von Klaus Hasselmann mit Bezug auf seine Zusammenarbeit mit Nico Stehr fest, dieser habe als Sozialwissenschaftler viel früher bemerkt, dass die Klimatologie in eine Determinismusfalle geraten sei: „Die Einbettung von Wissenschaft in einen gesellschaftlichen Kontext wird zum Gefängnis, wenn die Nützlichkeit der wissenschaftlichen Ergebnisse für eine bestimmte Politik in den Vordergrund tritt, die Angst vor vermeintlichem Missbrauch durch politische Feinde die Feder führt. Dann werden einige Gedanken inopportun und a priori unplausibel, aber andere opportun und a priori plausibel. [...] Das demokratische System hat nur noch zu vollziehen, und wenn es das nicht tut, dann sind die Leute blöd.“[13]

Am 25. Februar 2013 erschien das Buch "Die Klimafalle: Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung", das Hans von Storch zusammen mit dem Ethnologen Werner Krauß geschrieben hat. Das Buch wurde von mehreren Zeitungen besprochen, unter anderem von der Neuen Zürcher Zeitung[14], der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Badischen Zeitung. Ulf von Rauchhaupt erklärt in seiner Rezension für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass das Buch „keine Erbauungslektüre für 'Klimaskeptiker'“ sei.[15] Für die Badische Zeitung schreibt Andreas Frey über das Buch:

„Einer der Hauptvorwürfe der beiden lautet: Viele Klimawissenschaftler seien zu alarmistisch. Sie würden uns einzig den Schrecken der Erderwärmung vor Augen führen, Katastrophenszenarien zeichnen, die Apokalypse beschwören, überhöhen und dramatisieren. 'Die Kommunikationsstrategie der vergangenen zwei Jahrzehnte bestand im Wesentlichen darin, die möglichen dramatischen Folgen des menschengemachten Klimawandels zu beschreiben', sagt Hans von Storch.[16]

Donaldismus[Bearbeiten]

Von Storch war von 1976 bis 1985 Herausgeber der Zeitschrift „Der Hamburger Donaldist“ und 1977 Mitbegründer von D.O.N.A.L.D. (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus), die sich mit der Erforschung des (fiktiven) Lebens in Entenhausen beschäftigt. Er ist Ehrenmitglied der Vereinigung. In früheren Jahren beschäftigte er sich auch mit dem Aufbau eines „Duck-Museums“.

Privates[Bearbeiten]

Hans von Storch war von 1972 bis 1990 mit Angelika Pfaff verheiratet, mit der er zwei Söhne hat. Seit 1990 ist er mit der Meteorologin Jin-Song von Storch verheiratet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans von Storch und Werner Krauß: Die Klimafalle: Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung. Hanser Verlag, München 2013, ISBN 978-3446435070.
  • Klaus Strzyz und Andreas C. Knigge: Disney von innen. Gespräche über das Imperium der Maus. (Mit einem Vorwort von Carl Barks). Ullstein, Frankfurt am Main und Berlin 1988, ISBN 3-548-36551-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hans von Storch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler: Professor Hans von Storch: Klimaforschung und Klimapolitik, vom 29. April 2010, abgerufen am 21. Dezember 2013
  2. Deutsche Nationalbibliothek: Numerische Filter zur Dämpfung meteorologischen Lärms in hemisphärischen Modellen / von Hans von Storch, abgerufen am 21. Dezember 2013
  3. a b c d Centre for Globalisation and Governance (CGG): Curriculum Vitae: Prof. Dr. Hans von Storch, abgerufen am 21. Dezember 2013
  4. Ina Matthes: Interview mit Hans von Storch: "Ich habe keine Angst vor dem Klimawandel", MOZ vom 31. März 2014, abgerufen am 3. Dezember 2014
  5. Hans von Storch: The Sustainability of Climate Science, Gastbeitrag auf dem Blog von Roger A. Pielke jr., 5. Dezember 2009, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  6. dpa-Meldung: Skeptiker contra Alarmisten - Klima-Kampf im Netz, Focus, 8. Dezember 2009, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  7. Hans von Storch: Im Namen des Volkes ... (II), 3. Dezember 2011, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  8. Stefan Rahmstorf: Können Zufallszahlengeneratoren Würfelergebnisse erklären?, 16. November 2013, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  9. Stefan Rahmstorf: Wie wäre es mit Sachargumenten?, Handelsblatt, 14. Dezember 2009, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  10. Prins et al.: How to get climate policy back on course, The Mackinder Programme, 6. Juli 2009, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  11. Michael Miersch: Der Klima-Realist, FOCUS Nr. 2 (2011), Onlineversion vom 10. Januar 2011, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  12. Hans von Storch: Klimawandel-Essay: Am Ende des Alarmismus, Spiegel Online, 22. März 2009, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  13. Hans von Storch: Eine Wissenschaft in der Falle der eigenen Wichtigkeit, Vortrag auf dem Kolloquium zum achtzigsten Geburtstag von Klaus Hasselmann, 28. November 2011, Wiedergabe in der FAZ, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  14. Sven Titz: Zwei Forscher beklagen die Politisierung der Klimaforschung, NZZ, 25. Februar 2013, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  15. Ulf von Rauchhaupt: Wissenschaft ist nicht Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, FAZ, 6. März 2013, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  16. Andreas Frey: Sind wir noch zu retten?, Badische Zeitung, 23. Februar 2013, abgerufen am 21. Dezember 2013.