Haremhab

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Dieser Artikel erläutert den altägyptischen König (Pharao) der 18. Dynastie. Zu dem hohen altägyptischen Beamten selben Namens unter Ramses II. siehe unter Haremhab (Ramses II.)
Namen von Haremhab
Horusname
G5
E1
D40
M44 S29 Aa1
D21
Y1
Z2
Srxtail2.svg
Ka-nacht-seped-cheru
K3-nḫt-Spd-ḫrw
Starker Stier, mit wirksamen Plänen
Nebtiname
G16
G36
D21
U16
X1 Z2
G17 M17 Q3
X1
Q1 Q1 Q1
Wer-biaut-em-Ipetsut
Wr-bj3wt-m-Jptswt
Groß an Wundertaten in Ipetsut (Karnak)
Goldname
G8
O4
D21
Y1
D2
Z1
C10 S29 L1
N17
N17
(Hor) Heru-maat-secheper-taui
Ḥrw-ḥr-m3ˁ.t-sḫpr-t3wj
Der über die Maat zufrieden ist, der die beiden Länder (neu) entstehen lässt
Thronname
M23
X1
L2
X1
Hiero Ca1.svg
ra
Dsr
xpr
Z2
ra
stp
n
Hiero Ca2.svg
Djeser-cheperu-Re-setep-en-Re
Ḏsr-ḫprw-Rˁ-stp-n-Rˁ
Heilig sind die Erscheinungen des Re, auserwählt von Re
Eigenname
Hiero Ca1.svg
i mn
n
U7
n
G5 Aa13
Hb
Hiero Ca2.svg
Haremhab / Horemheb (merienAmun)
(Hor em heb [meri en Amun])
Ḥr m ḥb (mrj.n Jmn)
Horus im Fest (geliebt von Amun)
Griechisch Manetho-Varianten:
Josephus: Harmais
Africanus: Armesis
Eusebius Armais, Danaos, Danaus

Haremhab (auch Horemheb) war ein altägyptischer König (Pharao) der 18. Dynastie (Neues Reich), welcher von etwa 1319 bis 1292 v. Chr. (Helck: 1305–1292, Krauss: 1319–1292 v. Chr.) regierte.

Herkunft[Bearbeiten]

Abstammung und Tätigkeiten[Bearbeiten]

Haremhabs Heimat ist der Ort Hut-nesu im 18. oberägyptischen Falkengau. Sein Name ist in Anlehnung auf den dortigen Lokalgott Horus begründet. Die Eltern von Haremhab sind unbekannt.

Der Lebenslauf Haremhabs ist nicht lückenlos belegt. Es wird vermutet, dass er bereits unter Amenophis III. seine militärische Karriere begann. Das Grab Nr. 24 in Amarna wird einer Person namens Pa-Aton-em-hab zugeordnet, und so nimmt Christine El-Mahdy beispielsweise an, es sei möglich, dass dies der Name ist, den Haremhab während Echnatons Regierungszeit trug.

Zusammen mit Eje war er zu Beginn von Tutanchamuns Regierungszeit für den Umzug der Regierung von Achet-Aton nach Memphis verantwortlich. Dies sicher auch wegen der bedrohlichen außenpolitischen Situation und zur Vermeidung unnötiger Spannungen mit dem Amun-Klerus in Theben. In Sakkara ließ er sich ein feudales Grab anlegen, in dem seine erste Frau Amenia bereits zu Beginn der Regentschaft Tutanchamuns bestattet wird. Auf den Reliefs dort wird seine hohe Stellung betont.

Haremhabs zweite Frau und spätere Königin wurde beispielsweise von Walther Wolf sowie Erik Hornung lange Zeit für eine Schwester der Nofretete namens Mutnedjmet gehalten, die damit das Bindeglied zu seinen Vorgängern herstellte und die Legitimation der Herrschaft garantiert hat. Gegen diese Theorie wenden sich Wolfgang Helck, Rolf Krauss, Jürgen von Beckerath und weitere Ägyptologen, die den Namen der Schwester Nofretetes Mutbelet lesen, eine Verbindung von Mudnedjmet zum Königshaus ablehnen und ihre Herkunft für bürgerlich halten. Diese alternative Lesung des Namens der Schwester von Nofretete ist jedoch nicht unwidersprochen in der Forschung, so dass Mutnedjemet in der Tat die Schwester einer Königin gewesen sein könnte und Haremhab somit mit dem Königshaus der 18. Dynastie verwandt war.

Oberbefehlshaber des Heeres[Bearbeiten]

Haremhab taucht in der ägyptischen Geschichte in erster Linie zusammen mit Tutanchamun auf und ist in der Zeit sofort mit umfangreichen Machtbefugnissen versehen. Er ist „Stellvertreter des Königs an der Spitze der Beiden Länder“, Oberbefehlshaber des Heeres, „oberster Mund des Landes“, Erbfürst und Obervermögensverwalter. In diesen Positionen führt er faktisch zusammen mit Eje II. die Geschicke Ägyptens für den heranwachsenden Tutanchamun.

Als König[Bearbeiten]

Haremhabs Krönung[Bearbeiten]

Haremhabs Krönungsjahr ist bezüglich des Sothis-Zyklusdatums bemerkenswert, da im Jahr 1319 v. Chr. am 6. Juligreg. nach 1458 Jahren in Memphis der heliakische Aufgang des Sirius wieder erstmals in der zwölften Nachtstunde des fünften Tages der Heriu-renpet stattfand. Etwa eine Stunde später begannen die Opferriten als Bestandteil des Sothis-Festes, das mit Sonnenaufgang das neue Jahr und damit den 1. Achet I markierte. Dieses besondere Ereignis, das im Durchschnitt nur etwa alle 1456 Jahre auf den Neujahrstag des altägyptischen Verwaltungskalenders fällt, feierten die Altägypter vor Haremhabs Krönungsjahr letztmals in Elephantine in den Jahren 2748 bis 2745 v. Chr.

Da Haremhab auf keine offizielle Designation seines Vorgängers verweisen konnte und eine Krönung nur aufgrund einer göttlichen Abstammung vorgenommen wurde, erklärte Haremhab seinen persönlichen Schutz- und Lokalgott Horus in der Erscheinungsform als Neb-hut-nesu (Herr von Hut-nesu) zu seinem Vater und sich selbst zum einzigen Sohn des Neb-hut-nesu:

„Horus, Neb-hut-nesu, ist mein leiblicher Vater, der mich schuf. Er kannte den Tag, an dem Amun zustimmen wird, ihm sein Königtum zu geben. Haremhabs Gott Horus, Neb-hut-nesu, erhob ihn als seinen Sohn vor der Menschheit, da er wünschte, seinen Schritt zu weiten, bis der Tag kommt, an dem er sein Amt empfängt.“

Urk. IV 2114[1]

Mit dieser nachträglich erklärten göttlichen Sohnschaft trat Haremhab zur offiziellen Befragung des Amun die Reise nach Karnak an, um sich zu Beginn des Opet-Festes nach der Zustimmung durch Amun am 15. Achet II (19. Augustgreg. 1319 v. Chr.) zum neuen Herrscher krönen zu lassen. In diesem Zusammenhang ist sein Rückgriff auf Hatschepsuts Bericht der göttlichen Abstammung bei ihrer Krönung bemerkenswert, zumal in der altägyptischen Geschichte eine Designation durch die von Hatschepsut und Haremhab vollzogene Orakelbefragung zwei Einzelfälle darstellten.

Zudem ließ Haremhab drei Statuengruppen herstellen, die ihn jeweils zusammen mit einer Gottheit zeigen: Die erste befindet sich in Turin und zeigt ihn mit Amun, die zweite in London zeigt ihn mit Amun-Kamutef und die Dritte in Wien mit Horus. Amun ist der Gott, der Haremhabs Krönung bestätigt hat; aber "sein Vater Horus" war es, der ihn zum Pharao erwählt hat. Ihm zu Ehren wurde die Wiener Statuengruppe geschaffen.[2]

Regierung[Bearbeiten]

Haremhab folgte Eje nach dessen Tod auf den Königsthron. Die Dauer der Regentschaft ist umstritten: Wolfgang Helck gibt ihm zwölf Jahre und drei Monate, Rolf Krauss dagegen 27 Jahre. Offensichtlich wurden zwei Jahreszählungen vorgenommen: Die eigentliche Regierungszeit Haremhabs sowie die Fortführung unter Einschluss der Regierungszeiten der verfemten Könige Echnaton - Semenchkare - Tutanchamun - Eje. Unter Berücksichtigung dieser Könige ergibt sich bei einer Dauer von 27 Jahren das belegte 58. Herrscherjahr.[3]

Per Dekret verordnet Haremhab die Versorgung und Erneuerung der Tempelanlagen und ordnet Opferstiftungen an. Auch durch den Erlass zahlreicher neuer Gesetze versucht der König, wirtschaftliche und soziale Missstände zu beseitigen.

Aus Untersuchungen des Sakkaragrabes Haremhabs geht hervor, dass sich Mutnedjmet bei ihrem Tod in einem schlechten Gesundheitszustand befand und im Alter von etwa 45 Jahren wahrscheinlich an den Folgen einer Fehlgeburt in Haremhabs 13. Regierungsjahr starb.

Außenpolitik[Bearbeiten]

In der Regierungszeit von Haremhab ist seine außenpolitische Situation fast nur durch hethitische Quellen bekannt. Die zeitliche Abfolge einiger Begebenheiten (Feldzüge) ist sehr umstritten, und es ist nicht sicher, welche in die Regierungszeit Haremhabs fallen. Durch die Pest-Epidemie im Land Hatti wurde Ägypten jedenfalls von weiteren hethitischen Einfällen verschont.

Die Steinschale des Sen-nefer[Bearbeiten]

Die vermutlich in Memphis gefundene flache gesprenkelte Granitschale tauchte erstmals 1973 im Handel auf und ist seit Generationen in der Familie eines ungenannten Eigentümers. Haremhab, der sich in den ersten zehn Jahren seiner Regierung dem Auf- und Ausbau Ägyptens widmete, unternahm in seinem 16. Regierungsjahr den ersten asiatischen Feldzug, der ihn über die Wegstrecke Byblos in die Region Karkemisch führte. Der königliche Stallmeister Sen-nefer rief in diesem Zusammenhang in seinem Gebet für sich selbst die vier westsemitischen Götter Astarte, Anat, Reschef und Qudšu an.

Inhalt und Datierung[Bearbeiten]

„Regierungsjahr 16 des Haremhab, des Herrschers, zur Zeit seines ersten Siegeszuges von Byblos (Kpnj) bis zum Land des elenden Häuptlings von Karkemisch (Q-r-q-m-s3). Ein Opfer, das der König gebe; ein Opfer, das Ptah gebe, und Astarte ('-s-tj-r-t), die Herrin des Himmels, und Anat ('-n-tj-j-t), die Tochter des Ptah, und Reschpu (R-š-p-w), der Herr des Himmels, und Qudšu (Q-d-š), die Herrin der Sterne des Himmels.“

Auszüge aus dem Text der Steinschale des Sen-nefer[4]

Die Angabe des Kriegszuges von Haremhab, der ihn speziell in die Region Karkemisch führte, wird in den Annalen des hethitischen Königs Muršili II. bestätigt. Nach den dortigen Angaben fand in Muršilis siebtem Regierungsjahr ein Aufstand in Karkemisch statt, dem Haremhab zur Hilfe eilte, jedoch von den Hethitern geschlagen wurde. Für die Chronologie ergibt sich daraus die Gleichsetzung von Haremhabs 10. Regierungsjahr mit Muršilis Thronübernahme, der zudem in seinem beginnenden 10. Regierungsjahr eine Sonnenfinsternis vermerkt.

Die Erwähnung der Sonnenfinsternis führte zu den unterschiedlichsten Datierungsansätzen unter den Ägyptologen und Assyriologen. Ursula Kaplony-Heckel, Edward Wente, Eduard Meyer, Emil Forrer und Redford verweisen in ihren Chronologien auf Berücksichtigung der möglichen Sonnenfinsternisse.[5] Andere Historiker berücksichtigen weder die Informationen der Steinschale noch die möglichen Sonnenfinsternisse, weshalb abweichende Angaben zu Haremhabs Regierungszeit vorliegen.

Wanddekoration im Felsengrab des König Haremhab (KV57)

Bautätigkeit[Bearbeiten]

Für seine Bautätigkeit gibt es zahlreiche Belege. So ließ er Echnatons Sonnentempel schleifen und verwendete die Talatat-Steine als Füllmaterial für neue Pylonen des Karnak-Tempels. An der Mittelkolonnade des großen Säulensaals, einst von Amenophis III. begonnen, wurde weiter gebaut, und am Luxor-Tempel wurde die Kolonnade vollendet. Haremhab baute einen Felstempel in Dschabal as-Silsila und einen weiteren am Gebel Adda. Auch in Sakkara und Memphis gibt es Zeugnisse seiner Bautätigkeit. Ejes Totentempel in Medinet Habu wurde von ihm usurpiert und erweitert.

Haremhabs zweite Frau Mutnedjmet/Mutbelet starb bereits zu Anfang seiner Regentschaft. Der König beauftragte seinen Bauleiter Maja mit der Bestattung in Sakkara. Er selbst ließ sich im Tal der Könige sein Felsengrab (KV57) anlegen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Darrell D. Baker: The Encyclopedia of the Egyptian Pharaohs, Volume I: Predynastic to the Twentieth Dynasty (3300-1069 BC). Bannerstone Press, London 2008, ISBN 978-1-905299-37-9, S. 115–118.
  • Erhart Graefe: Maya, Architekt des Haremhab -IV. In: Göttinger Miszellen 16, Göttingen 1975, S. 9–16.
  • Wolfgang Helck: Historisch-biographische Texte der 2. Zwischenzeit und neue Texte der 18. Dynastie. 3. Auflage, Harrassowitz, Wiesbaden 2002, ISBN 3-447-02331-7.
  • Erik Hornung: The New Kingdom. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden/Boston 2006, ISBN 978-90-04-11385-5, S. 197–217.
  • Gay Robins: Anomalous Proportions in the Tomb of Haremhab (KV 57). In: Göttinger Miszellen 65, Göttingen 1983, S. 91–96.
  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3, S. 125-128.
  • William K. Simpson: Textual Notes on the Elephantine Building Text of Sesostris I. and the Zizinia Fragment from the Tomb of Horemheb. In: Göttinger Miszellen. (GM) Bd. 45, Göttingen 1981, S. 69–70.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haremhab – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Belege[Bearbeiten]

  1. Siegfried Schott: Der Denkstein Sethos’ I. für die Kapelle Ramses’ I. in Abydos. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1965, S. 45.
  2. Helmut Satzinger: Ägyptische Kunst in Wien. S. 37.
  3. Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten - Studien zur astronomischen und technischen Chronologie Altägyptens. Gerstenberg, Hildesheim 1985, ISBN 3-8067-8086-X (formal falsche ISBN), S. 124-125.
  4. Vgl. die vollständige Fassung von Ursula Kaplony-Heckel: Steinschale des Sen-nefer mit historischer Inschrift über den ersten asiatischen Feldzug des Hor-em-heb. In: Otto Kaiser (Hrsg.): Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. Bd. 1 (Alte Folge), Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1985, S. 540-541.
  5. Es kommen mehrere Sonnenfinsternisse in Betracht: Ringförmige Sonnenfinsternis vom 13.März 1335 v. Chr., Totale Sonnenfinsternis vom 24.Juni 1312 v. Chr., Datumsangaben im Proleptischen julianischen Kalender; vgl. hierzu Chronologie nach D.B. Redford, Edward Wente und Ursula Kaplony-Heckel In: TUAT 1, Alte Folge, S. 540-541.


Vorgänger Amt Nachfolger
Eje II. Pharao von Ägypten
18. Dynastie
Ramses I.