Tal der Könige

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Das Tal der Könige in Hieroglyphen
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O1 O29
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A50 s Z4
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G7 N35 C11 Z2
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Pa-cher-aa-schepes-en-heh-en-renpetju-en-pera'a-anch-wedja-seneb-her-imentet-en-waset
Die große und erhabene Nekropole der Millionen Jahre des Pharao – er lebe, sei heil und gesund – im Westen von Theben.[1]
Lageplan des Tals der Könige (2009)

Das Tal der Könige (arabisch ‏وادي الملوك‎, DMG Wādī al-Mulūk; auch Wadi el-Muluk, Bibân el-Molûk, Biban el-Muluk) war eine Nekropole im Alten Ägypten, in der bis heute 64 Gräber und Gruben aufgefunden wurden. „KV65“ ist eine Radaranomalie, die als Grab gedeutet wird, aber bis heute nicht weiter untersucht wurde.

Im Tal der Könige sind insbesondere die Gräber der Herrscher des Neuen Reichs (ca. 1550 bis 1069 v. Chr.[2], 18. bis 20. Dynastie) zu finden. Das Tal befindet sich in Theben-West, gegenüber von Karnak, am Rand der Wüste und ist gesäumt von hohen Bergen, namentlich durch die natürliche Felspyramide el Korn oder el-Qurn („das Horn“). Nahezu das gesamte Gebiet von Theben-West bildet eine riesige Nekropole. Südlich davon liegt das Tal der Königinnen.

Trotz jahrtausendelanger Aktivität von Grabräubern und Plünderern lieferte das Tal der Könige den Ägyptologen der Neuzeit noch zahlreiche höchst wertvolle Grabungsfunde. Unter anderem wurde hier das weitgehend unversehrte Grab des Tutanchamun (KV62) im Jahr 1922 von Howard Carter entdeckt.

Geschichte[Bearbeiten]

Faustkeil (im Museum von Toulouse)

Verschiedene Orte des Tals der Könige wurden mindestens seit der mittleren Altsteinzeit von Menschen besiedelt.

Altertum[Bearbeiten]

Eingang zum Tal der Könige
Halbtotale des Tals
Einer der Grabzugänge
  • Die Gegend von Theben wurde bereits während der Ersten Zwischenzeit als königliche Nekropole genutzt.
  • In at-Tarif, nordöstlich des Tals, entstanden Saff-Gräber von mindestens drei Königen der 11. Dynastie (Antef I., Antef II., Antef III.).
  • Mentuhotep II. baute den ersten Totentempel im Becken von Deir el-Bahari.
  • Ab der 18. Dynastie entstanden zahlreiche Totentempel (Millionenjahrhäuser) in der Ebene vor dem Felsengebirge im Tal der Könige. Dazu zählen die Totentempel von:
  • Thebanische Fürsten der 17. Dynastie ließen sich in Dra Abu el-Naga zwischen at-Tarif und Deir el-Bahari bestatten.
  • Auch die ersten Herrscher der 18. Dynastie ließen sich wahrscheinlich in Theben-West bestatten.[3]
  • Das erste eindeutig identifizierte Grab im Tal der Könige (KV38) stammt von Pharao Thutmosis I. (1506–1494 v. Chr.).
  • Thutmosis III. verstarb am 17. Februar 1425 v. Chr. Seine Grabstätte (KV34) liegt in einer engen Nebenschlucht.
  • Das Grab von Pharao Ramses I., dem Begründer der 19. Dynastie befindet sich dort, seine Mumie jedoch nicht.
  • Sethos I. (Regierungszeit 1290–1279 v. Chr.), zweiter Herrscher der 19. Dynastie, hat sein Grab im Tal der Könige.
  • Ramses XI. (20. Dynastie) war der letzte Herrscher, der sein Grab im Tal baute, er benutzte es allerdings nicht. In seiner Zeit werden bereits viele Gräber geplündert.
  • Eine systematische Graböffnung und die Suche nach Gold erfolgte schon in der 21. Dynastie, wahrscheinlich von oberster Stelle verordnet.
  • Um die Mumien zu schützen, wurden sie in der 22. Dynastie unter Scheschonq I. aus den Gräbern entfernt und in anderen Gräbern versteckt.
  • Im 3. Jahrhundert n. Chr. wurden offenstehende Gräber von koptischen Christen als Kapelle benutzt.

Neuzeit[Bearbeiten]

  • 1708 besuchte Pater Claude Sicard das Tal und deutete es richtig als Begräbnisstätte der Könige. Die nächsten Besucher waren Richard Pococke (1739), James Bruce (1768) und William George Brown (1792), sie lokalisierten etwa 20 Gräber.
  • Mit Napoleons Expedition nach Ägypten begann die systematische Suche und Öffnung von Gräbern. Am 18. Oktober 1817 entdeckte Giovanni Belzoni das Grab Sethos’ I. und betrat dieses. Weitere Graböffnungen erfolgten durch John Gardner Wilkinson, James Burton, Robert Hay und Carl Richard Lepsius.
  • Im Jahr 1875 fanden die Brüder Abd el-Rassul in Deir el-Bahari eine Cachette mit über 40 Mumien von Mitgliedern ägyptischer Königsfamilien.
  • Am 9. März 1898 öffnete Victor Loret das Grab Amenophis’ II. und fand dort ein weiteres Versteck mit königlichen Mumien.
  • Victor Loret, Harry Burton, Edward R. Ayrton und Howard Carter gruben weiter erfolgreich im Tal.
  • Am 4. November 1922 öffnete Howard Carter im Tal der Könige das noch fast unversehrte Grab des Pharaos Tutanchamun und dessen Grabkammer am 16. Februar 1923.
  • Im Jahr 1995 legte der US-Ägyptologe Kent Weeks überraschend weitere Gänge in der Anlage des KV5 frei. Die bisherigen Funde von 121 Kammern und die Symmetrie der Anlage bedeuten, dass es sich damit um das größte Grabmal im Tal handelt. Die Erforschung ist aber noch nicht abgeschlossen.[4]
  • Im Frühjahr 2006 wurde nahe dem Grab Tutanchamuns eine weitere Grabkammer (KV63) entdeckt. Sie enthielt sieben hölzerne Sarkophage unbekannter Herkunft und zahlreiche versiegelte Tongefäße.
  • Im Januar 2012 wurde die Grabkammer KV64 durch ein Forschungsteam der Universität Basel geöffnet. In einem gut erhaltenen hölzernen Sarkophag wurde die Mumie einer Sängerin gefunden.[5]

Kennzeichnung der Gräber[Bearbeiten]

Blick Richtung Talausgang

Die Gräber im Tal der Könige wurden durchlaufend nummeriert, wobei den Ziffern die Buchstaben KV (englische Abkürzung für Kings’ Valley) vorangestellt werden. Die Nummerierung geht auf John Gardner Wilkinson zurück, der 1827 mit einem Pinsel und einem Eimer roter Farbe durch das Tal wanderte und jedem Grab, das er fand, eine Nummer gab. Er kam bis zum Grab KV21.

Einige wenige Gräber befinden sich im westlichen Seitental und erhielten das englische Kürzel WV (West Valley). Diese Gräber sind im Theban Mapping Project ebenfalls mit KV-Nr. aufgeführt.


Übersicht über die Gräber[Bearbeiten]


Tal der Könige
Tal der Könige (westliches Tal) – Lageskizze

Tourismus[Bearbeiten]

Touristen in der Nekropole
Darstellung der 4. Stunde des Pfortenbuches im Grab Ramses’ IV. (KV2)

Das Tal der Könige ist einer der Hauptanziehungspunkte für Touristen in Ägypten. Nur ein kleiner Teil der Gräber kann besichtigt werden, da aus konservatorischen Gründen ein wechselnder Teil gesperrt ist. Einige Gräber wie das von Sethos I. (KV17) sind seit Jahren für Besucher geschlossen. Eintrittskarten berechtigen derzeit zum Besuch von drei Gräbern, es wird von der Verwaltung nahegelegt, sich nur 10 Minuten in dem jeweiligen Grab aufzuhalten. Für das Grab des Tutanchamun muss ein Extraticket gelöst werden.

Das Fotografieren und Filmen unterlag im Tal der Könige strengen Beschränkungen. Seit Dezember 2009 ist es nicht mehr erlaubt, Kameras mit in das Tal zu nehmen.[6]

Um die Königsgräber vor weiterer Zerstörung zu schützen und für die Zukunft zu erhalten, ist geplant, von den wichtigsten originalgetreue Kopien zu erstellen, die stattdessen besichtigt werden können. Dazu zählen das Grab Sethos’ I. (KV17), das Grab Tutanchamuns (KV62) und das Grab der Königin Nefertari (QV66) im Tal der Königinnen.[7]

Weitere Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung (teilweise in Laufweite) sind:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aidan Dodson: After the Pyramids. The Valley of the Kings and Beyond. The Rubicon Press, London 2000, ISBN 0-948695-52-8.
  • Erik Hornung: Tal der Könige. Artemis & Winkler, Düsseldorf 1999, ISBN 3-7608-0519-1.
  • Erik Hornung: Das Tal der Könige. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47995-2.
  • Bertha Porter, Rosalind L. B. Moss: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Statues, Reliefs, and Paintings. mehrere Bände, 2. Auflage, Griffith Institute, Oxford 1960 und 1964.
    • Volume I Part 2: The Theban Necropolis. Royal Tombs and Smaller Cemeteries. 1964, Reprint 1999, ISBN 0900416106, S. 495–593. (PDF; 22,3 MB)
  • Nicholas Reeves, Richard H. Wilkinson: Das Tal der Könige. Bechtermünz, Augsburg 2002, ISBN 3-8289-0739-3.
  • Kent R. Weeks, Araldo de Luca: Im Tal der Könige – Von Grabkunst und Totenkult der ägyptischen Herrscher. Weltbild, Augsburg 2001, ISBN 3-8289-0586-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tal der Könige – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Kategorie:Tal der Könige – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alberto Siliotti: Guide to the Valley of the Kings. White Star, Vercelli 2000, ISBN 88-8095-496-2, S. 12 f.
  2. Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen (= Münchner ägyptologische Studien. 20). Deutscher Kunstverlag, München u. a. 1984, ISBN 3-422-00832-2, S. 286-287
  3. Reeves: Das Tal der Könige. 2000, S. 15.
  4. KV 5 (Sons of Rameses II). General Site Information. Theban Mapping Project, abgerufen am 2. September 2013 (englisch).
  5. Pressemitteilung Universität Basel: Short Preliminary Report January 2012: Discovery of a new tomb in the Valley of the Kings, KV 64. vom 16. Januar 2012 (englisch)
  6. Pressemitteilung Zahi Hawass: Tourist Regulations. vom 13. Dezember 2009 (englisch)
  7. Pressemitteilung Zahi Hawass: Tourist Regulations. vom 13. Dezember 2009 (englisch)

25.74083333333332.601944444444Koordinaten: 25° 44′ 27″ N, 32° 36′ 7″ O