Hassan Nasrallah

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Porträt Hassan Nasrallahs als Graffiti von Thierry Ehrmann

Hassan Nasrallah (arabisch ‏ حسن نصر الله‎ Hasan Nasrallāh, DMG Ḥasan Naṣrallāh; * 31. August 1960 in Beirut) ist seit 1992 Generalsekretär der islamistischen libanesischen Partei und Organisation Hisbollah. Er ist schiitischer Muslim.

Leben[Bearbeiten]

Nasrallah wurde als ältestes von neun Kindern eines Lebensmittelhändlers geboren. Seine Familie stammt aus dem Dorf Bassouriyeh im vorwiegend schiitischen Süden des Libanon.[1] Während des libanesischen Bürgerkrieges musste die Familie Beirut verlassen und an ihren Herkunftsort zurückfliehen. Dort trat Nasrallah der schiitischen Bewegung Amal bei. Während des libanesischen Bürgerkrieges widmete er sich in der Hafenstadt Tyros intensiv dem Studium des Islam, woraufhin ihm der Imam der Hauptmoschee ein Empfehlungsschreiben an den Ajatollah Muhammad Baqir as-Sadr mitgab, einen führenden Geistlichen in Nadschaf, Irak, der dort 1980 oder 1981 auf Veranlassung von Saddam Hussein ermordet wurde.

Ausbildung[Bearbeiten]

Nach dem Abschluss seiner Gymnasialausbildung ging er 1976 nach Nadschaf, um in der Hauwza (islamisch-theologische Lehranstalt auf schiitischer Grundlage) zu studieren. Außerdem studierte er im iranischen Qom. 1978 wurde er, zusammen mit Hunderten von libanesischen Islamisten und Studenten, von der säkularen Baath-Partei aus dem Irak ausgewiesen und kehrte in den Libanon zurück. 1982, nach dem Einmarsch Israels, folgte Nasrallah Sayyid Abbas al-Musawi und trat aus der Amal aus. Er schloss sich einer Organisation von Libanesen an, die sich Hisbollah („Partei Gottes“) nennt.

Politische Leitung der Hisbollah[Bearbeiten]

Als die israelische Armee im Februar 1992 den Führer der Hisbollah, Sayyid Abbas al-Musawi, dessen Frau und drei Kinder tötete, wurde Nasrallah durch das Zentralkomitee der Hisbollah (madschlis asch-schura) als die neue politische Führungskraft der Hisbollah gewählt. Hadi, eines seiner vier Kinder, wurde 1997 im Kampf gegen Israel getötet. Sein Kommentar war dazu: „Es war gottgegeben, dass Hadi zum ‚Märtyrer‘ wurde.“

Unter Nasrallahs Führung fand die Hisbollah teilweise auch Akzeptanz bei der christlichen Bevölkerung des Libanons. So konnte er zeitweilig weite Teile der libanesischen Gesellschaft, unabhängig von Religion oder Konfession, im Kampf gegen die damalige israelische Besatzungsmacht hinter sich stellen.[2] Er gilt daher als jener Mann, unter dessen Führung die Hisbollah nach langem Guerillakrieg Israel zu der Entscheidung veranlasste, die achtzehn Jahre andauernde Besatzung des Südlibanon durch die israelische Armee im Jahr 2000 zu beenden und sich aus dem Gebiet zurückzuziehen. Ebenfalls unter seiner Initiative erfolgte im Januar 2004 die Übergabe von einem lebenden und drei toten Israelis, woraufhin Israel 23 libanesische und etwa 400 palästinensische Gefangene entließ. Die Israelis waren im Rahmen der Operation Gehaltenes Versprechen gefangengenommen bzw. getötet worden.

Unmittelbar nachdem zu Beginn des Zweiten Libanonkrieges das Haus Nasrallahs sowie sein Büro in Beirut am 14. Juli 2006 von israelischen Kampfjets bombardiert wurde, drohte er mit einem „offenen Krieg“ gegen Israel.[3]

Positionen[Bearbeiten]

Nasrallah hält zu dem bedrängten Assad-Regime in Syrien, unterstützte jedoch die tunesische, ägyptische und jemenitische Opposition, die erfolgreich die Regierungen ihrer Länder stürzen konnten.[4]

Öffentliche Wirkung[Bearbeiten]

Nasrallah, dessen Name etwa „Sieg Gottes“ bedeutet, wird von seinen Anhängern nahezu kultisch verehrt. In der Öffentlichkeit tritt der Generalsekretär der „Partei Gottes“ stets in traditioneller schiitischer Kleidung und mit Turban auf. Nasrallah war im April 2012 der erste Gesprächspartner in Julian Assanges umstrittener Talkshow The World Tomorrow.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hassan Nasrallah im Munzinger-Archiv, abgerufen am 14. Oktober 2009 (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. The Christian Science Monitor: Israeli strikes may boost Hizbullah base. 28. Juli 2006.
  3. Israel. Hisbollah-Chef im Visier. in: Badische Zeitung. 18. Juli 2006.
  4. a b F.A.Z. am 17. April 2012: Obskurantentreff im russischen Fernsehen. Abgerufen am 5. Mai 2012.