Havelberger Dom

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Der Westbau des Havelberger Domes
Havelberger Dom von der Altstadtinsel aus gesehen

Der Havelberger Dom „St. Marien“ ist eine evangelische Kirche in der Hansestadt Havelberg in Sachsen-Anhalt. Er war Hauptkirche des Bistums Havelberg. Das Bistum Havelberg selbst ist eine Gründung König Ottos I. aus dem Jahr 946 oder 948. Im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung wurde es zur Missionierung der ortsansässigen Westslawen gegründet. Havelberg war neben Brandenburg das früheste Bistum östlich der Elbe.

Geschichte[Bearbeiten]

Voraussetzung für den heutigen Dom in Havelberg und anderen Kirchenbauten östlich der Elbe durch den Orden der Prämonstratenser war der sogenannte Wendenkreuzzug im Jahr 1147.[1] Ein mit der Gründung des Bistums wahrscheinlich innerhalb der ottonischen Burg errichtete Vorgängerbau konnte bisher archäologisch jedoch nicht nachgewiesen werden.

Nach der Reformation trat das Domkapitel 1561 zum Protestantismus über, nachdem bereits 1506/1507 die prämonstratensische Ordensregel abgeschafft worden war. Das Bistum Havelberg selbst löste sich nach 50 Jahren Vakanz 1598 auf. Der Dom und die Stadtkirche St. Laurentius gehören seit 1996 zu einer gemeinsamen Kirchengemeinde. 1996 wurde der Dom Eigentum der Domstiftung des Landes Sachsen-Anhalt. Heute gilt der Havelberger Dom als eine der wichtigsten touristischen Stationen entlang der Straße der Romanik. Die angrenzenden Klostergebäude beherbergen die katholische Kapelle St. Norbert, den Paradiessaal der evangelischen Gemeinde, als Winterkirche genutzt, und das Prignitz-Museum mit Ausstellungen über die Dom-, Stadt- und Siedlungsgeschichte.

Bau und Ausstattung[Bearbeiten]

Kirchenschiff des Domes
Scholtze-Orgel von 1777

Seine architekturgeschichtliche Bedeutung verdankt der Havelberger Dom dem Westbau, der mit seiner völlig ornamentlosen, wuchtigen Form als fensterloser Block die entschiedenste Verwirklichung des Sächsischen Westriegels in der deutschen Baukunst darstellt. Der queroblonge Baukörper misst 30,2 x 6,1 m in der Grundfläche und ist bis zur Mauerkrone 31 m hoch. Der untere Bereich ist aus Naturstein gemauert. Als Baubeginn für den teilweise noch heute bestehenden romanischen Dom in Form einer flach gedeckten dreischiffigen Basilika wird die Zeit um 1150 angesehen. Als Baustoff wurde Bruchstein aus Grauwacke von einem Steinbruch bei Plötzky verwandt. Der Westbau besaß in seiner ursprünglichen Ausführung einen Zinnenkranz in etwa 22 Metern Höhe, was im 19. Jahrhundert die Vermutung aufkommen ließ, dass der Westbau als Wehrbau gedient habe. So wurden die heute noch vorhandenen Mauerschlitze zur Belichtung der Innenräume als Schießscharten angesehen. Diese Ansicht widerlegte 1997 der Burgenforscher Reinhard Schmitt, indem er nachwies, dass der Westbau von Anfang an ein ebenerdiges Portal, sowie drei breite Durchlässe zum Langhaus hatte.[2] Die Weihe fand am 16. August 1170 statt. Zwischen 1279, nach einem Brand, und 1330 erfolgte der gotische Umbau des Hauptchores und anderer Teile des Doms. Seither bestehen die Außenwände des Kirchenschiffs und des Westbaus aus einer Kombination aus Naturstein im unteren romanischen Baukörper und einer Erhöhung aus Ziegelmauerwerk aus gotischer Zeit, teilweise in bunter Mischung. In den Jahren 1840/41 bezahlte der preußische Staat eine Restaurierung des Doms, in deren Zuge der Westbau ein dem Zeitgeschmack entsprechendes neugotische Westportal erhielt und im Innern Stuckgesimse angebracht wurden. Von 1907 bis 1909 erhielt der Dom eine grundlegende Instandsetzung der Fundamente und schadhaften Gewölbe. Der Westbau bekam ein zusätzliches fünfarkadiges neoromanisches Glockengeschoss mit neuem Dachreiter, und das neugotische Westportal aus dem 19. Jahrhundert wurde wieder durch ein neues in romanischem Stil ersetzt.

Im Inneren des Kirchengebäudes finden sich Grisailleornamentfenster, die Triumphkreuzgruppe, drei Sandsteinleuchter und ein Chorgestühl aus Eichenholz aus der Zeit um 1300. Die im Lettner und den seitlichen Chorschranken untergebrachten 20 Reliefs und 14 Skulpturen aus Sandstein stellen ebenso wie die Buntglasfenster Szenen aus dem Leben Jesu dar und datieren aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts. Zwei Fenster mit historisierenden Wappendarstellungen waren Anfang des 20. Jahrhunderts von Alexander Linnemann und Otto Linnemann aus Frankfurt am Main erschaffen worden.[3]

Die Kanzeln von 1693 und der Hochaltar von 1700 gehören zur barocken Ausstattung, ebenso wie die Orgel, die 1777 von Gottlieb Scholtze erbaut worden war. Das Instrument hat 34 Register auf 2 Manualen und Pedal.[4]

I Hauptwerk CD–f3
1. Prinzipal 16′ S
2. Octava 8′ S
3. Spitzflöt 8′ S, Sk
4. Gedact 8′ S, Sk
5. Octave 4′ Sk
6. Gedact 4′ Sk
7. Quinta 3′ M
8. Octave 2′ M
9. Waldflöt 2′ Sk
10. Mixtur V Sk
11. Cornet III D S, Sk
12. Trompet 8′ Sk
II Oberwerk CD–f3
13. Quintathön 16′
14. Principal 8′
15. Rohrflöte 8′ alt
16. Salicional 8′
17. Octava 4′ alt
18. Rohrflöte 4′ alt
19. Nasat 22/3 alt
20. Octava 2′
21. Terz 13/5
22. Quinta 11/3
23. Sifflöt 1′
24. Mixtur IV
25. Crummhorn 8′
Pedal C–c1
26. Principal 16′ S
27. Sub Baß 16′ S
28. Octave 8′ S
29. Baßflöte 8′ M
30. Quinta 6′ M
31. Octave 4′ S
32. Mixtur V S, Sk
33. Posaun 16′ Sk
34. Trompet 8′ Sk
Tremolant
S = Scholtze (und älter)
M = Marx
Sk = Schuke (nach 1949)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Hoffmann: Die mittelalterliche Baugeschichte des Havelberger Domes, Berlin 2012, S. 13 ff.
  2. Reinhard Schmitt: Zum Westbau des Havelberger Domes - Bergfried, Wehrturm oder Kirchturm? In: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt, Heft 6, Halle/Saale 1997, S. 6 ff.
  3. Eva Fitz: Die mittelalterlichen Glasmalereien im Halberstädter Dom. Walter de Gruyter, Berlin 2003. Digitalisat bei books.google.de, abgerufen am 22. Juni 2014
  4. Informationen zur Geschichte der Scholtze-Orgel

Literatur[Bearbeiten]

  • Leonhard Helten (Hrsg.): Der Havelberger Dombau und seine Ausstrahlung. Lukas, Berlin 2012, ISBN 978-3-86732-130-3.
  • Joachim Hoffmann: Die mittelalterliche Baugeschichte des Havelberger Domes. Lukas, Berlin 2012, ISBN 978-3-86732-120-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Havelberger Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.82666666666712.078888888889Koordinaten: 52° 49′ 36″ N, 12° 4′ 44″ O