Bistum Brandenburg

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Wappen des Bistums Brandenburg

Das mittelalterliche Bistum Brandenburg (lat. Episcopatus Brandenburgensis bzw. Dioecesis Brandenburgensis) befand sich in der Kirchenprovinz des Erzbistums Magdeburg (provincia Magdeburgensis), sein böhmischer Name war Branebor, sein Patron der heilige Petrus. Die Gründungsurkunde des Bistums, die im Original erhalten ist, wurde auf den 1. Oktober 948 datiert. Es existiert jedoch ein Historikerstreit, wann das Bistum tatsächlich gegründet wurde, wobei sich die Daten zwischen 938 (beruhend auf einem Chronik-Vermerk durch Thietmar von Merseburg) und 965 bewegen.

Bischof Wigger von Brandenburg (1138-1160), Albrecht der Bär, Bischof Otto von Bamberg. Postkarte 1898
Dom zu Brandenburg an der Havel

Am 1. Oktober 948 durch König Otto errichtet, errichtete der Prämonstratenserbischof Wigger (1138-1159/61) in Leitzkau einen Prämonstratenserkonvent, welcher zum provisorischen Domkapitel der Diözese wurde. Sein Nachfolger, der aus dem Kloster hervorging, erhob 1161 den Prämonstratenserkonvent Pardwin (Parduin/ St. Gotthardt, Altstadt Brandenburg an der Havel) zum Domkapitel und veranlasste 1165 dessen Übersiedlung auf die Dominsel von Brandenburg, wo nun auch der Grundstein zur neuen Kathedrale gelegt wurde. Nachdem bereits 1186 die Rechte von Domkapitel und Dompropst fixiert wurden, inkorporierte Papst Clemens III. das Domkapitel 1188 endgültig dem Prämonstratenserorden.

Das sich grundsätzlich selbst ergänzende Domkapitel mit Propst und Prior an der Spitze hatte in guten Zeiten ca. 30 Mitglieder, wobei der Anteil des Adels im 14. Jahrhundert bei 35 % und im 15. Jahrhundert bei 45 % lag. Zumeist ohne universitäre Bildung, versorgte das Kapitel etwa 14 seiner 30 Kirchen selbst. Nachdem der markgräfliche Versuch einer Umwandlung in ein Säkularkanonikerstift an Bischof und Kapitel 1447 gescheitert war, gelang die Transmutation 1506/07, wobei es auf 16 Mitglieder reduziert worden war. An seiner Spitze standen nun Propst und Dekan. Papst Leo X. verlieh dem Kurfürsten von Brandenburg, welcher bereits das Nominationsrecht auf 4 Domkanonikate besaß, 1514 das Nominationsrecht für die Dompropstei.

Der Kirchenprovinz Magdeburg angehörig, lag es mit dessen Erzbischof immer wieder bezüglich seiner landesherrlichen Rechte im Streit. Überhaupt immer von den umliegenden Landesherren umkämpft, gelang es den Bischöfen nie ein größeres Territorium zu erwerben. Die Brandenburger Bischöfe, die im Rang als Reichsfürsten den Brandenburger Markgrafen gleichgestellt waren, mussten sich mangels ausreichender Deckung durch Landbesitz letztlich in deren Schutz begeben und verloren so ihre Ebenbürtigkeit.

Residenz der Brandenburger Bischöfe[Bearbeiten]

Die Brandenburger Bischöfe residierten mehrheitlich nicht an ihrer Domkirche, sondern zunächst in der Frühzeit des Bistums, als sich der erste Dom und der markgräfliche Sitz noch das Gelände der alten Slawenhauptburg Brandenburg teilten, auf ihrem nahegelegenen Tafelgut Pritzerbe. Sie besaßen dort offensichtlich ein nicht mehr nachweisbares festes Haus oder gar ein Burgwardium. Später, wahrscheinlich unter Bischof Dietrich II. Kothe etwa 1350 oder ggf. schon unter Bischof Friedrich von Plötzke am Anfang des 14. Jahrhunderts, zogen die Brandenburger Bischöfe auf die ca. 30 km südwestlich gelegene feste Burg Ziesar, auf der unter Bischof Dietrich von Stechow (siehe Liste der Bischöfe von Brandenburg) die kulturhistorisch bemerkenswerte "Stechow"-Kapelle entstand. Diese für jene Zeit nicht ungewöhnliche Separation brachte den Brandenburger Bischöfen mehrere Vorteile: Zum ersten begann das ökonomisch erstarkte Bürgertum der beiden Städte Brandenburg einem Trend der Zeit des ausgehenden Mittelalters folgend die Handlungs-, Rechts- und Bewegungsfreiheit des benachbarten geistlichen Herren mehr und mehr einzuschränken. Ein Umzug auf den Eigenbesitz Ziesar, etwa eine Tagesreise von seiner Kathedralkirche entfernt, sicherte dem Bischof ebendiese in Brandenburg an der Havel verlorenen Rechte und die Möglichkeiten einer standesgemäßen Hofhaltung. Die relative Bedeutungslosigkeit des noch bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts als "stedeken" bezeichneten Ackerbürgerstädtchens Ziesar garantierte, dass die Bischöfe von Brandenburg auf ihrer Burg Ziesar nicht dieselbe Entwicklung zu fürchten hatten wie seinerzeit auf der Dominsel Brandenburg.[1] Während das oftmals in Opposition zu ihrem geistlichen Oberhirten befindliche Domkapitel im Brennpunkt der steten Auseinandersetzung mit den Municipalen der benachbarten beiden mächtigen Städte Brandenburg (Alt- und Neustadt) belassen und somit deren Kräfte gebunden waren, beherrschten gleichzeitig die Bischöfe von der Burg Ziesar aus einen entscheidenden Kontrollpunkt des alten Fernhandelsweges (Heerstraße) zwischen Magdeburg, Ziesar, Brandenburg, Spandau, der im weiteren Verlauf über Posen nach Kiew führte. Als Begräbnisstätte wählten sie dann allerdings mit Ausnahme Stechows wieder ihren Dom zu Brandenburg. Stechow hingegen ließ sich in seiner Kapelle auf der Burg Ziesar beisetzen. Weilten sie, zum Beispiel anlässlich ausgewählter religiöser Zeremonien, wieder in Brandenburg an der Havel, so bezogen sie nachgewiesenermaßen den Bischofshof an der Kirche St. Gotthardt, die ja in der Frühzeit des Bistums selbst für ein Jahrzehnt die Kathedralfunktion des noch im Bau befindlichen Domes übernommen hatte. Die Umfriedung des Bischofshofes (heutiges Gelände der BBAG, Walther Rathenau-Platz 1) bildete gleichzeitig den nördlichen Abschluss der Altstadt Brandenburg. Inwieweit die sogenannte Spiegelburg, ein baulicher Fortsatz der Domklausurgebäude auf der Burg Brandenburg, oder aber ein nicht mehr existierender Baukörper an der Westecke der Nordklausur des Domklosters als bischöflicher Aufenthalt dienten, wird noch diskutiert.

Zwischen 1527 und 1529 zählte Brandenburg 18 Archidiakonate mit über 285 Pfarrkirchen. Seit 1527 durch den Bischof zunehmend protestantisiert, erhielt es 1540 die neue Kirchenordnung. Seit 1560 mit Havelberg und Lebus in Personalunion, wurde diese schon bald in eine Realunion überführt. Das Domkapitel von Brandenburg ist bis auf den heutigen Tag als protestantisches Kathedralkapitel existent.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Vortrag des Leiters des Brandenburgischen Landeshauptarchives, Dr. Klaus Neitmann, vor dem Historischen Verein der Stadt Brandenburg an der Havel, am 14. Mai 2009

Siehe auch[Bearbeiten]