Heinrich von Wittek

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Heinrich (bis 10. April 1919 Ritter von) Wittek (* 29. Jänner 1844 in Wien; † 9. April 1930 in Wien 1., Schottengasse 3, Melker Hof) war hoher Beamter, christlichsozialer Politiker, k.k. Eisenbahnminister und 1899/1900 vier Wochen lang Ministerpräsident der österreichischen Reichshälfte Österreich-Ungarns.

Heinrich von Wittek

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Heinrich war der älteste Sohn von Johann Marzellin Ritter von Wittek (1801–1876), des Erziehers des späteren Kaisers Franz Joseph I. und seiner Brüder. Heinrich war der Spielfreund von Ludwig Viktor von Österreich, dem jüngsten Bruder des Kaisers. Durch diese höfischen Beziehungen genoss er während der Monarchie eine gewisse Protektion.[1]

Wittek hatte drei Schwestern, Sophie (* 1844), Johanna (* 1860), die Malerin wurde und Ehefrau von Minister Rudolf Freiherr Schuster von Bonnott, sowie Maria Annunziata (1867–1951), die unter dem Namen Irma Wittek als Schriftstellerin wirkte.[2][3]

Ministerialbeamter[Bearbeiten]

Heinrich Wittek wurde nach dem Besuch des Wiener Schottengymnasiums und dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien als Dr. jur. in den Staatsdienst der im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder (Cisleithanien) aufgenommen. Er profilierte sich als Experte für das Eisenbahnwesen und wurde 1886 im k.k. Handelsministerium zum Sektionschef ernannt. 1895 war er kurzzeitig Handelsminister. Während seiner Tätigkeit im Handelsministerium war er mit den Vorbereitungen zur Transferierung der Eisenbahnagenden des Ministeriums in das 1896 gegründete k.k. Eisenbahnministerium befasst, in das er als Sektionschef auch selbst wechselte; hier wurden nun die Agenden der k.k. österreichischen Staatsbahnen unter direkter Leitung des Ministers bearbeitet.

Eisenbahnminister[Bearbeiten]

Vom 30. November 1897 bis zum 1. Mai 1905 war er, von Franz Joseph I. berufen, unter fünf cisleithanischen Ministerpräsidenten Eisenbahnminister.[4] Er war erfolgreich beim Ausbau des Eisenbahnnetzes und setzte sich für soziale Belange der Eisenbahner ein. In seiner Amtszeit als Minister wurde 1898–1901 die Wiener Stadtbahn eröffnet. Er brachte 1901 das Projekt Neue Alpenbahnen, das größte zivile Investitionsvorhaben der österreichischen Reichshälfte in den letzten zwanzig Jahren der Monarchie, erfolgreich durchs Parlament (die Eröffnung der neuen Bahnlinien fand unter späteren Ministern statt). Auf sein Betreiben wurde im Ministerium eine ihm direkt unterstellte Eisenbahnbaudirektion eingerichtet und eine Fahrkartensteuer beschlossen.

Von 21. Dezember 1899 bis 18. Jänner 1900 amtierte Wittek, als „Übergangslösung“ für Ernest von Koerber, auch kurz als Ministerpräsident der österreichischen Reichshälfte. Dabei genehmigte er eine liberale Wiener Gemeindewahlordnung, die im Sinne der Christlichsozialen lag.[5]

Bei zwei der in Bau befindlichen neuen Alpenbahnen ergaben sich Probleme: bei der Pyhrnbahn durch Wassereinbrüche im Bosrucktunnel und bei der Wocheiner Bahn durch geologische Besonderheiten und Wassereinbrüche im Wocheiner Tunnel. Für solche und andere Mehrkosten war im Budget des Eisenbahnministeriums nicht vorgesorgt.

Rücktritt[Bearbeiten]

Wittek hatte sich, wie die Wiener Tageszeitung Neue Freie Presse am 2. Mai 1905 resumierte, auf Grund seiner angeblich auch zu wenig auf die Bedürfnisse der Wirtschaft eingehenden Eisenbahnpolitik diverse Gruppierungen im Reichsrat zum Feind gemacht. Als nun der zuständige Unterausschuss des Abgeordnetenhauses beim Projekt Neue Alpenbahnen wesentliche Budgetüberschreitungen feststellte, zu denen keine parlamentarische Zustimmung eingeholt worden war, erklärte Eisenbahnbaudirektor Karl Wurmb seinen Rücktritt. Die Parlamentarier hielten aber, der Zeitung zufolge, Wittek für den eigentlichen politisch Verantwortlichen, so dass alle Fraktionen außer den Christlichsozialen gegen ihn auftraten und diese es nicht für tunlich hielten, Wittek zu stützen. Auch seine Ministerkollegen wollten nicht für seinen Verbleib in der Regierung sprechen. Wittek reichte daher sein Demissionsgesuch ein, das vom Kaiser am 1. Mai 1905 angenommen wurde.[6]

Die als Sprachrohr der Christlichsozialen Partei fungierende Wiener Tageszeitung Reichspost kommentierte am 3. Mai 1905 die Demission Witteks damit, die Wittekschen Mißerfolge sind eigentlich mehr Ausgeburten des Koerberschen Gesamtkabinetts, als Fehler Witteks, der sonst immer eine tüchtige Arbeitskraft, ein guter Fachmann und ein ehrenwerter Vertreter der allgemeinen Staatsinteressen in der Eisenbahnpolitik gewesen ist. Das Blatt erinnerte daran, dass die Privatbahnen wegen der technischen Verbesserungen, die Wittek von ihnen verlangt habe, sehr unzufrieden gewesen seien. Die Budgetüberschreitungen beim Bahnbau seien darauf zurückzuführen, dass Experten und Parlamentarier die Kosten der Bahnneubauten bei deren Beschluss zu oberflächlich kalkuliert und daher zu gering eingeschätzt hatten. Außerdem mutmaßte das Blatt, das Ausscheiden Witteks könne auch damit zu tun haben, dass Ministerposten (Parlamentarisierung des Kabinetts) frei gemacht werden sollten, um der Regierung durch die Einbeziehung wichtiger Fraktionsvertreter die Unterstützung einer Reichsratsmehrheit zu verschaffen. Die Christlichsozialen würden aber ihren Ruf sicher nicht durch Beteiligung an der Regierung ruinieren.[7] Der Wiener Bürgermeister Karl Lueger ließ Wittek am 5. Mai 1905 von der christlichsozialen Mehrheit im Gemeinderat zum Ehrenbürger von Wien wählen.

Parlamentarier[Bearbeiten]

Der Geheime Rat, Minister außer Dienst, Dr. Heinrich Ritter v. Wittek wurde vom Kaiser am 16. August 1905 gemeinsam mit anderen verdienten Männern zum Mitglied des Herrenhauses auf Lebensdauer ernannt.[8] Von der Reichsratswahl 1907 an war Wittek bis zum Ende der XI. Legislaturperiode, 1911, christlichsoziales Mitglied des Abgeordnetenhauses. Er übernahm dabei das Mandat von Karl Lueger.[9] Die Zugehörigkeit zum Herrenhaus ruhte während seiner Abgeordnetentätigkeit.[9]

Wittek wurde am 11. April 1930 auf dem Hietzinger Friedhof im 13. Wiener Gemeindebezirk, unweit von Schloss Schönbrunn, in Gruppe 6, Grab Nr. 65, im Grab seiner Eltern (1876 sein Vater, 1891 seine Mutter Elise) beigesetzt. 1951 wurde hier seine Schwester Maria Annunziata bestattet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johanna Schitzhofer: Heinrich Ritter von Wittek. Ein Lebensbild. Ungedruckte Dissertation, Wien 1949.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erich Kielmansegg: Kaiserhaus, Staatsmänner und Politiker. Aufzeichnungen des k.k. Statthalters Erich Graf Kielmansegg. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1966, S. 338.
  2. Johann Wittek bei austro-hungarian-army
  3. Frauenbiografien, Namenslisten abgerufen am 21. Dezember 2011
  4. Ernst Rutkowski: Briefe und Dokumente zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie. Band 1: Der verfassungstreue Großgrundbesitz 1880-1899. Verlag Oldenbourg, München 1983, ISBN 3-486-51831-3, S. 530.
  5. Ernst Rutkowski: Briefe und Dokumente zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie. Band 2: Der verfassungstreue Großgrundbesitz 1900-1904. Verlag Oldenbourg, München 1991, ISBN 3-486-52611-1, S. 15 und 332.
  6. Die Demission des Eisenbahnministers v. Wittek. In: Neue Freie Presse. Wien, Nr. 14615, 2. Mai 1905, S. 1 f.
  7. Die Demission Witteks. in: Tageszeitung Reichspost Wien, XII. Jahrgang, Nr. 100, 3. Mai 1905, S. 1
  8. Stenographische Protokolle. Herrenhaus. 53. Sitzung der XVII. Session am 1. Dezember 1905, S. 1105: Schreiben von Ministerpräsident Gautsch vom 17. August 1905
  9. a b Eintrag zu Heinrich von Wittek auf den Webseiten des österreichischen Parlaments

Weblinks[Bearbeiten]