Heinz Gollwitzer

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Heinz Gollwitzer (* 30. Januar 1917 in Nürnberg; † 26. Dezember 1999 in München) war ein deutscher Historiker.

Leben[Bearbeiten]

Nachdem Gollwitzer im Zweiten Weltkrieg bei einem Kriegseinsatz verwundet worden war, wurde er beurlaubt, studierte Geschichte und Germanistik in München und wurde 1944 promoviert. Seit seiner Freistellung vom Militär arbeitete er als Referent beim SS-Ahnenerbe mit.[1] Nach seiner Promotion übernahm er zusätzlich eine Referentenstelle an der Münchner Deutschen Akademie.[1]

Gollwitzer habilitierte sich 1950 mit Europabild und Europagedanke. Nach einer Dozentur an der Münchener Hochschule für Politik wurde er 1957 an die Universität Münster berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1982 lehrte. Er gehörte unter anderem der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften an.

Wirkung[Bearbeiten]

Gollwitzers Forschungsschwerpunkte waren Landesgeschichte, politische Ideengeschichte und historische Biographie, wobei Mentalitäten und Mentalitätswandel der politischen Eliten oft im Zentrum standen. Mit seinem Ansatz einer mentalitätsorientierten Sozialgeschichte sowie seiner universalgeschichtlichen Hermeneutik stand er im strukturalistisch bestimmten Umfeld der Nachkriegszeit im Abseits und konnte so nicht schulbildend wirken. Seit den Neunziger Jahren dagegen werden seine Werke, etwa im Kontext der Sozialgeschichte des Adels, wiederentdeckt und neu gewürdigt, so vor allem sein nach wie vor einschlägiges "Pionierwerk"[2] über die Standesherren (1957/64).

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Europabild und Europagedanke. Beiträge zur deutschen Geistesgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, München 1951 (zugl. Habil.).
  • Die Standesherren. Die politische und gesellschaftliche Stellung der Mediatisierten 1815–1918; Stuttgart 1957; 2. Auflage, Göttingen 1964.
  • Die gelbe Gefahr. Geschichte eines Schlagworts, Göttingen 1962.
  • Geschichte des weltpolitischen Denkens, 2 Bde., Göttingen 1972-82:
  • Ludwig I. von Bayern. Königtum im Vormärz, München 1986 (2. Auflage, 1997).
  • Ein Staatsmann des Vormärz: Karl von Abel, 1788–1859. Beamtenaristokratie - monarchisches Prinzip - politischer Katholizismus. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993. ISBN 3-525-36043-6.
  • Weltpolitik und deutsche Geschichte. Hrsg. von Hans-Christof Kraus. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008. ISBN 978-3-525-36071-2.
  • Politik und Kultur in Bayern unter Ludwig I. Studien zur bayerischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Hans-Christof Kraus. Pustet, Regensburg 2011. ISBN 978-3-7917-2199-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Dollinger u. a. (Hrsg.): Weltpolitik, Europagedanke, Regionalismus. Festschrift für Heinz Gollwitzer zum 65. Geburtstag. Aschendorff, Münster 1982, ISBN 3-402-05198-2.
  • Hans-Christof Kraus: Nekrolog Heinz Gollwitzer 1917–1999. In: Historische Zeitschrift. 271, 2000, ISSN 0018-2613, S. 263–268.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 192.
  2. Vgl. Stephan Malinowski: Vom König zum Führer, Berlin: Akademie-Verlag 2003, S. 23, Fußnote 23.