Helmholtz-Zentrum München

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Das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (HMGU oder HZM) ist ein Großforschungszentrum nördlich von München und Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Seine Forschungsarbeiten sind integriert in die Helmholtz-Forschungsbereiche „Erde und Umwelt“ sowie „Gesundheit“. Das Zentrum wurde am 23. Juni 1964 als Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) in der Organisationsform einer GmbH gegründet. Gesellschafter des Helmholtz Zentrums München sind nach dem Gesellschaftsvertrag vom 13. Februar 1978 zu 90 % die Bundesrepublik Deutschland (vertreten durch den Bundesminister für Bildung und Forschung) und zu 10 % der Freistaat Bayern (vertreten durch den Bayerischen Staatsminister der Finanzen).

Bis zum Ende des Jahres 2007 trug es den Namen „GSF – Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit“, wobei das Akronym „GSF“ auf die frühere Bezeichnung „Gesellschaft für Strahlenforschung“ zurückging.

Struktur[Bearbeiten]

Rechtsform[Bearbeiten]

Das Helmholtz Zentrum München ist eine Einrichtung des Bundes und des Freistaates Bayern in der Rechtsform einer GmbH. Bund und Freistaat finanzieren das Zentrum im Verhältnis 90:10. Der Organisation gehören mehr als 2000 Mitarbeiter in 26 Instituten und selbständigen Abteilungen an.

Hauptsitz[Bearbeiten]

Das Gelände des Zentrums im Jahr 2012

Der Hauptsitz des Helmholtz Zentrums liegt im Oberschleißheimer Ortsteil Neuherberg nahe der Münchner Stadtgrenze auf einem 52,3 Hektar großen Forschungscampus. Daneben unterhält das Zentrum Forschungseinrichtungen in der Stadt München wie beispielsweise das Hämatologikum und klinische Kooperationsgruppen gemeinsam mit den Münchener Universitäten (LMU und TUM). Am 12. Juli 2010 wurde im Beisein der damaligen Bundesforschungsministerin Annette Schavan das Lungenforschungszentrum CPC (Comprehensive Pneumology Center) eröffnet.[1]

Leitung[Bearbeiten]

Das Helmholtz Zentrum München wird geleitet von einem wissenschaftlichen und einem kaufmännischen Geschäftsführer. Ab 2013 kam ein Geschäftsführer für wissenschaftlich-technische Infrastruktur hinzu.[2]

Die wissenschaftlichen Geschäftsführer des Zentrums waren:[3]

Geschäftsführer für wissenschaftlich-technische Infrastruktur:

Kaufmännischer Geschäftsführer:

  • Carl-Heinz Duisberg
  • Hans Jahreiss
  • Nikolaus Blum

Institute und Einrichtungen[Bearbeiten]

Mit Stand 2015 gibt es folgende Institute und selbstständige Abteilungen:

Bereich Diabetesforschung
  • Institut für Diabetes und Krebs (IDC)
  • Institut für Diabetesforschung (IDF)
  • Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM)
  • Institut für Diabetes und Adipositas (IDO)
  • Institut für Diabetes- und Regenerationsforschung (IDR)
  • Institut für Experimentelle Genetik (IEG)
    • Abteilung Genomanalysezentrum (GAC)
Bereich Lungen- und Allergieforschung
  • Institut für Lungenbiologie (iLBD)/ Translationszentrum für Lungenforschung (CPC)
  • Institut für Allergieforschung (IAF)
Bereich Genetik und Stammzellbiologie
  • Institut für Humangenetik (IHG)
  • Institut für Stammzellforschung (ISF)
  • AbteilungSensory Biology and Organogenesis (SBO)
  • Institut für Entwicklungsgenetik (IDG)
  • Abteilung Vergleichende Medizin (AVM)
Bereich Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
  • Institut für Epidemiologie I (EPI I)
  • Institut für Epidemiologie II (EPI II)
  • Institut für Genetische Epidemiologie (IGE)
    • Abteilung für Molekulare Epidemiologie (AME)
  • Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM)
Bereich Strahlenforschung
  • Abteilung Medizinische Strahlenphysik und Diagnostik (AMSD)
  • Institut für Strahlenbiologie (ISB)
  • Institut für Strahlenschutz (ISS)
  • Abteilung Strahlenzytogenetik (ZYTO)
Bereich Systembiologie, Bildgebung und Strukturbiologie
  • Institut für Strukturbiologie (STB)
  • Institut für Biologische und Medizinische Bildgebung (IBMI)
  • Institut für Bioinformatik und Systembiologie (IBIS)
  • Institut für Computational Biology (ICB)
    • Abteilung Scientific Computing (ASC)
  • Abteilung Proteinanalytik (PROT)
Bereich Infektion und Immunität
  • Institut für Pathologie (PATH)
    • Abteilung Analytische Pathologie (AAP)
  • Institut für Molekulare Toxikologie und Pharmakologie (TOXI)
    • Abteilung Zelluläre Signalintegration (AZS)
  • Institut für Klinische Molekularbiologie und Tumorgenetik (KMOLBI)
    • Abteilung Molekulare Epigenetik (MEG)
  • Institut für Molekulare Immunologie (IMI)
    • Abteilung Molekulare Immunregulation (AMIR)
  • Institut für Virologie (VIRO)
  • Abteilung Genvektoren (AGV)
Bereich Umweltforschung
  • Institut für Biochemische Pflanzenpathologie (BIOP)
    • Abteilung Experimentelle Umweltsimulation (EUS)
  • Comprehensive Molecular Analytics (CMA)
  • Institut für Bodenökologie (IBOE)
  • Institut für Grundwasserökologie (IGOE)
  • Abteilung Mikroben-Pflanzen Interaktion (AMP)
  • Abteilung Analytische Biogeochemie (BGC)
  • Abteilung Umweltgenomik (EGEN)
  • Abteilung Genomik und Systembiologie pflanzlicher Genome

Promotion: Graduiertenschule Helena[Bearbeiten]

Die Helmholtz Graduate School Environmental Health (HELENA) wurde am 1. November 2010 eröffnet. Sie ist eine gemeinsame Initiative zur Doktorandenförderung des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der TU München.[4]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten]

Früheres Logo der gsf

Gesellschaft für Strahlenforschung[Bearbeiten]

Forschungsschwerpunkte der Versuchs- und Ausbildungsstätte für Strahlenschutz, die 1964 zur eigenständigen Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) wurde, waren hämatologische Forschung, Untersuchungen zur Endlagersicherheit und Grundwasserschutz, Strahlen- und Nuklearbiologie. Zwischen 1972 und 1982 betrieb das Helmholtz Zentrum München auch den Forschungsreaktor Neuherberg, der Kernreaktor befindet sich heute im so genannten sicheren Einschluss. Die GSF bzw. das Helmholtz Zentrum München waren von 1964 bis 2009 Mitglied im Deutschen Atomforum, einem Lobbyverband, der sich für die nichtmilitärische Nutzung von Kernenergie einsetzt.[5][6]

Forschungsbergwerk Asse[Bearbeiten]

Hauptartikel: Forschungsbergwerk Asse

Die GSF bzw. das Helmholtz Zentrum München betrieb von 1967 bis Ende 2008 das 27,6 Hektar große Forschungsbergwerk Asse zur Endlagerung von radioaktiven Abfällen in Remlingen bei Braunschweig. Im Jahr 2009 ging die Trägerschaft der Schachtanlage Asse auf das Bundesamt für Strahlenschutz über, nachdem Unregelmäßigkeiten bekannt geworden waren.[7] Hierbei warf das Bundesamt dem Zentrum vor, dass das Forschungsbergwerk jahrzehntelang als Endlager für Atommüll missbraucht worden sei.[8] Beraten wurde das Unternehmen in dieser Affäre unter anderem von dem Juristen Gerald Hennenhöfer, der bereits zuvor als Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit des Bundesumweltministeriums und später als Generalbevollmächtigter für Wirtschaftspolitik des Energiekonzerns Viag tätig war.[9]

GSF – Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit[Bearbeiten]

Das 1969 durch Friedhelm Korte gegründete Institut für Ökologische Chemie leistete bereits Pionierarbeit bei der Risikobewertung von Chemikalien in der Umwelt. Ab 1977 fokussierte sich das Zentrum als Ganzes zunehmend auf die Umweltforschung. Dies wird 1990 durch die Umbenennung in GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit dokumentiert.

Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt[Bearbeiten]

Forschungsschwerpunkt ist nach einer Neuausrichtung mit Beginn des Jahres 2008 der Bereich Environmental Health, also der Einfluss von Umweltfaktoren auf die Gesundheit. Dies betrifft insbesondere eine Reihe von komplexen chronischen Krankheiten wie beispielsweise Lungenerkrankungen, Allergien, Diabetes mellitus, Demenz und Depressionen, die in erheblichem Maße durch persönliche Risikofaktoren, Lebensstil und Umweltbedingungen mitbestimmt werden.[10] Ziel ist dabei die enge Verknüpfung von Forschung und Anwendung durch einen interdisziplinären und translationalen Forschungsansatz, d.h. Grundlagenforschung und Anwendung sind eng vernetzt.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Michael van den Heuvel: Forschungsministerin Schavan eröffnet neues Lungenforschungszentrum in München. 12. Juli 2010.
  2. Organisationsplan, 14. September 2013.
  3. Jahresbericht 2010 (PDF; 31,0 MB), 24. September 2012.
  4. Webseite des Helmholtz Graduate School Environmental Health.
  5. Christiane Grefe: Atommüll: Eine unterirdische Geschichte. In: Die Zeit. Nr. 44, 22. Oktober 2009.
  6. Schreiben der Bundesregierung (PDF; 473 kB) abgerufen am 1. April 2011
  7. Weiteres Vorgehen bei der Schachtanlage Asse. Pressemitteilung 149/2008 des BMBF.
  8. Radioaktive Abfälle - Bundesamt kann Sicherheit des Atomlagers Asse nicht garantieren. In: Spiegel Online. 4. Juni 2009.
  9. Rechtliche Bedenken gegen designierten Atom-Aufseher Berliner Zeitung vom 11. Januar 2010
  10. Ergebnisberichte unter Helmholtz Zentrum München: Forschungsschwerpunkte.

48.222511.593333333333Koordinaten: 48° 13′ 21″ N, 11° 35′ 36″ O