Herrschaft Hummel

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Die Herrschaft Hummel (tschechisch Panství Homole) ist eine historische Landschaft im Westteil der ehemaligen Grafschaft Glatz. Bis 1477 gehörte das Gebiet zum altböhmischen Kreis Königgrätz und damit unmittelbar zu Böhmen.

Kegel des Hummelberges, auf dem das Hummelschloss stand (Ansicht von Westen)

Das Hummelschloss[Bearbeiten]

Mittelpunkt der Herrschaft Hummel war das zunächst als „Landfried“ bzw. „Landfrede“ bezeichnete Schloss auf einem Kegel über dem Tal der Reinerzer Weistritz, das etwa drei Kilometer westlich von Reinerz entfernt lag. Durch seine geographische Lage sicherte es die wichtige Straße von Prag über den Hummelpass nach Glatz und Breslau, den sogenannten Polenweg. 1427 wurde es von den Hussiten erobert, die von hier aus Einfälle in das Glatzer Land und nach Schlesien unternahmen. In dieser Zeit kam für das Schloss Landfried die tschechische Bezeichnung «Hrad Homole» auf. Nach 1560 war das Schloss unbewohnt und verfiel. Auf seiner Reise von Neuburg/Donau nach Krakau im Jahre 1536 ließ Pfalzgraf Ottheinrich auch die Burg Hummel skizzieren. Dies ist die einzige erhaltene, wirklichkeitsgetreue Darstellung der noch nicht zerstörten Anlage.[1]

Geschichte der Herrschaft Hummel[Bearbeiten]

Ruinenreste Schloss Hummel

Das Gebiet der Herrschaft Hummel gehörte im 10. Jahrhundert dem böhmischen Fürsten Slavnik und kam 995 an das Fürstengeschlecht der Přemysliden. Die Herrschaft umfasste in ihrer ersten Zeit lediglich die östliche Hälfte des nachmaligen Hummelbezirks, also das Flussgebiet der Reinerzer Weistritz mit dem Städtchen Reinerz und einer Anzahl Dörfer (Roms, Utschendorf, Hartau, Friedersdorf, Rückers, Keilendorf, Hermsdorf).

Erster bekannter Besitzer der Herrschaft Hummel war 1346 Titzko (Thyczko) von Pannwitz, der für das Jahr 1327 als Mitbesitzer von Rengersdorf belegt ist und 1341 den Titel eines Burggrafen von Glatz führte. Nach seinem Tod 1359 folgten ihm seine Söhne, die die Herrschaft Hummel 1392 an Dietrich von Janowitz (Dětrich z Janovic) verkauften. Er vereinte sie mit seiner angrenzenden Herrschaft Nachod. 1412 kam sie an Heinrich von Lazan, der die Herrschaften Nachod und Hummel 1414 mit dem Oberstlandschreiber Boček II. von Podiebrad († 1417) gegen die Stadt und Herrschaft Bechin in Südböhmen tauschte. Bočeks Sohn Viktorin, der ein überzeugter Utraquist war, starb 1427. Obwohl sein erst siebenjähriger Sohn Georg von Podiebrad der rechtmäßige Erbe war, eroberten die Taboriten das Hummelschloss, von wo aus sie Einfälle in das Glatzer Land und nach Schlesien unternahmen. Die Herrschaft Hummel wurde von den Hauptleuten Jan Holý (Holec) und Nikolaus von Trčka (Mikuláš Trčka z Lípy) gemeinsam verwaltet. 1440 wurde sie von dem Taboriten und Raubritter Jan Kolda von Žampach erobert. 1444–1454 gehörte sie dem Hynek Kruschina von Lichtenburg, der auch Pfandinhaber des Glatzer Landes war. Erst nach dessen Tod 1454 gelangte sie an den rechtmäßigen Besitzer Georg von Podiebrad, der nunmehr Landesverweser von Böhmen war. Der Besitz der Herrschaft Hummel war ihm bereits am 29. Juli 1453 vom böhmischen König Ladislaus Postumus bestätigt worden. Georg von Podiebrad setzte Václav Holý als Burggrafen ein. Nach seinem Aufstieg zum König von Böhmen übertrug Georg von Podiebrad die Herrschaften Nachod und Hummel 1458 seinen Söhnen Boček und Viktorin. Nach Georgs Tod 1471 wurden dessen Besitzungen 1472 nach einem Erbteilungsplan aufgeteilt. Die Herrschaften Hummel und Nachod sowie die Grafschaft Glatz gelangten nun, neben weiteren Besitzungen, an Georgs drittgeborenen Sohn Heinrich d. Ä.

Heinrich d. Ä. vergab die Herrschaft Hummel 1477 als Lehen dem sächsischen Adeligen Hildebrand von Kauffung, einen Sohn des Kunz von Kauffungen. Hildebrand war am böhmischen Königshof aufgewachsen und starb um 1497/98.[2] Ebenfalls 1477 verband Herzog Heinrich d. Ä. die Herrschaft Hummel mit dem 1459 von seinem Vater zur Grafschaft erhobenen Glatzer Land und inkorporierte ihr zugleich die westlich gelegenen Kirchspiele Lewin und Tscherbeney, die zum Dekanat Dobruška gehörten sowie die beiden Dörfer Schlaney und Brzesowie, die zur Pfarrei St. Laurentius in Nachod gehörten. Diese mit der Herrschaft Hummel neu verbundenen Gebiete wurden nachfolgend als die böhmische Seite des Hummelbezirks bezeichnet. Erst nach der Eingliederung der böhmischen Seite 1477 wurde der ursprüngliche, östliche Teil der Herrschaft als die deutsche Seite des Hummelbezirks bezeichnet. Da das Land wegen der Hussitenkriege teilweise entvölkert war, wurden nun auch die Dörfer der böhmischen Seite der Hummelherrschaft vermehrt mit Deutschen besiedelt.[3][4]

Nachdem das Schloss unter Sigismund von Kauffung ein Raubritternest geworden war, gelangte die Hummelherrschaft 1513 an den damaligen Pfandherrn der Grafschaft Glatz, Ulrich von Hardegg[5] und 1541 an Johann von Pernstein, von dem sie 1548 dessen Sohn Vratislav von Pernstein erbte.[6]

1549 wurde Pfandherr der Grafschaft Glatz der Wittelsbacher Ernst von Bayern, der zugleich auch die Herrschaft Hummel erwarb. Am 10. Dezember des Jahres verlieh er diese seinem Sohn Eustach, der von Kaiser Karl V. als Eustach von Landfried geadelt und 1550 vom Papst Julius III. als adliger Nachkomme Ernsts legitimiert wurde. Nach Ernst Tod 1560 verkaufte Eustach die Hummelherrschaft an Ernst Gelhorn von und zu Alten Greckau und Roge. 1561 fiel die Herrschaft Hummel als erledigtes Lehen an den böhmischen Landesherrn. Von diesem wurde sie 1590 dem Rudolf von Stubenberg auf Neustadt und 1595 an die Stadt Reinerz verpfändet.

Auflösung der Herrschaft[Bearbeiten]

Nach der Auflösung der Hummelherrschaft erwarb Rudolf von Stubenberg 1598 den zum Schloss gehörenden Grundbesitz. Die meisten der zur Herrschaft gehörenden Dörfer und Ortschaften wurden der Böhmischen Kammer zugewiesen und damit dem böhmischen Landesherrn unterworfen. Mehrere von ihnen wurden 1684 von Kaiser Leopold I. zur Bestreitung der Türkenkriege an die Reinerzer Stadtkämmerei und an die Herrschaft Rückers veräußert.

Bereits um die Mitte des 16. Jahrhunderts waren die Dörfer Deutsch-Tscherbeney, Straußeney, Jakobowitz sowie das spätere Bad Kudowa, die danach die „Herrschaft Tscherbeney“ bildeten, von der Herrschaft Hummel gelöst worden. Das ergibt sich aus einer erst unlängst in Breslau aufgefundenen Urkunde, mit der am 1. Dezember 1551 Kaiser Ferdinand I. in seiner Eigenschaft als König von Böhmen bestätigte, dass der 1548 verstorbene Johann von Pernstein als Pfandherr der Herrschaft Hummel dem Heinrich Přepyšsky von Richemberg (Jindřich Přepyšský z Rychemberka) diese Dörfer geschenkt habe.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Albert: Die Geschichte der Herrschaft Hummel und ihrer Nachbargebiete. Erster Teil: Die Herrschaft Hummel bis zum Jahre 1477. Selbstverlag, Münster 1932.
  • Lydia Baštecká, Ivana Ebelová: Náchod. (Dějiny českých měst), Nakladatelství Lidové noviny, Praha 2004, ISBN 80-7106-674-5.
  • Arno Herzig, Małgorzata Ruchniewicz: Geschichte des Glatzer Landes. DOBU-Verlag u. a., Hamburg u. a. 2006, ISBN 3-934632-12-2, S. 66–70.
  • Ladislav Hladký: Poděbradská větev Pánů z Kunštatu a východní Čechy. In: 550 let Hrabství Kladského 1459–2009. Trutnov 2009, ISBN 978-80-903741-3-3, S. 117–133.
  • Joseph Kögler: Die Chroniken der Grafschaft Glatz. Neu bearbeitet und herausgegeben von Dieter Pohl. Band 1: Die Stadt- und Pfarreichroniken von Lewin – Mittelwalde – Wünschelburg – Neurode – Wilhelmsthal. Pohl, Köln 1992, ISBN 3-927830-06-2, S. 257–259 (Geschichtsquellen der Grafschaft Glatz. Reihe A: Ortsgeschichte. NF 1).
  • Angelika Pabel (Hrsg.): Reise, Rast und Augenblick. Mitteleuropäische Stadtansichten aus dem 16. Jahrhundert. Röll, Dettelbach 2002, ISBN 3-89754-201-3. (mit Darstellung der Hummelburg)
  • Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Schlesien. Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3. (Kröners Taschenausgabe 316)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Burg Hummel im Reisealbum des Pfalzgrafen Ottheinrich 1536/37
  2. Hildebrand von Kauffung
  3. Jaroslav Šůla: Jména obyvatel homolského panství v XVI. a XVII. století jako doklad etnicity obyvatel regionu. In: Český koutek v Kladsku. Kladský sbornik, supplementum 5, Trutnov 2008, S. 153–208, hier S. 170.
  4. Ladislav Hladký: Dějiny Malé Čermné - Obce na Česko-Kladských hranicích - do roku 1850. Hronov 2010, ISBN 978-80-254-7442-2 (formal falsche ISBN), S. 7.
  5. Ladislav Hladký: Svědectví zhostních listů a dalších archiválií o změnách v pravním postaveni panství Homole v Kladském hrabství před Bílou horou. In: Sborník prací východočeskýych archivů. Heft 10, 2005, S. 149
  6. Erwerb durch Johann von Pernstein