Honda XL 600

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Honda
Xl600rm.JPG
Xl 600 RM, Baujahr 1986
XL 600
Hersteller: Honda
Produktionszeitraum 1983 bis 1987
Klasse Motorrad
Bauart Enduro
Motordaten
Luftgekühlter 4-Takt-Benzin-Ottomotor
Hubraum (cm³) 589
Leistung (kW/PS) 31,6 kW (44 PS) bei 6000/min
20,0 kW (27 PS) bei 5500/min (27 PS-Version)
Drehmoment (N m) 49 Nm bei 5000/min
42 Nm bei 3500/min (27 PS-Version)
Höchstgeschwin-
digkeit
 (km/h)
151
Getriebe 5
Antrieb Kettenantrieb
Bremsen Scheibenbremse vorn, Trommelbremse hinten
Radstand (mm) 1420
Sitzhöhe (cm) 89,5
Leergewicht (kg) 135
Vorgängermodell Honda XL 500 R
Nachfolgemodell Honda NX 650 Dominator

Vorlage:Infobox Motorrad/Wartung/Parameter

Die Honda XL 600 ist ein geländegängiges Motorrad des japanischen Fahrzeugherstellers Honda. Die Enduro wurde von 1983 bis 1987 in mehreren Baureihen, farblichen Ausführungen und als Sondermodell hergestellt.

Die XL600R (Modell PD03) wurde 1983 als hubraumstärkere Schwester der XL 500 R auf den Markt gebracht, die neben vielen anderen Detailänderungen im Gegensatz zur XL500R mit einer hydraulischen Scheibenbremsanlage vorn ausgestattet war. Neben dem ersten Modell XL 600 R wurden weitere Varianten und Typen unter entsprechender Bezeichnung hergestellt. So sind unter den XL 600-Modellen zu unterscheiden:

  • PD03 XL 600 R
  • PD03 XL 600 L Paris-Dakar (Sondermodell der Standard XL 600 R)
  • PD04 XL 600 LM
  • PD04 XL 600 RM
  • PD05 XL 500 R (aus versicherungstechnischen Gründen verkleinerter Hubraum für Österreichausführung, ansonsten gleicher Motor)
  • nicht behandelt wird hier die XL 600 V Transalp

Zur Zuordnung zum Herstellungsjahr anhand von Fahrgestellnummern siehe unter Modellgeschichte unten.

Modellgeschichte[Bearbeiten]

Zum Ursprung des Endurogedankens, den konkurrierenden Herstellern sowie dem erstmaligen Angebot eines mit einem sogenannten Pro-link-Zentralfederbein ausgestatteten geländegängigen Motorrades durch Honda siehe auch XL 500 R. Das ab 1983 angebotene Modell PD03 wurde ab Baujahr 1985 überarbeitet. Unter anderem waren das ein in technischen Details überarbeiteter Motor, bequemere rahmenfeste Soziusfußrasten (vorher Befestigung an der Schwinge), eine stärkere Teleskopgabel (Durchmesser nun 41 mm, vorher 39 mm). Das PD03-Sondermodell XL600L Paris-Dakar war mit einem größeren Tank ausgestattet und hatte ein anderes Design.

Eine Auflistung aller Herstellungsjahre erleichtert die Bestimmung des tatsächlichen Baujahres (da das Jahr der Erstzulassung nicht zwingend auch das Herstellungsjahr ist, weil es einige Ladenhüter gab). Genannt sind die ersten Ziffern der insgesamt 11-stelligen Fahrgestellnummer (Bsp: PD035000123) sowie die Motor-Ausführung der XL600 bei Auslieferung. Der auf dem Colorlabel unter der Sitzbank am Rahmen neben dem angegebenen Originalfarbton notierte Modellcode bezeichnet das Baujahr (D ist z.B. XL600RD=1983, XL600RE=1984, XL 600 RF=1985 usw.):

Bauj. (Modell Modelljahr) FG.-Nr. Ausf. PS Motorkennung Farbausführung[1] Land[2]
1983 (XL600R D-Modell) PD0350 44 PS PD03E-50 R-110; NH-1; NH-111 AR,B,CM,E,ED,F,G,IT,SA,SD,SW,U
1983 (XL600L D-Modell) PD0350 44 PS PD03E-50 R-110 B,F
1984 (XL600R E-Modell) PD030-EM 44 PS PD03E-50 R-110 CM
1984 (XL600L E-Modell) PD0361 44 PS PD03E-51 R-119 B,ED,F,IT,SW
1985 (XL600R F-Modell) PD0351 44 PS PD03E-52 R-119, R-134, NH-138, NH-1 AR,FI,CM,E,ED,F,G,IT,SA,SD,SW,U
1985 (XL600R F-Modell) PD0370 27 PS PD03E-60 R-119, R-134, NH-138, NH-1 GII
1986 (XL600R G-Modell) PD030-GK3 44 PS PD03E-53 NH-138 CM
1987 (XL600R H-Modell) PD0352 44 PS PD03E-52 R-134, NH-138, NH-1 G,F
1987 (XL600R H-Modell) PD0371 27 PS PD03E-60 R-134, NH-138, NH-1 GII
1987 (XL600R H-Modell) PD030-HK4 44 PS PD03E-54 NH-138 CM
1985 (XL600LM F-Modell) PD0450 44 PS PD04E-50 NH-138 B,E,ED,F,G,IT,N,SA,SP,SW
1986 (XL600RM G-Modell) PD0451 44 PS PD04E-51 R-134, NH-138, NH-1 B,ED,F,G,IT,SW,U
1986 (XL600RM G-Modell) PD0460 27 PS PD04E-60 R-134, NH-138, NH-1 GII
1987 (XL600LM H-Modell) PD0452 44 PS PD04E-51 NH-138, B-119 B,B2,ED,F,F2,G,GII,IT,IT2,N2,SP,SP2,SW
  1. Farbschlüssel NH-1=schwarz; NH-111=Cortinaweiss; R-110=Monzarot; R-134=Kampfrot; R-119=Blitzrot; NH-138=Shastaweiss; B-119=Seemöwenblau
  2. Länderschlüssel AR=Österreich; B=Belgien; CM=Kanada; E=England; ED=Europa Direktverkauf; F=Frankreich; G=Deutschland 44ps; GII=Deutschland 27 PS; IT=Italien; SA=Südafrika; SD=Schweden; SW=Schweiz; U=Australien;FI=Finnland; B2=Belgien 27 PS; F2=Frankreich 27 PS; IT2=Italien 27 PS; N2=Norwegen 27 PS; SP2=Spanien 27 PS

Modellcode oder Vehicle-Identify-Number siehe unter V.I.N.

Quelle: Honda-Ersatzteilkatalog - Microfiche Stand 1989 für PD03 und PD04

Technik[Bearbeiten]

In allen Modellen arbeitet der nahezu baugleiche, luftgekühlte Einzylindermotor mit der Bezeichnung Radial Four Valve Combustion (RFVC). Bei einer Zylinderbohrung von 100 mm und einem Kolbenhub von 75 mm (PD03) hat der Viertaktmotor einen Hubraum von 589 cm³ und erzeugt ohne Drosselung eine Nennleistung von 44 PS (32 kW) bei einer Drehzahl von 6500/min. Auf Grund der damals in Deutschland gültigen Versicherungsklassen kamen die verschiedenen Modelle dort auch als 27-PS-Version mit abweichender Fahrgestellnummer auf den Markt (siehe Aufstellung). Die Drosselung wurde durch eine andere Nockenwelle und andere Vergaserdüsen vorgenommen. Der Kolben läuft in einem Aluminiumzylinder mit Zylinderlaufbuchse aus Grauguss. Der Gaswechsel geschieht durch vier radial angeordnete Ventile, die von einer obenliegenden Nockenwelle über Kipphebel und zwischengeschaltete Nebenschlepphebel betätigt werden. Bei ersten Modellen diente ein fünftes, kleineres Ventil zur Dekompression beim Kickstart. Das Getriebe hat fünf Gänge. Die für Einzylindermotoren typischen starken Motorvibrationen werden durch eine per Zahnrad angetriebene Ausgleichswelle gemindert. Die Motorschmierung arbeitet per Druckumlauf mit Trockensumpf. Der Motor wird bei der PD03 mit Kickstarter gestartet, dies wird durch einen automatischen Dekompressionsmechanismus erleichtert. Die XL 600 RM und LM wurden zusätzlich auch mit einem Anlasser angeboten.

Eine Schwachstelle des Motors waren der Zylinderkopf mit der im mittleren der drei Lager gleitgelagerten Nockenwelle sowie die Ventilsitze, die bei höherer Laufleistung oder starker Beanspruchung oft aus ihren Führungen fielen. Die zweite Schwachstelle ist die Lichtmaschine, von der die "Zündladespule" der "Zündprimärspule" oft versagt. Intakte Zylinderköpfe sind inzwischen schwer erhältliche und teuer gehandelte Ersatzteile. Im Gegensatz zu den späteren Modellen neigen die an der XL 500 verbauten RFVC-Motoren noch zu Ölverlust am Zylinderkopf.

Ansonsten war der Motor bei angemessener Wartung ein recht standfester und zuverlässiger Einzylinder dieser Hubraumklasse auch über höhere Laufleistungen. Er ist als Basis der Entwicklung der Antriebe späterer Modelle wie beispielsweise der NX 650 Dominator, SLR 650, XBR 500, GB 500 Clubman oder ab 2005 der Honda FMX 650 zu sehen. Die erfolgreiche und erstmals in der XL 600 eingebaute Grundkonstruktion des Motors wurde bis heute (2014) beibehalten und findet sich in der Honda XR 650 L, die in den USA angeboten wird.

Technische Daten[Bearbeiten]

Abmessungen (nur PD03, in Klammern L-Modell)

  • Gesamtlänge: 2110 mm (2225 mm)
  • Gesamtbreite: 865 mm
  • Gesamthöhe: 1235 mm
  • Sitzhöhe: 895 mm
  • Bodenfreiheit: 375 mm
  • Gewicht: leer 135 kg (141 kg )

Rahmen

  • Rahmenart: Semi-Doppelpendelrahmen
  • Lenkkopflager: Kegelrollenlager
  • Nachlauf: 118 mm
  • Nachlaufwinkel: 28°30 grad
  • Federweg vorne: 229 mm
  • Federweg hinten: Pro-Link 203 mm
  • Bereifung vorne: 90/90- 21 54S ENDURO3 Front
  • Bereifung hinten: 130/80- 17 65S ENDURO3 (SAHARA)
  • Schwingenlager: Nadellager
  • Gabelrohr Durchmesser: 39 mm, ab Baujahr 1985 41 mm
  • Kraftstofftank: 12 l / 2 l Reserve (20 l / 6 l Reserve)

Motor

  • Bauart: Luftgekühlter 4-Takt-Benzin-Ottomotor mit einfacher obenliegender Nockenwelle
  • Zylinderanordnung: Einzylinder, 15° Neigung, 4 Ventile
  • Bohrung und Hub: 100 mm × 75 mm
  • Hubraum: 589 cm3
  • Kompression: 8,6 : 1
  • Ventiltrieb: 4 Ventile über zahnkettengetriebene obenliegende Nockenwelle via Kipphebel und Nebenschlepphebel betätigt
  • Ventilspiel: Einlass: 0,05 mm ; Auslass: 0,10 mm (bei kaltem Motor; empfohlen werden jedoch 0,08 mm bzw. 0,12 mm; siehe auch Diskussion in einschlägigen Foren unten)
  • Max. Leistung:
    • 31,6 kW (44 PS) bei 6000/min
    • 20,0 kW (27 PS) bei 5500/min (27 PS Version)
  • Max. Drehmoment:
    • 49 Nm bei 5000/min
    • 42 Nm bei 3500/min (27 PS Version)
  • Schmiersystem: Druckumlaufschmierung mit Trockensumpf
  • Ölmenge: 2,0 l bei Öl- und Filterwechsel, nach Revision 2,5 Liter

Vergaser

  • Vergaser: Kolbenschiebervergaser Durchlass 28 mm; Primär- und Sekundärvergaser
  • Schwimmerhöhe: 18,0 mm
  • Hauptdüse (Standardwert): Primär 122, sekundär 100
  • Leerlaufdrehzahl: 1300 ±100/min.

Kraftübertragung

  • Kupplung: Mehrscheiben-Ölbadkupplung
  • Getriebe: 5-Gang Dauereingriff
  • Primäruntersetzung: 2,1875:1
  • Standardausführung Kettenrad / Ritzel: 41 Zähne / 15 Zähne (bei 44-PS-Version)
  • Endantrieb: Rollenkette

Elektrische Ausstattung

  • Stromkreislauf 12 Volt
  • Zündanlage: Kontaktlose C.D.I.-Zündanlage
  • Zündkerze: Normalfall: DPR8EA-9(NGK)
  • Elektrodenabstand Zündkerze: 0,8 - 0,9 mm
  • Batteriekapazität: 12 Volt - 3 Ah

Literatur[Bearbeiten]

  • Reparaturanleitung von Bucheli Nr. 5083/5084 ISBN 3-7168-1704-X (deutsch)
  • Jochen Kuch : Honda - Motorräder seit 1970. - 1. Auflage. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2009. (Typenkompass) ISBN 978-3-613-02989-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Honda XL600 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien