Hugo Makibi Enomiya-Lassalle

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Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (* 11. November 1898 auf Gut Externbrock bei Nieheim/Westfalen; † 7. Juli 1990 in Münster/Westfalen) war Jesuit und Zen-Meister. Lassalle kann als ein Wegbereiter der Verständigung zwischen Zen-Buddhismus und Christentum angesehen werden (Christlich-buddhistischer Dialog).

Leben[Bearbeiten]

Wegen einer Verwundung im Ersten Weltkrieg wurde Hugo Lassalle 1917 ins Lazarett von Brilon eingeliefert. Hier besuchte er von 1911 bis 1916 das Gymnasium Petrinum. Hier legte er 1917 die Kriegsreifeprüfung ab.[1] Ab 1919 war er im Noviziat der Jesuiten in ’s-Heerenberg in Holland, ab 1921 erfuhr er die damals scholastisch geprägte ordenstypische Ausbildung in Philosophie und Theologie in Valkenburg. Nach seiner Priesterweihe am 28. August 1927 absolvierte er das Tertiat, in dem er u. a. in die christliche Mystik (Teresa von Ávila, Johannes vom Kreuz, Thomas von Kempen) eingeführt wurde. 1929 wurde Lassalle von Pater Willhelm Klein SJ in die Ostasienmission nach Japan geschickt, die durch soziales Engagement das Evangelium verkünden sollte. Neben seiner Tätigkeit als Verwalter des Jesuiten-Gebäudes der katholischen Sophia-Universität setzte sich Lassalle deshalb auch durch Hilfswerke für soziale Belange ein und versuchte den Zen-Buddhismus als geistige Grundlage der japanischen Gesellschaft zu verstehen. 1935 wurde er Missionssuperior und Ordensoberer der Jesuiten in Japan.

Vor dem Zweiten Weltkrieg übersiedelte er 1939 nach Hiroshima, wo er über Begegnungen an der Bunrika-Universität dem Zen näher kam. Seit 1943 wurde er von Shimada im Zen unterrichtet. Den Atombombenangriff der Amerikaner auf Hiroshima am 6. August 1945 überlebte er. Die Krise des Selbstverständnisses der Japaner nach dem verlorenen Krieg nahm Lassalle zum Anlass, demokratische Gesellschaftsstrukturen und die christlichen Ansätze verstärkt zu verbreiten. Ab 1947 versuchte er durch sein Engagement für die alte japanische Kultur die Menschen durch Buddha zu Christus zu führen, dazu hielt er gemeinsam mit Zen-Mönchen Vortragsreihen.

Unter dem Namen Makibi Enomiya (愛宮 真備) wurde er japanischer Staatsbürger, 1948 Generalvikar der Diözese Hiroshima. Am 6. August 1954 wurde die von ihm gebaute Friedenskirche in Hiroshima eingeweiht. Wegen Streitigkeiten mit dem Bischof wurde er dort nicht Pfarrer, sondern Koordinator der Missionstätigkeiten im Gebiet um Hiroshima und versuchte in den folgenden Jahren weiter über die Zen-Erfahrung das Christentum zu verbreiten.

Lassalle erteilte 1962, ein Jahr nach dem Tod seines Zen-Meisters Harada Daiun (原田 大雲), im neuen Schulungszentrum zum ersten Mal Exerzitien in Kombination mit Zazen. Im selben Jahr sprach er auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom über neue Formen von Seelsorge und Liturgie.

Immer wieder war sein Ansatz bei christlichen Theologen als Vermischung des Christentums mit als unvereinbar angesehenen Ansätzen des Buddhismus heftigst umstritten. 1973 wurde Lassalles Kensho durch Yamada Kōun anerkannt und Lassalle damit Zen-Meister. Damit war für Lassalle der doppelte Weg ein einziger geworden, den er mit seinem Doppelnamen (Hugo-Makibi Enomiya-Lassalle) unterstrich. Die letzten Jahre seines Lebens sind geprägt von dem Versuch einer tieferen Durchdringung von Zen und Mystik in christlichen und außerchristlichen Erfahrungen und dem Bestreben, die Einheit des Weges als "christlichen Zen" über Meditationskurse (u. a. in Deutschland) zu vermitteln. Von Lassalle angeregt wurden u. a. Willigis Jäger, Niklaus Brantschen und Johannes Kopp.

Am 7. Juli 1990 starb Lassalle nach mehreren Operationen in Münster, nachdem er krankheitsbedingt nach Deutschland zurückgekehrt war.

Christentum und Zen[Bearbeiten]

Seit 1929 war Lassalle für den Jesuiten-Orden in Japan als Missionar tätig. Er fühlte sich von der Kultur und Religion seines Gastlandes angezogen und fand bald zum Zen-Buddhismus. Seit 1943 übte er sich intensiv in der Zen-Praxis.

Anders als bei anderen Vermittlern des Zen-Buddhismus in den Westen (z.B. Daisetz Teitaro Suzuki), lag sein Schwerpunkt auf den Gemeinsamkeiten zur christlichen Mystik. Diese sucht vornehmlich die mystische Erfahrung der unio mystica mit Gott. Das hierzu notwendige Loslassen des Weltlichen und Materiellen, der Zusammenfall der Gegensätze (Coincidentia oppositorum) ins Indifferente findet seine Parallelen im Zen.

Das große Interesse der westlichen Menschen an Zen ist nicht nur die Folge der japanischen Vermittlung eines von der westlichen Philosophie geprägten "Neo-Zen", sondern auch der Verbreitung der christlich gefärbten Interpretation des Zen durch Lassalle.

Lassalles Vision[Bearbeiten]

Enomiya-Lassalle geht es in seinen Schriften und in seiner Praxis als Zen-Meister immer wieder um das zukünftige, sich bereits ankündigende Neue, um ein neues Denken, um einen neuen Menschen. Seine Hoffnungen setzte er dabei auf die Jugend, von der er glaubte, dass diese die Welt neu gestalten müsse - und würde.

Individuelles Bewusstsein des Einzelnen und kollektives Bewusstsein der Menschheit seien, seiner Meinung nach, in einem großen Veränderungsprozess befindlich. Das neue entstehende Bewusstsein werde ein mystisches, aperspektivisches (d.h. absolutes) und auf Erfahrung gründendes sein.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Kraft aus dem Schweigen. Einübung in die Zen-Meditation. 6. Aufl. Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-8436-0183-2
  • Der Versenkungsweg. Zen-Meditation und christliche Mystik. Herder, Freiburg i.Br. u. a. 1992, ISBN 3-451-04142-1
  • Zen-Meditation für Christen. 2. Aufl. Barth, Bern u. a. 1995, ISBN 3-502-64396-2
  • Zen und christliche Mystik. 3. Aufl. Aurum, Freiburg i.Br. 1986, ISBN 3-591-08236-8
  • Am Morgen einer besseren Welt. Der Mensch im Durchbruch zu einem neuen Bewusstsein. Herder, Freiburg im Breisgau 1984.
  • Zen, Weg zur Erleuchtung. Hilfe zum Verständnis. Einführung in die Meditation. 5. Aufl. Herder, Wien u. a. 1976, ISBN 3-210-20115-3

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Petriner, 47. Jahrgang 1989 Seite 38