Humanökologie

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Die Humanökologie behandelt die Beziehungen zwischen Menschen und ihrer (natürlichen) Umwelt. Die zentrale Frage dabei ist, wie Menschen und menschliche Gesellschaften mit der Natur bzw. mit ihrer Umwelt interagieren.

Humanökologie in den USA[Bearbeiten]

Das Forschungsfeld der Humanökologie entstand - nach Vorarbeiten in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Chemikerin Ellen Swallow Richards und den Geographen J. Paul Goode - in den 1920er Jahren durch eine Gruppe von Soziologen der Chicago School, insbesondere durch Robert Ezra Park, Ernest W. Burgess und Robert D. McKenzie in den USA. Weitere wichtige Autoren dieser Zeit waren Howard W. Odum und der indische Soziologe Radhakamal Mukerjee.

Nachdem in den 1950er Jahren humanökologisches Gedankengut innerhalb der Soziologie eher selten vertreten wurde (Ausnahme z.B. Amos Hawley), wurden in den 1970er Jahren humanökologische Themen in der Soziologie insbesondere von William R. Catton (* 1926) and Riley E. Dunlap wieder prominenter aufgegriffen. Die Kernidee von Catton und Dunlap war es, sich von dem Durkheimschen Paradigma wegzubewegen, soziale Tatsachen nur durch soziale Tatsachen zu erklären. Stattdessen wollten sie physikalische und biologische Faktoren als unabhängige, die Sozialstruktur und andere soziale Phänomene beeinflussende Variablen in die Soziologie einbringen. Dieser Paradigmenwechsel kann als Wechsel weg vom klassisch-soziologischen human exemptionalism paradigm (HEP) hin zu einem new ecological paradigm bzw. new environmental paradigm (NEP) beschrieben werden. Gemeint ist damit, dass Menschen nicht länger als Ausnahmespezies betrachtet werden, die kulturfähig und damit auch außerhalb genetischer Evolution anpassungsfähig ist, und die stärker durch soziale als durch biologische Vorgaben beeinflusst wird. Stattdessen werden Menschen im Rahmen der Humanökologie als eine von vielen Spezies betrachtet, die mit der begrenzten natürlichen Umgebung interagiert.

Eine Konfliktlinie zwischen diesem neuen Paradigma und dem klassischen soziologischen Ansatz lag in den Augen vieler Kritiker darin, dass damit Gesellschaft und Kultur abgewertet werden. Dies wurde von manchen Soziologen als Affront betrachtet, hat sich aber heute als Selbstverständlichkeit etabliert und auch in anderen Subdisziplinen (z.B. der Akteur-Netzwerk-Theorie innerhalb der Wissenschaftssoziologie) durchgesetzt.

Der naturwissenschaftliche Ansatz[Bearbeiten]

Auch im deutschsprachigen Raum wird Humanökologie oft naturwissenschaftlich interpretiert, als Gegenströmung zu einer soziologischen Interpretation. Dies basiert unter anderem auf dem Einfluss von Eugene Odum, der in den USA mit einem der ersten umfassenden Lehrbücher für (naturwissenschaftliche) Ökologie (Fundamentals of Ecology, 1959) auch den Menschen ausdrücklich einbezog. Zwar kommt dem Menschen auf Grund seiner großen Anzahl und seiner besonderen Möglichkeiten eine spezielle Rolle für das Ökosystem Erde zu, jedoch gehen Informations-, Energie- und Stoffflüsse durch die menschliche Gesellschaft in durchaus vergleichbarer Weise wie durch die Populationen anderer Arten, so dass eine naturwissenschaftliche Sichtweise berechtigt ist. Ein modernes Lehrbuch der Humanökologie hat beispielsweise Nentwig verfasst.[1]

Einordnung der Humanökologie[Bearbeiten]

Die Humanökologie befindet sich an der Schnittstelle der Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften. Dementsprechend werden humanökologische Ansätze von Vertretern vieler verschiedenster Disziplinen betrieben.

Im Wesentlichen beteiligen sich:

Je nach Fragestellung partizipieren auch andere Nachbardisziplinen wie zum Beispiel Agrarsoziologie, Stadtplanung (siehe dazu Sozialökologie) und Landschaftsplanung, Ökonomie oder die Geschichtswissenschaften

Vor allem in der Geographie, welche sich ja selbst an der Schnittstelle zwischen Sozial- und Naturwissenschaft befindet, ist der humanökologische Ansatz sehr wertvoll. Er hilft, die vermeintlichen Gegensätze von Humangeographie und Physiogeographie zu überwinden, und leistet so einen wertvollen Beitrag zu einer holistischen Mensch-Umwelt-Forschung.

Ein immer wichtigeres Forschungsgebiet im Bereich der Humanökologie ist das Gebiet der nachhaltigen Entwicklung.

Definition der Deutschen Gesellschaft für Humanökologie[Bearbeiten]

Die Deutsche Gesellschaft für Humanökologie definiert die Humanökologie wie folgt:

„Die Humanökologie ist eine neuartige wissenschaftliche Disziplin, deren Forschungsgegenstand die Wirkungszusammenhänge und Interaktionen zwischen Gesellschaft, Mensch und Umwelt sind. Ihr Kern ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die physische, kulturelle, wirtschaftliche und politische Aspekte einbezieht. Der Begriff Humanökologie stammt ursprünglich von den soziologischen Arbeiten der Chicago-Schule um 1920 und verbreitet sich seitdem als Forschungsperspektive in den Natur-, Sozial- und Planungswissenschaften sowie in der Medizin. In einigen Ländern wurden universitäre Lehrstühle eingerichtet.“

Deutsche Gesellschaft für Humanökologie: [2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Glaeser: Humanökologie: Der sozialwissenschaftliche Ansatz. In: Naturwissenschaften. 83, 1996, S. 145-152.
  • Johannes Heinrichs: Öko - Logik. Geistige Wege aus der Klima- und Umweltkatastrophe. Steno, München 2007, ISBN 978-954-449-308-0.
  • Wolfgang Nentwig: Humanökologie. Fakten – Argumente – Ausblicke. 2. Auflage. Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-21160-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Nentwig: Humanökologie. Fakten – Argumente – Ausblicke. 2. Auflage, Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-21160-8
  2. Deutsche Gesellschaft für Humanökologie