Jürgen Roters

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jürgen Roters mit Amtskette, 2012
Jürgen Roters 2010

Jürgen Roters (* 15. Januar 1949 in Coesfeld) ist ein deutscher Jurist, Verwaltungsbeamter, Sportfunktionär und seit dem 21. Oktober 2009 Oberbürgermeister der Stadt Köln. Er ist seit 1967 Mitglied der SPD, verheiratet und hat drei Kinder.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Nach dem Abitur im Jahre 1968 am Gymnasium Coesfeld studierte er von 1968 bis 1974 Rechtswissenschaft und legte 1978 die 2. juristische Staatsprüfung ab. Anschließend arbeitete er im Dienste des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Bezirksregierung Münster, im Kultusministerium und von 1982 bis 1988 als Dozent und Abteilungsleiter an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung des Landes NRW. Von 1988 bis 1994 war er persönlicher Referent und Leiter des Büros des Innenministers Herbert Schnoor.

1994 wurde er Polizeipräsident in Köln und 1999 als Nachfolger von Franz-Josef Antwerpes Regierungspräsident des Regierungsbezirks Köln. Nach dem Regierungswechsel wurde er 2005 in den Einstweiligen Ruhestand versetzt. Danach war er freiberuflich als Autor und Gutachter tätig.[1]

Sport[Bearbeiten]

In den 1960er Jahren war Roters Deutscher Jugendmeister in Wald- und Crosslauf, über 3000 m und 1500 m. Er nahm 1973 als Leichtathlet an der Universiade in Moskau, wo er Siebter über 1500 m wurde, und am Länderkampf Deutschland – USA in München teil. Seit 1990 hat er 25 Marathonläufe im In- und Ausland bestritten.

Er war Mitinitiator des Köln-Marathons und 13 Jahre Erster Vorsitzender des Kölner Vereins für Marathon, seit 2011 ist er Präsident. Außerdem ist er Präsident des Leichtathletikteams der Deutschen Sporthochschule Köln, ehemaliger Vorsitzender des Verwaltungsrats des ASV Köln[2] und Vorsitzender der Zweigstelle der Deutschen Olympischen Gesellschaft Rheinland.[3]

Politik[Bearbeiten]

Jürgen Roters beim „Kandidaten-Check zur Kommunalwahl 2009“. Bühnenprogramm zum CSD-Straßenfest/ColognePride 2009

Am 18. August 2008 wurde Jürgen Roters von den Kölner Parteigliederungen der SPD und der Grünen zum gemeinsamen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl 2009 in Köln nominiert. Am 30. August 2009 wurde er mit über 50 % der Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt. Am 21. Oktober 2009 übernahm er das Amt von seinem Vorgänger Fritz Schramma. Seine Amtszeit endet regulär am 20. Oktober 2015.[4]

Jürgen Roters ist Mitglied im Vorstand des Städtetages Nordrhein-Westfalen und ordentlicher Delegierter des Deutschen Städtetages im sogenannten World Council der World Organisation of United Cities and Local Governments (UCLG), dem Weltverband der Kommunen. Er ist auch stellvertretendes Mitglied im Executive Bureau, dem Vorstand des Verbandes.[5] Das Präsidium des Deutschen Städtetages hat im September 2013 Jürgen Roters zum Vertreter der deutschen Städte im World Council und ins Exekutivkomitee des Weltverbandes „United Cities and Local Governments (UCLG)“ gewählt.[6]

Am 5. März 2012 wurde Jürgen Roters zum Vorsitzenden des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Nordrhein-Westfalen (KAV NW) für die Wahlperiode bis 2013 gewählt, dem größten kommunalen Arbeitgeberverband in der Bundesrepublik Deutschland.[7]

In seiner Funktion als Oberbürgermeister der Stadt Köln ist Roters die Partizipation und Mitnahme der Bürger und gesellschaftlicher Gruppen bei der Entscheidungsfindung ein besonderes Anliegen. Stadtkonferenzen (z. B. zum Haushalt) und „Runde Tische“ (z. B. Opernquartier) sollen Entscheidungsvorlagen transparenter machen.

Roters hatte 2009 in der Affäre um dubiose Sparkassen-Beraterverträge, die u. a. zum Rücktritt der Kölner CDU-Politiker Rolf Bietmann und des Kölner Bürgermeisters Josef Müller führte, die Praxis des „Beutemachersystems“ scharf kritisiert.[8] Er musste sodann aber zugeben, dass er 2006 selbst einen „Beratervertrag“ vom gleichen Geldgeber erhalten hatte, von dem er als Freiberufler ein persönliches Honorar für ein „Gutachten“ erhalten hatte.[9] Nach Aussage Roters war dieser Beratervertrag – im Gegensatz zu den Verträgen des gleichen Geldgebers mit CDU-Politikern – jedoch ein „normaler Vorgang“.[8] Der CDU-Politiker Bietmann hatte sich zu den gegen ihn gerichteten Vorwürfen ähnlich eingelassen.[10] Tatsächlich hat Roters ein Gutachten erstellt, dieses war für den Auftraggeber jedoch nutzlos.[11] Sein Inhalt war für die Sparkasse unbrauchbar, weil es inhaltlich überholt war.[12] Dennoch wurde das Entgelt in Höhe von 35.000 EUR ohne Minderungen gezahlt.[12]

Sonstige Aktivitäten[Bearbeiten]

Roters ist seit 2009 Vorsitzender des Trägervereins Heideportal Gut Leidenhausen, der sich u. a. dem Umbau der Tenne des Guts Leidenhausen zu einer multimedialen Ausstellungshalle widmet und die Erholungs- und Naturschutzlandschaft stärken will.

Roters ist Aufsichtsratsvorsitzender von Köln-Musik und Koelnmesse. Zudem ist er Ehrenvorsitzender des Fördervereins des Kulturfestivals „Sommerblut“ e.V., Ehrenvorsitzender des Fördervereins Nationalpark Eifel e. V. sowie Ehrenmitglied im Förderverein Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße Köln e.V.

Vor seinem Amt als Kölner Oberbürgermeister wohnte Roters 22 Jahre in Düsseldorf-Unterbach und hat dort einen geplanten Container-Bahnhof nahe dem Freizeit- und Naturschutzgebiet Unterbacher See verhindert.[13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Amrhein: Biographisches Handbuch zur Geschichte der Deutschen Leichtathletik 1898–2005. 2 Bände. Darmstadt 2005 publiziert über Deutsche Leichtathletik Promotion- und Projektgesellschaft.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jürgen Roters – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Köln
  2. Mitteilung des ASV Köln für Laufen-in-Koeln, 30. Juni 2011
  3. Stadt Köln (PDF; 100 kB)
  4. KölnSPD vom 29. November 2013: Jürgen Roters bleibt bis 2015 Kölner Oberbürgermeister, abgerufen am 30. November 2013
  5. Jürgen Müllenberg: Weiteres Amt für OB Roters im Weltverband der Kommunen; Pressemitteilung des Amtes für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln vom 19. Oktober 2010
  6. Gregor Timmer: Kölns Oberbürgermeister im Führungsgremium von Weltverband. Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 18. September 2013, abgerufen am 19. September 2013.
  7. Pressemitteilung der Stadt Köln vom 6. März 2012
  8. a b Carsten Fiedler, Detlev Hüwel, Gerhard Voogt: Klüngel-Affäre: Stadtchefs verlangen Aufklärung; Artikel in der Rheinischen Post vom 4. Februar 2009.
  9. Kristian Frigelj: Kölner Sparkassen-Skandal um Beraterverträge weitet sich aus; Artikel in Die Welt vom 5. Februar 2009.
  10. Andreas Damm: Rolf Bietmann bestätigt Beratervertrag; Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger vom 20. Januar 2009.
  11. Kristian Frigelj: Kölle und „dat leeve Jeld“; Artikel in der Welt am Sonntag vom 8. Februar 2009.
  12. a b 35.000 Euro für Gutachten erhalten: Auch Roters war für die Sparkasse tätig; Artikel auf koeln.de vom 4. Februar 2009.
  13. wz-newsline.de: Jürgen Roters im Interview: Der Köln-Düsseldorfer, 13. April 2012