Jammu & Kashmir National Conference

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Das Parteibanner der Jammu & Kashmir National Conference ist von der Staatsflagge von Jammu und Kashmir abgeleitet und zeigt einen stilisierten Pflug

Jammu & Kashmir National Conference (JKNC) ist eine politische Partei im indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir.

Geschichte[Bearbeiten]

Britisch-Indien[Bearbeiten]

Mohammed Abdullah (3. von links) mit anderen kaschmirischen Aktivisten 1931

Im Oktober 1932 wurde die All Jammu and Kashmir Muslim Conference durch Scheich Mohammed Abdullah gegründet. Das Ziel dieser ersten politischen Partei im damaligen indischen Fürstenstaat Kashmir und Jammu war die Interessenvertretung der Bevölkerung im absolutistisch regierten Fürstentum und die Integration des Landes nach Indien. Entgegen der Namensgebung wandte sich die Partei von Anfang an nicht nur an Muslime, sondern auch an Angehörige anderer Glaubensrichtungen. Am 10./11. Juni 1939 wurde die Partei deswegen schließlich von „Muslim Conference“ in „National Conference“ umbenannt. Strenggläubige Muslime verließen daraufhin die Partei und gründeten unter dem alten Namen All Jammu and Kashmir Muslim Conference eine neue, rein muslimische Partei.

Anlässlich des 100. Jahrestages des Vertrags von Amritsar nach dem ersten Sikh-Krieg wurde im Mai 1946 durch Mohammed Abdullah und die JKNC die Bewegung „Quit Kashmir“ ins Leben gerufen. Die Bewegung hatte das Ziel, den damaligen Verkauf Kaschmirs durch die Britische Ostindien-Kompanie an den Raja von Jammu Gulab Singh als Unrecht zu brandmarken und forderte den Anschluss Kaschmirs an Indien. Mohammed Abdullah wurde daraufhin mit mehreren Gesinnungsgenossen inhaftiert und des Umsturzversuchs angeklagt. Nach massiven Protesten in der indischen Öffentlichkeit und nachdem auch sein damaliger Freund Jawaharlal Nehru sich anerboten hatte, die Verteidigung vor Gericht zu übernehmen, wurde er nach 16 Monaten Haft im September 1947 wieder freigelassen. Nach der Teilung Britisch-Indiens und der Bildung des Moslem-Staates Pakistan am 14. August 1947 fielen von Pakistan unterstützte Freischärler in Kaschmir ein. Der Maharaja von Kashmir und Jammu Hari Singh floh aus seiner Residenz Srinagar und unterzeichnete am 26. Oktober 1947 einen Vertrag über den Anschluss seines Fürstenstaats an Indien. Daraufhin marschierten indische Truppen in Kaschmir ein was zum ersten indisch-pakistanischen Krieg führte. Am 30. Oktober 1947 wurde Mohammed Abdullah durch den Maharaja mit der Leitung der Staatsgeschäfte in Kaschmir beauftragt.

Nach der Unabhängigkeit Indiens 1947[Bearbeiten]

Mohammed Abdullah bei einer Rede in Srinagar 1975

Bei den ersten Wahlen zum Regionalparlament von Jammu und Kashmir im September 1951 gewann die JKNC alle 75 Sitze, wobei sie praktisch keine Gegenkandidaten hatte. Mohammed Abdullah wurde Premierminister von Jammu und Kashmir und blieb in diesem Amt bis zu seiner Absetzung und Inhaftierung am 8. August 1953. Er wurde der Verschwörung gegen den Staat angeklagt und unter dem Kashmir Conspiracy Case zu elf Jahren Haft verurteilt. Sein Nachfolger im Amt des Premierministers wurde sein bisheriger Stellvertreter und Deputy Prime Minister Bakshi Ghulam Mohammad, der als Vertrauter Nehrus galt. Im Februar 1975 wurde Abdullah wieder Chief Minister von Jammu und Kashmir. Die Wahlen zum Regionalparlament 1977 gewann die JKNC und nach Abdullahs Tod am 8. September 1982 folgte ihm sein Sohn Farooq Abdullah in diesem Amt. Bei den Wahlen im Juni 1983 erhielt die von Farooq Abdullah geführte JKNC erneut eine deutliche Stimmenmehrheit. Im Juli kam es zur Abspaltung eines Parteiflügels der JKNC unter Führung des Schwagers von Farooq Abdullah, Ghulam Mohammad Shah. Letztlich aus rein machtpolitischem Kalkül wurde Farooq Abdullah auf Betreiben Indira Gandhis durch den Gouverneur Jagmohan entlassen und Ghulam Mohammad Shah wurde an seiner Stelle zum Chief Minister ernannt. Jedoch wurde auch dessen Regierung im März 1986 entlassen und Jammu und Kashmir wurde unter president’s rule gestellt. Bei den Regionalwahlen 1987 gewann die JKNC, die ein Wahlbündnis mit der Kongresspartei eingegangen war, eine Mehrheit und Farooq wurde erneut Chief Minister. Allerdings kam es bei dieser Wahl zu eklatanten Unregelmäßigkeiten, so dass sie weithin als manipuliert angesehen wurde. Der Wahlgewinner Farooq Abdullah wurde dadurch in den Agen vieler Kaschmiris diskreditiert.[1]

1990 wurde Abdullah erneut auf Betreiben der indischen Zentralregierung unter V. P. Singh abgesetzt, da Jammu und Kashmir durch die Aktivitäten islamischer Mudschaheddin und anderer Freischärler, die vom benachbarten Pakistan aus logistisch unterstützt wurden, in einen Zustand der Anarchie geraten war. Jammu und Kashmir wurde wieder unter president's rule gestellt. Jammu und Kashmir nahm auch nicht an den gesamtindischen Parlamentswahlen 1991 teil. Bei den Wahlen 1996 gewann die von Farooq geführte JKNC 57 der 87 Sitze. In den Wahlen 2002 erhielt sie jedoch nur 28 Sitze. Bei den Wahlen vom Dezember 2008 wurde die mittlerweile von Farooqs Sohn Omar Abdullah geführte JKNC mit 28 Sitzen stärkste Partei, vor der Kongresspartei, die 17 Sitze gewann. Am 5. Januar 2009 wurde Omar Abdullah Chief Minister einer Koalitionsregierung. Bei der Parlamentswahl in Indien 2009 erhielt die JKNC knapp 500.000 Stimmen (0,12 % der gesamtindischen Stimmen) und gewann damit 3 der 6 Wahlkreise in Jammu und Kashmir. Farooq Abdullah wurde danach im Kabinett der Koalitionsregierung unter Premierminister Manmohan Singh Minister für neue und regenerative Energien. Bei der Parlamentswahl in Indien 2014 schloss sich die JKNC erneut der von der Kongresspartei geführten Parteienkoalition der United Progressive Alliance an, konnte aber keinen Wahlkreis gewinnen.

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt die Wahlergebnisse bei den gesamtindischen Parlamentswahlen sowie zu den Wahlen in Jammu und Kashmir.[2]

Jahr Wahl Parlamentssitze
1951 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 1951[3]
75/75
1957 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 1957[3]
68/75
1962 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 1962[4]
70/75
1967 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1967
1/522
1967 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 1967[5]
8/75
1971 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1971 (keine Teilnahme)
0/520
1972 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 1972 (keine Teilnahme)[6]
0/75
1977 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1977
2/544
1977 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 1977[7]
47/76
1980 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1980
3/529
1983 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 1983[8]
46/76
1984 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1984
3/514
1987 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 1987[9]
40/76
1989 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1989
3/529
1996 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1996
0/543
1996 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 1996[10]
57/87
1998 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1998
3/543
1999 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1999
4/543
2002 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 2002[11]
28/87
2004 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 2004
2/543
2008 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 2008[12]
28/87
2009 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 2009
3/543
2014 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 2014
0/543
2014 Jammu-Kashmir-flag.svg Parlamentswahl in Jammu und Kashmir 2014[13]
15/87

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Altaf Hussain: Kashmir's flawed elections. BBC News, 14. September 2002, abgerufen am 4. Dezember 2014 (englisch).
  2. Election Results - Full Statistical Reports. Election Commission of India, abgerufen am 19. April 2014 (englisch).
  3. a b Mayilvaganan: A Survey of Elections in Kashmir. Institute of Peace and Conflict Studies Jawaharlal Nehru University, Delhi, abgerufen am 19. April 2014 (englisch).
  4. Statistical Report on General Election, 1962 to the Legislative Assembly of Jammu and Kashmir. Election Commission of India, abgerufen am 19. April 2014 (PDF, englisch).
  5. Statistical Report on General Election, 1967 to the Legislative Assembly of Jammu and Kashmir. Election Commission of India, abgerufen am 19. April 2014 (PDF, englisch).
  6. Statistical Report on General Election, 1972 to the Legislative Assembly of Jammu and Kashmir. Election Commission of India, abgerufen am 19. April 2014 (PDF, englisch).
  7. Statistical Report on General Election, 1977 to the Legislative Assembly of Jammu and Kashmir. Election Commission of India, abgerufen am 15. April 2014 (PDF, englisch).
  8. Statistical Report on General Election, 1983 to the Legislative Assembly of Jammu and Kashmir. Election Commission of India, abgerufen am 19. April 2014 (PDF, englisch).
  9. Statistical Report on General Election, 1987 to the Legislative Assembly of Jammu and Kashmir. Election Commission of India, abgerufen am 19. April 2014 (PDF, englisch).
  10. Statistical Report on General Election, 1996 to the Legislative Assembly of Jammu and Kashmir. Election Commission of India, abgerufen am 19. April 2014 (PDF, englisch).
  11. Statistical Report on General Election, 2002 to the Legislative Assembly of Jammu and Kashmir. Election Commission of India, abgerufen am 19. April 2014 (PDF, englisch).
  12. Statistical Report on General Election, 2008 to the Legislative Assembly of Jammu and Kashmir. Election Commission of India, abgerufen am 19. April 2014 (PDF, englisch).
  13. PDP largest party in J&K, BJP to form govt. in Jharkhand. The Hindu, abgerufen am 23. Dezember 2014 (englisch).