Jean-Claude Gaudin

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Jean-Claude Gaudin, während einer Wahlveranstaltung 2008

Jean-Claude Gaudin (* 8. Oktober 1939 in Marseille, Stadtbezirk Mazargues) ist ein französischer Politiker, Senator des Départements Bouches-du-Rhône, Bürgermeister von Marseille und Präsident der Communauté urbaine Marseille Provence Métropole.

Leben[Bearbeiten]

Der ehemalige Lehrer für Geschichte und Geographie, der über 15 Jahre unterrichtete, nahm bereits in jungen Jahren am politischen Leben teil. 1965 wurde er das jüngste Mitglied des Marseiller Stadtrats, 1971 wurde er wiedergewählt.

1973 trat er den Républicains indépendants (Unabhängige Republikaner), einer liberalen politischen Partei bei, im darauffolgenden Jahr unterstützte er die Wahlkampagne Valéry Giscard d’Estaings, des damaligen Parteiführers, der kurz darauf Präsident wurde.

Im März 1978 errang er als Kandidat der bürgerlich-liberalen UDF im zweiten Wahlkreis von Bouches-du-Rhône mit 53,7 % der abgegebenen Stimmen einen Wahlsieg gegen den bisherigen sozialistischen Abgeordneten Charles Emile Loo, den es ihm auch im Juni 1981 zu verteidigen gelang. Seine Abgeordnetenkollegen drängten ihn dann in den Parteivorsitz der UDF. Im März 1982 gewann er auf den ersten Anlauf die Kantonalwahlen im zwölften Kanton mit dem Rekordergebnis von 72,82 % aller abgegebenen Stimmen. Bei den Kommunalwahlen 1983 in Marseille führte er die Liste der Opposition gegen den damaligen sozialistischen Innenminister Gaston Defferre an, welcher sein langjähriges Amt als Bürgermeister trotz eines Vorsprungs von 2.497 Stimmen seitens Gaudin bewahren konnte. 1986 führte er bei der Wahl der Nationalversammlung und den Regionalwahlen die Listen der UDF im Département Bouches-du-Rhône an. In allgemeiner und direkter Wahl wurde er zum ersten Präsidenten des Conseil Régional („Regionalrat“) Provence Alpes Côte d’Azur gewählt.

Zwei Jahre später, nach dem Auflösen der Nationalversammlung, wurde er zum vierten Mal zum Abgeordneten in Bouches-du-Rhône wiedergewählt, immer noch im zweiten Wahlkreis von Marseille, mit über 60 % der abgegebenen Stimmen. Seine Parteikollegen sprachen ihm erneut ihr Vertrauen aus, indem sie ihn wieder in den Fraktionsvorsitz der UDF in der Nationalversammlung wählten.

März 1989 kandidierte er das zweite Mal für das Amt des Bürgermeisters von Marseille, doch sein Versuch scheiterte abermals. Im September desselben Jahres war er Kandidat bei den Senatswahlen, da er damit rechnete, dass die den Gemeinden näherstehende Haute Assemblée eine Ergänzung seiner durch sein regionales Amt, dessen Ausübung durch sein Abgeordnetenmandat schwieriger geworden war, gewonnenen Handlungsspielräume erlauben würde. Kaum gewählt, half er seinem Stellvertreter, dem Medizinprofessor Jean-François Mattéi, mit Erfolg dabei, ihn in seinem Stammwahlkreis, Bouches-du-Rhône, zu ersetzen.

1992 erzwang die Erneuerung des Conseil Régional Provence Alpes Côte d’Azur eine Wahl, bei der Gaudin hier gegen den französischen Schauspieler und Geschäftsmann Bernard Tapie und den rechtsextremen Jean-Marie Le Pen antrat. Gaudin gewann die Wahl.

Mit einer absoluten Ratsmehrheit von 55 von 101 Stimmen wurde Gaudin am 25. Juni 1995 zum Bürgermeister von Marseille gewählt, im September wurde er von den republikanischen und den unabhängigen Senatoren zu ihrem Fraktionsvorsitz im Senat gewählt. Am 7. November des Jahres hielt er als Kopf des Ministère de l’Aménagement du Territoire, de la Ville et de l’intégration, das er nach Auflösung der Nationalversammlung Juni 1997 wieder verließ, Einzug in die zweite Regierung des Premierministers Alain Juppé.

Am 6. Oktober 1998 wurde er Vizepräsident des Senats. Am 15. September 2000 wurde er zum Präsidenten der neuen Communauté Urbaine von Marseille Provence Métropole gewählt. Sie war auf seine Initiative hin nach Lyon und Lille als dritte Communauté Urbaine geschaffen worden und umfasste 18 Gemeinden und 980.000 Einwohner.

2001 und 2008 gewann Gaudin die Wiederwahl zum Bürgermeister von Marseille. Am 17. November 2002 wurde er zum Vizepräsidenten der konservativen Regierungspartei UMP gewählt, am 28. November 2004 wurde er wiedergewählt. Es gelang ihm, Marseille 2013 zur Kulturhauptstadt Europas zu machen.[1] Eine Ämterhäufung wie bei Gaudin als Verbindung eines kommunalen mit einem nationalen Mandat ist in Frankreich häufig; die sozialistische Regierung hat ihr allerdings den Kampf angesagt.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jean-Claude Gaudin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oliver Meiler: In den Ghettos von Marseille., tagesanzeiger.ch vom 11. Januar 2013, abgerufen am 11. Januar 2013
  2. Frankreich soll die Ämterhäufung abschaffen., welt.de vom 9. November 2012, abgerufen am 11. Januar 2013