Bernard Tapie

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Bernard Tapie im Jahr 2010

Bernard Tapie (* 26. Januar 1943 in Paris) ist ein französischer Geschäftsmann, Politiker und Schauspieler.

Unternehmer[Bearbeiten]

Anfänge und Erfolge[Bearbeiten]

In einfachen Verhältnissen in Paris geboren und Le Bourget aufgewachsen, fing er nach seinem Militärdienst 1963 als Verkäufer von Fernsehgeräten an und machte sich ab 1964 selbständig. 1977 erwarb er die Papierfabrik Duverger und verkaufte sie zwei Jahre später mit Gewinn weiter. 1979 gründete er in Paris die Beteiligungsgesellschaft Groupe Bernard Tapie. Das Geschäftsmodell war der Kauf und die Sanierung insolventer Unternehmen. Später wurde ihm vorgeworfen, die Unternehmen auszuplündern. Es entstand ein Konglomerat unterschiedlichster Unternehmensbeteiligungen (unter anderem Testut, Look, Terraillon, La Vie Claire, Wonder, Manufrance und vor allem Adidas), das weitgehend von der damals staatlichen Bank Crédit Lyonnais finanziert wurde. Anfang der 1990er Jahre wies die Groupe Bernard Tapie jährlich einen Gewinn von fünf Milliarden Franc aus.

Konkurs[Bearbeiten]

Anfang der 90er Jahre geriet Tapie zunehmend in die Kritik und mit dem Kollaps des Crédit Lyonnais 1993 verlor er auch die Unterstützung seiner Bank. Im Herbst 1994 erklärte Bernard Tapie seine Insolvenz. Im Juli 1996 wurde er im Rahmen der Affaire Testut wegen Untreue zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 300.000 Franc verurteilt. Ende 1996 wurde er erneut wegen Insolvenzvergehen, Unterschlagung und Bestechung insbesondere im Rahmen der Affaire OM für schuldig befunden und zu acht Monaten Haft verurteilt, von denen er 1997 sechs Monate absaß.

Adidas-Affäre[Bearbeiten]

In Deutschland wurde Tapie vor allem durch den Kauf der Aktienmehrheit des Sportartikelherstellers Adidas im Jahre 1990 bekannt. Der spätere Verkauf dieser Beteiligung beschäftigte dann über ein Jahrzehnt die Gerichte: Tapie beauftragte Crédit Lyonnais 1994 mit dem Verkauf seiner Anteile, die die Bank für 2,085 Milliarden Franc selbst erwarb und wenige Monate später für fast das Doppelte an Robert Louis-Dreyfus verkaufte. Tapie warf Crédit Lyonnais vor, ihn und die anderen Aktionäre um den Mehrerlös geprellt zu haben. 2005 wurde Tapie 135 Millionen Euro Schadenersatz zugesprochen. Das Urteil wurde jedoch vom Pariser Kassationsgericht aufgehoben. Ein anschließendes Schiedsgerichtsverfahren sprach Tapie im Juli 2008 einen endgültigen Schadensersatz von 285 Millionen Euro zu; es kam schließlich zu einer Zahlung von 403 Millionen Euro (einschließlich Zinsen) an Tapie.

Die Entscheidung der Regierung, den Streit durch ein Schiedgerichtsverfahren beizulegen, war politisch umstritten, und im Juni 2011 nahm die französische Justiz Ermittlungen unter anderem gegen die damalige Wirtschaftsministerin Christine Lagarde auf. Im Januar 2013 erfolgten im Rahmen dieser Ermittlungen Hausdurchsuchungen unter anderem bei Tapie und Stéphane Richard, CEO von France Telecom und damaliger Kabinettschef von Christine Lagarde, im März 2013 auch bei Lagarde selbst. Ende Juni 2013 wurde in dieser Sache ein gerichtliches Untersuchungsverfahren gegen Tapie mit der Begründung "eines bandenartig organisierten Betruges" eröffnet, da verschwiegenen vorherige Beziehungen zwischen einem der Schiedsrichter und Tapie ans Licht gekommen waren.

Jüngste Geschäfte[Bearbeiten]

Im Dezember 2012 übernahm Tapie gemeinsam mit Philippe Hersant für 50 Millionen Euro eine Reihe südfranzösischer Zeitungen, darunter La Provence, Nice-Matin und dessen Ableger Var-Matin und Corse-Matin, die aus der überschuldeten Groupe Hersant Média herausgelöst wurden.

Politiker[Bearbeiten]

Bernard Tapie war als Politiker der radikalen (sozialliberalen) Partei aktiv. Unter der sozialistischen Regierung von Premierminister Pierre Bérégovoy war er vom 2. April 1992 bis zum 3. Juni 1992 und vom 26. Dezember 1992 bis zum 29. März 1993 französischer Minister für die Belange der Städte (Ministre de la Ville). 1988 und erneut im März 1993 wurde er für das Département Bouches-du-Rhône in die Französische Nationalversammlung gewählt.

2007 und 2012 unterstützte Tapie den Wahlkampf des konservativen Kandidaten Nicolas Sarkozy.

Sport[Bearbeiten]

Bernard Tapie war Anfang der 60er-Jahre als Fahrer in der Formel 3 tätig; nach einem schweren Unfall gab er aber den Motorsport auf. Mitte der 80er Jahre erregte Tapie Aufsehen mit der Übernahme des französischen Radsportteams La Vie Claire. Auf der Gehaltsliste des Teams standen Namen wie Bernard Hinault, Greg LeMond, Steve Bauer, Andrew Hampsten und Jean-François Bernard. „La Vie Claire“ avancierte in der Zeit von 1983 bis 1987 zu einer der erfolgreichsten Mannschaften des Jahrzehnts und errang mehrere wichtige Siege, darunter auch drei Erfolge bei der Tour de France durch LeMond und Hinault.

Bernard Tapie war von 1986 bis 1994 Aktionär und Präsident des französischen Fußballvereins Olympique Marseille. In dieser Zeit war der Verein außerordentlich erfolgreich. Olympique Marseille erreichte von 1989 bis 1993 fünf nationale Titel in Folge, gewann 1989 den nationalen Pokal und siegte 1993 in der UEFA Champions League.

Diese Erfolge waren jedoch nicht nur sportlich erreicht worden. Vereinspräsident Tapie hatte vor dem Punktspiel gegen US Valenciennes Bestechungsgelder gezahlt und so regelwidrig zu den Erfolgen seiner Mannschaft beigetragen. Die französische Meisterschaft wurde Olympique Marseille aberkannt, der Verein 1994 in die Zweite Liga zurückgestuft und Tapie selbst im Jahr 1997 in zweiter Instanz zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Entertainer[Bearbeiten]

Nach ersten erfolglosen Versuchen als Sänger und Entertainer in den 60er-Jahren und Auftritten als Fernsehmoderator in den späten 80er-Jahren, begann Tapie nach seiner Insolvenz im Jahr 1996, als Schauspieler, Musiker, Moderator und Schriftsteller tätig zu werden, weil es ihm nicht mehr möglich war, seine früheren Interessen zu verfolgen: Er war persönlich bankrott und konnte daher keine Unternehmungsgründungen vornehmen, er durfte kein politisches Amt ausführen, und er war aus dem Fußball verbannt. Zunächst wandte er sich dem Film zu. Er spielte, zusammen mit Fabrice Luchini, in Claude Lelouchs Film Hommes, femmes, mode d’emploi (Männer, Frauen: Ein Handbuch) aus dem Jahr 1996.

Im Jahr 1998 wirkte er in dem Lied C’est beau la vie des französischen Künstlers Doc Gynéco mit.

Unter dem Titel Wer ist Bernard Tapie? wurde im Jahr 2001 von der amerikanischen Filmemacherin Marina Zenovich ein Dokumentarfilm über Tapie gedreht.

Weblinks[Bearbeiten]