Jeffrey Sachs

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Jeffrey Sachs (2005)

Jeffrey D. Sachs (* 5. November 1954 in Detroit) ist ein US-amerikanischer Ökonom und seit 2002 Sonderberater der Millennium Development Goals. Er ist Direktor des UN Sustainable Development Solutions Network sowie Direktor des Earth Institute an der Columbia University.[1]

Karriere[Bearbeiten]

1976 erhielt Sachs den Bachelorabschluss summa cum laude von der Harvard University und 1980 seinen Doktortitel, ebenfalls von der Harvard University.

1980 wurde er zunächst Lehrbeauftragter, 1983 auch Professor an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Harvard University.

Im Jahr 2002 wurde Sachs Direktor des „The Earth Institute at Columbia University“, Professor für nachhaltige Entwicklung und Professor für Gesundheitspolitik und -management an der Columbia Universität. Er ist ebenfalls Sonderberater für die Millennium Development Goals des Generalsekretärs der Vereinten Nationen Ban Ki-moon und Forschungsmitglied am National Bureau of Economic Research. Sachs war außerdem Berater für den IWF, die Weltbank, die OECD, die WTO und das UNDP.

In den 1980er und 1990er Jahren war er beratend für mehrere Staaten mit wirtschaftlichen Problemen aktiv: ab 1985 in Bolivien, ab 1989 in Polen, ab 1991 in Russland. 1989 schloss Jugoslawien mit dem IWF das so genannte "Marković-Sachs-Programm" ab, welches nur auf Drängen des IWF zustande kam. Innerhalb weniger Monate wurde 1989/90 eine radikale Importliberalisierung durchgeführt, die bis Ende 1990 2.435 Betriebe mit insgesamt 1,3 Millionen Beschäftigen in Konkurs gehen ließ. Das Bruttosozialprodukt Jugoslawiens sank 1990 um 7,5 Prozent und 1991 um 15 Prozent.[2]

Vor allem für die von ihm empfohlene Politik der raschen Privatisierung im Stil einer Schocktherapie (siehe auch Coupon-Privatisierung) trug ihm Kritik ein. Viele Ökonomen, wie zum Beispiel Joseph E. Stiglitz[3], sind der Meinung, dass diese radikal-neoliberale Herangehensweise zum raschen wirtschaftlichen Zusammenbruch des Ostblocks beigetragen habe. Ab 1994 war Sachs in Indien aktiv, seit 1995 beschäftigt er sich besonders mit Afrika.

Ziele[Bearbeiten]

Seine Idee, Entwicklungshilfe auf einer „klinischen Analyse“ des jeweiligen konkreten Patienten zu begründen, verwirft alle einfachen Problemlösungsvorschläge – ob diese nun marktradikaler („der Freihandel löst alle Probleme“) oder globalisierungskritischer und antikapitalistischer („die globalen Konzerne beuten die Armen aus und sind schuld an Hunger und Elend“) Natur sind.

Seine Forschungsinteressen gelten insbesondere der Verbindung zwischen Gesundheit und wirtschaftlicher Entwicklung, ökonomische Geographie, Globalisierung, Transformation zur Marktwirtschaft, internationalen Finanzmärkten, internationaler makroökonomischer Politikkoordination, emerging markets, Entwicklungsökonomik und wirtschaftliches Wachstum, globalem Wettbewerb und makroökonomischer Wirtschaftspolitik in Entwicklungs- und Industrieländern.

Sachs engagiert sich für weitgehenden Schuldenerlass für extrem arme Staaten und im Kampf gegen Krankheiten, insbesondere HIV/AIDS in Entwicklungsländern. Er kritisiert die WTO und den IWF, weil die Geldgeber dieser Organisationen nicht bereit seien, effektive Hilfe für die extrem Armen zu leisten. Der amerikanischen Regierung wirft er vor, dass sie nicht bereit sei, 0,7 % des Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen.

Sachs wurde für seine Forderung, die Entwicklungshilfe weiter zu steigern, von William Easterly kritisiert, da diese in der Vergangenheit höchstens bescheidene Erfolge erzielt hätte und eine „Planer-Mentalität“ bzw. ein Top-Down-Ansatz wenig effektiv sei.

Ehrungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Developing country debt and economic performance (National Bureau of Economic Research Project Report). University of Chicago Press, Chicago, Ill. 1989
  1. The international financial system, ISBN 0-226-73332-7.
  2. Country studies. Argentina, Bolivia, Brazil, Mexico, ISBN 0-226-73333-5.
  3. Country studies. Indonesia, Korea, Philippines, Turkey, ISBN 0-226-73335-1.
  • Developing country debt and the world economy (National Bureau of Economic Research Project Report). University of Chicago Press, Chicago, Ill. 1989, ISBN 0-226-73338-6.
  • Development economics. Inframarginal versus marginal analysis. OUP, Oxford 2001, ISBN 0-631-22003-8.
  • Das Ende der Armut. Ein ökonomisches Programm für eine gerechtere Welt (The end of poverty). Edition Pantheon, München 2006, ISBN 3-570-55012-5.
  • In die Entwicklung investieren. Ein praktischer Plan zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele (Investing in development). Vereinte Nationen, New York 2005.
  • Makroökonomik in globaler Sicht (Macroeconomics in the global economy). Oldenbourg Verlag, München 2001, ISBN 3-486-25826-5 (zusammen mit Felipe Larraín Bascuñán)
  • Poland’s jump to the market economy (Lionel Robbins Lectures; 3). MIT Press, Cambridge, Mass. 1994, ISBN 0-262-69174-4.
  • The rule of law and economic reform in Russia (John M. Olin Critical Issues Series). Westview Press, Boulder, Colo. 1997, ISBN 0-8133-3314-8 (zusammen mit Katharina Pistor)
  • Stagflation in the World Economy. University Press, Cambridge, Mass. 1985, ISBN 0-674-23475-8 (zusammen mit Michael Bruno)
  • Wohlstand für viele. Globale Wirtschaftspolitik in Zeiten der ökologischen und sozialen Krise (Common wealth). Siedler, München 2007, ISBN 978-3-88680-860-1.

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sustainable Development Solutions Network: Jeffrey Sachs. Abgerufen am 14. Juli 2014.
  2. Jörg Roesler: Mit oder ohne westliches Geld? Der IWF und die sozialistischen Staaten, in: WeltTrends, Jg. 16, H. 59, 2008, S. 85-96 (hier: S.92).
  3. Joseph Stiglitz: The ruin of Russia, in: The Guardian, 9. April 2003.
  4. Bernhard-Harms-Preis. ifw-kiel.de, abgerufen am 15. Juni 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jeffrey Sachs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien