Joel Kinnaman

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Joel Kinnaman (2013)

Joel Kinnaman (* 25. November 1979 in Stockholm als Charles Joel Nordström) ist ein schwedischer Schauspieler.

Leben[Bearbeiten]

Joel Kinnaman ist der Sohn einer schwedischen Psychotherapeutin und eines amerikanischen Deserteurs des Vietnamkrieges. Dieser lebte fünf Jahre in Laos, bevor er nach Schweden kam und Handwerker wurde.[1] Während einer Phase mangelnder Schauspielengagements bereiste Joel Kinnaman vier Monate lang einige der Orte, „von denen sein Vater einst sprach“ (jag besökte flera ställen farsan hade berättat om).[2]

Kinnaman hat fünf Schwestern, wovon eine die schwedische Schauspielerin Melinda Kinnaman ist. Laut eigener Aussage ist er jüdischer Abstammung.[3]

Noch zu seiner Zeit auf dem Gymnasium lernte er den heutigen schwedischen Schauspieler Gustaf Skarsgård kennen, der ihn überredete, es mal mit Theater zu probieren.[2] Auch mit dem Regisseur des Films Snabba Cash, Daniél Espinosa, verbindet ihn eine langjährige Freundschaft. Kinnaman sollte bereits bei Espinosas Debütfilm Babylonsjukan mitspielen, was aber durch die Schauspielschule nicht ermöglicht wurde.[4]

Joel Kinnaman besitzt sowohl die schwedische als auch US-amerikanische Staatsbürgerschaft und wohnt momentan in Los Angeles.[5]

Karriere[Bearbeiten]

Von 2004 bis 2007 besuchte er die Theaterhochschule in Malmö, wo er unter Gastdozenten wie Staffan Göthe und Ann Petrén sein Handwerk erlernte.[3]

Parallel zu seinen Filmrollen widmete er sich dem Theater. So erhielt er für seine Darstellungen in In A Dark And Northern Place unter der Regie von Mattias Andersson bereits Kritikerlob. Der eigentliche Durchbruch gelang ihm aber erst später mit dem Stück Schuld und Sühne, ebenfalls unter der Regie von Andersson. Aufgrund seiner Darstellung des Raskolnikow erhielt er seine ersten Theaterpreise, darunter den Såstaholms pris till Höstsols minne.

Die ersten schwedischen Filmerfolge[Bearbeiten]

Obwohl er bereits einen gewissen nationalen Erfolg durch Filme wie Hannah med H, Storm und Tjenare kungen – welche allesamt erfolgreiche und durch Kritikerlob angesehene Filme waren – aufweisen konnte, gelang ihm erst mit Arn – Riket vid vägens slut international für Aufmerksamkeit zu sorgen. Seine Rolle des Sverker Karlsson sorgte dafür, dass er für die Johan-Falk-Filmreihe, die in Deutschland unter dem Namen GSI – Spezialeinheit Göteborg bekannt ist, für die Rolle des Frank Wagner in Frage kam. Der Part ist dem ehemaligen schwedischen Polizisten Peter Rätz angelehnt, der mehrere Jahre die Hells Angels und Bandidos infiltrierte und heute in einem Zeugenschutzprogramm im Ausland lebt. Kinnaman besuchte ihn vier Tage lang und lernte sein Verhalten kennen, um dieses dann später im Film zu verwenden.[2] Dies machte er so überzeugend, dass er 2010 bei der Verleihung des schwedischen Filmpreises Guldbagge eine Nominierung als bester Nebendarsteller erhielt. Auch der finanzielle Erfolg der Filmreihe ließ sich sehen – neben 400.000 verkauften DVDs sahen sich die Filme ein Millionpublikum im Fernsehen auf TV4 an.[6] Zum Erfolg meinte Kinnaman nur, dass sein Buchhalter wegen seines Kontostandes einen Schock bekam (Min revisor är i chocktillstånd), denn er hatte leider keinerlei Einnahmebeteiligung an den Werken (jag har inga procent på intäkterna).[6]

Auch sein folgender Film Easy Money war ein nationaler wie internationaler Erfolg. Neben Kritikerlob erhielt der Film zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen, darunter 2011 auch eine Guldbagge als Bester Hauptdarsteller für Kinnaman. Dieser hatte das Drehbuch bereits zu den Dreharbeiten der GSI-Filme gelesen und wegen eigener Parallelen zu seiner kriminellen Jugend und Vergangenheit zugesagt. Zwischen den beiden Drehs lagen gerade mal drei Tage Zeit und Kinnaman, der gebürtige Stockholmer, kehrte nach sechs Jahren in Malmö und Göteborg für den Dreh in seine alte Heimat zurück.[1]

Der Schritt nach Hollywood[Bearbeiten]

Aufgrund dieser Erfolge wurde Kinnaman für die Rollen des Marvel-Helden Thor für den gleichnamigen Film und des Max Rockatansky für den vierten Teil der Mad Max-Reihe in Betracht gezogen. Beide Rollen bekam er aber nicht. Für die Rolle des Thors wurde er in Betracht gezogen, weil „man jemanden mit skandinavischem Touch wollte“ (De ville ha någon med skandinavisk touch)[2], doch er konnte keine Probeaufnahmen mit Natalie Portman machen, da er in die Dreharbeiten zu Snabba Cash involviert war (Tyvärr kunde jag inte flyga över och provfilma mot Natalie Portman, det krockade med inspelningen av ”Snabba cash”.).[2] Für die Rolle des Max Rockatansky sah es, laut Kinnamans Aussage, vielversprechender aus. Er sei „nah dran gewesen, die Hauptrolle für Mad Max 4 zu bekommen“ (Det var riktigt nära att jag fick huvudrollen i „Mad Max 4“).[4] Die Entscheidung bestand zwischen ihm „und zwei weiteren, und die Rolle bekam Tom Hardy“. (Det stod mellan mig och två andra, och den som fick rollen var Tom Hardy).[4]

Shelly Brown, Kinnamans Agent und ebenfalls Agent von Rachel McAdams, Helena Bonham Carter[7] und Johnny Depp[4], gab im Frühling 2010 bekannt, dass sein Schützling in Moskau unter der Regie von Chris Gorak und den von Timur Bekmambetow produzierten Film Darkest Hour drehen wird.[7] Dies sei möglich, weil der Pilotfilm zur AMC-Serie The Killing, die amerikanische Interpretation der dänischen Krimiserie Kommissarin Lund – Das Verbrechen (Forbrydelsen), bei der Kinnaman mitwirkt, abgeschlossen sei.[7] In dieser spielt er als Stephen Holder eine der Hauptrollen. Brown selbst hat sich unter anderem darauf spezialisiert international bekannte schwedische Filmschauspieler in Hollywood zu vertreten, dazu zählen neben Kinnaman auch Michael Nyqvist und Noomi Rapace.[8] Trotz der Konzentration auf eine mögliche Hollywood-Karriere, sind zwei Fortsetzungen von Snabba Cash mit Kinnaman geplant.[9]

Im Jahr 2014 übernahm Kinnaman die Hauptrolle im Science-Fiction-Film RoboCop, einer Neuverfilmung des gleichnamigen Films aus den 1980er Jahren.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Theaterrollen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 2003: Klassfiender – Regie: Robert Jelinek
  • 2005: In A Dark And Northern Place – Regie: Mattias Andersson (Backateatern, Göteborg)
  • 2007: Brott och straff (Schuld und Sühne) von Fjodor Dostojewski – Regie: Mattias Andersson (Backateatern, Göteborg)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Guldbagge

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Maria K. Broman: Joel Kinnaman: Jag greps för misshandel auf expressen.se vom 11. Januar 2011(schwedisch), abgerufen am 20. März 2011
  2. a b c d e Jan-Olov Andersson: Jag fick sparka ihjäl Skarsgård auf aftonbladet.se vom 22. August 2009 (schwedisch), abgerufen am 20. März 2011
  3. a b Nils Johansson: Joel Kinnaman regerar i ”Arn” auf arbetarbladet.se vom 22. August 2008 (schwedisch), abgerufen am 20. März 2011
  4. a b c d Erik Helmerson: Joel Kinnaman nära roll i „Mad Max 4“ auf ostran.se vom 11. Januar 2010 (schwedisch), abgerufen am 20. März 2011
  5. joelkinnaman.com Kurzbiografie von Joel Kinnaman (englisch), abgerufen am 20. März 2011
  6. a b Per Hägred: Joel Kinnaman: „Min revisor är i chocktillstånd“ auf expressen.se vom 19. Januar 2010 (schwedisch), abgerufen am 20. März 2011
  7. a b c Gunnar Rehlin: Joel Kinnaman klar för Hollywoodfilm auf hd.se vom 7. April 2010 (schwedisch), abgerufen am 20. März 2011
  8. Steven Zeitchik: ‘Swedish mafia’ takes Hollywood auf koreaherald.com vom 12. November 2010 (englisch), abgerufen am 20. März 2011
  9. Emilia Holmqvist: Kinnaman ska få oss att springa auf aftonbladet.se vom 22. März 2010 (schwedisch), abgerufen am 20. März 2011