Helena Bonham Carter

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Helena Bonham Carter 2011 bei der 83. Oscarverleihung

Helena Bonham Carter CBE (* 26. Mai 1966 in Golders Green, London) ist eine britische Schauspielerin.

Bonham Carter hatte ihr Filmdebüt in Es geschah am See von K. M. Peyto, bevor sie in ihrer ersten Hauptrolle in Lady Jane zu sehen war. Bekanntheit erlangte sie mit den drei E.M.-Forster-Verfilmungen Zimmer mit Aussicht (1985), Maurice (1987) und Wiedersehen in Howards End (1992). Später spielte sie in Fight Club (1999) und in Die Flügel der Taube (1997), für den sie für den Oscar nominiert wurde. Einem großen Publikum wurde sie durch ihre mehrmalige Zusammenarbeit mit Tim Burton, der von 2001 bis 2014 ihr Lebensgefährte war, sowie durch ihr Mitwirken an den letzten vier Harry-Potter-Verfilmungen bekannt.

Leben und familiärer Hintergrund[Bearbeiten]

Bonham Carter wurde in Golders Green, London, geboren. Ihre Mutter Elena (geborene Propper de Callejón) ist Psychotherapeutin. Ihr Vater, Raymond Bonham Carter, war Bankier und stellvertretender Direktor. Er vertrat in den 1960er Jahren die Bank of England beim Internationalen Währungsfonds in Washington, D.C. Er stammt aus einer bekannten britischen Politikerfamilie, ist der Sohn des englischen Liberalen Sir Maurice Bonham Carter, war als politischer Redner angesehen und Mitglied im House of Lords. Der Vater ihrer Großmutter, Violet Bonham Carter, war der britische Premierminister Herbert Henry Asquith (im Amt 1908–1916).

Bonham Carters Großvater mütterlicherseits, Eduardo Propper de Callejón, war jeweils zur Hälfte spanischer und jüdischer Abstammung und diente als Diplomat sowie ehemaliger Minister-Kanzler an der spanischen Botschaft in Washington, D.C. Ihre jüdische Großmutter mütterlicherseits, Hélène Fould-Springer, war die Tochter des Barons Eugène Fould-Springer (eines französischstämmigen Bankiers) und Marie Cecile von Springer (deren Vater der Wiener Industrielle Baron Gustav Springer war). Hélène Fould-Springers Schwester war die französische Philanthropin Liliane de Rothschild (1916–2003), die Ehefrau von Élie de Rothschild. Ihre andere Schwester, Therese Fould-Springer, war die Mutter des britischen Schriftstellers David Pryce-Jones.

Bonham Carter hat zwei Brüder, Edward und Thomas, und ist eine entfernte Cousine von Jane Bonham Carter und ihres Schauspielkollegen Crispin Bonham-Carter, der den Mr. Bingley 1995 in der BBC-Produktion des Jane-Austen-Klassikers Stolz und Vorurteil spielte.

Sie wurde an der South Hampstead High School ausgebildet, einer privaten Mädchenschule in Hampstead, London. Ihre Ausbildung setzte sie später in der Westminster School fort, einer Privatschule nahe dem britischen Parlament. Die Aufnahme in das King’s College der Cambridge University wurde ihr verweigert, nicht wegen ihrer Leistungen oder Testergebnisse, sondern weil die Schulbehörde befürchtete, sie werde ihr Studium zugunsten ihrer Schauspielkarriere abbrechen. Nach dieser Entscheidung der Universität wandte sie sich vollständig der Schauspielerei zu.

Als Bonham Carter fünf Jahre alt war, hatte ihre Mutter einen Nervenzusammenbruch, von dem sie sich erst drei Jahre später erholen sollte; daraufhin entschloss sie sich, Psychotherapeutin zu werden. Sie liest die Skripte ihrer Tochter und bringt ihr die psychologischen Hintergründe ihrer Figuren näher. Fünf Jahre nach der Genesung ihrer Mutter erkrankte ihr Vater an einem Akustikusneurinom, einem gutartigen Tumor des Nervus vestibulocochlearis. Bei der Tumoroperation – an sich ein Routineeingriff – erlitt er im Alter von 50 Jahren einen Schlaganfall, der ihn halbseitig lähmte und sitzt seitdem im Rollstuhl. Bonham Carter half mit ihren beiden Brüdern der Mutter, die daraus entstandenen Schwierigkeiten zu bewältigen. Für den Film Vom Fliegen und anderen Träumen studierte sie die Bewegungen und Angewohnheiten ihres Vaters.

2008 hatten Verwandte der Schauspielerin in Südafrika einen schweren Autounfall, den nur ihre Cousine überlebte. Bonham Carter erreichte die Nachricht beim Dreh zu ihrem neuen Film Terminator: Die Erlösung, worauf sie den Dreh abbrach und nach England reiste.[1]

Von 2001 bis 2014 war Bonham Carter mit Tim Burton liiert, den sie während der Dreharbeiten zu Planet der Affen kennenlernte. Mit ihm hat sie zwei gemeinsame Kinder, deren Patenonkel Johnny Depp, ein langjähriger Freund von Tim Burton, ist.

Karriere[Bearbeiten]

Bonham Carter ebenfalls im Jahr 2011

Bonham Carter gewann 1979 einen nationalen Schreibwettbewerb und kaufte sich mit dem Preisgeld in die Schauspielschule „Spotlight“ ein. Ihr professionelles Schauspieldebüt hatte sie mit 16 Jahren in einem Fernsehwerbespot. Zudem bekam sie eine Rolle in dem Fernsehfilm Es geschah am See. Ihre erste Hauptrolle hatte sie in Lady Jane, die von den Kritikern unterschiedlich bewertet wurde. Ihren Durchbruch feierte sie als Lucy Honeychurch in Zimmer mit Aussicht, der zwar nach Lady Jane verfilmt, aber vor diesem veröffentlicht wurde.

Sie trat 1986 bis 1987 in Episoden von Miami Vice als Don Johnsons Liebe Theresa in Erscheinung. Sie sprach auch für die Rolle der Nancy Spungen in Sid und Nancy vor, die Rolle bekam allerdings Chloe Webb. Ebenfalls umbesetzt wurde ihr Part als Bess McNeill in Breaking the Waves; die Rolle bekam Emily Watson, die für ihre Leistung für den Academy Award nominiert wurde.

Nach ihren frühen Filmen wurde Bonham Carter auf einen bestimmten Typ festgelegt. Sie galt als „Königin des Korsetts“ und „Englische Rose“, da sie hauptsächlich Figuren des frühen 20. Jahrhunderts (insbesondere in Merchant-Ivory-Filmen) spielte.

Sie konnte sich aber später auch in anderen Rollen behaupten. Zu ihren neueren Filmen gehören Fight Club, Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen und Tim Burtons Charlie und die Schokoladenfabrik, Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche und Big Fish.

Sie spricht fließend Französisch und hatte eine Hauptrolle in dem französischen Film Portraits Chinois (1996). Im August 2001 wurde sie für die Zeitschrift Maxim fotografiert. Sie spielte die Königin Anne Boleyn für die ITV1-Mini-Serie Henry VIII. Ihr Part wurde aber eingeschränkt, da sie während der Dreharbeiten mit ihrem ersten Kind schwanger wurde.

Bonham Carter war 2006 Jury-Mitglied in Cannes, als dort The Wind That Shakes the Barley als bester Film ausgezeichnet wurde.

Sie spielte Bellatrix Lestrange in Harry Potter und der Orden des Phönix (2007), Harry Potter und der Halbblutprinz (2009), Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 (2010) sowie Teil 2 (2011). Darüber hinaus spielte sie unter der Regie von Tim Burton Sweeney Todds verliebte Komplizin Mrs. Lovett in der Filmadaption von Stephen Sondheims Broadway-Musical Sweeney Todd, das neun Tony Awards gewonnen hatte. Für ihre Darbietung erhielt Carter eine Golden-Globe-Nominierung als beste Schauspielerin einer Komödie/eines Musicals.

Bonham Carter gewann dann den Evening Standard British Film Award für ihre Verkörperung der Mrs. Lovett und für den Film Conversations with Other Women. 2009 erhielt sie als beste Schauspielerin den Empire Award.

Im Mai 2006 gründete sie mit der Bademoden-Designerin Samantha Sage ihre eigene Modelinie „The Pantaloonies“. Ihre erste Kollektion nannte sich „Bloomin' Bloomers“, sie bietet eine Auswahl an Jacken, Obershirts, Mützen und Pluderhosen im viktorianischen Stil.

Bonham Carter 2009 mit Colin Firth bei den Dreharbeiten zu The King’s Speech

Im Frühjahr 2009 wurde Bonham Carter in der Zeitung The Times zu den zehn besten britischen Schauspielerinnen aller Zeiten gezählt, neben den britischen Schauspielerinnen Julie Andrews, Helen Mirren, Judi Dench und Audrey Hepburn. Bonham Carter spielte 2009 die Autorin Enid Blyton in einer BBC Four-Fernsehbiografie – die erste Darstellung von Blytons Leben auf dem Bildschirm.[2]

Im Frühjahr 2010 war sie im deutschen Kino in der Rolle der Roten Königin in dem Film Alice im Wunderland zu sehen. Ihre Darstellung der Königinmutter Elizabeth in dem Drama The King’s Speech (2010) brachte ihr 2011 ihren ersten BAFTA Award sowie jeweils als beste Nebendarstellerin erneut eine Oscar- und Golden-Globe-Nominierung ein.

Helena Bonham Carter wurde bisher hauptsächlich von Melanie Pukaß synchronisiert, aber auch von Susanna Bonaséwicz, Diana Borgwardt, Sandra Schwittau, Vera Teltz, Elisabeth Günther und Anja Rybiczka.

Im Juni wurde sie von Marc Jacobs für die Herbst-/Winterkampagne 2011 als Model gebucht.[3]

2012 stand sie als makabere Wirtsfrau Madame Thenardiér in der Verfilmung des Musical-Welterfolgs Les Miserablés vor der Kamera. Die Rolle des Monsieur Thenardiér spielte Sacha Baron Cohen. Außerdem spielte sie in dem Drama Große Erwartungen von Charles Dickens die Rolle der rachsüchtigen Miss Havisham.

Filmografie[Bearbeiten]

Auszeichnungen und Nominierungen (Auszug)[Bearbeiten]

Bonham Carter 2011 auf der Berlinale
  • Emmy Award
    • 1998: Nominiert als beste Nebendarstellerin für Merlin
    • 2002: Nominiert als beste Hauptdarstellerin für Live aus Bagdad
    • 2014: Nominiert als beste Hauptdarstellerin in einer Miniserie oder einem Fernsehfilm in Burton and Taylor

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Helena Bonham Carter – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angehörige tödlich verunglückt auf Fan-Lexikon.de
  2. The Guardian: Can Bonham Carter bring Blyton back from the dead?
  3. fashion.telegraph.co.uk: Helena Bonham Carter models for Marc Jacobs. Zugriff am 17. Juni 2011
  4. London Gazette vom 31. Dezember 2011