Johann Georg Büsch

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Johann Georg Büsch

Johann Georg Büsch (* 3. Januar 1728 in Altenmedingen bei Lüneburg; † 5. August 1800 in Hamburg) war ein deutscher Pädagoge und Publizist.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Idealisierte Ansicht des Hamburger Schul- und Arbeitshauses (1800). Im Vordergrund auf Sockeln eingraviert die Namen der bedeutenden Hamburger Sozialpädagogen: Bartels, Büsch, Voght, Günther, Sieveking (Stahlstich von L. Wolf, 1805)
Johann Georg Büsch; Stich von Christian Schule, 1798.
Büsch-Grabmal 1794, Heckengarten-Museum HH-Ohlsdorf

Im Alter von drei Jahren kam Büsch mit seinen Eltern nach Hamburg, wo sein Vater, Paul Christoph Büsch, eine Predigerstelle an der Hauptkirche St. Michaelis erhalten hatte. Büsch besuchte ab 1741 das Johanneum und ab 1746 das Akademische Gymnasium in Hamburg. Seine Lehrer waren Hermann Samuel Reimarus und Michael Richey. Von 1748 an studierte er in Göttingen an der Georg-August-Universität Theologie. Danach ging er als Privatlehrer zurück nach Hamburg. 1756 wurde er Lehrer für Mathematik am Akademischen Gymnasium. Diese Tätigkeit übte er bis zu seinem Tode aus.

Johann Georg Büsch übernahm 1771 die Leitung der Ende des Jahres 1767 von dem Kaufmann Friedrich Christian Wurmb gegründeten Handelsakademie[1], eine weit über Hamburg hinaus bekannte Privatschule zur Ausbildung des kaufmännischen Nachwuchses. Zu den bekanntesten Schülern zählten Alexander von Humboldt sowie Carsten Niebuhr, aber auch eine Reihe angesehener Hamburger Kaufleute (Georg Heinrich Sieveking, Johann Michael Hudtwalcker, Martin Johann Jenisch).

In zahlreichen Schriften[2] widmete er sich verschiedensten Problemen aus dem Bereich der Wirtschaftstheorie und -praxis und gab die Hamburgischen Anzeigen von gelehrten Sachen sowie – gemeinsam mit Christoph Daniel Ebeling – die Handlungsbibliothek heraus. Darüber hinaus gehörte Büsch zu den Mitbegründern und engagiertesten Mitgliedern der „Hamburgischen Gesellschaft zur Förderung der Künste und nützlichen Gewerbe“ (Patriotische Gesellschaft). 1794 publizierte er mit Ueber den Gang meines Geistes und meiner Tähtigkeit eine detaillierte Autobiographie.[3] Auch nachdem Büsch in den letzten Jahren seines Lebens nahezu erblindet war, arbeitete er unermüdlich bis zu seinem Tode im Jahre 1800.

Johann Georg Büsch besaß eine Bibliothek von 3200 Büchern, die sich überwiegend mit dem Thema Mathematik befassten. Sie wurde nach seinem Tode mithilfe von Spendern und dem Admiralitätskollegium für die Stadtbibliothek aufgekauft[4]. Er besaß ebenso eine Sammlung physischer und mathematischer Instrumente, die der Sammlung Kirchhof ähnlich war[5].

Büsch war unter anderem mit Friedrich Gottlieb Klopstock, Christian Adolph Overbeck und Gottlob Friedrich Ernst Schönborn befreundet; er gehörte zu Klopstocks Lesegesellschaft. Er war Freimaurer in einer bisher unbekannten Loge, wohl auch Illuminat.

Johann Georg Büsch hatte 1759 Margarete Augusta Schwalb geheiratet. Aus der Ehe stammen fünf Söhne und fünf Töchter. Die Tochter Friederike Elisabeth Büsch heiratete Piter Poel. Die Tochter Wilhelmine heiratete Hieronymus Sillem. Die Söhne Karl August und Ernst wurden Kaufmann.

Bereits 1794 hatte Büsch eine Stele mit seinem Porträt-Relief als Grabstein gekauft. 1797 wurde seine Ehefrau bestattet; heutiger Standort Heckengarten-Freilichtmuseum auf dem Ohlsdorfer Friedhof[6][7]. 1802 errichtete die Patriotische Gesellschaft ihm zu Ehren das Büsch-Denkmal. Es befindet sich heute am Theodor-Heuss-Platz nahe dem Dammtorbahnhof. Ihm zu Ehren trägt die Büschstraße in der Hamburger Neustadt seit 1841 seinen Namen[8]. Karl Marx zitiert Büschs Zusätze zu seiner theoretisch-praktischen Darstellung der Handlung in ihren mannigfaltigen Geschäften (Bd. 2, 1798, S. 232 f.) im dritten Band von Das Kapital.[9]

Schriften[Bearbeiten]

  • Hamburgische Anzeigen von gelehrten Sachen, Hamburg (seit 1759)
  • Abhandlung von dem wahren Grunde des Wechselrechts sammt einem Beitrag zur Geschichte desselben, Hamburg 1770.
  • Schriften über Staatswirthschaft und Handlung, 3 Bände, Hamburg 1784.
  • Encyclopädie der historischen, philosophischen und mathematischen Wissenschaften, 2 Bände, 2. Auflage. Hamburg 1795 (Digitalisat Ausgabe 1775)
  • Theoretisch-Praktische Darstellung der Handlung in deren mannigfaltigen Geschäften. 2 Bde. Hoffmann, Hamburg 1792 (Bd. 1, Bd. 2, jeweils Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Versuch einer Geschichte der Hamburgischen Handlung, Hamburg 1797 Digitalisat
  • Handlungsbibliothek, 1784–1797, (zusammen mit Christoph Daniel Ebeling)
  • Erfahrungen. 5 Bände. Benjamin Gottlob Hoffmann, Hamburg 1790–1802
  • Abhandlung von dem Geldumlauf in anhaltender Rücksicht auf Staatswirtschaft und Handlung. 2. verm. und verb. Aufl. 2 Bde. Hamburg, Kiel 1800 (Reprint Avermann, Glashütten im Ts. 1977)
  • Sämmtliche Schriften über die Handlung, 3 Bände, Hamburg 1824 (postum erschienen)
  • Bemerkungen auf einer Reise durch einen Teil Schwedens im Jahr 1780, in Christoph Daniel Ebeling, Neue Sammlung von Reisebeschreibungen, 5. Teil, Hamburg, Carl Ernst Bohn, 1783, (online)

Literatur[Bearbeiten]

  • Dirk Hempel: Büsch, Johann Georg. In: Hamburgische Biografie. Personenlexikon. Wallstein, Göttingen 2001, S. 74 f.
  • Klaus Friedrich Pott, Jürgen Zabeck: Johann Georg Büsch: Die Hamburgische Handlungsakademie. Eusl, Paderborn 2001, ISBN 3-933436-29-X.
  • Frank Hatje: Patriotismus und Ökonomie. Zum 200. Todestag von Johann Georg Büsch (1728-1800). In: Hamburger Wirtschafts-Chronik. Neue Folge 1, 2000, S. 11–51.
  • Peter Koch: Johann Georg Büsch in Geschichte der Versicherungswissenschaft in Deutschland, Versicherungswirtschaft GmbH, Karlsruhe, 1998, S. 69 ff., (online)
  • Michael Bergeest: Die "Handelsakademie" von 1767, in Bildung zwischen Commerz und Emanzipation: Erwachsenenbildung in der Hamburger Region des 18. und 19. Jahrhunderts, Waxmann Verlag, Münster/ New York, 1995, S. 72 ff.
  • Jürgen Zabeck, Frank Hatje: Johann Georg Büsch (1728–1800): Wirtschaftliches Denken und soziales Handeln. Verein für Hamburger Geschichte, Hamburg 1992, ISBN 3-923356-45-5.
  • Franklin Kopitzsch: Grundzüge einer Sozialgeschichte der Aufklärung in Hamburg und Altona. 2., ergänzte Auflage. Hamburg 1990, ISBN 3-923356-36-6.
  • Jürgen Zabeck: Johann Georg Büsch. Ein Beitrag zur Methodologie der Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftspädagogik. Hamburg 1964.
  • Erich Döhring: Büsch, Johann Georg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 3 (Digitalisat).
  • Balduin Penndorf: Johann Georg Büsch in seiner Bedeutung für das kaufmännische Bildungswesen. In: Der Kaufmann und das Leben. Peschel, Leipzig Nr. 9. Dezember 1914 PDF File 873 KB
  • Wilhelm Stieda, Zur Geschichte der hamburgischen Handlungsakademie von Johann Georg Büsch, Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 15., 1910, S. 1 ff., (online)
  • Johannes Biensfeldt: Johann Georg Büsch. Ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie. Erlangen 1910.
  • Theodor Muther: Büsch, Johann Georg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 642 f.
  • Johannes Classen, Die ehemalige Handelsakademie des Professors J. G. Büsch und die Zukunft des akademischen Gymnasiums in Hamburg, Verlag W. Mauke Söhne, Hamburg, 1865, (online).
  • Hans Schröder: Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart. Bd. 1, Perthes-Besser und Mauke, Hamburg 1851, Nr. 0541
  • J. Smidt (Senator in Bremen) (Hrsg.): Hanseatische Magazin, 5ter Band, Bremen, Friedrich Wilmans, 1801, Friedrich Johann Lorenz Meyer, Büsch und Kirchhoff, Nekrolog, S.5 ff, (online)

Porträts[Bearbeiten]

  • Loeser Leo Wolf (1775-1840), Johann Georg Büsch, nach einer Vorlage von Georg Ludwig Eckhardt (1770-1794), Stich, 10,1 x 17 cm, Altona, o.D., (online, Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen)
  • Johann Joachim Faber (1778-1846), Johann Georg Büsch mit einer Abbildung des Denkmals, nach einer Vorlage von Johann Renatus Lüderitz gestochen, o.O., o.D., Kupferstich, 44,5 x 33,5 cm. (online, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg)
  • Digitaler Porträtindex (online), Bildarchiv Foto Marburg
  • Tripota – Trierer Porträtdatenbank

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Johann Georg Büsch – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gründung 1767, Initiator Friedrich Christian Wurmb, Eröffnung 1768, siehe Johannes Classen, Die ehemalige Handelsakademie des Professors J. G. Büsch ...", S. 6
  2. Aufstellung siehe Hans Schröder: Lexikon der hamburgischen Schriftsteller ..."
  3. Johann Georg Büsch: Ueber den Gang meines Geistes und meiner Tähtigkeit. Benjamin Gottlob Hoffmann, Hamburg 1794 (= Erfahrungen. Bd. 4).
  4. Christian Petersen: Geschichte der Hamburgischen Stadtbibliothek, Verlag Perthes, Besser & Mauke, 1838, S. 92 ff, (online).
  5. J. Smidt (Hrsg.): Hanseatische Magazin, 5ter Band, Bremen, Friedrich Wilmans, 1801, Friedrich Johann Lorenz Meyer, Physikalisches Kabinet des verstorbenen Herrn Senator Kirchhof in Hamburg., S.28 (Fußnote).
  6. Eberhard Kändler: Begräbnishain und Gruft: die Grabmale der Oberschicht auf den alten Hamburger Begräbnisplätzen, Ausgabe Nr. 17 von Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Hamburg, Verlag Christians, 1997, ISBN 3767212943, 9783767212947, S. 75 und S. 133 (Nr. 49, Johann Georg Büsch)
  7. Foto siehe [1]
  8. Christian Hanke: Hamburgs Straßennamen erzählen Geschichte, Medien-Verlag Schubert, Hamburg 2006, 4. Auflage, ISBN 3-929229-41-2, S. 234.
  9. Marx-Engels-Werke. Bd. 25, S. 625 f. Siehe auch Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung IV. Bd. 32, S. 167 f. Nr. 179, 180 und 181.