Johann Ludwig Deinhardstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lithographie von Josef Kriehuber, 1833

Johann Ludwig (Ferdinand) Deinhardstein (* 21. Juni 1794 in Wien; † 12. Juli 1859 ebenda), auch Deinhard-Deinhardstein, Pseudonym Dr. Römer, war ein österreichischer Schriftsteller, Literaturkritiker, Dramaturg und Hofbeamter.

Leben[Bearbeiten]

Der Anwaltssohn Deinhardstein studierte zunächst Rechts- und Staatswissenschaft und trat danach in den Staatsdienst ein. Von dieser Tätigkeit unbefriedigt, wendete er sich der Klassik und Ästhetik zu. Bereits 1811 waren von ihm erste Werke, d.h. Gedichte und einaktige Komödien, erschienen. Rasch stieg er zu einer zentralen Figur der Wiener Literaturszene auf.

Im Jahre 1827 erhielt er den Lehrstuhl für Ästhetik jeweils an der Universität Wien und als Nachfolger Lorenz Leopold Haschkas am Wiener Theresianum.

Zwei Jahre später übernahm er die Redaktion der Wiener Jahrbücher der Litteratur, die er bis 1849 behielt. Unter seiner Leitung entwickelte sich das vierteljährlich erscheinende Werk zu einem bedeutenden Organ der literarischen Kritik im deutschsprachigen Raum, für das Zeitgenossen von Rang und Namen wie Joseph von Eichendorff, Ernst von Feuchtersleben, Friedrich de la Motte Fouqué, Johann Wolfgang von Goethe, die Brüder Grimm, Friedrich Hebbel, Wilhelm von Humboldt, Carl Leberecht Immermann, Friedrich Rückert und August Wilhelm Schlegel Beiträge verfassten. Im Mittelpunkt standen dabei Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften. Trotz der Mitarbeit jener fortschrittlichen Geistesgrößen vermochte es der konservative Deinhardstein, in den Jahrbüchern eine patriotisch-restaurative Grundhaltung durchzusetzen.

Deinhardstein trat 1832 die Nachfolge Joseph Schreyvogels als Dramaturg und Vizedirektor des Hofburgtheaters an. Angeregt hatte diese Besetzung der Theaterdirektor Johann Rudolf Czernin. Er engagierte in dieser Position namhafte Schauspieler wie Christine Hebbel und Carl von La Roche und führte vorwiegend Konversationsstücke auf, darunter besonders Übersetzungen französischer Dramen. Zwar traf er damit den Geschmack der mehrheitlich adeligen Zuschauer, konnte aber durch die geringe Berücksichtigung klassischer Stücke qualitativ nicht an seinen Vorgänger anknüpfen. Die Autoren Eduard von Bauernfeld, Friedrich Halm und Friedrich Hebbel erhielten unter seiner Regie erste Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

Seit 1829 zensierte Deinhardstein nebenberuflich die am Theater eingereichten Dramen. Nachdem seine Anstellung am Theater 1841 ihr Ende gefunden hatte, nahm er diese Aufgabe bis 1848 hauptberuflich als Regierungsrat der Polizeihofstelle wahr. Danach war er als Beirat der Landesregierung in literarischen, insbesondere das Theater betreffenden Angelegenheiten tätig.

Im Alter von 65 Jahren starb Deinhardstein 1859 in seiner Geburtsstadt Wien. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 0, Reihe 1, Nummer 20). Im Jahr 1894 wurde in Wien-Ottakring (16. Bezirk) die Deinhardsteingasse nach ihm benannt.

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten]

Schriftstellerisch trat Deinhardstein vor allem als Dramatiker hervor, der elegante, heitere Stücke mit geschichtlichem Hintergrund schuf. Unter diesen ragen die sogenannten „Künstlerlustspiele“ heraus. Deinhardstein schuf mit ihnen eine neue Gattung dramatischer Poesie, die historischen Lokalkolorit und sentimentale Ränke miteinander verband. Zu den wichtigsten zählen

Mit Erzherzog Maximilians Brautzug lieferte er 1832 eine fünfaktige Bearbeitung des Theuerdanks von Maximilian I.. Unter Deinhardsteins ernsteren Dramen finden sich vor allem kleinere, empfindsame Stücke wie Der Gast und Floretta. Einige Übersetzungen aus dem Französischen erschienen unter dem Pseudonym „Dr. Römer“.

Deinhardsteins Dramen gewannen durchaus den Applaus des Publikums, waren aber hinsichtlich ihres literarischen Wertes massiver Kritik ausgesetzt. Den Werken wurde das Fehlen von Originalität, charakterlicher Tiefe und idealistischer Haltung vorgeworfen, auch hätte seine rege Schreibtätigkeit zu Flüchtigkeitsfehlern und Massenproduktion geführt.

Werkausgaben[Bearbeiten]

  • Dichtungen für Kunstredner (Hrsg., 1815)
  • Dramatische Dichtungen (Wien 1816)
  • Theater (zwei Bände, 1827 und 1833)
  • Skizzen einer Reise von Wien über Prag (Wien 1831)
  • Theater von Dr. Römer (drei Bände, Wien und Leipzig 1837–41)
  • Gedichte (Berlin 1844)
  • Künstlerdramen (zwei Bände, Leipzig 1845)
  • Erzählungen und Novellen (Pest 1846)
  • Gesammelte dramatische Werke (sieben Bände, Leipzig 1848–57)
  • Klassisches Theater des Auslandes (Hrsg., 1855–56)

Literatur[Bearbeiten]

  • C. Fischer: Deinhardstein, Johann Ludwig. In: Walther Killy (Hrsg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Directmedia, Berlin 2005, ISBN 3-89853-409-X (1 CD-ROM)
  • Hans Landsberg: Ein vergessener Burgtheaterdirektor. In: Masken. Zeitschrift der deutschen Theaterkultur. Band 5, 1910
  • Silvester Lechner: Eine Ästhetik der Zensur. Johann L. Deinhardstein als Kritiker. In: Alberto Martino u.a. (Hrsg.): Literatur in der sozialen Bewegung. Aufsätze und Forschungsberichte zum 19. Jahrhundert. Niemeyer, Tübingen 1977, S. 284–326, ISBN 3-484-10289-6.
  • Ilse Leithner: Deinhardstein als Kritiker. Dissertation, Universität Wien 1929.
  • Wilhelm Treichlinger: Johann Ludwig Deinhardstein. Dissertation, Universität Wien 1926.

Lexikonartikel

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Johann Ludwig Deinhardstein – Quellen und Volltexte