Judas und Jesus

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Filmdaten
Deutscher Titel Judas und Jesus
Originaltitel Judas
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2004
Länge 87 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Charles Robert Carner
Drehbuch Tom Fontana
Produktion Ann Wingate
Musik Bill Conti
Kamera Michael Goi
Schnitt Raúl Dávalos
Besetzung

Judas und Jesus ist eine Bibelverfilmung aus dem Jahr 2004, in der die Gestalt des Judas Iskariot und seine Motivation zur Überlieferung Jesu von Nazaret im Vordergrund stehen.

Handlung[Bearbeiten]

Der junge Judas muss mitansehen, wie sein Vater von den Römern gekreuzigt wird. Sein Hass auf Rom beginnt zu keimen. Viele Jahre später ist er bereit, für seinen Glauben an ein freies Israel zu morden. Da lernt Judas - der nun Weinhändler geworden ist - den Galiläer Jesus von Nazaret kennen, der ganz Israel in seinen Bann zieht. Judas' Hoffnungen, Jesus könne die Menschen zum Aufstand führen, scheitert am Pazifismus des Meisters. Judas möchte Jesus zur Offenbarung als politischem Messias zwingen, und verrät ihn deshalb für dreißig Silberlinge an die Hohenpriester. Im Garten Getsemani kommt es zum verhängnisvollen Verrat, der einerseits für Jesus die Passion bis zur gewaltsamen Kreuzigung in Gang setzt, andererseits für Judas mit Suizid endet. Judas wird in einer letzten Szene am Baum erhängt gezeigt, von den Jüngern jedoch aus einem Barmherzigkeitsmotiv heraus abgeschnitten und beigesetzt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film interpretiert die biblische Überlieferung vor allem aus gesellschaftlich-politischer Perspektive. Aus der Sicht von Judas und des Statthalters Pontius Pilatus erzählt, erfährt der Zuschauer über die politischen Zustände im von den Römern besetzten Palästina zur Zeit Jesu.

Kritik[Bearbeiten]

Ausstattung des Films, Zeichnung der Charaktere und zum Teil auch die schauspielerische Leistung der Darsteller können kaum überzeugen. Jonathan Scarfe als Jesus beispielsweise porträtiert seine Figur als burschikosen, schüchternen und oft überforderten Menschen. Die Ernsthaftigkeit seiner Rolle kann er so kaum vermitteln. Der Film mag daher eher Zuschauer ansprechen, die mehr Wert auf die gesellschaftlichen Hintergründe der biblischen Texte legen als auf visuelle und schauspielerische Aspekte.

Der Prozess Jesu und seine Kreuzigung wird in großer Breite mit Bildern dargestellt, die man aus vielen anderen Jesusfilmen schon lange kennt. Damit gerät der Film, der sich vom Titel und Untertitel her eine eigene Aufgabe gestellt hat, stark in die Nähe zu herkömmlichen Bibelverfilmungen. Allerdings gerät die Kreuzigung Jesu dann in diesem Film zu einem techniklastigen Vorgang: Rampen werden aufgebaut, Kräne bedient und Seilwinden in Gang gesetzt. Diese Details lenken für längere Zeit eher ab vom eigentlichen Thema, nämlich dem Verhältnis zwischen Judas und Jesus. Amüsant ist lediglich eine Szene, in der Judas und Jesus sich gegenseitig im Verlaufe einer Rauferei auf den Erdboden legen. Davon weiß kein Evangelium.

Außerbiblische Figuren und Namen, zum Beispiel ein Flavius, werden sparsam dazugedichtet. Politische Motive der damaligen Zeit entsprechen durchaus den Ergebnissen historisch-kritischer Bibelforschung. Pharisäer, Zeloten, Herodes Antipas und die Figur Johannes des Täufers sind als sachgerechtes Umfeld der Handlung entwickelt. Der Film bewegt sich auf weiten Strecken, vor allem im Blick auf die Worte, die Jesus spricht, erstaunlich nahe an der Überlieferung der vier Evangelien des Neuen Testaments. Die Bergpredigt Jesu mit den Seligpreisungen, aber auch Reden Jesu an seine Jünger nähren sich konsequent aus biblischer Überlieferung, ohne dass dies jedoch filmisch originell umgesetzt wäre. Hier bleibt der Film dem Genre "Jesusfilm" verhaftet.

Ein spezielles Augenmerk gilt der Gruppendynamik, die im Jüngerkreis herrscht. Judas ist - das will die Filmdramatik - schon lange vor seinem Verrat ein Problemjünger. Er hat, im Urteil eines Mitjüngers, "eine schwarze Seele". Er möchte Jesuswunder vermarkten und versilbern, trägt unterm Kleid ein Schwert und nützt immer wieder seine speziellen Kontakte zur Hauptstadt Jerusalem, seiner Heimat. Er lebt in Konkurrenz zum galiläisch geprägten Simon Petrus und hebt sich überhaupt von den ländlich geprägten anderen Jüngern ab. Dabei ist der Film spekulativ.

Die biblische Figur der Maria Magdalena tritt ebenfalls an der Seite Jesu auf und verleiht der Szenerie einen leicht erotischen Touch, weil sie vom Drehbuch her ins Prostituiertenmilieu gestellt wird. Jesus stört sich daran nicht, wie er überhaupt sich "von den alten Männern", die die Gesetze der mosaischen Religion hüten, nicht irritieren lässt.

Die in den Evangelien überlieferten Heilungswunder und Totenauferweckungen (etwa Lazarus) werden filmisch erstaunlich naiv und ungebrochen zur Darstellung gebracht.

Veröffentlichung[Bearbeiten]

Der Film erschien am 10. November 2005 erstmals auf DVD, und wurde am 6. April 2007 erstmals im Free-TV, auf Sat.1 ausgestrahlt.

Weblink[Bearbeiten]