Kloster Disibodenberg

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Kloster Disibodenberg
Giebel des Hospitals, Gästehaus, erbaut nach 1400
Giebel des Hospitals, Gästehaus, erbaut nach 1400
Lage DeutschlandDeutschland Deutschland
Rheinland-Pfalz
Koordinaten: 49° 47′ N, 7° 42′ O49.7765833333337.7011944444444Koordinaten: 49° 46′ 36″ N, 7° 42′ 4″ O
zisterziensisch seit 1259
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1559
Mutterkloster Kloster Eberbach
Primarabtei Kloster Clairvaux

Das Kloster Disibodenberg ist eine Klosterruine in der Gemarkung der Ortsgemeinde Odernheim am Glan im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Sie liegt auf einem Höhenrücken an der Mündung des Glans in die Nahe.

Gründung[Bearbeiten]

Der Heilige Disibod (irisch Disens) (* 619, † 700) war ein irischer Mönch und Einsiedler.

Disibod wird erstmals – historisch gesichert – in dem Martyrologium des Rabanus Maurus erwähnt, das dieser zwischen 842 und 854 zusammengestellt hat. Unter anderem geben auch zwei 1108 bzw. 1128 von Mainzer Erzbischöfen ausgestellte Urkunden sowie die um 1150 im Kloster Disibodenberg geschriebenen „Annales Sancti Disibodi“ über Disibod Kunde. Um 1170 verfasste die hl. Hildegard von Bingen eine Lebensbeschreibung „Vita Sancti Disibodi“.

Disibod kam um das Jahr 640 als Glaubensbote aus den Klosterschulen Irlands in das Frankenreich. Er und seine drei Gehilfen Giswald, Klemens und Sallust wirkten etwa 10 Jahre mit geringem Erfolg in den Vogesen und den Ardennen. Auf seiner Wanderschaft kam Disibod ins Nahetal zu der in einem Traum – so die Vita – vorbezeichneten Stelle, „wo sein Wanderstab, in die Erde gesteckt, grünte, wo eine weiße Hirschkuh einen Quell frischen Wassers aus der Erde scharrte und wo sich zwei Flüsse vereinigen.“

Disibod fand diese Stelle am Zusammenfluss von Nahe und Glan bei Odernheim. Auf dem dort liegenden Berg befand sich vielleicht schon in keltischer Zeit ein Heiligtum, das auch unter der römischen Herrschaft fortbestand (u.a. Grabungsfund eines römischen Altars aus dem 2./3. Jahrhundert, das einen Speerwerfer zeigt – im 4. Jahrhundert stand auf dem Berg eine römische Ansiedlung). Am Fuße des Berges in der Nähe der gefundenen Quelle bauten Disibod und seine Gefährten eine Hütte, anschließend begannen sie mit der Verkündung des Evangeliums unter der heidnischen Bevölkerung. Dankbare Anhänger der neuen Lehre errichteten am nordöstlichen Fuße des Berges eine Taufkapelle. Als weiser, geachteter Gottesmann starb Disibod im Jahre 700 mit 81 Jahren. Sein wundertätiges Grab wurde eine Pilgerstätte.

Kloster Disibodenberg[Bearbeiten]

Die Klosteranlage um 1500
Rekonstruktionsversuch, ca. 1986

Nach Disibods Tod wurden auf dem Berg eine Kirche und eine klosterähnliche Anlage errichtet, sie zählt zu den ältesten im Mainzer Sprengel. 745 besuchte Bonifatius, der Bischof von Mainz, das Grab des Missionars und überführte die Gebeine Disibods unter den Altar der Klosterkirche.

Normannen (882) und Ungarn (1. Hälfte des 10. Jahrhunderts) überfielen wiederholt das Kloster, plünderten und zerstörten die Anlage. Die Mönche flohen und die Gebäude verfielen. Die klosterähnliche Anlage auf dem Disibodenberg wurde unter dem Erzbischof Hatto II. von Mainz (968–970) aufgelöst.

Erzbischof Willigis zu Mainz (975–1011) nahm sich der verwahrlosten Stätte an. Er kam selbst zum Disibodenberg, ließ eine neue Kirche errichten und die Gebäude instand setzen. Die Gebeine des heiligen Disibod wurden feierlich in die neuerbaute Kirche überführt. Willigis übergab die Anlage 12 Stiftsherren (Kanonikern) aus Mainz. Willigis stattete das Stift reichlich mit Gütern, Ländereien und Einkünften aus; er sprach ihm die Pfarrkirche zu Sobernheim mit dem dortigen Fronhof, die Gehinkirche bei Auen und die Tochterkirche bei Semendis (heute Seesbach) sowie die Kirchen zu Hundsbach, Meckenbach, Kirchbollenbach und Offenbach am Glan zu. Ferner stand dem Stift in seinen Ländereien und Ortschaften das Recht des Zehnten zu, das sich vor allem auf Getreide und Wein bezog.

Die Klostervogtei wurde dem Nahegaugrafen übertragen. Auch unter den Nachfolgern Willigis′ wurden dem Kloster reiche Schenkungen gemacht, zumal da sich auch viele Adelige in den Gebäuden aufhielten.

1096 setzte Erzbischof Ruthard an die Stelle der Chorherren wieder Benediktiner aus dem St. Jakobskloster zu Mainz als Klosterherren ein, was allerdings aufgrund religiöser Machtspiele erst 1107 erfolgreich gelang.

Unter der Leitung des Abtes Burchard (1108–1113) wurde der Bau einer neuen, kreuzförmigen, dreischiffigen Pfeilerbasilika begonnen, der St.-Nikolaus-Kirche. 1143 erfolgte die Schlussweihe der Klosterkirche. Deren Grundriss mit den Säulenresten ist heute noch gut zu erkennen. 1138 wurden die Gebeine des heiligen Disibod wiederum in die neue Kirche umgebettet.

Kloster Disibodenberg: Giebel des Refektoriums, Baubeginn 1240 durch Benediktiner. 1259 übernehmen Zisterzienser den Keller-Rohbau und vollenden das Gebäude.

Ab 1108 ließ die Grafenfamilie von Sponheim eine Frauenklause auf dem Klostergelände errichten, in die im Jahre 1112 deren Tochter, die als Selige verehrte Jutta von Sponheim, als Leiterin u.a. zusammen mit Hildegard (von Bermersheim oder Hosenbach), der späteren heiligen Hildegard von Bingen einzog und wo letztere ihre Profess (Gelübde) ablegte. Anlässlich dieses Ereignisses kam der Hl. Otto, Bischof von Bamberg auf den Disibodenberg und nahm die Ordensgelübde entgegen.[1]

Nach dem Tod Juttas folgte 1136 Hildegard ihrer Lehrmeisterin als Leiterin (magistra) der Frauenklause. Sie und ihre Nonnengemeinschaft siedelten aber 1147–1151 in das neugegründete Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen über, da Hildegard die Gemeinschaft mit den Mönchen auf dem Disibodenberg nicht mehr zusagte und auch die Platzverhältnisse für die inzwischen aus 18 Nonnen bestehende Frauengemeinschaft nicht mehr ausreichten. Abt Theoderich von Echternach beschrieb Anfang des 13. Jahrhunderts das Leben der heiligen Hildegard.

Abt Dodechin verfasste um 1240 die Jahrbücher des Klosters. Neue Schenkungen von Grafen und Rittern machten das Kloster wieder reich und angesehen. Gelehrte Männer, die in den Klostermauern lebten, vermehrten seinen Ruf als Wallfahrtsort.

Die durch eine fast zweijährige Fehde 1240–1242 zwischen Erzbischof Siegfried III. von Mainz und dem Wildgrafen Konrad II. von Kyrburg bedingten Kriegsausgaben führten zur Verschuldung des ehemals reichen Klosters. Das sich ausbreitende Raubrittertum verschlimmerte die Lage der Abtei zusätzlich.

1259 wurden durch Erzbischof Gerhard von Mainz die Benediktiner, die das Kloster auf dem Disibodenberg schon größtenteils verlassen hatten, durch Zisterzienser aus Kloster Otterberg, einer Tochtergründung von Kloster Eberbach aus der Filiation der Primarabtei Clairvaux, ersetzt. Unter ihrer strengen Zucht und vorzüglichen Verwaltung wurden die Schulden bald gedeckt und das Kloster blühte zum dritten Male erneut auf. Diese Phase dauerte bis etwa 1500 an. Dann folgte der endgültige Verfall.

Teile eines Kreuzganges. Die Grabplatten sind mit Erde abgedeckt.

Sowohl der Krieg 1471 zwischen Kurfürst Friedrich von der Pfalz und dem Herzog Ludwig von Pfalz-Zweibrücken als auch der pfälzisch-bayrische Erbfolgekrieg 1504 fügten der ganzen Nahegegend großen Schaden zu und auch das Kloster Disibodenberg wurde völlig ausgeplündert. Im Bauernkrieg 1524–1525 nahm die Abtei dagegen nur wenig Schaden, allerdings führte die Reformation, die im Nahegebiet eine günstige Aufnahme fand, die gänzliche innere Auflösung der Abtei herbei. 1559 trat der letzte Abt Peter von Limbach das Kloster an den Meisenheimer Erbvogt Herzog Wolfgang zu Zweibrücken ab. Es folgten die Säkularisierung und der Einzug eines Verwalters.

Der Dreißigjährige Krieg 1618–1648 und der Pfälzische Erbfolgekrieg 1688–1697 brachten mehrfache Verwüstungen und Besitzerwechsel mit sich. Spanier unter General Spinola versuchten 1631 und 1639, das Kloster durch Benediktiner wieder aufblühen zu lassen, doch waren diese Erfolge nur vorübergehend. 1768 kamen die Reste des Klosters durch den Hagenbacher Tauschvertrag zur Kurpfalz.

Lageplan des Klostergeländes

Noch bis 1790 stand ein großer Teil der Klostergebäude aufrecht, allerdings erklärten die Franzosen in der Zeit ihrer Herrschaft über das linke Rheinufer 1797–1814 den Disibodenberg zum Nationaleigentum und versteigerten Grund und Boden.

Der Disibodenberg kam 1809 in Privatbesitz an die Familien Großarth und Gutenberger. Die Klosteranlagen dienten daraufhin als Steinbruch. Aus den Quadern der Kirche wurden Wohnhäuser in Odernheim und Staudernheim gebaut und die Pfeiler der Staudernheimer Brücke erneuert.

1842–1844 grub Peter Wannemann als Hof- und Klostereigner die Ruinen frei und richtete die Gebäudereste für Besucher her. Ein erster Lageplan wurde erstellt.

Das Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz in Mainz begann 1985 mit archäologischen Grabungen und Sicherungsarbeiten im Klostergelände. Die letzte private Besitzerin, Ehrengard Freifrau von Racknitz, überführte 1989 das ehemalige Klostergelände in die Disibodenberger Scivias-Stiftung.

Hildegard-Kapelle

Heute kann das Gelände über den Eingang am Disibodenbergerhof besichtigt werden. Während der Gottesdienste an Sonntagen ist der Zutritt zur kleinen Kapelle und zum Klostergelände frei. Das Klostermuseum im Besucherhof zeigt eine Reihe von Fundstücken und Kostbarkeiten, unter anderem schöne Steinmetzarbeiten aus der Zisterzienserzeit 1259 bis 1559. Die Klosterruine Disibodenberg ist ca. 2,5 ha groß. Hinweis- und Plantafeln geben dem Besucher Aufschluss über die Bauabschnitte. Von zwei Gebäuden stehen noch die hohen Giebel, und die gut sichtbaren Mauerreste erlauben einen Überblick über die einstmals große Klosteranlage.

Literatur[Bearbeiten]

  • Falko Daim und Antje Kluge-Pinsker (Hrsg.): Als Hildegard noch nicht in Bingen war. Der Disibodenberg – Archäologie und Geschichte. Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums und Schnell & Steiner, Mainz/Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2253-0.

Quellen[Bearbeiten]

  • Wolfgang Müller: Nahekunde: Sobernheim und seine Umgebung im Wechsel der Zeiten. Sobernheim a. d. Nahe: H. Schäffling, 1924.
  • Charlotte Kerner: Alle Schönheit des Himmels – Die Lebensgeschichte der Hildegard von Bingen. 1993
  • Eberhard J. Nikitsch: Kloster Disibodenberg. Religiosität, Kunst und Kultur im mittleren Naheland. (Große Kunstführer Bd. 202). Regensburg 1998.
  • Günter Stanzl: Die Klosterruine Disibodenberg. (Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz, Forschungsberichte Band 2). Worms 1992
  • Gabriele Mergenthaler: Die mittelalterliche Baugeschichte des Benediktiner- und Zisterzienserklosters Disibodenberg – Zwischen Tradition und Reform. (Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach, Band 32, zugl. Univ.-Diss. Kaiserslautern, 2002). Bad Kreuznach 2003
  • Günter Stanzl: Klosterruine und Landschaftsgarten – Der Disibodenberg bei Odernheim, in: Baudenkmäler in Rheinland-Pfalz – 2002. Mainz 2003, S. 25 f.
  • Scivias-Stiftung, Odernheim am Glan
  • Klostergut Disibodenberg
  • Privatarchive in Staudernheim

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quelle zur Profess vor Otto von Bamberg